1. Frage:
    Gefragt am: 16.01.2012, 17:58 von
    Schwierige Kinder - und was dann ?
    Ich hatte heute ein interessantes Gespräch im Kollegenkreis über folgendes Thema:
    Probleme mit den Kindern können zu einem Bruch in der Ehe oder Beziehung führen.
    Die Probleme mit dem Kind können sehr verschieden sein. Psychische oder physische Krankheiten, asoziales Verhalten, Drogen- und Suchtverhalten, besondere Pflegebedürfnisse. Das krebskranke Kind, das Kind mit Down-Syndrom, der/die straffällig gewordene Jugendliche, das Kind mit ADHS und so weiter. Alles Fälle, wo die Kinder oder Jugendlichen nicht nur für sich selber ein Problem darstellen können, sondern auch in ihrem familiären und sonstigen sozialen Umfeld so für Stress sorgen, dass die Familie daran zerbricht.
    Ich hätte gerne mal eure Erfahrungen und Berichte zu diesem Thema. Ist die These korrekt? Oder irre ich mich?
    Antworten:
  2. 16.01.2012 18:42
    Am wenn es das Kind von beiden Partnern ist, dann wird das Kind die Familie und das Paar an sich belasten aber solange das Kind noch lebt, wird das nicht der Trennungsgrund sein.

    Hat einer der beiden Partner das Problemkind in die Beziehung gebracht, dann ist eine Trennung sehr wahrscheinlich.

    Also meine Eltern haben sogar zwei der Sachen, die du da oben aufgezählt hast überlebt und sind noch zusammen. Eigentlich sogar drei der aufgezählten Sachen aber das ist ja jetzt egal.

    Ich denke; solange das Paar als solche noch funktioniert und sie sich auch Körperlich nahe sind, ist ein schwieriges Kind kein Grund um sich zutrennen. Es seiden, die Partner sind sich bei der Lösung des Problems total uneinig und sie arbeiten gegeneinander.

    Kinder sind und bleiben immer ein unberechenbarer Faktor, ob eine Beziehung hält oder nicht hält. Wenn keine Kinder da sind, kann das genau der Grund sein, warum ein Paar sich trennt. Also im Prinzip ist es wie das Leben und es gibt nicht nur leichte Seiten im Leben.

  3. 16.01.2012 18:50
    Ich glaube nicht, dass gemeinsame Kinder die Beziehung oder Ehe gefährden können. Bei Kindern die nur einem Partner gehören wird das bestimmt bei schwierigen Zeiten möglich sein. wenn eine Ehe zerbricht weil man sich über die Erziehung nicht einig wird, dann ist nicht das Kind schuld sondern die Eltern die sich nicht einigen können

  4. 16.01.2012 19:23
    Ich denke, dass eine intakte Ehe mit zwei reifen Partnern wohl nicht an Problemen mit dem Nachwuchs zerbrechen würde.

    Wenn es in dieser Beziehung nicht stimmt- der Vater meiner Kinder war damals einfach noch nicht so weit, hatte sich selbst völlig falsch eingeschätzt- und es gibt dann Kinderprobleme, kann das als Katalysator wirken. Er war generell schon überfordert, dann eine erneute Schwierigkeit (davon gab es reichlich, die Große war chronisch krank) und er ist ausgerastet. Dass die Beziehung das nicht unendlich lange aushielt, kann man sich denken.

  5. 16.01.2012 21:27
    Die These, dass Probleme mit den Kindern zu Eheprobleme bis hin zur Trennung führen können, ist zweifelsfrei richtig, denn es gibt ja jede Menge Trennungen und Scheidungen bei behinderten Kindern. Das ist allgemein bekannt.

  6. #5 Gast
    17.01.2012 01:22
    Ich denke, deine These ist nicht von der Hand zu weisen. Eltern die über eine unterschiedliche Problemlösungskompetenz verfügen, könnten damit ihre Ehe verspielen, wenn sie nicht Hand in Hand, in gegenseitiger Übereinstimmung, schwierige Lebenssituationen mit dem Nachwuchs in den Griff bekommen.
    Ich kenne nur eine Ehe aus der Nachbarschaft die gescheitert ist, weil die Eltern den unzeitgemäßen Tod des gemeinsamen Kindes nicht zusammen bewältigen konnten. Ein Jammer für dieses Paar, vor allem für die Mutter, die ihren Bezug zur Realität völlig verlor.

  7. #6 Gast
    17.01.2012 14:34
    Ich habe ein Kind mit Asperger-Autismus, und es hat uns bereits schon ganz früh an den Rand der Verzweiflung gebracht - umso mehr, dass mein Mann (inzwischen auch diagnostiziert) Asperger ist und ich immer dachte, im falschen Film zu sein und über Jahre hinweg an meinem Verstand zweifelte - und an mir selbst ...
    Das (Unwissen, Schwierigkeiten und Zweifel) hat unsere Ehe beinahe restlos ruiniert...
    Kindergartenzeit war eine Katastrophe, mein Junge hat es so unglaublich gehasst, dass wir ihn abmeldeten. Die ersten Schuljahre und dieser Gemeinschaftszwang war ebenfalls ein Schrecken ohne Ende, ich war froh, wenn Ferien waren und dieser ganze Mist außen vor blieb... Erst am Gymnasium blühte unser Kind auf. Lesen konnte er schon mit 3, schreiben mit 4 Jahren. Alles, was bei anderen Familie glatt lief, lief bei uns komplett schief - sodass wir im Umfeld immer "die Freaks" oder "die Abgedrehten" waren... Das tat sehr weh, da uns niemand als Familie so akzeptieren wollte/konnte, wie wie waren und sind...
    Erst jetzt - mit dem Wissen der Thematik und den gestellten Diagnosen und dem entsprechenden Handling - haben sich die Dinge zum Guten gewendet, und die Ehe und die damit verbundene Freundschaft ist umso fester.
    In diesem Land darf man nicht "anders" sein, weil sonst alle anfangen, an einem herumzuerziehen. Erst wenn man jemanden einen ärztlichen Wisch unter die Nase hält, heißt es: "Ach jaaaa"... und alle sind auf einmal nett, freundlich und tun so unglaublich tolerant. Hat ein Kind aber (damals noch keine Diagnose) z.B. innerhalb von einer Woche sein ganzes Mathearbeitsheft durchgerechnet, gab es Sanktionen und Verbote und Ärger. Mit Wisch ist dann "alles in Ordnung"... Es ist nicht einfach mit einem schwierigen Kind - nur mit Zusammenhalt der Familie - der "inneren Familie" - die Verwandtschaft macht einem auch das Leben schwer. Mit meinen Mitmenschen bin ich sozusagen "fertig" - für meine Familie hingegen würde ich alles tun... Uns hat es zusammengeschweißt!

  8. #7 Gast
    18.01.2012 08:51
    Hallo Gast von gestern, 14:34!!!

    Bin zwar Gott sei Dank nicht in der Situation, so ein von dir beschriebenes "Leben" führen zu müssen, doch haben mich deine Worte unheimlich aufgewühlt und deine Familie und du verdienen meine vollste Hochachtung.

    Zitat Zitat von Gast Beitrag anzeigen
    In diesem Land darf man nicht "anders" sein, weil sonst alle anfangen, an einem herumzuerziehen.
    Damit hast du meiner Meinung nach den Nagel voll auf den Kopf getroffen ..... . Auch mir geht es, wenn auch mit einem ganz anders gearteten Problem, so und es stimmt, man darf nicht anders sein.

    Wünsche dir alles Liebe

  9. 18.01.2012 10:19
    Zitat Zitat von Gast Beitrag anzeigen
    Es ist nicht einfach mit einem schwierigen Kind - nur mit Zusammenhalt der Familie - der "inneren Familie" - die Verwandtschaft macht einem auch das Leben schwer. Mit meinen Mitmenschen bin ich sozusagen "fertig" - für meine Familie hingegen würde ich alles tun... Uns hat es zusammengeschweißt!
    Da hast Du leider Recht- mit meiner Großen war es längst nicht so schlimm, aber auch sie entspricht einfach nicht der Norm und es gab Schwierigkeiten ohne Ende.

    Glücklicher Weise hatte ich aber immer persönliche Freunde, die zu mir/uns gehalten haben, die eine Art Ersatz-Familie in der Diaspora bildeten. Den Menschen werde ich immer unendlich dankbar sein und habe mich natürlich auch schon, so oft ich konnte, revanchiert. Sogar meine Tochter, das unmögliche Gör von früher, hat meiner Freundin einmal sehr helfen können in einer Krise mit ihrer mittleren Tochter- manchmal hat es auch seine Vorteile, etwas ungewöhnliche Freunde zu haben.

  10. #9 Gast
    18.01.2012 11:50
    Alles eine Frage wie man mit der Situation umgeht. Die eine Familie zerbricht daran, die andere geht gestärkt aus der Situation hervor. Meine Schwester hat Down Syndrom, und natürlich war es für meine Eltern zu Anfang ein Schock und man musste sich auf die neue Situation einstellen. Es gab Freunde die sich deswegen nicht mehr meldeten, man musste sich über vieles informieren. Aber ich hatte zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, dass es ihre Beziehung zueinander negativ beeinflusste. Die ersten Jahre waren für meine Mutter wirklich sehr anstrengend- und das nicht weil meine Schwester so pflegebedürftig war, sondern weil sie so voller Leben und Energie war, dass meine Mutter den ganzen Tag damit beschäftigt war die Kleine davon abzuhalten irgendetwas auszufressen (sie musste die Kleine immer mit auf Toilette nehmen, 2 Minuten reichten um aus dem Wohnzimmer ein Schlachtfeld zu machen). Aber es gab für meine Eltern keinen Grund sich Gegenseitig Schuld zuzuweisen, die Probleme die aufkamen wurden gemeinsam bewältigt, für Sorgen und Erschöpfung gab es Verständnis vom Partner. Aber meine Eltern sind auch keine Menschen die den Teufel an die Wand malen, ganz im Gegenteil, sie konzentrieren sich auf das Positive und fahren damit seit fast 40 Ehejahren sehr gut.

    Also nein, ich kann deine These nicht unterstützen. Meine Schwester hat weder in der Familie noch in der Beziehung meiner Eltern Schaden angerichtet, ganz im Gegenteil. Sie hat uns viel gelehrt und wärmt uns mit ihrer bedingungslosen Liebe.

  11. #10 Gast
    18.01.2012 14:02
    Es kann eine extreme Belastung sein, wenn einer der Partner zwei oder gar drei verhaltensgestörte Kinder in eine Beziehung mitbringt (und meistens selbst dann auch nicht ganz frei von Auffällligkeiten - "Anders-Sein" - ist). Kann mir gut vorstellen, dass eine Beziehung daran scheitert - das sit ja sozusagen die Potenzierung der leidigen Patchwork-Problematik.

    Umgekehrt bedeutet das: Väter und vor allem Mütter in so einer Situation sind (noch mehr als sowieso schon) gut beraten, ihre Ehe nicht zu riskieren. Was folgt, kann allzu leicht in einem totalen Desaster enden.

    Ich denke, das muss man ganz realistisch sehen. Man ist dann schneller als man denkt alleinerziehend und in einer richtig schwierigen Situation.

    m,48

  12. 21.01.2012 21:03
    Ehe kann auch mit föllig gesunden Kindern in die Brüche gehen. Wenn beide Partner nämlich andere Erziehungsvorstellungen und Arbeitsteilungsvorstellungen hatten...

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