1. Frage:
    Gefragt am: 11.09.2010, 15:35 von Gast
    Sind Akademiker heutzutage auch nicht mehr das, was sie einmal waren?
    Ich (w 39) bin Akademikerin u. vielseitig interessiert. Ich lerne gerne Fremdsprachen, reise um die Welt, interessiere mich für Literatur, Kulturelles, Religionen, Philosophie etc. Auf der Suche nach Gleichgesinnten ist mir in den letzten Jahren verstärkt aufgefallen, dass viele andere Akademiker an nichts Tiefgründigem, Kulturellem, Politischen etc. Interesse haben. Ich ernte mit meinen o.g. Interessen meist Unverständnis. Museum? Das ist doch blöd... Die Männer interessieren sich nur für Fußball u. lesen die Zeitung mit den vier großen Buchstaben, die Frauen lesen seichte Bücher u. gehen ab und zu mal ins Kino. Ich halte mich nicht für was Besseres, ich wundere mich nur. Da wir uns hier als Elite bezeichnen, an alle die Frage, ob sie ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Waren die Akademiker früherer Generationen eurer Meinung nach von einem anderen Schlag?
    Antworten:
  2. #1 Gast
    12.09.2010 08:49
    Wenn ich sehe wie nachfolgende " Eliten" in den Konzernen gleichgeschliffen werden grauts mir vor der Zukunft. Bildung wird sehr einseitig, spezifisch gelehrt und inhaliert. Der Wunsch nach allgemeinem Wissen nimmt stark ab. Amerikanisierung. Sie sehen alle gleich aus, tragen dieselben Sachen, haben gleiche Figuren, dieselbe Gestik ..schlimm.

    Es gibt den Begriff der akademischen Dummheit. Ich glaube es wird Zeit umzudenken, mehr Farbe reinzubringen aus welcher Richtung auch immer.

    Wo steht geschrieben dass Intelligenz, Kreativität, Lebens- und Schaffenskraft an ein Studium an der Uni gekoppelt sind ?

  3. #2 Gast
    12.09.2010 08:55
    Ich denke, dein Grundgedanke, sich als ''Elite'' zu bezeichnen, der ist verkehrt....
    Akademiker früherer Generationen war auch nicht anders, was sich verändert hat, ist die Gesellschaft und die Welt an sich.
    Dreht sich irgendwie alles schneller die letzten Jahre.
    Für viele Dinge bleibt nicht mehr Zeit, das Leben wird komprimierter und natürlich auch oberflächlicher.
    Dann sind in den letzten Jahre auch noch Medien hinzugetreten (PC, Internet etc.), welche es vor Jahren nicht mal ansatzweise gab.

  4. #3 Gast
    12.09.2010 10:24
    Ich habe ein vollständiges Informatikstudium hinter mir und belege gerade ein Zweitstudium BWL. Aus beiden Studiengängen kann ich verbindlich berichten, dass dort _nur_ Informatik bzw. BWL auf dem Programm steht. Weitergehende Themen wie Literatur, Kulturelles, Religionen, Philosophie sind dort nicht enthalten.

    _Nur_ aus der Tatsache, dass jemand ein Studium belegt, kann man demzufolge nicht schließen, er hätte auch anderweitige, "übergreifende" Interessen zur allgemeinen Erweiterung des Horizonts.

    Das ist - nach allem was man hört - tatsächlich anders als in früheren Zeiten. Damals studierte nur eine Minderheit von unter 10% eines Jahrgangs an der Hochschule. Man konnte somit unterstellen, dass jemand, der sich außergewöhnlicher Weise dieser Mühe unterzog, auch sonst allgemeines Interesse an Bildung und Lernen haben musste. Heute peilt man Hochschulquoten jenseits der 50% an, und viele Ausbildungsgänge, die früher nicht mal "Fachhochschule" genannt wurden, werden zu Hochschulausbildungen aufgewertet (z.B. Krankengymnast -> Physiotherapeut).

    Unter diesen Umständen kann man einfach nicht erwarten, dass alle Universitätsabsolventen gleichzeitig allgemeines Interesse am "abstrakten Intellekt" haben müssen.

  5. 12.09.2010 10:28
    Ja, waren sie.. wenn ich mir Geschichten aus dem Umfeld meiner Mutter anhöre dann war das wohl zumindest im Ausland etwas anders. Momentan scheint es auch mit "easy labering" zu gehen.. Witzigerweise findet man in der Punk Szene viele schöngeistig interessierte. Der Akademiker von heute scheint seinen Beruf als einzige Aufgabe gefunden zu haben, gewürzt mit etwas Alltagstrott, et Voilá, fertig ist der Langeweiler..

  6. #5 Gast
    12.09.2010 11:05
    Leider hast Du Recht- mit mehreren Fremdsprachen und einer fundierten Allgemeinbildung fällt man schon "unangenehm" auf heutzutage- dabei macht Wissen Spass!

  7. #6 Gast
    12.09.2010 11:23
    Naiv wie ich bin, hatte ich mir, fast zu Tode gelangweilt von vor sich hintrottenden und -konsumierenden Kollegen, vom späten Studium vor allem Bildung und an Bildung Interessierte, einen lebendigen Lebensabschnitt erwartet. Pustekuchen!

    Am häufigsten zu hörende Frage: "Was muss ich tun, um einen Schein zu bekommen?"

    Und mit den nach dem Minimalprinzip erworbenen Scheinen möglichst schnell das Diplom und damit die Geldscheine und das Carport - und rein in den Trott...

    Angenehmer Nebeneffekt: Wahlangebote, deren Teilnahme nicht mit Scheinen honoriert wurden, wurden nur von wenigen, wirklich interessierten Studenten wahrgenommen.

    Mein Eindruck: An den Unis geht es heute um schnell erworbenes, fix in Geld umzusetzendes Wissen. Mittel zum Zweck also. Die Wirtschaft und die Studies wollen es so. Bildung lässt sich viel besser und angenehmer jenseits dieser Diplomfabriken erwerben. Und zwar weniger von und mit den von Hellekeen so schön gezeichneten "Langeweilern".

    Wissen und Bildung ist ein gravierender Unterschied. Letzteres und ein danach strebendes Interesse sind bei Akademikern oder selbsternannten "Eliten" keienswegs kraft Diplom bzw. Titel vorauszusetzen.

    Herzensbildung schon gar nicht.

    Das war vermutlich früher schon ein wenig anders. Etliche Profs., die z.T. auch die 68er miterlebt hatten, wussten diesbezüglich zu berichten, für sie wäre das Studium früher ein Lebensabschnitt gewesen, dieses wäre nicht nebenbei gelaufen und sie würden die voranschreitende Ökonomisierung mit Grausen wahrnehmen. Nie wären Studenten so willfährig gewesen wie heute.

    Allerdings: Vergessen wir nicht, dass eben diese Profs. kaum ohne Anpassung Profs. geworden wären und ganz angenehm von dem mit Grausen beobachtetem System versorgt werden. Häufig aufgrund des Status attraktive Gefährtinnen aus dem Kreis der Studentenschaft inklusive.

  8. 12.09.2010 11:32
    An anderer Stelle in diesem Forum habe ich die zentrale Situation - von einem Nichtakademiker - sehr treffend beschrieben gefunden und zitire insoweit aus dem Gedächtnis.
    Akademiker haben nachgewiesen, dass sie nicht nur eine Abiturprüfung erfolgreich hinter sich gebracht haben, sondern auch in einem meist sehr eng begrenzten Gebiet vieles an Gedachtem und vor allem Niedergeschriebenem zu Thesen und Antithesen zusammenfassen und in jede Menge Fußnoten einzuarbeiten vermocht haben. Meist ist nicht einmal sichergestellt, dass sie dieses ihr Arbeitsergebnis auf dem Stand der Zeit halten werden.
    Über die Unendlichkeit dessen, was es an Anderem in dieser Welt gibt, fehlt es ihrem Akademikerstatus an jedweder Aussagekraft.
    Das Erscheinungsbild des Universalgelehrten hat sich längst aus den Universitäten fortgeschlichen und ist allenfalls noch in unbegründeter Hochachtung zunehmend weniger werdender Nichtakademiker anzutreffen. Ganz im Gegenteil: Ich kann mir bei den Kollegen aus anderen Fakultäten kaum mehr Ärger einhandeln als mit deren Erkenntnis, dass auch ich einen Bruchteil ihres Fachwissens mein eigen nennen könnte. Im Gegenzug beschäme ich sie mit dem Hinweis, dass ich mich über ihre Teilhabe an meinem Fachwisssen riesig freue, da sie ja andernfalls an jeder Ladenkasse zum Scheitern verurteilt wären.
    Mein Ratschlag: Versammele Menschen um dich, die mit deinen Interessen etwas anfangen können und mögen. Verbanne die Frage der Zugehörigkeit zum ,,Akademikerstand" zumindest in Reihe zwei.

  9. 12.09.2010 12:41
    Ich stimme den bisherigen Beiträgen vollkommen zu.
    Ein Uniabschluss bedeutet vor allem bei jüngeren Leuten heutzutage lediglich, dass sie ein Mindestmass an Disziplin zum braven Lernen aufgebracht haben.
    Das Abi wird mittlerweile fast verschenkt, und selbst einen Dr-Titel kann man mit ausreichend Fleiss trotz fehlendem wissenschaftlichen Interesse bekommen.
    Mit dem Bachelor wurde die Studiengänge so sehr verschult, dass den Studenten kaum noch Zeit bleibt, sich ausserhalb ihres Faches weiterzubilden.
    Ein Uniabschluss ist also mittlerweile Mindestvoraussetzung aber keineswegs eine Garantie, einen intellektuellen, neugierigen, offenen, gebildeten oder geistig vielseitigen Menschen anzutreffen.

  10. #9 Gast
    12.09.2010 13:43
    An FS

    Grundsätzlich glaube ich das du ELITE falsch interpretierst !!!

    Du gehörst nicht zur ELITE DEUTSCHLANDS nur weil du hier angemeldet bist sondern bei Elite suchen Menschen einen Partner mit Niveau. Das unterscheidet das Portal von anderen und nicht weil hier "die" ELITE einen Partner sucht. Ganz schön anmaßend sich zur Elite zu zählen nur weil man Akademiker ist.

  11. #10
    12.09.2010 14:08
    @#9: Der Fragestellerin vermeintlich falsches Denken vorzuwerfen, halte ich für zu billig. Als sehr viel erfolgreicher schätze ich ihre Wegbegleitung hin zu ihr nützlichen Erkenntnissen ein, wie sie andere Beiträge wohl zu leisten vermögen.
    Ich finde die Fragestellerin keineswegs anmaßend und ihre Fragestellung schon gar nicht.
    Elitärer Nichtakademiker-Frust ist meiner Erfahrung nach anderweitig besser abbaubar.

  12. #11 Gast
    12.09.2010 15:02
    Bin auch Akademiker, bin auch ehrlich gesagt lieber beruflich unter Leuten mit Hochschulabschluss (in Freizeit aber auch mit Anderen ohne Hochschulabschluss, weil viele sich auch erst im Laufe der Zeit sich entwicken, auch Hauptschulabschliesser oder Realschulabschliesser), aber ich interessiere mich auch nicht unbedingt für Politisches, Kulturelles, ich lese auch gerne Zeitungen, wo einfach Fakten in Form von Diagrammen oder meinetwegen auch die Bild, drin ist, dass gleichzusetzen mit "Akademiker sind nicht mehr das von früher" halte ich falsch.
    Ingenieure lesen sich nunmal nicht prosa durch, da tut es auch mal ne bildzeitung, und wenn dann nackte Frauen abgebildet sind, warum nicht, wir leben ja nicht im prüden Amerika.

  13. #12
    12.09.2010 15:04
    Ich würde sagen außerkommerzielle Bildung und Interesse wird selten honoriert, insbesondere beim Großteil der daraufhin angestrebten Angestellten. Wir steuern immer mehr daraufhin das zu tun, wofür wir belohnt werden. Habe einen guten Abschluss und du kriegst den Job. Sei Fan eines Fußballclubs und du bist Teil einer Gemeinschaft.

    Auf Philosophie und Museen trifft das nicht zu. Es gibt dort nicht konkrete Gruppen, Vereine, Belohnungen. Das gehört entweder zur Selbstfindung, Selbstverwirklichung oder Freiheit, die insbesondere die Carportbesitzer meiner Vorredner so nicht haben.

    Die Dinge müssen auf Anhieb einen Nutzen haben. Das ist auch bei "dieser Elite" hier nicht anders. Gefällt das Profil nicht auf den ersten Blick, ergo steckt für einen selbst kein eigener offensichtlich greifbarer Nutzen dahinter, wird das Profil gelöscht. Wir leben in einer Welt/Land die nach Gewinn-/Nutzen-Maximierung strebt, in allen Lebenslagen. Schade eigentlich.

  14. #13 Gast
    12.09.2010 18:28
    Ich finde, dass Schwarzmalerei generell fatal ist. Es gibt unterschiede zwischen Akademiker, es gibt Akadeniker in Führungspositionen, die sich in schwierigen Zeiten gegenüber der Konkurrenz behaupten müssen, als ein banales Beispiel. ( Hier bleibt für den Akademiker wenig Zeit für anderes gerade, wenn seine Arbeiter nicht ordentlich arbeiten und es zu Reklamation der Waren von Großkunden kommt oder dergleichen. Mit hundert Gedanken, wie sein Unternehmen am Besten voreinschreitet - können sich diese nicht unbedingt mit x- anderen Dingen beschäftigen. So manche Männer identifizieren sich nun mal mit dem Job. Wenn er einen stressigen Tag hinter sich hatte, möchte dieser Mann nicht unbedingt den Zweiten Teil von Faust besprechen

    Man sollte nicht unbedingt die Akademiker dafür verantwortlich machen, dass sie weniger Interesse an anderen Dingen haben ( wie Philosophie, Religionen, Musik, Kunst etc.)
    Sondern die Institutionen. In so manchen Ländern gibt es interdiszipline Studiengänge, in Schulen wird interdisziplines Denken gefördert- in so manchen Bundesländern in Deutschland ist diese Art der Bildung leider noch nicht angekommen. Zu Philosophie und Religionen:
    Eine bestimmte zeitlang erlebte die Philosophie ihre Ohnmacht, weil sie sich strikt verweigerte die Neurowissenschaften mit in ihr Programm aufzunahmen. Jetzt versucht sie dies wiedergut zu machen. Endlich haben die Philosophen den Wandel berücksichtigt. Jedoch die Religionen nicht. Alle Wissenschaften haben sich erweitert, deswegen kann es für manche schwer fallen in der freien Marktwirtschaft, in der man sich heutzutage für seinen JOb hin und wieder behaupten muss, es sei den man ist Beamter, sich vielseitig zu interessieren und immer auf den neuen Stand der Dinge zu sein.

    Man muss auch sagen, dass so manche Schwierigkeiten damit haben, in ihrem Fachbereich auf den Stand der Dinge zu sein. Die Technik verändert sich fortlaufend.

    und so gibt es weitere x- Gründe, weshalb ein Mensch sich lediglich für wenige Dinge interessiert

  15. #14 Gast
    12.09.2010 19:22
    Es gibt so einen allgemeinen Studiengang, der nennt sich Kulturwirt. Einer meiner Freunde hat ihn in Passau studiert und von daher habe ich auch einige Leute kennengelernt, die das studiert haben. Ein Kulturwirt sollte an alle diese Dinge interessiert sein. Vorgefunden habe ich aber meist nur reiche Töchter aus sehr gutem Hause, die das halt mal studieren. Der Studiengang ist für das spätere Berufsleben sehr schwierig, obwohl er dafür konzipert worden ist, bessere und vielseitigere sowie gebildetere Manager zu "erzeugen". Nunja, meinem Freund hat das nicht sehr geholfen. Er konnte was mit den Sprachen machen, ansonsten hat sich nicht viel ergeben.

    Ich denke, wenn Du Menschen suchst, die eine gute Allgemeinbildung besitzen, wirst Du nicht nur unter Akademikern suchen müssen. Diese Leute sind sehr dünn gesäht und man muss über den Tellerrand rausschauen. Den klassischen Universalgelehrten gibts eh schon lange nicht mehr. Wie auch, wenn sich dass Wissen exponential vermehrt? Das kann keiner mehr liefern und ich persönlich suche nicht danach.

    Ich interessiere mich auch für viele Gebiete und suche mir für die Themen, die mich interessieren, Gleichgesinnte. Ich wünschte mir, es hätte vor 20 - 30 Jahren die technischen Mittel von heute gegeben. Das klappt heute sehr gut, wenn man sich mit Internet und den einzelnen Portalen auseinandersetzt. Man muss sich dann natürlich auch die Mühe machen, aus der "virtuellen" Falle herauszukommen und die Leute persönlich kennenlernen.

    Andererseits glaube ich, dass Du ein bisschen zu hart mit deinem Umfeld umgehst. Natürlich gibt es die Zeitgenossen, die nur Fussball, Bild oder Schuhe im Kopf haben. Die muß es auch geben. Aber was solls, Du kannst dir deinen Umgang aussuchen und bist nicht gezwungen, mit jemanden befreundet zu sein, der dich langweilt. Und neben den langjährigen Freunden, die Du hoffentlich hast, ist es doch spannend, neue interessante Mitmenschen zu finden und kennen zu lernen. Darauf kann man viel Zeit verwenden. Und jeder Mensch kann oder weiß etwas besser als ich, sogar der Dorfdepp.

  16. #15 Gast
    12.09.2010 19:40
    da du ja ganz offensichtlich sehr gebildet bist, empfehle ich dir einige Lektüren zur Zeichentheorie, der späte wittgenstein hilft auch schon, die bedeutung eines wortes ist sein gebrauch in der sprache

    also vorsicht mit der eliteeuphorie, die anmeldung hier, sagt darüber wohl kaum etwas aus.
    hätte gar nicht gedacht, dass solche vorstellungen hier rumgeistern

    p.s. da ich hier auch schon oft klagen über rechtschreibung gehört habe, ich muss den ganzen tag richtig schreiben, da erlaube ich mir hier einige unsauberkeiten, entschuldigt bitte ;-))

  17. #16 Gast
    12.09.2010 19:54
    Was heißt schon Akademiker? Das was du hier beschreibst, hat doch nichts mit Akademiker zu tun!! Dasselbe ist mit dem Namen Elite ebenso gemeint!

  18. #17 Gast
    12.09.2010 20:00
    @#15 Der frühe Saussure liegt mir persönlich noch deutlich näher als der späte Wittgenstein. Noch viel lieber allerdings zitiere ich aus der deutschen Übersetzung des Films: ,,Der Club der toten Dichter". Demnach ist Sprache vor allem dazu dienlich, Damen zu betören.

  19. #18 Gast
    12.09.2010 20:39
    Es gibt heute genauso wie früher vielseitig Interessierte und wengier Interessierte - sowohl Akademiker als auch Nicht-Akademiker. Wissen und Allgemeinbildung sowie breite Interessen sind nicht nur Akademikern vorbehalten! Wie du selber richtig bemerkst, gibt es viele Hochschulabsolventen mit total trivialen Interessen und Werten. Aber umgekehrt gibt es durchaus Menschen mit breiten Interessensgebieten, die nie an der Uni waren.

    Was du allerdings falsch interpretierst, ist der nicht ganz glücklich gewählte Namen dieses Website - nämlich Elite Partner. Hier trifft sich keineswegs irgendeine Elite. Diese Plattform unterscheidet sich von ähnlichen Plattformen lediglich darin, dass die meisten Personen einen festen Partner suchen und nicht nur eine Affäre. Und viele hier haben einen vernünftigen Bildungsstand, so dass sich hier wenigstens ein gewisses Niveau herausgebildet hat im Gegensatz zu vielen Konkurrenzseiten. Aber mehr ist das dann auch nicht.

  20. #19 Gast
    19.09.2010 11:17
    (w/48)
    Die Akademiker früherer Generationen haben ihr Abitur u.a. mit Fächern wie "Altgriechisch" und "Latein" gemacht; alleine in diesem einen Punkt sehe ich schon einen gewaltigen Unterschied.

  21. #20 Gast
    26.11.2010 09:40
    Liebe FS,
    seit wann sind für den Museumsbesuch und Konzertbesuch nur Akademiker oder Abiturienten zugelassen? Wenn Du Menschen treffen willst, die Interesse an Kultur haben, geh doch einfach zu Veranstaltungen im Rahmen einer Matinee oder trete einem Förderkreis bei.

    Ich kenne genug Menschen, die aufgrund verschiedener Lebensumstände kein Abitur machen konnten / durften und erst recht nicht studiert haben.
    Intelligenz ist nicht nur an Universitäten zu finden und Kultur ebensowenig.
    Manche Menschen schaffen es auch ohne Intelligenz an die Uni. Es kommt manchmal auf Papis Geldbeutel an, ob die weniger Intelligenten ein Diplom oder einen Doktortitel haben.
    Mal ganz aussen vor gelassen dann noch die emotionale Intelligenz und Empathie.

    Man kann Interesse an Kultur nicht lernen. Entweder es wird schon im Elternhaus geweckt oder von Freunden. Wenn Leute nur an Geld und Status interessiert sind, erreichen sie das am besten, indem sie BWL studieren. Wer dagegen Sprachen und Kunstgeschichte studiert hat, hat keine Garantie für gutes Einkommen.
    Am besten formulierst Du Deine Interessen und suchst die Kandidaten danach aus, ob sie sie teilen.
    Alles Gute

  22. #21
    26.11.2010 20:45
    Eine wirkliche Elite im humanistischen Sinne gibt es in Deutschland schon lange nicht mehr. Dafür ist das Bildungssystem schlicht zu ungeeignet.
    .
    In den geisteswissenschaftlichen Disziplinen kann man solche Exemplare schon eher finden, wenn man schon darauf Wert legt, daß es unbedingt ein Akademiker sein müsse.
    .
    Ich interessiere mich für philsophische und gesellschaftskritische Fragen, obwohl ich vom Hause aus dem Informatik-Bereich stamme.
    .
    Es liegt an jedem selbst, welche Bereiche er aus reinem Interesse erschließen möchte.

  23. #22
    26.11.2010 22:58
    Ich bins nochmal.
    .
    Ich habe mir diesem Thread <MOD> jetzt mal in Ruhe durchgelesen.
    .
    Ich glaube, daß man, was fundiertes Allgemeinwissen betrifft, an Akademiker nicht zu hohe Anforderungen stellen. Das ist zunächstmal weniger den Akademikern anzulasten, sondern der Ausbildung und begrenzten Zeit für anderweitige geistige Tätigkeiten. Nicht jeder hat noch Lust, neben seiner eh schon fordernden Tätigkeit sich noch mit kulturellen oder gesellschaftlichen Fragen beschäftigen.
    .
    Ich hatte in diesem Zusammenhang mit meiner damaligen Freundin eine sehr deprimierende Erfahrung gemacht, die dann der Anfang vom Ende war.
    .
    In der ersten Zeit war meine berufliche Ausbildung an sich uninteressant. Wir unterhielten uns auf hohem Niveau über medizinische Fragen und was weiß ich alles noch. Sie war jedesmal "baff" über mein geballtes Wissen, wo in einigen Disziplinen kein Arzt mithalten konnte. Ihre Frage war regelmäßig: "Du hast immer recht. Vorher weißt Du das bloß alles?"
    .
    Da ich mich auch im Mental-Coaching, Personal-Coaching und Psychotherapie gut auskannte und ihr das half, war sie natürlich ebenso davon beeindruckt.
    .
    Als ich ihr dann erklärte, daß ich das auch ehrenamtlich mache (Selbsthilfegruooenengagement) warf sie mir am Kopf: "Du hast ja keine Ahnung. Du hast NICHT STUDIERT!"
    .
    Ich war darüber sowas von verärgert, gerade wo sie am meisten davon profitierte, zumal die sogenannten Akademiker, die es eigentlich besser wissen sollten, ihr ja nicht helfen konnten. Das ging sogar soweit, daß ich ihr Methoden empfahl, ihre nicht unerheblichen Menstruationsbeschwerden im Griff zu bekommen, die vorher kein Arzt im Griff bekam.
    .
    Später wollte sie keinen Rat mehr annehmen, da ich ja NICHT STUDIERT habe.
    .
    Auf die Idee, daß es Leute gibt, die so vielseitig interessiert sein könnten, daß sie in einigen Bereichen mehr wissen als so mancher Spezialist, ist sie nicht gekommen. Das war ihr zu absurd. Das überbot wohl die Vorstellungskraft einer Promovierten.
    .
    Muß man denn studiert haben und irgendwelche Papiere vorweisen, um als umfassend gebildet zu gelten?

  24. #23
    27.11.2010 08:50
    @#22
    dein "problem" kenne ich auch, allerdingst nicht mit den folgen.
    auch ich hatte schon eine diskussion mit einer befreundeten ärztin, bei der ich über das medizinische thema mehr wusste, als sie selbst.
    sie hat das allerdingst ohne probleme akzeptiert, wie sie meinte, wurde dieses thema während des studiums quasi nur am rande behandelt.
    ich hatte mich damit, aufgrund meines interesses daran eben mehr mit beschäftigt, als sie während ihres studiums und sie hatte keine probleme damit, sich von einem nichtakademiker "belehren" zu lassen.

    es ist meiner meinung nach auch geistig etwas beschränkt, zu glauben, nur weil man studiert hat, die weisheit mit löffeln gegessen zu haben...,

  25. #24 Gast
    27.11.2010 10:06
    Liebe FS, ich denke, Du wertest einseitig und schränkst zu sehr ein, indem Du nur Deine ganz persönlichen Interessensgebiete (Reisen, Fremdsprachen, Politik, Literatur, Kulturelles, Religionen, Philosophie) als Zeichen "wahrer akademischer Bildung" nennst. Dadurch, dass viele Akademiker sich für diese Gebiete wohl nicht in dem Maß interessieren, wie Du es tust, kommst Du zu falschen Schlüssen.

    Genauso könnte ich behaupten, nur wer sich (wie ich) für eine Kombination aus naturwissenschaftlichem Wissen, mathematischen Problemstellungen, Botanik und Ägyptologie (jeweils mit Studium entsprechender Literatur) interessiert und dazu soziales Engagement zeigt, ist ein "wahrer Akademiker alten Schlages".

    Deine Sicht der Dinge ist mir daher zu einseitig. Nicht jeder interessiert sich für Kunst und Kultur. Viele besuchen m.E. Kunstausstellungen oder "klassische" Museen nicht aus wirklichem eigenem Interesse an der Sache, sondern gerade weil sie sich damit dem Umfeld den Anstrich des "kulturell interessierten Akademikers" vermitteln wollen.

    Auch sehen und bezeichnen sich hier wohl die Wenigsten als "Elite", nur weil diese Partner sich den Markennamen "Elitepartner" auserkoren hat.

    w, 49, Ärztin

  26. #25 Gast
    27.11.2010 12:20
    @23
    Deine Verärgerung ist nachvollziehbar, jedoch würde ich im speziellen Fall der Ärzte mehr Nachsicht üben. Nicht nur sind sie es gewohnt, dass ihr Arbeitsgebiet ganz besonders gesetzlich geschützt ist, es geht immerhin auch eine nicht unerhebliche Verantwortung damit einher. Fehler können ziemlich unmittelbar zum Tod eines Menschen führen. Dass sich da eine verstärkte Tendenz zum manchmal auch ungerechtfertigten Ausschluss unterschiedslos aller Laien entwickelt kann ich verstehen.
    Ich vergleiche das mal mit Ingenieuren (wie ich einer bin):
    - Fehler in der Arbeit führen normalerweise nicht direkt zum Tod, da potenziell gefährliche Produkte üblicherweise mehrfach redundant ausgelegt werden - zumindest falls das Controlling das zulässt.
    - Wenn ein Fachfremder die selbe Arbeit leisten kann, dann wird er von keinem Gesetz daran gehindert. Diese "Konkurrenz" ist alltäglich und vollkommen akzeptiert. Darum speist sich die Anerkennung der Kollegen auch mehr aus fachlichen Erfolgen als aus formaler Titelbetrachtung.
    - Wir sind es auch gewohnt, dass täglich technische Legastheniker aus betriebswirtschaftlichen Berufen sich bis in Details in unsere Arbeit einmischen. Nicht nur dass wir es dulden müssen, mir müssen diese Schnapsidden in der Regel sogar irgendwie funktionierend machen und stellen dabei gelegentlich verwundert fest, dass auch diese blinden Hühner in seltenen Fällen ein übersehenes Korn gefunden haben.

    @FS
    Humanistische Bildung im besten Sinne der umfassenden Bildung wirst Du seit spätestens Goethes Zeiten vergeblich suchen. Das Wissen der Menschheit ist schlicht zu gross.
    Die Meinung, Bildung würde vor allem in der Geisteswissenschaft liegen, war schon damals falsch. Goethe hat sich beispielsweise mit seiner Farbenlehre erfolgreich auf physikalischen Gebiet getummelt. In welchem Germanistikstudium findet sich denn heute eine Physik-Grundlagenvorlesung?

  27. #26
    30.11.2010 08:58
    Oh, vielen Dank für diesen Thread, liebe Fragestellerin. Du sprichst mir (m, 28, Dipl.-Ing.) aus dem Herzen. Genauso erlebe ich es auch. Männer interessieren sich für Autos und Fußball und Frauen lesen schmerzlose Bücher. Ich interessiere mich auch für Fußball, aber auch sehr für Philosophie, weil Bücher müssen mich fordern. Ich interessiere mich sehr für Geschichte, weil ich wissen möchte, warum wir so geworden sind. Ich interessiere mich sehr für Ökonomie, weil ich die Grundlagen unseres Wohlstands und die Armut so vieler anderer verstehen möchte. Und ich werde immer wieder gefragt (meistens leider von Frauen), warum ich keinen Fernseher habe.

    Und dennoch lässt mir mein Beruf nicht viel Zeit dafür, auch habe ich eine Freundin und mache gern Sport. Trotzdem schaffe ich es, mich für solche Dinge zu begeistern. Somit ist mangelnde Zeit keine glaubwürdige Ausrede.

    Zusammenfassend gesagt: Nein, Akademiker sind nicht mehr das, was sie mal waren (wenn sie das jemals waren) und du, liebe FS, darfst dich denen gegenüber ruhig als was besseres fühlen (zeige es nur nicht so offensiv).

  28. #27
    30.11.2010 09:59
    tja, was waren Akedemiker einmal?

    zumindest im Drttten Reich waren sie größtenteils Steigbügelhalter des Regimes. So gesehen wäre es zu begrüßen, wenn sie nicht mehr so wären, wie sie waren.

  29. #28 Gast
    30.11.2010 10:26
    Ich kenne viele sehr umfassend gebildete Menschen, die nicht an der Uni oder FH waren. Insofern, wer nur bei Akademikern Bildung erwartet, hat wirklich einen sehr engen Horizont.

  30. 30.11.2010 10:59
    Oha, ein U-Boot Thread, der immer wieder mal auftaucht..

    Prinzipiell wird hierzulande der "Key process experts" ausgebildet, das klingt auch viel schöner als "Fachidiot", die lassen sich wesentlich gefahrloser von Führungskräften einsetzen und schielen nicht nach deren Positionen da sie ja keine Manger sind.. und deswegen ja auch nicht deren Job wegnehmen können..

    Blöderweise können sich 2 Fachidioten dann auch nicht verständigen weil keiner die Sprache des anderen kann..

    Ein Großteil meiner täglichen Arbeit ist Übersetzung Fach1chinesisch zu Fach2chinesisch und moderation zwischen Bereichen..

    Der Universalist ist definitv unerwünscht..