1. Frage:
    Gefragt am: 12.01.2010, 15:42 von Gast
    Wann kann man eine Beziehung zu einem neuen Partner nach dem Tod des eigenen aufnehmen?
    Meine Frau ist vor 4 Monaten verstorben. Wann kann oder darf man eine neue Beziehung eingehen. Es gab zu lebzeiten meiner Frau keinerlei Kontakt zu einem anderen Partner, aber jetzt habe ich jemand kennengelernt.
    Antworten:
  2. #1 Gast
    12.01.2010 16:53
    Natürlich darf man das! Wenn man allerdings so kurz erst verwitwet ist, glaube ich nicht, dass die Trauerphase schon abgeschlossen ist. Vielleicht ist deine neue Bekanntschaft ja so verständnisvoll, so dass du mit ihr diese Zeit verarbeiten kannst.
    Ich traf mich vor einiger Zeit mit einem verwitweten, deren Frau auch erst kürzlich verstorben war, alle Gespräche drehten sich nur um seine Frau. Er war mit Sicherheit nicht frei im Kopf, wie sollte man das auch nach so kurzer Zeit, doch was ich noch schlimmer fand, er trug immer noch seinen Ehering!
    Meine Meinung ist es, erst mal mit sich selber ins Reine kommen, dann ergibt sich vielleicht auch wieder ein neues Glück!

  3. #2 Gast
    12.01.2010 16:55
    Ja und, dann genieß es und gut ists! Freu dich daran, denn dein Leben geht nunmal weiter! Dieses "wann darf man" ist ziemlich konservativ und wenn es danach geht, müsstest du wohl ein Jahr Trauer mit Leidensmiene absolvieren. Und wer bitteschön ist "man"? Lass die Leute reden... und genieß dein neues Glück und dein neues Lebensgefühl. Wenn es für dich ok ist, sollten die anderen lieber mal vor ihrer eigenen Haustür kehren! Viel Glück!

  4. #3 Gast
    12.01.2010 17:17
    Wenn du bereit für eine neue Beziehung bist, dann solltest du es versuchen. Es gibt niemanden, der dir vorschr4eibst, ab wann du einen neuen Partner haben dürftest. Ich würde an deiner Stelle nur Rücksicht auf evtl. noch zu betreuende Kinder nehmen.

  5. #4 Gast
    12.01.2010 17:17
    Wenn du magst, lies das (dünne und leicht verständliche) Buch von Petra Biehler "Mit Buddha die Trennung meistern". Dem Buch beigelegt ist eine CD mit guten Übungen. Die Lektüre wird dir etliches bewusst machen und bei der Trennungsverarbeitung behilflich sein, damit du wirklich frei wirst für eine neue Beziehung.

    Viel Glück
    Marlene, 56

  6. #5 Gast
    12.01.2010 18:16
    ich bin der ansicht, dass es dafür keine "übliche" oder "moralische" frist gibt, d.h. können und dürfen spielen keine rolle. es muss für dich selbst ok sein! und schließlich lernt man nicht oft jemand neues kennen... kairos nannten die alten griechen den (seltenen) moment, die flüchtige gelegenheit, die man beim schopfe packen muss... also: schau nicht auf das, was sich angeblich geziemt, sondern in dein herz,

    gruß M (m.)

  7. #6 Gast
    12.01.2010 18:29
    Lieber Fragesteller!

    Erst einmal meine aufrichtige Anteilnahme zum Tod Deiner Frau.

    Ich denke, da kann man keine allgemein gültigen Regeln aufstellen. Wenn Du mit dem Tod Deiner Frau im reinen bist, kannst Du doch offen für alles sein. Da ist es doch schön, wenn Du jetzt jemanden kennen gelernt hast. Du bist ja derjenige, der hier unten weiter klarkommen muß.

    Also, ich möchte Dir Mut machen.

    Ich wünsche Dir alles, alles Gute.

    die kleine Kaktee

  8. #7 Gast
    12.01.2010 19:27
    Außenstehende können schwerlich beurteilen, wie einsam ein Mensch nach dem Tod seines langjährigen Partners ist. Es bieten zwar alle ihren Beistand an (im Wort Ratschlag steckt Schlag), doch letztendlich sind der Witwer oder die Witwe allein. Und um ihm sind die Sachen des Verstorbenen, und bei jedem Knistern der Dielen ist das Gefühl, als stünde der Verstorbene nahe. Es hat keiner das Recht zu sagen, wie kurze oder lange Zeit man trauern muss. Mein Partner ist vor zehn Monaten plötzlich gestorben. Mir fällt es nicht schwer, mit einem anderen Mann zu reden - aber sehr schwer, mich von einem anderen berühren zu lassen. Es würde schon der Geduld bedürfen, ohne dass ich ständig von meinem verstorbenen Partner reden oder Vergleiche ziehen wollte. Ich würde gern mit einem Witwer zusammenkommen, weil er mich versteht - und ich ihn und seine Trauer verstehe. 7E1FB12A

  9. 12.01.2010 22:46
    Lieber Fragesteller!

    Ich weiß es nicht, ob meine Vorredner/innen so eine Situation durchgemacht haben?....(außer #7)
    Ich leider schon...Ich weiß, der Verlust des Partners trifft nicht jeden gleich.
    Wir wissen zu wenig über die Umstände, ob Du Dich von ihr WIRKLICH verabschieden hast können. Und auch nicht wie alt Du bist und wie lange ihr verheiratet wart.
    Wenn ein Partner nach einer sehr schweren Krankheit gegangen ist, hatte man vielleicht die Möglichkeit sich zu verabschieden und erlebte man den Tod als eine Erlösung für den Verstorbenen. Stirbt der Partner plötzlich, dauert die Ohmacht und der Trauer viel länger….
    Ich denke darüber nach…. 4 Monate sind nicht so lange Zeit….und ich weiß, keine hat das Recht Dir Ratschläge zu geben....
    Begräbnis, amtliche Erledigungen, verlangen ihre Zeit. Das ist noch nicht so lange her.
    Und auf einmal ist man Zuhause alleine.
    Ich kenne auch dieses Gefühl. Plötzlich bekommt man das Gefühl, dass man alleine geblieben ist.
    Es ist schön, dass Du jemanden kennen gelernt hast. Aber bist Du schon bereit; ist dein Herz bereit sich für die neue Bekanntschaft zu öffnen? Du bist auch für sie verantwortlich. Du kannst ihr nach einem Monat nicht sagen, ich kann doch nicht….

    Lerne Sie langsam kennen und spreche mit ihr offen über das Thema, wenn sie Fragen stellt.
    Aber sie braucht Dich ganz und nicht nur halb.

    Ich wünsche Dir viel Liebe und Geduld!

    Popcorn

  10. 12.01.2010 23:52
    Lieber Fragesteller!

    1. Man ist nur dann bereit für einen neuen Partner, wenn man die Trauer vollständig überwunden hat und mit guten Erinnenrungen, aber ohne furchtbare Traurigkeit an den Verstorbenen zurückdenken kann. Diese Trauerarbeit dauert individuell verschieden lange.

    2. Ein guter Anhaltspunkt, der sich allgemein bewährt hat, ist das sogenannte "Trauerjahr". nach einem Jahr hat man jedes Fest, jeden Geburtstag, jede sich jährlich wiederholende Erinnerung an den Verstorbenen einmal durch. Der erste Geburstag ohne ihn, der erste Strebetag ohne ihn, das erste Weihnachten ohne ihn. Solche Feste können für eine neue Beziehung extrem belastend sein, wenn man dann überwiegend von Schmerz und Trauer gezeichnet ist und mehr an den Verstorbenen als an den neuen Partner denken kann.

    Das ist auch sehr unfair und unzumutbar für den neuen Partner. Also versuche in Dich zu gehen und zu prüfen, ob Du wirklich so früh für einen neuen Partner bereit bist. Jeder Mensch sollte Dir zu schade dazu sein, ihn als Lückenbüßer, Übergangstrost zu missbrauchen. Und so enden leider viele Partner, die sich nach zu kurzer Trauerzeit auf einen Witwer einlassen.

    Mein Rat: Warte lieber ab, halte es platonisch und überwinde die Trauer, bevor Du einen anderen Menschen gefährdest, ganz erheblich enttäuscht zu werden.

  11. #10 Gast
    13.01.2010 03:00
    Also hier werden einseitige Ratschläge verabreicht...kein Mensch...ob jung...alt...witwe...krank... gesund...hübsch...weniger attraktiv...Frau...Mann...kann garantieren...inwieweit ein neuer Kontakt erfolgsversprechend ist...hier einem Witwer drückt man moralische Dinge auf...die nicht in Ordnung sind...wie z.B. du kannst ihr nach einem Monat nicht sagen, ich kann doch nicht...oder
    du bist auch für sie verantwortlich...oder bist du schon bereit; ist dein Herz bereit sich für die neue Bekanntschaft zu öffnen...wie ist das im Leben...ohne dass man Witwer ist...???...lass dich als Fragesteller nicht auf diese Argumente ein...höre auf dein Herz...auf deine innere Stimme...

  12. #11 Gast
    13.01.2010 06:38
    Lieber Fragesteller!
    Deine Frage lautet "darf" ich....
    Du DARFST alles-und die verschiedensten Ansichten von Moral ist so verschieden, wie die Menschen selbst...und Du solltest in Dich selbst und in Dein Herz hören!!
    Keiner nimmt Dir das ab, egal, welche Moral er Dir vorher gepredigt hat- wer muß denn mit Gefühlchaos leben??Ausschließlich DU!
    Also, Kopf hoch, Herz raus und darauf hören-egal, in welche Richtung es Dich leitet!!
    Alles, alles Liebe für Dich!

  13. #12 Gast
    13.01.2010 09:20
    Noch viel schlimmer als die eigene Trauer ist die "Pflicht zur Trauer" die einem von außenstehenden aufgetragen wird. Woher sollen die wissen, was wirklich in einem Menschen vorgeht, wenn sie soetwas noch gar nicht mitgemacht haben.
    Wann, wo und vor allem wie lange Du trauerst, bestimmst einzig und alleine DU SELBST!
    Lass Dich nicht von antiquierten Moralvorstellungen ein mögliches neues Glück vermasseln!

  14. 13.01.2010 10:14
    @#12: Erstaunlicherweise war hier gar nicht von Moralvorstellungen die Rede. Das ist einfach nur ein plattes Wegwischen von absolut sinnvollen Argumenten, die von FAIRNESS, mit CHANCEN, mit GLÜCK in der Partnerschaft sprachen.

    Mit Moral hat das Thema heutzutage gar nicht mehr soviel zu tun -- schon deswegen, weil sich heutzutage jeder anmaßt, seine Privatmoral zu haben.

    Bei diesem Thema geht es darum, ob eine von Trauerarbeit belastete neue Partnerschaft für den Trauernden wirklich zukunftsträchtig (und nicht nur eine Übergangslösung) ist, und es geht eben auch darum, ob es fair und zumutbar ist, einem neuen Partner eine solche Situation aufzubürden. Ich bin sicher, dass beides nicht erfüllt ist. Man kann sich einem neuen Partner nur dann wirklich öffnen und hingeben und all das Schöne einer frischen Beziehung genießen, wenn die Altlasten, in diesem Falle die Trauerarbeit, erledigt ist.

    Also: Lesen, denken, dann schreiben. Nicht einfach fremde Argumente mit Plattitüden wie "Moral ist veraltet" wegwischen. Das ist nämlich unmoralisch. Aber das wiederum spielt für Dich wahrscheinlich keine Rolle. Anstand ist selten geworden. Selbst bei Diskussionen um Trauerfälle. Ich schüttel mal traurig meinen Kopf über so wenig Empathie.

  15. #14 Gast
    13.01.2010 10:31
    An: #10

    Lieber #10!
    Erstens werden hier nicht einseitige Ratschläge verabreicht, sondern, wenn Du lesen kannst(?) verschiedene Meinungen veröffentlicht!
    Bei meinen Beitrag ging es nicht um theoretischen Moralpredigen, sondern um erlebten Erfahrungen!

    Sag mal bist Du auch schon Witwe/r? Hast Du es erlebt? Hast Du es durchgemacht?
    Du bist in Ohnmacht! Es sind Schmerzen da, Du musst ein Begräbnis organisieren, all die Amtswege, Notar, Versicherungen, Banken...
    Seine Sachen sind allgegenwärtig,es kommt jeden Tag Post für ihn, Du "siehst" ihn, Du "riechst" ihn noch sehr lange! Du glaubst auf einmal, er ist hier....
    Abschließen dauert eine Weile....

    Dein Argument: " wie ist das im Leben...ohne dass man Witwer ist...???..." lasse ich auf gar keinen Fall gelten!
    Einen anderen Partner, von dem Du Dich getrennt hast, kannst Du später noch sehen, treffen!
    Den Partner, der verstorben ist NIE MEHR! Und das zu verarbeiten dauert lang!!!

    Ich möchte niemanden was "aufdrücken" !
    Hier wird unsere Meinung gefragt, und das war meine!
    Du bist der/diejenige, der/die mir den Moralprediger "aufdrücken" will!
    Denk mal darüber nach!

    Lieber Fragesteller!
    Ich wünsche Dir, dass Du in Ruhe, ohne Zeitdruck abschließen kannst. Sie bekommt einen speziellen Platz in deinem Herz, da bin ich ganz sicher. Aber unser Herz ist groß und lebt weiter! So wie Du auch!
    Alles Liebe:

    Popcorn

  16. 13.01.2010 10:42
    Liebe Popcorn, wir wissen es sehr zu schätzen, dass Du als Betroffene so offen und informativ schreibst. Lass Dich durch die Anti-Moral-Pharisäer nicht verunsichern. Jeder mit halbwegs Menschenverstand kann nachvollziehen, wie sehr so ein Trauerfall belasten muss, welche Aufgaben auf einen zukommen und welche seelischen Herausforderungen zu bewältigen sind. Glaube mir, dass können sich manche auch vorstellen, die nicht Witwe sind, einfach weil sie menschlich denken können und andere Lebenserfahrungen haben. Es wird immer diese "alles geht"-Apostel geben, die Moral negieren und gar nicht merken, dass es nicht nur um Moral, sondern um akute Trauer und Nicht-vergessen-können und Nicht-vergessen-wollen geht.

  17. #16 Gast
    13.01.2010 10:53
    Ich finde es pietätlos, sich so bald nach dem Tod des geliebten Partners in eine neue Beziehung zu begeben. Man sollte doch erst einmal seiner Trauer stattgeben.

  18. #17 Gast
    13.01.2010 13:22
    paula
    Betroffene, ich kann nur sagen, dass das von mehreren Kriterien abhängt. Zum einen, wie lange und intensiv die Ehe/Beziehung war. Zum anderen verarbeitet jeder Mensch solch einen Verlust anders. Also muss man für sich selbst entscheiden, wann ist der Zeitpunkt da, dass ich z. B. den neuen Partner nicht ständig mit dem Verstorbenen vergleiche oder ich mich ständig an bestimmte vergangene Situationen erinnere.
    Ich hoffe, Du tust das richtige.

  19. #18 Gast
    13.05.2010 18:36
    Ich habe beides: den eigenen Mann verloren: 12 Wochen Krebserkrankung. Guter Abschied. Leider keine Kinder.

    Nach viereinhalb Jahren, teils sehr intensiven Trauerweges eine neue Beziehung - ein Witwer. Beide hatten wir eine lange und glückliche Ehe. Seine Frau war erst ein halbes Jahr tot, sie starb nach einer längeren Leidenszeit. Mehrere Kinder. Eines freut sich, die anderen haben ein Problem. Ich lerne einen Teil der Familie kennen und bin sofort akzeptiert - es ist schön, so Familie zu erleben.

    Nach drei Monaten: Krise - die Vergangenheit ist noch zu nah. Der Wunsch nach Abstand bzw. Abschied.

    Ich fühle mich zwischen allen Stühlen. Wir hatten so Tiefes und Schönes. Kann es Bestand haben? Können wir nach einer Pause den Faden wieder aufgreifen, was braucht es dazu?
    Hab ich das hier zu spät gelesen? Er schien bereit zu sein - jetzt trauere ich wieder um den Neuen und die Trauer um meinen Mann wird dadurch auch wieder aktiviert.

    Frederica, danke, insbesondere in Deinen Anmerkungen fand ich Anregungen für mich.
    Margareta.

  20. #19 Gast
    19.12.2010 18:32
    Ich finde das wenn ein Mensch eine Person so sehr geliebt hat dann brauch man niemanden neuen mehr im Leben. Vor allem wenn man gläubing ist. Ich glaub daran das wenn ich sterbe ich weiter mit meinen Partner in den Himmel leben werden, die Erde ist eine zwischen Reise eine Test des Lebens.