Trennungsblog: Alles zum Thema

Trennung

Der fliegende Wechsel 2010

Geschrieben am 28.07.10 um 17:00 Uhr

Der fliegende Wechsel 2010

Es ist eine Weile her, dass ich mich ausgelassen habe über dieses traurige Phänomen. Die Menschen, die ihre Partner ersetzen. Einfach einen neuen suchen und wechseln. Oh Mann, habe ich mir damals was anhören müssen.

Hier im Blog und in meinem Freundeskreis sprangen mir die schlechten Gewissen überall nur so entgegen und regten sich darüber auf, wie ich behaupten konnte, so was sei menschlich einfach ein Armutszeugnis.

Nun bin ich zwei Jahre älter und natürlich auch schlauer ... und ändere meine Meinung nicht. Gott, dieselben Leute, die mir irgendwas von Liebe und Vertrauen und dem gaaaanz großen Gefühl vorsülzen, erzählen mir ein Jahr später, es sei total normal sich umzuverlieben und nennen mich einen Zyniker, weil ich glaube, dass Liebe meistens eine Illusion ist? Nee, es wird Zeit, darüber mal intensiver nachzudenken!

Was bringt Menschen dazu, den Partner auszutauschen? Was bringt sie dazu, ihrem Partner so weh zu tun? Wie gehen sie selbst damit um? Woher kommen eigentlich die "Neuen"?

Das wird uns also die nächsten Wochen beschäftigen und durchs Sommerloch bringen. Mich beschäftigt es zudem aus aktuellem Anlass sehr.

Warum? Na ja, weil LIEBE irgendwie so was wie ein Image ist. Das kann man abstreifen, wenn's nicht passt. Ähnlich wie Popstar Madonna, die sich ab und zu mal neu erfindet. Dann verliebt man sich halt neu - oder macht plötzlich Sex, Aussehen oder was auch immer zum neuen Fetisch. Sind Menschen so? Nein! Menschen, die ihre Partner monatelang hintergehen und dann auswechseln ... die sind so. Warum gehen die nie, nachdem sie sich verliebt haben zum alten Partner und sagen, sie haben einen Neuen? Tja, warum ein Risiko eingehen? Wenn man sicher spielen kann?

Ich denke, gesagt zu bekommen, dass man ersetzt wurde, entlarvt jede Beziehung als Fehler. Weil man sich wohl in die eigenen Tasche gelogen hat, als man glaubte, man wäre der anderen Person wichtig. Höchstens eine Wichtigkeit unter vielen. Eine, die leicht ersetzt oder überflügelt werden kann. Wenn es keine Regeln mehr gibt, wird die Liebe zum Spiel ohne Gewinner. Dann spielt jeder gegen jeden. Weshalb alle mal drüber nachdenken sollten, ob Sicherheit eigentlich für unsere Egos so wichtig ist, dass wir Menschen wie Unterwäsche behandeln. Im Ernst: Es macht aus einem selbst doch auch nur etwas Ersetzbares, oder?

Menschen, die ihren Partner wechseln, können aber auch oft nicht anders. Keine Frage! Sie wollen nicht allein sein, sie verlieben sich einfach oder sind gierig nach Neuem. Es passiert sicher häufiger bei unreifen Personen, als bei gefestigten. Trotzdem kommt es von der 18jährigen bis zum 60jährigen Familienvater eigentlich überall vor. Wären Menschen Computerprogramme würde man so was Update nennen.

Sind wir aber nicht.

Computerprogramme, meine ich.

Deshalb reden wir mal nächste Woche darüber wie man sich eigentlich einen Zweitpartner zulegt.

Trennungsgrund: Perversion

Geschrieben am 21.07.10 um 15:05 Uhr

Trennungsgrund: Perversion

Diese Woche rede ich mal über den Teil von Trennungen über den sonst keiner redet. Wofür gibt's denn auch die Blogs?

Wenn einer nicht sagen will, warum seine Beziehung zerbrochen ist, sich das ganze irgendwie auseinander gelebt haben soll oder die Person beim Nachhaken rot wird, weiß man, warum es schief gegangen ist: Weil's im Bett nicht funktioniert hat. In 80 Prozent aller Fälle war der Sex einfach schrecklich - oder es ging um Untreue. In den anderen 20 Prozent geht?s um irgendwas, das überhaupt nicht gesprächstauglich ist. Gott, ich weiß nicht mal wie ich harmlos darüber schreiben soll, ohne dass die Zensur den Beitrag hier frisst.

Es geht um die Sachen im Bett, die wir alle nicht meinen, wenn wir "miteinander schlafen wollen". Den Kram, der sich hinter lustigen Abkürzungen aus zwei Buchstaben in Kontaktanzeigen in schäbigen Blättchen verbirgt. Es geht um versauten Kram. Oder doch nur um ganz normalen Sex? Tja, da fängt es an. Was ist eigentlich normal? Neulich habe ich leicht angeschickert mit einem Kumpel über Sex geredet. Sowas machen wir normalerweise eigentlich nicht, aber dennoch ist es manchmal verflucht interessant. Mein Kumpel guckte mich plötzlich etwas angewidert an und meinte ich wäre echt versaut. Bin ich aber nicht. Oder? Also, ich weiß eine ganze Menge Sachen, die ich nicht mitmache. Ich halte mich fast schon für normal. Tja, er sich auch. Und mich nicht. Wo fängt es an? Wo hört es auf? Vor 25 Jahren waren Handschellen noch undenkbar und jede andere Art als "normalen" Sex schon echt grenzwertig. Heute kannst du Zwölfjährige danach fragen und die sind bestens informiert. Alles ist normal, für irgendwen. Und die Normalisierung schreitet ständig weiter voran. Bald wird Sex einfach nur Sex sein.

Aber...

Es gibt ja immer ein aber...

Leider hilft einem das manchmal gar nichts. Denn es gibt Sachen, die will man einfach nicht machen. Und manche Sachen findet man wiederum großartig. Und andere Sachen findet man undenkbar. Schlimmer noch: So etwas ändert sich sogar von Zeit zu Zeit. Und gerade, wenn man alles in der Beziehung hinter sich hat, wild und leidenschaftlich die große Liebe zelebriert, dann kommt mitten in der selbsterklärten Experimentierphase - oder wenn man großzügig den Vorschlag gemacht hat etwas auszuprobieren - plötzlich der Mann unserer Träume, die Frau auf die wir unser Leben gewartet haben mit etwas, dass einfach gar nicht geht. Gar nicht! Und was tut man dann? Der andere will es umso mehr, weil er sich erst wieder normal fühlen wird, wenn du ihm bestätigt hast, dass es okay ist... aber wie kommt man aus dieser für einen selbst unangenehmen Nummer wieder raus?

Mein Insidertipp: Wartet nicht zu lange. Entweder niemand spricht es je wieder an und alle können es vergessen oder das war der Gnadenstoss. Ich hatte das ein, zweimal. Und ich kam damit nie klar. Eine Freundin wollte von mir geschnitten werden. MANN! Wisst Ihr, wie schwer es ist, so was aus dem Kopf zu kriegen, wenn man sie seinen Eltern vorstellt? Eine andere... nee, dass kann man nicht schreiben. Bei beiden war danach einfach irgendwas nicht mehr in Ordnung. Ich gebe zu, ich mochte beide und ja, ich habe drüber nachgedacht. Hab's vielleicht sogar ausprobiert. Aber es ging halt nicht. Um ehrlich zu sein, kam es mir in beiden Fällen irgendwie krank vor - und das wirkte sich irgendwie dann auch auf die Partnerin aus. Niemand anderes teilte diese Meinung mit mir. Und so kamen die beiden auf meine Liste der "Ex"-Freundinnen und ich war eine sehr merkwürdige Erfahrung reicher. Und dann habe ich erfahren, dass Miss Schneidmich Mutter wurde. Heiratete. Und heute Richterin ist. Übrigens: Spaghetti-Tops trägt sie nie... wegen der Narben auf ihrer Schulter. 

Tja, was auch immer Perversionen sind, gut für die Beziehung sind sie in jedem Falle wohl nur, wenn beide sie teilen...

Liebe oder Sucht?

Geschrieben am 07.07.10 um 10:33 Uhr

Liebe oder Sucht?

Es ist nicht lange her, da habe ich eine Frau getroffen, die sagte, sie sei süchtig nach einem Kerl. Es war eine recht turbulente Zeit, in der ich sie kannte und schnell stellte ich fest, dass es nicht das Einzige war, wonach sie süchtig war.

Alkohol, Drogen, Aufmerksamkeit, Sex. Alles war für sie eine Sucht. Als der Kerl dann Schluss machte - es war ihm wohl zuviel - da sagte ihre beste Freundin, es wäre ganz natürlich, dass sie sich jetzt so fertig machen würde. Sie hätte ihn halt geliebt. Geliebt? Sie rief ihn nachts an und kroch buchstäblich auf dem Boden hinter ihm her, wenn er sich erbarmte, Zeit für sie zu haben. Sie schrie und drehte durch, wenn er nicht erreichbar war. Klar, sie tat alles für ihn. Wirklich alles. Aber war das Liebe? War das wirklich Liebe? Nun, es ist kein patentierter, geschützter, legal definierter Begriff. Die Liebe. Und mit Sicherheit ist sie nicht das bedingungslos Wunderbarste auf der Welt. Denn auch die größten Idioten und schlimmsten Zicken werden geliebt und fügen Partnern leid zu. Aber zumindest ist Liebe an sich doch etwas Sympathisches, oder? Etwas Positives? Wenn auch am falschen Platz... Selbst, wenn es uns zu einer Unmenge falscher Entscheidungen treibt? Wenn man es so sehr braucht, ist das Liebe? Kann das Liebe sein? Ist das nicht eine Sucht? Nach Aufmerksamkeit, nach Nähe, nach Zweisamkeit. Der Zyniker in mir (ein recht ausgewachsenes Exemplar) sagt jetzt, dass Liebe das vielleicht immer ist. Aber genau da bin ich mir nicht sicher. Liebe hat damit zu tun, dass man sich gut fühlt. Selbst unglücklich verliebt ist irgendwie ... wow! Einfach etwas brauchen ist keine Liebe. Dann ist natürlich die Frage, was bleibt? Wie viele Menschen kenne ich, die den Partner lieben, weil sie sich durch ihn sicher fühlen, den Rücken frei haben wollen oder einfach bequem sind? Wie wenige Leute kenne ich, die nach zehn Jahren noch wirklich heiß und innig lieben?

Die Geschichte damals ging nicht so gut aus. Die Frau endete in der Psychiatrie und die machte alles nur noch schlimmer. Ihr Ex erwirkte irgendwann eine einstweilige Verfügung gegen sie, die er gelegentlich mal auflöste, um mit ihr zu schlafen. Sie verschwand irgendwann und ich hoffe, es geht ihr irgendwo besser. Dass sie irgendwann mal wirklich glücklich. Liebe wollen ist toll. Liebe haben, noch besser. Liebe brauchen? Ist das noch Liebe?

Fremdgehen nach der Trennung

Geschrieben am 30.06.10 um 09:56 Uhr

Fremdgehen nach der Trennung

Kennt Ihr das Gefühl, mit einem neuen Partner zu schlafen und das Gefühl zu haben, etwas falsch zu machen? Vielleicht ist es unwichtig. Irgendein One-Night-Stand, um das Ego zu polieren? Trotzdem fühlt Ihr euch schuldig? Und der Witz ist, Ihr seid Single? Ja, das sind die paradoxen Wege des Herzens.

Man kann einen Partner lieben und betrügen ohne mit der Wimper zu zucken und man kann ihn hassen und sich schuldig dafür fühlen. Ist das ein Zeichen von Schwäche? War es ein Fehler, Schluss zu machen? Ein Zeichen von Reue? Nun, ich denke es ist in jedem Falle Gewohnheit. Körper, so sagt man, erinnern sich länger als Gehirne das tun. Der Körper ist es gewohnt, die vertraute Berührung des Geliebten zu spüren. Fremde Berührungen sind eben ... fremd. Das macht sie ja so spannend. Und auch so merkwürdig. Denn wenn man diese Spannung spürt, diese Neugierde und daran denkt, wie es all die Jahre davor war - und wir alle müssen wohl zugeben, dass solche Gedanken irgendwann aufkommen - dann wird einem doch erst so richtig klar, was man gewonnen hat. Und was für immer weg ist. Nicht nur sexuell. Aber auch sexuell. Immerhin hatte der Partner Jahre Zeit, die "Ins & Outs" zu lernen: Die Umarmung danach. Das Flüstern. Das unausgesprochene Versprechen, dass es ein nächstes Mal geben wird. All das ist weg. Stattdessen hat man ... tja, das muss man dann herausfinden. Vielleicht einen Alptraum? Schnarcht der Kerl? Hat sie einen Putzzwang? Will er reden? Oder sie noch mal, obwohl man echt langsam genug hat? Nein, nein, nein! Das ist keine Sicherheit, das ist ein Abenteuer. Und was, wenn man keine Abenteuer mehr will? Tja, herzlich Willkommen im Leben der Singles. Alles hier ist ein Abenteuer!
Man kann also gefühlt den Ex betrügen. Man bricht irgendwie mit ihm. Lässt jemand anderen auf den Platz. Und warum tut einem das leid? Weil es etwas über einen aussagt. Ob man es am Tag danach macht, oder Jahre später. Irgendwie weiß man ab dem Moment, dass nichts mehr so wird wie früher. Und witzigerweise ist es ja oft genau das, warum man zurückeilt. Um vielleicht doch noch etwas zu richten. Weil man einfach Mist gebaut hat.

Aber natürlich ist das auch nicht immer so. Manchmal geht das Leben einfach weiter und alles ist gut. Ich kenne Menschen, die haben Stunden nach dem Schluss machen einen neue Beziehung begonnen und nie zurück geschaut. Irgendwann werde ich auch mal über diese Serientäter und ihre unbändige Gier nach Beziehung sprechen.

Meine eigene Trennung: 28 Tage später...

Geschrieben am 22.06.10 um 12:59 Uhr

Meine eigene Trennung: 28 Tage später...

Irgendwie ist es merkwürdig über meine eigene Trennung zu schreiben. Irgendwie aber auch merkwürdig in meinem Blog über die Trennungen anderer zu philosophieren, während ich gerade in meiner eigenen stecke.

Wenn ihr das hier lest, habe ich mich wohl entschieden, doch ein paar Worte zu meiner eigenen Situation zu sagen.
 
Ein geschlagener Monat liegt die Trennung nun bereits zurück. Vielleicht etwas länger, wenn ihr das hier lest. Ich muss sagen: In der Zwischenzeit habe ich Einiges gelernt. Meine erste Erkenntnis: Ich bin bei Weitem nicht so hart, wie ich immer dachte.
 
Es ist ja nicht so, als wäre das meine erste Trennung. Man muss schon einigermaßen beziehungsunfähig sein, um so einen Blog hier zu schreiben, wisst ihr. Aber das ist eine neue Art von Trennung, die ich gerade durchmache. Warum? Dieses Mal hatte ich wirklich versucht alles richtig zu machen. Doch nun sitze ich wieder alleine in der neuen Wohnung, in einer mir fremden Stadt. Und kann nicht mal sagen, dass ich wirklich leide. Es ist momentan, 28 Tage nachdem sie gegangen ist, mehr ein Gefühl der Taubheit. Da wurde ein Platz für etwas reserviert - und jetzt ist da nix.
 
Irgendwie auch angenehm, weil jetzt endlich Ruhe ist. Diese fiebrige Angespanntheit, wenn man mitbekommt, dass die Vorstellungen und die Realität zwei unterschiedliche Dinge sind. Meine Angst in diesem Dissens nun gefangen zu sein ... all das ist nun weg. Alles fort, nicht mehr präsent, sondern nur eine diffuse Erinnerung! Ja, es ist wohl so eine Trennung, die alle kommen sahen, ich selbst auch irgendwie. Aber die ich mir nie eingestand oder eingestehen wollte. Freunden von mir geht's gerade viel schlechter. Kinder, Ehen, Lebensmodelle, Jobs, Karrieren brechen gerade um mich herum in sich zusammen. So böse es klingt, das hat mir irgendwie geholfen, weil alles, was ich hab, diese Gefühl ist, dass mir etwas fehlt. Doch das verliert an Wichtigkeit, wenn mein bester Freund weinend meinen Whisky in sich hinein schüttet, weil sein Leben gerade zerbricht. Deshalb mein ultimativer Trennungstipp: Das Leid anderer Menschen! In hohen Dosen konsumiert, kommt einem das eigene Leid dann völlig unwichtig vor. Vorteil:
 
Freiheit. Doch meine zweite Erkenntnis: Freiheit, wird überschätzt!
 
Freiheit ist natürlich das Ding. Von der Arbeit mal abgesehen, genieße ich die Möglichkeit, einfach mal zu tun, was ich will. Entspannen. Sport. Konzerte. Den Kram, für den man weniger Zeit hat, wenn man eine Beziehung hat. Weil man sonst seine Freundin ja gar nicht mehr sieht. Flirten macht natürlich weniger Spaß, wenn es plötzlich zur Single-Pflicht wird. One-Night-Stands sind auch einfach nicht mehr so toll wie man dachte, als man noch in festen Händen war. Alles in allem ist das ganze "Ich bin Single, die Welt gehört mir"-Denken das wohl bestverkaufte Medienprodukt unserer Zeit. Eine große aber erfolgreiche Lüge. Eigentlich interessiert es die Welt gar nicht, dass die Freundin weg ist. Und auch sonst keinen. Man ist allein und das war?s.
 
Ach ja, hab ich erzählt, dass ich sie mit ihrem Neuen getroffen habe und die beiden jetzt auch schon wieder auseinander sind? Nein? Na ja, ein anderes Mal mehr dazu.
 
Jetzt erstmal raus aus der Trennungsphase und rein in die Phase des suchenden Single.
 
Vielleicht melde ich mich einfach bei ElitePartner an...

Aus und ein bisschen vorbei?

Geschrieben am 14.06.10 um 12:30 Uhr

Aus und ein bisschen vorbei?

Man beendet Beziehungen. Man merkt, da fehlt was ... man hängt der Sache nach. Es passiert jedes zweite Mal. Man vermisst den anderen und nicht allzu selten versucht man es auch noch mal.

Oder zweimal. Dazwischen gibt's irgendwelche Leute, denen man "keine Versprechen gemacht hat" und die "wissen", dass ich über ihn/sie noch nicht hinweg bin. Ja, das Nachspiel ist etwas, das manche Menschen richtig zelebrieren. Das Eo will wissen, ob man ihn zurück kriegt oder sie noch mal ins Bett bekommt. Ach Gott, eigentlich stellt man einfach fest, dass alleine sein nicht das Wahre ist. Wie fair ist das? Wie richtig? Wie wichtig? Na ja, so richtig wichtig ist es nicht.

Wenn man zusammen kommt, wieder zusammen kommt, dann wird man das als kurze Trennungsphase bezeichnen. Und wenn nicht, hat man gerade bewiesen, dass man zu unreif ist. So oder so, stimmt das Ganze schon. Aber den Leuten im Nachspiel kommt diese Phase irre wichtig vor! Es geht um Liebe! Es geht um Fehler! Das ganze Leben mit oder ohne einen Seelenverwandten! Ja, das sind schon ganz besondere Menschen, die ihr eigenes Leben zur Bedeutungszentrale des gesamten Kosmos erklären, nachdem sie Single sind. Und man muss schon ein guter, geduldiger Freund sein, um das mitzumachen. Das ist nämlich das Geheimnis dieser Nachspiele. Irgendwann enden sie, weil die Leute merken, dass es peinlich und sinnlos ist. Daher mein Rat: Egal, wie dramatisch ihr es gerne habt, bitte denkt nach, bevor ihr Schluss macht. Denn soviel kommt danach meistens nicht mehr.

Wenn das Geld ausgeht... 

Geschrieben am 08.06.10 um 12:36 Uhr

Wenn das Geld ausgeht... 

Kann man Liebe kaufen? Ja, klar! Liebe ist wie eine Dienstleistung für die man ständig zahlen muss, oder sie wird nicht mehr erbracht.

Das Problem mit Liebe ist, dass sie keine höhere Macht ist, die unantastbar und unbeeinflussbar über allem schwebt. Menschen lieben Menschen. Aus allen möglichen Gründen. Ich kenne Frauen, die die Männer lieben, die sie schlagen und Männer, die ihre Frauen lieben, weil sie gut im Bett sind, die ihnen ansonsten aber fürchterlich auf den Keks gehen.  

Dass jemand einen anderen liebt, weil der Geld hat, einen aushält und einem einen Lebenswandel finanziert, den man sonst nie und nimmer bezahlen könnte, ist nicht weit hergeholt. Im Gegenteil: Das ist Realität. Es ist nicht mal der schlechteste Grund, zu lieben, der mir einfällt. Bitter wird esaber , wenn das Geld ausgeht. Man muss sich mal verdeutlichen, was für Menschen das sind, die einen anderen wegen seines Geldes lieben. Nicht gerade tiefe Wasser. Meist sind es junge und attraktive Frauen und Männer. Nicht gerade fleißig. Nicht produktiv. Im besten Fall egozentrische Künstlertypen. Im schlimmsten Fall einfach nur Faulpelze. Die lieben das Leben, das man ihnen bietet. Sie lieben all die Dinge zum Spielen. Sie lieben einen, weil man für all diese Dinge steht. Und dann kommt die Krise: Das Geld ist weg. Ratet mal, wer dann auch nicht mehr lange da ist?  

Das erlebe ich recht häufig zurzeit. Ich denke mir immer, dass diese Leute mal von mir beneidet wurden, weil ihr Leben so einfach war. Doch so eine Liebe ist vergänglich. Das wissen wir ja inzwischen aus zahlreichen Zusammenhängen. Trotzdem denke ich, ist es das Bitterste, zu erwachen und zu erkennen, dass man nur des Geldes wegen geliebt wurde und nie mehr wert war, als das Kreditvolumen der American Express hergegeben hat  

Da ist man fast froh, nicht reich zu sein...

Exit-Strategien

Geschrieben am 31.05.10 um 12:18 Uhr

Exit-Strategien

Auch nach all den vielen Monaten, in denen ich nun meinen Senf zum Thema Trennung abgebe, gibt es Klassiker des Beziehungstods, die ich nicht angesprochen habe. Mein persönlicher Alptraum: Wenn man wegen des Ex-Partners abgeschossen wird.

Das ist so ähnlich wie ... ein Umtauschrecht für Beziehungen: "Nee, der gefällt mir nicht, doch lieber der Alte!" Entsetzlich. Und man ist so wehrlos.
 
Eines Tages kommt die Partnerin rein und sagt, sie liebe den Ex immer noch. Ein Freund von mir bändelte mit einer Frau an, während er sich mit seiner Ex versöhnte. Am Tag x schlief er mit der Neuen um 16:00 Uhr, traf die Ex um 19:00 Uhr. Schlief auch mit ihr, rief die Neue an, machte mit ihr Schluss und war um 22:00 Uhr wieder zur Ex gezogen. Ich konnte seine Neue bis dahin nicht so gut leiden. Aber DAS hatte sie nicht verdient.
 
Die Ex-Geliebten sind ein Minenfeld. Insbesondere wenn der Partner, der Verlassene ist. Liebe hin oder her. Das Ego freut sich schon, wenn der Schmerz des nicht mehr gewollt werdens, revidiert wird und der Ex einen zurück will. Dagegen kommt man natürlich erst einmal nicht an: Der Ex kennt den Partner, hat ihn schließlich mal geliebt. Tausendmal mit ihm geschlafen, hundertmal mit ihm gelacht. Der Ex steht dem Partner nahe. Und wenn die beiden sich nicht gründlich auseinander gelebt haben, ist der Ex der Maßstab an dem man gemessen wird. Wenn die Freundin einem sagt, man sei ein guter Lover, sensibel, könne gut zuhören ... wenn der Freund einem sagt, man sehe toll aus, könne gut kochen und sei entspannt in der Beziehung ... im Vergleich zu wem wohl?
Sie sind schrecklich. Diese Ex-Partner. Nur ...
 
Zugegebenermaßen habe ich auch ein paar davon. Mit denen mein Partner leben muss. Jeder muss mit den Ex des Partners leben. Sie sind das Risiko einer frischen Beziehung.
 
Was tut man am besten?
 
Wenn ich es herausfinde, sag ich's euch. Bis dahin ... weitermachen.

Trennung in der Schwangerschaft

Geschrieben am 20.05.10 um 14:36 Uhr

Trennung in der Schwangerschaft

Das Worst Case-Scenario: Sie sind hochschwanger und Ihr Partner, der Vater ihres Kindes, verlässt Sie. Ohne Vorwarnung, ohne Ankündigung. Er ist einfach weg. Fluchtinstinkte bei Männern sind nichts Neues. Im alten Rom gingen Männer auf Feldzüge, heute ist es ein Last Minute-Urlaub mit einer Anderen.




Aber warum nehmen Männer Reißaus? Eine komplizierte Frage und eine, die sich nicht pauschal beantworten lässt, denn es kann diverse Gründe geben:
Viele Männer kriegen Angst vor der unausweichlichen Veränderung, die eine Vaterschaft mit sich bringt. Dann gibt es Männer, die das Kind nicht wollen und Flucht für sie der einzige Ausweg zu sein scheint. Auch gibt es Männer, die vor ihrem inneren Auge sehen wie die Beziehungskette zuschnappt und sie plötzlich feststellen müssen, dass die Frau am Ende der Kette, die Mutter ihres Kindes, für immer an sie gebunden sein wird. Zum ersten Mal nehmen sie ihre Partnerin genauer unter die Lupe und merken, dass sie sich ihr Leben anders vorgestellt haben. Flucht ist vorprogrammiert. Zuletzt gibt es auch die Männer, die vielleicht einfach oberflächliche Tunichtgute sind: Die Freundin entspricht nicht mehr dem gängigen Schönheitsideal und die Beziehung scheint zu ernst zu werden.

Ja, es gibt sie wirklich: Männer, die sich kein Kind "anhängen" lassen, sondern in letzter Sekunde die Flucht ergreifen. Es gibt genauso Frauen, die die Kinderkarte ausspielen, wenn alle anderen Beziehungsstrategien scheitern. Aber: Das sind nicht die Regelfälle. Es sind die Ausnahmen.

Wie soll man sich verhalten, um sich vor solch einer "Ausnahme" zu schützen? Mein Tipp: Herz aus, Verstand ein! Wenn man jemanden wirklich liebt, muss man keine Angst haben, ihn mit ruhigem Verstand zu betrachten. Wenn man das nicht will oder kann, sollte man darüber nachdenken, was das über das eigene Verständnis von Liebe, Beziehung und Vertrauen aussagt. Vor allem wenn ein Kind im Spiel ist: Spielereien sind in Ordnung, solange nur man selbst und der Partner verletzt werden können. Aber Kindern sollte man so etwas ersparen. Sie sind nicht in der Lage, Entscheidungen zu treffen und sind auf das Miteinander Ihrer Eltern angewiesen.

So, und jetzt bin ich auf Ihre Meinung gespannt ... 

Der Trennungsrechner 2010

Geschrieben am 14.05.10 um 12:59 Uhr

Der Trennungsrechner 2010

51,57Prozent aller Ehen, die in den zehn letzten Jahren geschlossen wurden, sind geschieden. 26,7 Prozent aller Frauen geben Untreue als Trennungsgrund an. 12,7 Prozent aller Paare haben einen gemeinsamen Kinderwunsch.

Jede zweite Beziehung, die dieses Jahr zustande kommt (also 50 Prozent), trennt sich in den nächsten 18 Monaten. Jede zweite Frau denkt über Untreue nach. Einer von fünf Männern genießt außerehelichen Sex mit Prostituierten. Andere Statistiken sagen, einer von 20. Kein Mann hat sich laut Statistik jemals getrennt, weil er seine Freundin unattraktiv fand. Keine Frau hat ihren Kerl je für einen mit mehr Geld verlassen. Sagt die Statistik. Statistiken sind so was wie ein großes Hobby von Singles. Statistiken lügen natürlich, dass sich die Balken biegen und spiegeln meistens nur Objektivität vor. Irgendwer stellt sich vor H&M in die Fußgängerzone und fragt Kiddies die vorbeigehen zu ihrem Beziehungsleben und wir sollen dann daraus Erkenntnisse über unser Sexual- und Beziehungsleben gewinnen? Ja, klar.

Aber ein weiser Funke liegt in Statistiken: Wir alle sind nur Sandkörner im Getriebe. Wir sind nur einer von vielen. Wir sind im Zweifel nur eine Zahl. Und egal wie einzigartig wir uns vorkommen, wie großartig oder schrecklich, wie individuell unsere persönliche Leidensgeschichte zu sein scheint...sie ist irgendwann irgendwem so ähnlich passiert. Sie ist eine Statistik, die noch nicht geschrieben wird.

Es ist unser Ego, unser Glaube, eine wertvolle Schneeflocke zu sein, die uns immer glauben lässt, wir seien das Zentrum der Welt in unserem Leid. Wir würden mehr leiden, schlimmer dran sein etc.

Sechs Milliarden Menschen auf dieser Welt denken wahrscheinlich gelegentlich so. Und das macht den Gedanken, man sei ganz besonders, wahrscheinlich zum größten Klischee der Menschheitsgeschichte. Selbstliebe. Was hat das mit Trennungen zu tun? Eine Menge! Denn: Das ist der Moment, in dem diese eigenen Wichtigkeit gegen einen umschlägt. Das Leid wird ebenso groß wie man selbst es vorher war. Der Ärger, die Tragik. Alles erreicht epische Ausmaße. Manchmal mehrmals im Jahr. Alle paar Jahre zumindest. Und hat man den Partner fürs Leben gefunden, denkt man selten zurück an jene biblisch großen Leidensgeschichten. Man hat sie komischerweise vergessen. Hält man das je für möglich? Während man mitten in der Trennung steckt? Nein!

Deshalb wollte ich mit dem Trennungsrechner 2010 Euch und mich mal kurz daran erinnern, dass wir übermorgen eine geschätzte Zahl in einer Statistik sind. Mehr nicht!

Beziehungskiller: Gemeinsame Wohnung

Geschrieben am 05.05.10 um 17:14 Uhr

Trennungskiller: Gemeinsame Wohnung

Nun, diese Woche reden wir, aus gegebenem Anlass wie man so schön sagt über Trennungen direkt, nachdem man zusammen gezogen ist. Der Autor dieses Artikels hält sich zurzeit für sehr nah am Thema.

Er hat gerade am Tag des Einzugs mit seiner Freundin ... na ja ... sie sind nicht mehr zusammen. Ich sitze hier, sie nicht. Ich denke, sie hat Schluss gemacht.  

Der, der geht, macht halt immer Schluss. Es sei denn, man hat ihn rausgeworfen. Richtig? Zumindest das ist leicht und klar zu trennen bei Trennungen nach dem Zusammenziehen.  

Was passiert da eigentlich? Schließlich passiert das häufiger als man denkt. Nähe, Illusionen, Realitätscheck? Freiheit weg? Stress da? Die täglichen Marotten des anderen? Ja! Nein! Zu viel von allem, denke ich. Zu wenig von den Dingen, die das Ganze zu einer guten Erfahrung machen. Übermäßige Nähe verstärkt halt auch einfach alles ins Unerträgliche, was man vorher gar nicht so sehr als Problem sah. Und dass man einer Situation nicht mehr entkommt, kann ja durchaus dazu führen, dass man plötzlich zum ersten Mal darüber nachdenkt. Ich habe dabei die irrsten Geschichten gehört: Ein Paar zieht nach zehn Jahren eine Woche auf Probe zusammen. um später diesen Schritt konsequent zu gehen - und trennt sich dann für immer. Besser fand ich die Juristin, die ein Jahr im siebten Himmel schwebte, mit ihrem Engel zusammenzog und dann nach 24 Stunden begann, aus Jurabüchern eine Mauer im Zimmer zu ziehen, daraus wieder zwei Wohnungen zu machen. Ich selbst habe es selten bis zum Einzug geschafft. Der Gedanke war schon ein Killer. Wahrscheinlich schaltet der Wunsch nach gemeinsamer Zukunft, den Teil des Verstandes, der für konstruktive Kritik zuständig ist, einfach aus. In jedem Falle ist der Schritt, der eigentlich der nächste sein sollte, oft der letzte.

Es hat mich erwischt ...

Geschrieben am 29.04.10 um 10:23 Uhr

Es hat mich erwischt ...

Fast zwei Jahre lang behütete ich ein dunkles Geheimnis: Tag ein, Tag aus sprach ich über Trennungen und lebte dabei selbst in einer glücklichen, stabilen Beziehung. Und plötzlich liege ich selbst auf dem Tisch, auf dem ich bisher andere Trennungen seziert habe: Sebastian Leyendecker hat sich getrennt!

Wie soll ich nun damit umgehen? Natürlich: Ich muss darüber schreiben. Schließlich bin ich der mit dem Trennungsblog. Wenn ich jemals einem Thema nicht entfliehen darf, dann wohl diesem. Also: Wo steh ich? Frühe Schmerz- und Verarbeitungsphase. Woche eins. Wir wollten zusammen ziehen. Jetzt sitze ich allein in meiner Wohnung und schreibe diese Zeilen. Was ist schief gegangen? Keine Ahnung. Oder besser gesagt, ich habe hierzu alle 15 Minuten eine andere Erklärung. Wie geht es mir? Schlechter als gedacht, besser als gestern. Prognose: Es wird wieder schlimmer. Woher ich das weiß? Nun, mein Bett ist zu groß. Kein Scherz. Mir fällt auf, dass ich dreifach hinein passen könnte. Das zeigt mir wiederum ganz deutlich, dass ich jetzt allein bin.  

Ich habe erste Maßnahmen ergriffen, um bei Verstand zu bleiben. Habe mich dabei natürlich an meine eigenen Regeln gehalten und festgestellt, dass ich zumindest mit einer Sache recht habe: Es tut weh. Auch wenn man versucht, dem zu entfliehen. Ich bin alle Frauenkontakte in meinem Adressbuch durchgegangen und habe doch keine Einzige angerufen. Ich habe fröhliche Musik gesucht und doch Portishead eingelegt. Ich habe mir Essen machen wollen, stattdessen aber den Abend mit Marlboros und Whisky ausklingen lassen. Immerhin, die Marlboros waren ihre. Das verkaufe ich mir selbst als Racheakt. Meine Freunde haben keine Zeit. Sport war ungewohnt anstrengend, nicht zuletzt wegen der besagten Zigaretten. Sie würde das "Karma" nennen - ich fange gerade an, den Buddhismus zu hassen. Apropos, ich muss meinen Bildschirmschoner ändern - das Bild von ihr ist nicht mehr angemessen. Im digitalen Zeitalter verbrennt man Bilder leider nicht mehr, sondern löscht sie von der Festplatte. Die Tatsache, dass ich als gründlicher Mensch von allem drei Backups gemacht habe, wird für mich gerade zur Hölle.  

Warum haben wir uns getrennt? Wer war der Initiator? So genau weiß ich es nicht. Vielleicht ist es auch besser so. Ich kann, wenn ich ganz ehrlich bin, wirklich nicht behaupten, an der Sache unschuldig zu sein. Aber ... wenn es Euch wirklich interessiert, müsst ihr einfach wieder vorbeischauen. Für die erste Woche war das jetzt genug!

Die geplante Trennung

Geschrieben am 23.04.10 um 10:50 Uhr

Die geplante Trennung

Nun, letzte Woche redeten wir über die überstürzte Trennung. Etwas wofür ich ein wenig Sympathie aufbringen konnte. Dieses Mal gehen wir deshalb auf etwas ein, was weniger nett ist. Die geplante Trennung. Meistens laufen die ungefähr so:

Erst streitet man sich wochenlang. Dann plötzlich wird alles ruhig. Für das Buchen vom gemeinsamen Urlaub hat der Partner auf einmal keine Zeit. Das neue Sofa? Oh, vielleicht später. Kinderwunsch? Och, das sollten wir vielleicht in etwas ruhigeren Zeiten diskutieren. Dann fährt man ein Wochenende weg. Und am Sonntag findet man einen Brief vor und die Hälfte der Sachen sind einfach verschwunden. Er/Sie ist weg. Man ist allein. Und hat das bis zur letzten Sekunde nicht einmal geahnt. Es gehört wohl zu den Alpträumen aller Beziehungsmenschen.  

Dann beginnt das große Spiel, zu rekonstruieren wie der Plan beim Partner entstand. Wozu dies diente und was damit vorbereitet wurde: Hat sie letzte Woche davon erzählt, dass ihre Sachen ins Büro sollten? Wurden Schulden beglichen? Hat er seine Lieblingssachen plötzlich zu seinen Eltern gebracht? Hat er sich das Wochenende frei geschaufelt und ganz nebenbei gefragt, was in der Küche eigentlich wem gehört?  

Am schlimmsten werden die Dinge, die man plötzlich realisiert und als Abschiedsrituale versteht. Ging es im Bett noch einmal besonders hoch her? Oder hat jemand plötzlich eine Woche lang Migräne gehabt? So etwas tut weh. Hatte man versprochen etwas zu tun? Eine Wand wird gestrichen und ein Regal gebaut. Bei betuchten Trennungsplanern ist es ein Kleinwagen, der gekauft wird. Ein Computer wird fertig gemacht und dabei all persönlichen Daten des sich Trennenden gelöscht? Sicherheitskopien werden von allem gezogen. Termine abgesagt. Und dann ist er weg. Oder sie. Ohne Spur. Ohne Probleme. Keine umständlichen Trennungsdialoge. Der Partner hat alles durchdacht. Und einen mit präziser Effizienz aus dem Leben rationalisiert.

Wem solche Leute nicht unheimlich sind, dem kann ich auch nicht helfen.

Die übereilte Trennung

Geschrieben am 16.04.10 um 11:13 Uhr

Die übereilte Trennung

Raus, raus, raus... Kennen wir nicht alle das Gefühl, fliehen zu müssen, wenn die Beziehung einem scheinbar die Luft zum atmen wegschnürt? Mir ging das häufiger so und ich habe mich meistens beherrscht. Habe mich zurück genommen. Eine lange Sekunde darüber nachgedacht und dann bin ich doch geblieben.




Ja, ihr habt richtig gelesen. Meistens. Das heißt, manchmal habe ich auch die Flucht ergriffen. Die nötigsten Klamotten in die Tasche gepackt und nichts wie weg, weg, weg....  
Der Partner sieht das meistens mehr als Krise, aber meiner Erfahrung nach ist das oft ein Fehler. In 50 Prozent dieser Fälle kommt der andere nämlich nicht mehr zurück. So ein Befreiungsschlag ist von Natur aus etwas, dass einen FREI fühlen lässt. Und wir  alle lieben Freiheit, oder? Natürlich liegen dann die Lieblings-CDs beim Ex, der Computer ist auch noch da. Die Freunde, die am Freitag zum Essen kommen, wissen nix davon und die Post geht leider auch noch in die gemeinsame Wohnung. Man hat halt erstmal seinen Arsch gerettet. Ordentlicher ist das eigene Leben deshalb nicht geworden.  
Warum so was nicht immer gut sein muss, liegt auf der Hand: Der wichtige Brief ist schnell mal weg und der weiße Anzug zufällig bei der Farbwäsche gelandet. Freunde rufen ständig noch unter der alten Nummer an. Es ist alles in allem nicht sehr angenehm. Oder stilvoll. Man kommt halt aus dem Gefängnis raus. ein Gefühl, als ob man aus einem Knast ausbricht. Irgendwie raus und dann rennen.  
Empfehlenswert? Nun, das kommt drauf an vor was man flieht, würde ich sagen.  
Wie alles im Leben ist auch das eine "Kosten-Nutzen"-Rechnung. Nur macht die nicht der Kopf. Nein, noch nicht einmal der Bauch redet mit. Es ist dieses kleine Männchen (oder Weibchen), das uns zuflüstert, wir sollen rennen, wenn es brenzlig wird. Die Evolution hat uns mit einem solchen Verhalten ausgestattet, damit wir besser klar kommen. Funktioniert auch in Beziehungen. Überlebensinstinkt wird das genannt.

Trennungsgewinner

Geschrieben am 06.04.10 um 16:25 Uhr

Trennungsgewinner

Letzte Woche war das Thema Trennungsverlierer. Diese Woche stellt sich die Frage nach den Trennungsgewinnern. Gibt es sie? Menschen, die mit einem Siegesgefühl aus einer Beziehung gehen?

Trennungsgewinner sind beispielsweise Menschen, die sich aus Beziehungen befreien können, die nachweislich schlecht für sie sind. Sie sind aber auch Menschen, die sich aus einer Beziehung heraus positiv verändern. Und sie sind - leider auch - diejenigen, die durch Berechnung den größtmöglichen Vorteil aus einer Beziehung ziehen. Folgende Situation hat sicherlich schon jeder erlebt: Man hat sich an Alltagssituationen, Bequemlichkeiten, finanzielle Sicherheiten und an die sexuelle Komponente einer Beziehung gewöhnt und dann ... ist es vorbei. Das Fazit der Trennungsgewinner: "Immerhin, habe ich rausgeholt was ging." Dann gibt es noch diejenigen, die streng nach dem Muster "Ausnutzen, langweilen, wegwerfen." agieren. Ob im Privatleben, im Berufsleben oder aus dem Fernsehen - jedem sind die sogenannten Beziehungsstrategen bekannt. Menschen, für die andere austauschbar sind. Und diese Sorte Mensch scheint es zunehmend zu geben. Es stellt sich nun die Frage, ob dieser Menschenschlag wirklich etwas Schlechtes ist. Man kann schließlich argumentieren, dass Menschen, die sich in einen Beziehungsstrategen verlieben, wissen müssen was sie tun: Wer beispielsweise einen Mann von einer älteren Frau abwirbt, muss doch damit rechnen, selbst im Alter ausgetauscht zu werden. Wer seine Coolness als Beziehungsköder auswirft, muss im Hinterkopf behalten, nicht ewig cool sein zu können. Und wer zu den Menschen gehört, die die Liebe als Spiel betrachten, muss doch akzeptieren können, dass man Spiele auch mal verliert.

Aber zurück zur Leitfrage. Wie wird man ein Gewinnertyp in Sachen Trennung?
Glück spielt hierbei oft eine große Rolle. Ansonsten gilt es, sich an drei Grundregeln zu halten:

1. Verliebe dich nicht. Liebe ist nur dann ungefährlich, wenn man in der Lage ist, sich schnell wieder zu entlieben.
2. Stelle deine eigenen Interessen stets in den Vordergrund.
3. Handle stets so, dass du in den Spiegel schauen kannst. 

Zugegebenermaßen ist Punkt drei die schwierigste Regel. Auch ich würde am ehesten hier scheitern .... Aber im Ernst: Gewinnertypen bei Trennungen sind Alptraumpartner! Und ob man ein Trennungsgewinner sein will hängt letztlich davon ab, ob man ein Beziehungsloser sein will. Denn das ist man dann.  

Trennungsverlierer

Geschrieben am 29.03.10 um 14:25 Uhr

Trennungsverlierer

Liebe soll ein Spiel sein, ohne Gewinner. So sagt man. Wie ist es bei der Trennung? Gibt es Trennungsverlierer? Oder verlieren alle bei der Trennung?

Nun ja, eine Beziehung unter mitfühlenden Menschen, die sich lieben, aber bei denen etwas schief läuft, kann sicher nicht mit glücklichen Gesichtern enden. Aber trotzdem: Gibt es nicht auch hier solche die mehr verlieren als andere? Sicher gibt es die. Der Vater, der seine Kinder nicht sieht. Die Freundin, die von heute auf morgen "auf der Straße" sitzt. Der Kerl, der seiner Ex beim Sex mit einem anderen zuhören muss. Das Mädchen, das mit ihrer besten Freundin betrogen wurde. Der Partner, der plötzlich der Buhmann ist. Der die ganze Zeit verarscht wurde. Der belogen wurde. Von dem sich alle abwenden. Wir kennen solche Horrorgeschichten. Leider auch aus der Praxis. Allein die Fragen auf dem ElitePartner-Expertenboard berichten von solchen misslichen Trennungen.

Man kann also definitiv der große Verlierer nach einer Trennung sein. Man kann wahrscheinlich sogar der einzige Verlierer sein. Und da stellt sich natürlich eine wichtige Frage: Wie verhindert man das?

Die Antwort ist einfach. Menschen sagen, Liebe ist gleich Vertrauen. Von diesem behämmerten Gedanken muss man sich lossagen. Ich sage, Liebe heißt, den anderen zu akzeptieren. Das heißt nicht, dass ich ihn 100 prozentig vertrauenswürdig sehen muss. Ich kann auch einen Menschen trotz Fehlern lieben. Aber ich sollte deshalb nicht vergessen, dass der andere Mensch Fehler hat. Niemals. Besonders nicht, wenn ich meine Entscheidungen treffe. Finanzielle Entscheidungen zum Beispiel. Man verrät seine Liebe nicht, wenn man mal kurz das Worst Case-Szenario durchspielt. Das bedeutet nur, dass man nicht völlig naiv ist. Oder Stichwort Treue. Ich muss sagen, die Menschen, die mit einem Partner zusammen kommen, der vorher immer notorisch untreu war und glauben, das ändert sich nun, gehen mir regelrecht auf den Geist. Es ist ja auch nicht falsch, so jemanden zu lieben! Aber man muss doch nicht gleich überzeugt sein, er sei ein anderer MENSCH! Ohnehin: Jeder, der nach sechs Monaten denkt, dass der Partner sich geändert hat, belügt sich selbst.

Mein Tipp: Hören Sie niemals auf, Dinge realistisch einzuschätzen. Das macht es nicht unmöglich, zu lieben. Das macht es noch nicht mal schwerer. Das mindert vielleicht den Zustand des high seins ein wenig, den man ständig fühlt, wenn man verliebt ist. Aber dieser Zustand ist eh gefährlich. Zudem: Ein bisschen an die Probleme von morgen denken, schadet nie. Manchmal tauchen solche Probleme dann nämlich gar nicht mehr auf.

Freundeskreise

Geschrieben am 22.03.10 um 12:29 Uhr

Freundeskreise

Trennungen sind immer auch ein Auseinaderrechnen von Dingen. Eventuell zieht man auseinander. Wem gehört was? Kinder müssen eventuell bei einem der Partner leben. Geld muss aufgeteilt werden, wenn es gemeinsame Konten gab. Wem gehört was? Und Freunde? Freundeskreise? Müssen die auch aufteilt werden?

Fast alle sich trennenden Paare sagen nein. Die könnten neutral bleiben. Es sind ja auch immer die Freunde des anderen Partners. Die haben nichts damit zu tun. Aber wie so oft ist das, was die "meisten Leute" sagen, nicht unbedingt die Wirklichkeit. Es ist nicht so, dass eine Freundschaft mit beiden Getrennten unmöglich ist. Es ist nur so, dass ich das in der Praxis nicht so oft gesehen habe. Zuerst beteuern alle ihre Freundschaft zu beiden. Dann trennt sich die Spreu vom Weizen. Am Ende bilden sich immer zwei Freundeskreise heraus. Es ist eigentlich gar nicht so verwunderlich. Wer will schon, dass der Kumpel mit seiner attraktiven Ex mal einen Kaffee trinkt? Wer will, dass der Ex auf eine Party der besten Freundin geht? Die ganzen anderen Freundinnen, die ihn immer für einen Traummann hielten, sind ja da. Und jetzt sind das schließlich auch seine Freundinnen. Und er ist Single.

So was muss nicht mit Problemen enden. Aber man vermutet sie doch dauerhaft, oder? Befürchtet sie. Es tut sicher nicht gut, in diesem emotional anstrengenden Zustand der Trennung auch noch darüber nachdenken zu müssen. Also teilt man Freunde wie alles andere? Als wären sie eine CD Sammlung? Nein, denn eigentlich sind es die Freunde, die hier eine Entscheidung treffen müssen. Man kann ja nicht einfach über sie verfügen. Und da kann man plötzlich böse Überraschungen erleben: Ganze Horden von Freunden wenden einem den Rücken zu. Nach einer Trennung ist man plötzlich isoliert. Noch mehr alleine als vorher. Das Gerede beginnt. Nächste Woche denken wir deshalb über diese Menschen mal nach.

Trennungsverlierer.

Trennungsgrund Depression

Geschrieben am 09.03.10 um 10:14 Uhr

Ein Titel

Es ist wohl die am weitesten verbreitete psychische Krankheit überhaupt. Und auch die hinterhältigste. Depression. Antriebslosigkeit. Glücklosigkeit. Geistige Isolation. Die berühmten tiefen, schwarzen Löcher in die man fällt.

Depression führt nicht zu Fieber und auch nicht zu Ausschlag. Viele Menschen sehen gar nicht, wenn andere in ihrem Arbeitsumfeld oder im Freundeskreis depressiv sind. Manchmal sehen Menschen es nichtmals in der Beziehung. Es ist ein schleichender Zerfall, der eine ungeahnte Anzahl an Nebenwirkungen zeigen kann. Von Sexsucht, über Drogenabhängigkeit, von Angstzuständen bis zu Suizidgedanken.

Was tut man also wenn man in einer Beziehung lebt und der Partner hat Depressionen? Nun, in der romantischen Theorie hilft man dem anderen, ist für ihn da und opfert sich für dessen Heilung auf. Aber gerade weil Depression eine sich selbst erhaltende Krankheit ist, funktioniert das im wirklichen Leben oft so nicht. Die Menschen, die unter dieser Krankheit leiden, haben Verlustängste, glauben aber gleichzeitig nichts wert zu sein. Alkohol, Tabletten und Stimmungsschwankungen kann man sich eine Weile als Wildheit verkaufen, aber irgendwann muss man zur Ruhe kommen. Und wenn das der depressive Partner nicht kann, dann belastet das sehr. Noch schlimmer kann es sein, wenn der Partner sich zu nichts mehr motivieren kann. Auf dem Sofa sitzt und die Wand anstarrt. Unter solchen Bedingungen sind Beziehungen nicht führbar. Man kann nur auf die Idee kommen auszusteigen. Doch wenn man das tut, macht man alles nur noch schlimmer. Tut man es nicht, gerät man vielleicht selbst in den Sog.

Was tun? Wie so oft, kann und will ich hierzu keinen Tipp geben. Ich hoffe allerdings, ein Bewusstsein zu schaffen für das Problem. Und dann einfach das zu tun, was man eigentlich eh immer tun sollte: Auf den Partner aufpassen. Denn Depressionen bekämpft man am besten indem sie nie entstehen. Sind sie erstmal da, läuft nichts mehr so wie es sollte. Auch die Trennung nicht.

Offene Beziehung - Trennung auf Raten?

Geschrieben am 01.03.10 um 13:57 Uhr

Offene Beziehung - Trennung auf Raten?

Die offene Beziehung. Jeder hat Sex mit jedem. Befriedigung zweier unterschiedlicher Grundbedürfnisse. Nähe und Sex. Und weil Sex mit anderen ja immer spannend ist und Nähe mit Fremden nicht stattfindet...gibt es die offene Beziehung.

Nun, wenn man glaubt das Beziehungen irgendwas mit Exklusivität zu tun haben oder Zweisamkeit, dann ist die offene Beziehung eigentlich gar keine echte Beziehung. Man kann argumentieren dass eine Person nur mehr Partner ist als alle anderen Kandidaten. Aber ich denke, dass kann man so oder so sehen. Wie kommt es zur offenen Beziehung? Meine Erfahrung zeigt, dass solche Konstellationen nicht lange halten. Meistens kann mindestens einer nicht treu bleiben. Der andere will den ersteren nicht verlieren, also wird eine offene Beziehung vereinbart. Besonders lustig, wenn nur einer den Teil mit der "offenen" Beziehung auch auslebt. Ehrlicher als weggucken, denke ich. Aber trotzdem bleiben meine Zweifel. Bleibt man lange zusammen in offenen Beziehungen? Wann ist das spannende "Zwischendurch" dann doch mal mehr? Eigentlich hat man ja ständig Gelegenheiten zu wechseln. Klar, einige machen?s nur für den Sex, aber so beginnt jede dritte Beziehung bei Menschen unter 36, wenn die Statistik wahr ist. Sex ist einfach etwas sehr Persönliches. Soweit von der Beziehung ist man da nicht mehr entfernt. Zwei Beziehungen wollen die meisten Menschen auch nicht, also wird eine gegen die andere ausgetauscht. Statistiken gibt es dazu nicht. Meine persönliche Statistik sagt aber, dass von 7 Fällen die mir eingefallen sind keiner länger als 18 Monate gehalten hat. Und der Spitzenreiter von 18 Monaten ging durch eine 12monatige Phase, in der beide auf die Frage, ob sie noch ein Paar sind, mit "Ich weiß nicht" antworteten.  

Warum klappt das nicht? Na ja, warum sollte es? Beziehungen zur viert, fünft und sechst führen, Teilbeziehungen, Unterbeziehungen, Mini-Beziehungen...das klingt alles nicht so realistisch, oder?  

Mir hat mal eine Freundin so was vorgeschlagen. Weil sie aus Karrieregründen gerne mit ihrem Chef schlafen wollte. Ich hätte dann auch einen gut. Dankend habe ich abgelehnt und unsere etwas wackelige Beziehung beendet. Immerhin hatte ich ausnahmsweise mal einen guten Grund gehabt. Ich wollte ihrer Karriere nicht im Wege stehen.

Trennung trotz Liebe

Geschrieben am 23.02.10 um 09:22 Uhr

Trennung trotz Liebe

Man liebt sich und ist zusammen. Man liebt sich nicht und geht auseinander?  Klingt einfach, oder? Aber einige Paare haben da andere Vorstellungen. Es gibt Menschen, die lieben sich und trennen sich. Oder lieben sie sich doch nicht?

Als sie heirateten wurden Lady Di und Prinz Charles einmal gefragt, ob sie sich lieben würden.  

Lady Di sagte, das würden sie. Prinz Charles ergänzte das um ein: "Was auch immer Liebe ist."  

Prinz Charles hatte recht. Ganz im ernst. Man kann Liebe frei definieren. Wenn jemand sagt, man habe etwas und das ist keine Liebe, soll er mir mal objektiv erklären, was Liebe ist. Das was er hat? Haha! So argumentiert wohl jeder. Aber Liebe ist etwas höchst Persönliches und deshalb ist es etwas, dass jeder anders versteht, sieht und erlebt. Es ist auch nicht für alle gleich wichtig. Liebe ist nicht zwangsläufig wichtiger als Sicherheit oder Nähe. Oder Sex. Ich habe schon Menschen geliebt, die ich nicht attraktiv fand und bin deshalb nicht aufgrund ihrer Optik mit ihnen zusammen gekommen. Sie sind Freunde von mir. Ich liebe sie trotzdem. Treue, glückliche Beziehungen ohne Liebe habe ich auch schon gehabt. Und die sind auch nicht aus Mangel an Liebe auseinander gegangen (obwohl ich auch nicht so sehr an ihnen hing, klar). Aber eine Beziehung beenden, obwohl man sich noch liebt? Das schien mir unmöglich, als jemand dieses Thema vorschlug. Bis mir einfiel, dass ich das mal gemacht habe. Ja, tatsächlich.
Fernbeziehung, keine Chance auf gemeinsames Leben in einem Land. Wir haben ein Jahr gebraucht es uns einzugestehen. Dann habe ich Schluss gemacht. Habe ich sie so noch geliebt? Bestimmt nicht mehr so wie am Anfang, aber ja...irgendwie schon. Warum war Schluss? Perspektivlosigkeit. Die Beziehung hätte sich auf absehbare Zeit in keine Richtung mehr entwickelt. Und wie sie war, war auch nicht gut. Also began der Zweifel an mir zu nagen und am Ende machte ich Schluss. Ich halte das für die richtige Entscheidung, bis heute. Nicht sehr romantisch. Aber auf lange Sicht war das besser für uns beide.  

Es gibt sie also offenbar. Die Gründe um eine Beziehung zu beenden, obwohl man den anderen liebt. Sicher sind das immer ganz traurige Dinge, die das beeinflussen. Und auch nicht für jedermann. Aber manchmal vielleicht eine Lösung für ein Problem.

Scheidungskriege

Geschrieben am 15.02.10 um 08:58 Uhr

Scheidungskriege

Ja, wir haben ihn angesprochen. Aber haben wir wirklich über ihn gesprochen? Die schlimmste Eskalationsstufe der Trennung. Das absolute Desaster. Der Scheidungskrieg. Ein klassischer Stellungskrieg im Stil des 1. Weltkriegs.

Wenig bewegt sich, die Schlachten werden zunehmend sinnlos, aber niemand gibt auf. Alles beginnt mit einer Scheidung die nicht so ganz einvernehmlich abläuft. Streitpunkte können Geld, Sorgrechte oder einfach Gegenstände sein. Oft macht man mündliche Absprachen an die sich später niemand mehr erinnert. Dass diese Absprachen (die Küche kannst du behalten) bares Geld wert sind und niemand, wirklich niemand auch nur einen kleinen Schritt zurück weicht macht die Sache dann so...prekär. So werden teure, brutale Schlachten geschlagen. Schreien am Telefon. Vermittlungstreffen, die mit geworfenen Gegenständen enden. Unfaire Tricks. Kinder sind zum vereinbarten Termin nicht da. Geld kommt aber auch erst 3 Monate später. Gericht. Besserung. Das Ganze von vorne. Optimiert um die Fehler des ersten Waffengangs. Dann streiten wir uns um die Couch, das Bett, den Kühlschrank, die Einbauküche, Wohnrecht, Auto. Geschenkt oder gekauft und geliehen? Das sind nur die Klassiker. Ich habe in meiner Zeit bei Gericht Streitigkeiten um Kaffeemaschinen gesehen, die für beiden Seiten das Dreifache an Kosten einer neuen Maschine betrugen. Dann kam raus die Maschine war kaputt, aber beide machten weiter. Warum?  

Sie: "Ich sehe das nicht ein, mir geht's ums Prinzip!"  

Er: "Die kann nicht arbeiten, wenn sie hierher muss. Und da ich PKH (Prozesskostenhilfe) kriege, dachte ich mir, geschieht es ihr recht."  

Dann wollte er Strafanzeige gegen seine Frau stellen. "Falsches Gericht!" Und er schrie den Richter an. Solange bis mein sehr geduldiger Chef nicht mehr anders konnte, als ihm 300 Euro Geldbuße aufzudrücken. Meinte sogar sein Anwalt. Dagegen wollte er vorgehen. Sein Anwalt nickte und legte pflichtbewusst Einspruch ein, mit den Worten: "Bringen wird das nichts, aber sie haben meinen Mandanten gehört." Kosten für den Anwalt, eine halbe Gebühr. Ca. 50 Euro. Die Gegenseite beantragte dann noch die Vernehmung von zwei Zeugen, was beide Anwälte zu einem weiteren Termin zwang. Wieder 300 Euro rausgeworfen. Die Kaffeemaschine war 6 Jahre alt, hatte neu 299 Euro gekostet und war kaputt. Klagewert wurde vom Gericht mit 50 Euro gesehen. Eine wahre Geschichte.  

Als all das vorbei war, verabschiedeten sich beide Parteien mit einem unfreuendlichen "Bis Freitag" bei uns. Da ging's um den Verkauf der Einbauküche. Einen Monat später um falsche Berechnung der Rentenbeiträge und Rückzahlungspflicht ihrerseits. Und ein vierter Termin wurde abgesagt, weil er mit einem Herzinfarkt im Krankenhaus lag. Tja, Scheidungskriege haben halt ihre Opfer. Die Kinder von denen schickten immer nur Erklärungen, sie würden nicht Aussagen. Zeugnisverweigerungsrecht. Man solle bitte Abstand davon nehmen, sie einzuladen.  

Davon hatte ich drei oder vier Scheidungspaare. Und ich war an einem kleinen Gericht.

Fremdgehen, um den Partner loszuwerden

Geschrieben am 08.02.10 um 14:47 Uhr

Fremdgehen, um den Partner loszuwerden

Vor kurzem sprach ich mit einer guten Freundin, die mir erzählte, sie sei wieder Single, nachdem sie ihren Freund betrogen habe. Ich staunte nicht schlecht, da sie sonst eher zu den weniger wilden Menschen in meinem Umfeld gehört.

Aber gut, stille Wasser sind tief und verstecken ihre dunklen Seiten bevorzugt unter der spiegelglatten Oberfläche. Also, was war passiert? Sie erzählte, sie hatte irgend so einen italienischen Austauschstudent auf einer Party getroffen, der sie dann einfach mal so gefragt hat, ob sie nicht zu ihm gehen und Sex haben wollte. Sie hat gelacht und ja gesagt. Der Kerl war eine Niete im Bett. Wiederholt haben sie es trotzdem, wurde aber nicht besser. Sie sagte es ihrem Freund und sagte auch, dass würde wieder passieren, weil ihr einfach etwas fehlte. Daraufhin war natürlich Schluss. Worüber sie froh war.  

Wir staunten nicht schlecht über diese merkwürdige Aktion und sie gab zu, dass sie es selber auch etwas komisch finden würde. Aber während sie da so im Bett gelegen habe und ihr klar wurde, was für ein mieser Lover sie das abgeschleppt hatte, hatte sie bereits begonnen sich vorzustellen, wie ihre Beziehung daran zerbrach. Und diesen Gedanken hatte sie gut gefunden. Ja, das mochte sie. Weil es endlich ein Grund war. Der Grund, einen Kerl zu verlassen, der ihr nicht mehr soviel bedeutete, aber ansonsten ein Traummann war. Viele ihrer Freundinnen verliebten sich in gute Männer. Sie allerdings war schon immer so eine, die sich meistens in den Falschen verliebte. Den hier liebte sie nicht mehr und der Italiener gab ihr die Chance das endlich zu sagen. Nach zwei Stunden in denen hauptsächlich sie redete, kamen wir zu dem Schluss: Sie hatte schlechten Sex und eigentlich einen miesen Abend, mit anschließendem schalen Beigeschmack und schlechtem Gewissen, sowie bösen Blicken ihrer eigenen Freundinnen in Kauf genommen. Um einen Trennungsgrund zu haben.  

"War das okay?" fragte sie mich. "Du bist ein Trottel!" war meine Antwort. Und sie schwieg.  

Also wirklich, das kann man auch einfach haben und netter machen. Das ist reine Faulheit. Das ist so, als würde man einen Kioskbesitzer lieber niederschießen, bevor man ihm die 4 Euro für seine Zigaretten bezahlen muss. Obwohl man 100 Euro dabei hat. Unnötige Grausamkeit. Und da ist sie wieder, die größte Motivation des Menschen überhaupt: Bequemlichkeit. Faulheit. Bloß nicht irgendwas machen, was unangenehm ist. Eher reiten wir uns in den Dreck, indem wir die dümmsten Auswege suchen.  

Traurige Geschichte. Inzwischen will sie ihn zurück. Aber zumindest da kann sie Effektivität für sich in Anspruch nehmen. Als sie ihn zweimal die Woche anrief, sagte er ihr nur, er habe nichts zu sagen. Versöhnung sieht anders aus.  

Beim nächsten Mal gibt es wieder ein paar Gedanken zum Thema Scheidung.

Scheidungsserien

Geschrieben am 29.01.10 um 09:54 Uhr

Scheidungsserien

Die Statistik, wie viele Ehen im Schnitt geschieden werden, stimmt eigentlich nicht ganz. Sagen wir mal so, sie ist verwirrend. Irreführend. Denn man denkt, dass so viele Menschen sich nach der Hochzeit haben scheiden lassen. Aber es gibt natürlich Menschen, die lassen sich mehr als einmal scheiden.

Und heiraten. Und lassen sich scheiden. Kann eine Scheidung doch nur eine Beziehung wie jede andere sein? Die meisten von uns hatten ja auch sonst mehr als einen Partner.

Tatsächlich haben viele Leute heute "Bock auf Heirat". Oder sie finden, es ist wieder so uncool, dass es cool ist. Heiraten ist ein Event geworden. Ein Tag an dem man im Mittelpunkt steht. Ein Tag als Star des Bekanntenkreises! Und ist es vorbei, warum dann nicht noch mal dieses Event genießen? Ehevertrag, bessere Partie (wenn's nicht geht, schönreden) und los!

In einigen Freundeskreisen ist das eine wirkliche Epidemie. Da sind alle zum dritten Mal verheiratet und die Kerle grinsen über den Kumpel der immer noch die Erste hat und die Mädels machen sich alle weiss, dass sie jetzt die Richtige sind. Oder anders herum.

Gerade bei Männern ist das austauschen gegen jüngere Modelle populär. Bei Frauen der regelmäßige Ausbruch. Was soll man zu solchen Leuten sagen? Eigentlich haben sie ja recht. Was soll schon besonderes an der Ehe sein? Was macht den Ehepartner weniger austauschbar? Das muss jeder für sich beantworten. Aber in einer Zeit, wo alles (soviel Zynismus sei erlaubt) nur fünf Tage dauert und dann unwichtig wird und das Leben auf YouTube stattfindet und wir alle nur die einsatzbereite Kulisse sind...was soll man da erwarten? Das schlimmste ist, diese Leute glauben meistens fest an die Liebe. Nach dem Motto, ich habe drei Mal dran geglaubt, jetzt muss ich auch nicht mehr aufhören.

Das solche Ehe-Serien nicht durch lange Singlephasen unterbrochen werden sollen, ist ja klar. Und das irgendwie Kinder ins Spiel kommen können...na ja, kein Plan ist perfekt!

Am Ende bleiben diese Leute nichtmals allein. Es scheint noch nicht mal in der Hinsicht eine ausgleichende Gerechtigkeit zu geben. Bei Frau Nr. 5 oder Mann Nr. 4 bleiben die dann halt hängen. Verklären es zur großen Liebe, nur weil Absprungversuche aufgrund sinkender Attraktivität nicht mehr klappen - und werden damit womöglich auch noch glücklich.

Vielleicht machen wir ja alle was falsch.

Geschieden

Geschrieben am 21.01.10 um 17:25 Uhr

Geschieden

Nun, irgendwann ist die ganze Scheidung dann vorbei und man ist plötzlich geschieden. Und kommt damit auf einen ganz neuen Markt für Singles: Geschiedene. Alleinerziehende/r, vielleicht sogar. Man ist meistens nicht mehr 20 und darüber hinaus noch im Beruf.

Deshalb hat man halt auch weniger Zeit. Wenn man eine Weile verheiratet war, ist man auch nicht mehr unbedingt geübt im Flirten und Baggern.

Vor allem ist man oft verbittert und das macht die Dinge auch nicht leichter. Es gibt nicht wenige Menschen die nie wieder nach einer Scheidung in eine neue Partnerschaft finden. Meistens schlichtweg, weil sie es nicht versuchen und gar nicht mehr wollen. Scheidungen sind da eigentlich wie jede andere Beziehung auch. Meistens erholt man sich, manchmal nicht. Das eine Ehe meistens länger hält, schwerer umkämpft ist und man länger versucht, sie zu retten, trägt dazu bei, die Lage zu verkomplizieren. Was kann man also dagegen tun? Zwar habe ich mich noch nie scheiden lassen (ich habe ja auch noch nie geheiratet), aber ein paar Dinge sind da wohl generell anwendbar.

1. Lasst euch Zeit die Sache zu verarbeiten.

2. Lasst euch nicht zuviel Zeit, die Sache zu verarbeiten.

Das ist wirklich alles was man dazu sagen kann. Logischerweise hilft es nichts, loszuwüten, um sein Leben neu zu gestalten. Man muss erstmal ruhig werden und nachdenken, was da passiert ist. Der Schmerz muss soweit abklingen, dass er nicht mehr alle Sinne benebelt. Aber es hilft auch nichts, jammernd den Rest seiner Tage damit zu verbringen und zu hoffen, es werde von allein besser. Oder seine wachsende Begeisterung für den eigenen Schmerz zur Ersatzreligion zu machen. Dazu neigt der Mensch ja. Und in Internet-Blogs, sozialen Netzwerken und notfalls sogar Büchern findet, er auch Publikum für seine Seifenoper. Aber gesund ist das nicht. Menschen sind nicht dazu geschaffen, alleine zu sein. Zudem sollte Leiden immer nur eine Übergangslösung sein.

Deshalb muss man sich wohl, will man sein Glück nicht gleich in den Wind schießen, diesen Herausforderungen stellen. Man muss einfach trotzdem weiter machen und der Sache eine Chance geben.

Schließlich ist man geschieden. Und nicht tot.

Trennungsjahre

Geschrieben am 14.01.10 um 09:44 Uhr

Trennungsjahre

Das deutsche Recht glaubt nicht mehr daran, dass irgendjemand an Trennungen Schuld hat. Nein, man sieht die Scheidung eher als "Scheitern der Ehe". Und um sich scheiden zu dürfen, muss dieses Scheitern nachgewiesen werden.

Um das Scheitern der Ehe festzustellen und damit die Ehe scheiden zu können, muss diese Trennung im Regelfall mindestens ein Jahr andauern. Umgangssprachlich nennen wir so was auch "Trennungsjahr".

Durch so ein Trennungsjahr sollen unüberlegte Scheidungen aus dem Affekt vermieden werden. Man will das ständige Heiraten und sich wieder trennen einem ohnehin nicht zu einfach machen. Die Eheleute sollten in diesem Trennungsjahr theoretisch in aller Ruhe prüfen, ob ihre Ehe wirklich am Ende ist. Wenn man es dann noch mal versucht, ist das oft kein Hindernis für eine erfolgreiche Absolvierung des juristischen Trennungsjahres.

Menschlich kann das schon anders aussehen. Ein Jahr verheiratet und ein Jahr getrennt. Gemeinsame Dinge müssen in diesem Jahr getrennt werden, oder man behält sie um sich eine Hintertür offenzuhalten. Aber sollte man sich scheiden lassen, wenn man sich Hintertüren offenhält? Sollte man sich aber scheiden lassen, wenn man nicht alles probiert hat, es zu retten? Sollte man sich überhaupt scheiden lassen?

Manche Partner machen es einem da leicht. Und deshalb schwer. Sie sind verständnisvoll und hilfsbereit. Plötzlich frei vom Druck der erfolgreichen Beziehung sind sie eigentlich wieder Traumpartner. Und dann muss man sich fragen: Ist das jetzt tatsächlich so, oder nur eine Phase?

Manche Partner machen es einem schwer. Und deshalb leicht. Wenn genug geschrien, geschachert und geschubst wird, fällt jeder irgendwann auf die Schnauze. Auch die Beziehung kann nicht gerettet werden indem man nur noch mehr von dem austeilt, dass sie eh schon ruiniert hatte. Dankbar sind jene, die dann sehen, wie recht sie hatten. 

Das Trennungsjahr hat menschlich seine Tücken und ist vielleicht gerade deswegen sinnvoll. Wenn es keine Tücken hätte und das alles so leicht wäre, hätte man es wahrscheinlich schon abgeschafft. Aber während man nach zwei Wochen heiraten kann, gibt es keinen schnellen Weg aus der Ehe. Drum prüft sich, wer sich ewig bindet, denn so fix...werdet ihr den Partner nicht mehr los.

Zu der Gesamtsituation der guten und der schlechten Trennungen dann nächste Woche mehr...

Scheidungen aus der Sicht einer Anwältin

Geschrieben am 06.01.10 um 17:44 Uhr

Scheidungen aus der Sicht einer Anwältin

Diese Woche überlasse ich das Wort mal jemandem, der ein wenig mehr Ahnung hat als ich. Es geht diese Woche um Familienrecht. Um genau zu sein, geht es um die hässliche rechtliche Seite von den Dingen, die ich selbst zuvor besprochen habe. Kinder und Scheidungen. Und der Streit um die Kinder.

Joanna Schmerder ist Familienrechtlerin in der angesehenen Kanzlei Schröder-Schneider und Kollegen in Kiel. Von ihr erfahren wir diese Woche mehr zum Thema:

Elterliche Sorge und Umgang

Wenn sich die Eltern trennen, entstehen oftmals die hässlichsten Streitigkeiten vor den Familiengerichten. Hässlich sind sie, weil sie so emotional sind.

Durch die große Kindschaftsrechtsreform von 1998 ist nicht nur die obligatorische gerichtliche Entscheidung in einem Ehescheidungsverfahren über die elterliche Sorge entfallen. Mit der Reform wurde materiell rechtlich auch die Ausübung der gemeinsamen elterlichen Sorge auch nicht miteinander verheirateter Eltern, wie auch das Verbot entwürdigender Erziehungsmaßnahmen eingeführt. Jede familiengerichtliche Entscheidung ist ausschließlich kindzentriert zu treffen.

Das Kind ist vom Objekt familiengerichtlichen Handelns zunehmend zum Subjekt mit eigenen Rechten geworden. Die Neuerungen des Kindesschutzes, in Kraft getreten im Juli 2008 und insbesondere auch die Änderungen des Verfahrensrechts des im September 2009 in Kraft getretenen FamFG, haben die Möglichkeiten familiengerichtlicher Maßnahmen zum Schutz des Kindes einerseits ausgebaut und andererseits die Verantwortung der Eltern für Sorge- und Umgangsmodelle gestärkt.

In Art. 6 Abs. 2 GG wird der Erziehungsauftrag an die Eltern definiert. Demnach sind einerseits die Pflege und Erziehung des Kindes das natürliche Recht der Eltern, andererseits haben diese aber auch die Pflicht, diesem Erziehungsauftrag nachzukommen.

Ein gemeinsames Sorgerecht der Eltern besteht, wenn das Kind in der Ehe geboren wird, wenn die Eltern nach der Geburt heiraten oder aufgrund einer Erklärung beider Elternteile, die Sorge für das Kind gemeinsam übernehmen zu wollen, wenn sie nicht miteinander verheiratet sind. Die Erklärung der Sorge kann auch schon vor der Geburt des Kindes abgegeben werden.

Es besteht ein originäres alleiniges Sorgerecht der Mutter, wenn die oben genannten Voraussetzungen für ein gemeinsames Sorgerecht nicht vorliegen. Eine originäre Alleinsorge des Vaters gibt es nicht. Durch diese Regelung wird die rechtliche Stellung der Mutter gestärkt. Sie kann nicht ohne ihre Zustimmung zur gemeinsamen elterlichen Sorge mit dem nichtehelichen Vater gezwungen werden.

Veränderungen der gemeinsamen Sorge können stattfinden infolge des Ausfalls eines Elternteils und infolge der Trennung der Eltern. Im zuletzt genannten Fall bleibt es zunächst bei der Ausübung der gemeinsamen elterlichen Sorge. Diese ist derart ausgerichtet, dass die Eltern in Angelegenheiten von wichtiger Bedeutung für das Kind die gemeinsame Entscheidungsbefugnis und Entscheidungsverpflichtung innehaben.

Für die Aufrechterhaltung der gemeinsamen elterlichen Sorge trotz des Getrenntlebens der Eltern ist deren objektive Kooperationsfähigkeit und subjektive Kooperationsbereitschaft Grundvoraussetzung. Bei der Entscheidung über die elterliche Sorge findet durch das entscheidende Gericht eine große Kindeswohlprüfung statt. Das bedeutet, dass die Voraussetzungen für die Übertragung der elterlichen Sorge dann vorliegen, wenn nach Auffassung des entscheidenden Gerichtes die Aufhebung der gemeinsamen Sorge für die gemeinsamen Kinder gegenüber der Beibehaltung der gemeinsamen Sorge die bessere Sorgealternative ist. Dabei wird begutachtet, welcher der beiden Elternteile für die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes am meisten tun kann. Zudem soll die Entwicklung des Kindes durch die Trennung der Eltern möglichst wenig beeinträchtigt werden, sodass den Kindern ihr alltägliches gewohntes Umfeld erhalten bleiben soll. Dann bedarf auch die normale emotionale Entwicklung des Gefühls- und Affektlebens der Kinder nicht nur der räumlichen sondern auch der persönlichen Kontinuität. Außerdem ist auch der Kindeswille zu berücksichtigen. Seine Bedeutung ist allerdings vom Alter des Kindes abhängig.

Zum Wohl des Kindes gehört schließlich auch der Umgang mit beiden Elternteilen. Das Gleiche gilt für den Umgang mit anderen Personen, zu denen das Kind Bindungen besitzt, wenn ihre Aufrechterhaltung für die Entwicklung des Kindes förderlich ist. Es besteht allerdings kein Umgangsrecht für den nichtehelichen Lebensgefährten.

Kinder und Scheidungen

Geschrieben am 23.12.09 um 10:25 Uhr

Kinder und Scheidungen

Nicht alle Scheidungen sind das Ende eines Paares. Es gibt oft auch weitere Beteiligte, die darunter leiden, wenn die Familie zerbricht. Kinder, zum Beispiel. Denn gerade wenn Eltern glauben, Kinder würde ihre Ehe besiegeln, sagen die Statistiken leider, dass Kinder nicht vor Scheidungen bewahren.

Ich erinnere mich gut, wie vor einigen Jahren ein kleiner Mann mit gerade einmal elf Jahren neben mir saß und mich fragte warum sich seine Eltern getrennt hätten. Was sollte ich ihm sagen? Das seine Mutter seinen Vater betrogen hatte, der sich aber anschließend wie ein völliger Psychopath verhalten hatte? Dass inzwischen beide wieder zum alten Selbst gefunden haben, aber es einfach zu spät war? Wie soll das ein elf jähriger Junge verstehen? Der 25jährige, der neben ihm saß, verstand das zumindest nicht. Ich hatte keine Ahnung, was ich sagen sollte. Und sagte deshalb ziemlich lange nichts. Was auch immer ich ihm dann erzählte, fand er später ganz toll. Ich glaube nicht, dass es besonders brauchbar war. Aber der kleine Kerl wollte vielleicht nur irgendeine Antwort. Keiner hatte es ihm soweit erklärt. Alle fühlten sich schuldig. Und in ihrer Scham ließen sie ihren kleinen Mann alleine, um selbst herauszufinden, warum sich plötzlich alles änderte. Warum er umziehen musste, seine Freunde verlor, seinen Vater nicht mehr sah, seine Mutter nur noch weinte und warum plötzlich Onkel Sebastian soviel Zeit mit ihm verbrachte. Heute weiß er das alles. Und er selbst glaubt, es sei die schlimmste Zeit seines Lebens gewesen. Nicht die Trennung, nein die Zeit danach.

Kinder fragt niemand bei Scheidungen. Sie müssen mit den Entscheidungen der Eltern leben. In gewisser Weise sehr selbstsüchtig von uns Erwachsenen. Andererseits, sie verstehen es wirklich nicht. Die Trennung ihrer Eltern. Wie könnten sie sich da eine informierte Meinung bilden? Sie sind Kinder. Man muss sie beschützen und ihnen die Welt erklären. Wenn man sich scheiden lässt, ist man meistens nicht mehr in der Lage dazu. Die Wunden trägt man sein Leben mit sich rum. Als Kind. Als Eltern auch. Einfach ist das ja nicht.

Ich werde mir hier untersagen, irgendeinen Rat abzugeben. Ich saß da neben dem kleinen Kerl und fühlte mich hilflos. Das einzige was man wohl tun kann, ist, die Kleinen zu beschützen indem man versucht keine Fehler zumachen. Später, wenn die eigene Welt auseinander bricht, tut ihre das auch. Und man kann wenig tun, um sie zu beschützen.

Das so was nicht nur eine menschliche Seite hat, sondern auch eine rechtliche, klärt für mich als nächstes eine gute Freundin, die Anwältin für Familienrecht ist. Freut Euch auf RA Joanna Schmerder und ihre Einsicht zum Sorgschaftsrecht.

Der Preis der Scheidung

Geschrieben am 16.12.09 um 09:53 Uhr

Der Preis der Scheidung

Eine Ehe ist mehr als eine Beziehung. Eine Ehe ist das Fundament einer Familie. Und oft bleiben da nicht nur zwei Menschen miteinander verbunden. Kinder sind in Scheidungen immer ein besonders bitteres Kapitel. Aber es ist eigentlich das gesamte Leben, das in zwei Teile geteilt werden muss.

Je länger man zusammen ist, umso mehr muss man teilen. Das haben wir ja schon bei anderen Beziehungen festgestellt. Je intensiver man zusammen ist, umso schmerzhafter ist der Trennungsprozess. Und gibt es intensiveres Zusammensein als das Eheversprechen? Wer sich für immer bindet, macht aus zwei Menschen eine Einheit. Konten, Wohnungen, Küchen, Freunde. Kinder sind nicht einzige Beispiel, aber wohl das schlimmste.

Die Trennung als Freunde wird daher oft zum Kleinkrieg, wenn es um materielle Dinge geht. Scheidungen sind meistens mit Entbehrungen verbunden, die beide Seiten als unfair betrachten. Sobald das Haus aufgegeben werden soll oder das Sparbuch durch zwei geteilt wird, hört die Freundschaft schnell auf. Vor allem, wenn der Neue oder die Neue fragt, ob du wirklich die Hälfte deines Geldes verlierst. Machen wir uns keine Illusionen: Keiner von uns verschenkt gern sein Geld. Hat der Partner einen Anspruch auf die Hälfte? Klar, hat er das. Besonders Frauen geben oft ihre Karriere auf und unterstützen ihre Männer. Aber auch Männer, denen ein Ausgleich zustehen kann, haben Opfer gebracht.

Und empfindet man das so? Das dem anderen die Hälfte zusteht? Dem Typen, der dich betrogen hatte, während er den Hausmann spielte? Oder der Frau, die eh immer alles von dir gekriegt hat, weil sie selbst kein Geld verdiente? Hölle, nein. Kein Mensch ist gut darin, anderen etwas zuzusprechen, das er selbst nicht hat. Aber eine Trennung macht das fast ausgeschlossen. Selig sind jene, die da einen kühlen Kopf behalten. Sie sind eine sehr beneidenswerte Minderheit.

Nach der Beziehung hört man also so schnell nicht auf, Dinge zu verlieren - wenn man so will. Diese Auseinanderrechnung des Lebens hat natürlich nicht nur Tränen und persönliche Entscheidungen zum Inhalt. Es ist auch die Stunde der Juristen. Ob der gemeinsame Anwalt, oder zwei sich gegenüber stehende Advokaten, die jeweils ihre Seite vertreten...Wie das Standesamt das Bündnis offiziell besiegelt, muss in Deutschland ein Gericht es offiziell auch wieder auseinander rechnen. Kostspielige und langwierige Verfahren können einen erwarten. Und was oft als Nebenkriegsschauplatz wirkt, kann schnell zum eigentlichen Spießrutenlauf durch das deutsche Rechtssystem werden. Deshalb werdet ihr hier bald auch mehr zu diesem Aspekt der Scheidung lesen können. Ich konnte zwei Experten gewinnen, die uns demnächst Rede und Antwort stehen und uns die Spielregeln des rechtlichen Teils der Scheidung erklären.

Vorher aber noch ein Thema, dass vor mir besonders am Herzen hängt. Kinder und Scheidungen.

Scheidungsgründe

Geschrieben am 10.12.09 um 10:03 Uhr

Scheidungsgründe

Wie versprochen, werden wir bis ins neue Jahr nun erstmal beim Thema Scheidungen bleiben. Heute kommen wir zur Frage warum sich Menschen scheiden lassen. Es gibt die kuriosesten Geschichten. Zum Beispiel gab es in München eine Ehe zwischen einem Lehrer und seiner ehemaligen Schülerin.

Um sie als Ehefrau einschätzen zu können, gab er ihr jeden Tag Noten. Wie gut war das Essen, wie sauber die Wohnung, wie prickelnd der Sex. Am Ende der Woche zog er Bilanz und ihr Haushaltsgeld wurde danach bestimmt, wie gut sie abgeschnitten hatte. Scheidung nach zwei Jahren.  

Ganz so spektakulär sind die meisten Scheidungen nicht. Zuverlässige Statistiken gibt es zwar nicht, aber der Favorit bleibt das "Wir haben uns auseinander gelebt". Danach kommen Untreue/Neue Partner und unvereinbare Zukunftspläne. Kommt Euch bekannt vor? Genau, ein paar Monate früher habt Ihr das schon mal gelesen, denke ich, als ich über Trennungsgründe nachdachte. Es scheint so, als seien Ehen für dieselben Probleme anfällig, wie es die gewöhnliche Beziehung auch ist. Irgendwie ist das auch nicht überraschend. Das man so etwas in der Beziehung erwartet, aber eigentlich die Ehe nicht betreffen sollte, mag einige Nasen zum rümpfen bringen. Wer meinen Blog öfters liest, der sollte inzwischen wissen, dass ich kein großer Fan der Idee bin, man könne irgendwas vorhersagen, wenn es um die Liebe geht. Ich denke, man kann sich zehn Jahre lieben und sich dann auseinander leben. Man kann sich 15 Jahre lang auseinander leben und es plötzlich über Nacht feststellen. Ehen sind halt auch nur Beziehungen, die allerdings langfristiger geführt werden. Meistens. Das tut ihnen halt nicht immer gut. Man kennt ja die Probleme aus seinem Freundeskreis. Ein Freund macht seiner Frau einen Antrag. Nicht weil er sie liebt, dass weiß er nun echt schon etwas länger. Nicht weil er das Gefühl hat, er würde sie sonst verlieren. Solche Gedanken gibt es in Krisen mal, aber dann ziehen Männer wie Frauen so was nicht durch. Er tut es, weil er findet, es wäre an der Zeit. Oder sie ist schwanger. Frauen haben zudem noch diese biologische Uhr, die sie unter Druck setzt. Und es gibt natürlich noch die Nestbauerin, die so von Hause aus erzogen wurde... Viele tun es, weil es eine gute Idee zu sein scheint. Die schlimmste Sorte tut es, weil sie ganz, ganz fest an ihre Liebe glaubt. Die wissen dann nicht, dass Ehen auch mal Arbeit erfordern oder anstrengend werden und werden sich wahrscheinlich schneller auseinander leben als ihnen lieb ist.
Dann "tun" einige Paare es einfach ganz fix, weil sie es wollen. Schnell heiraten und sich feiern lassen. Weil's so cool ist. Solche kann man eh dann vergessen.
Alles in allem sind das nicht unbedingt die Gründe, die ein späteres Scheitern ausschließen. Und nicht alle verheirateten Menschen tun dies aus Liebe. Manche denken einfach, sie kriegen nichts Besseres oder sind zu faul zum Suchen und nehmen das, was sie haben. Obwohl solche "pragmatischen" Entscheidungen oft wirken, als wären sie ganz besonders vernünftig, sind sie meistens einfach nur Entscheidungen. Und natürlich sind auch solche Entscheidungen anfällig für Fehler. Sie werden nämlich immer nur zu einem Zeitpunkt für eine Situation gegeben und wenn sich die Dinge ändern, sind sie überholt.
Warum scheitern Ehen also? Weil unperfekte Menschen unperfekte Beziehungen führen und ein Ring wenig daran ändert. Man gibt der Sache vielleicht eine Extra-Chance, ein paar Jahre um die Krise zu überwinden, aber wenn man wirklich, wirklich darüber nachdenkt, dann ist das vielleicht nicht immer ein Segen. Was ist denn dann anderes an der Ehe? Die Einstellungen der Beteiligten. Und die Erwartungen. Aber weil der Mensch ja nicht gegen seine Natur kann und weil nun mal alles irgendwann zu Ende geht, wird man irgendwann auch diesen Enthusiasmus verlieren. Manchmal ersetzt man ihn mit etwas Neuem. Manchmal schafft man das nicht. Dann fehlt etwas und die Lücke wird immer größer und irgendwann spricht man es offen aus. Man hat sich auseinander gelebt. Kennen wir das nicht irgendwoher? Ja, stimmt. Auch bei Trennungen war das nicht anders. Aber Ehen sind keine einfachen Beziehungen. Man schafft Familien durch sie und das ist etwas mehr als eine gemeinsame CD-Sammlung. Kinder, Häuser, Konten und vor allem Träume müssen bei einer Scheidung durch zwei geteilt werden. Eine Familie muss wieder in zwei Leben aufsplittert werden. Und das ist nicht so einfach.
Nächste Woche beginne ich daher mit einer Serie über die bitteren Konsequenzen der Scheidung.

Scheidung - Die Trennung für Fortgeschrittene

Geschrieben am 02.12.09 um 10:32 Uhr

Scheidung- Die Trennung für Fortgeschrittene

Wir haben über jede Art von Trennung gesprochen. Nur über die einschneidendste und radikalste Art der Trennung habe ich nie wirklich geschrieben. Die Scheidung. Was macht die  Scheidung so schlimm? Es ist die Vorgeschichte, die eine jede Scheidung hat.

Irgendwann hat man sich entschlossen, zu heiraten. Und meistens war dieser Entschluss mit dem Gedanken verbunden, für immer zusammen zu bleiben. Eine Familie zu gründen. Gemeinsam eine Zukunft aufzubauen, alt zu werden und schließlich den Rest des Lebens miteinander zu verbringen. Irgendwann steht man dann wieder gemeinsam vor einer Amtsperson: Jetzt ist diese aber kein Standesbeamter, sondern ein Richter. Und man gibt den Traum von der Zweisamkeit auf. Man verwirft das ganze Konzept des gemeinsamen Lebens. Man beendet auch die Beziehung.
Laut des statistischen Bundesamtes haben sich 2008 insgesamt 191.948 Paare scheiden lassen. Eine ziemlich beeindruckende Zahl. Die Jahre davor waren etwas besser, aber alles in allem bleiben die Zahlen konstant auf diesem Niveau. Das Scheitern von Ehen ist daher längst kein Einzelereignis mehr. Es passiert ständig und es passiert überall. In den nächsten Wochen werden wir uns daher mit diesem Thema beschäftigen: Mit der Scheidung. Mir ist natürlich nicht entgangen, dass viele meiner Leser, wenn sie meine Artikel auf ihr Leben beziehen, von Scheidungen reden. Und auch auf die Hochzeitswelle in meinem persönlichen Umfeld folgte eine Scheidungswelle - mit ein paar Jahren Verzögerung natürlich. Gerade hat sich meine beste Freundin von ihrem Mann getrennt. Scheidungen von Ihrer schlimmsten Seite habe ich aber in meiner Zeit bei Gericht kennen gelernt. Hier standen sich häufig beide Seiten verbittert und ohne eine Möglichkeit zum Gespräch gegenüber.
Warum habe ich so lange damit gewartet, dieses Thema anzusprechen? Weil ich zunächst lange darüber nachgedacht, mit vielen Freunden viele Gespräche über ihre Erfahrungen geführt und mir eine Menge traurige Geschichten angehört habe. Ich selbst war nie verheiratet. Ich bin daher auch nie geschieden worden. Und ich schreibe ungern über etwas, worüber ich nichts weiß. Ein paar Dinge habe ich aber inzwischen herausgefunden: Wenn man heiratet, ändert dies vieles. Vielleicht nicht der Tag, an dem man es tut. Aber schon der Prozess bis zur Hochzeit macht aus einem Pärchen eine Ehe. Aus zwei Menschen wird eine Familie. Man legt sich fest. Man zeigt öffentlich und unwiderruflich sein Vertrauen in die Beziehung. Unwiderruflich? Ja. Irgendwie schon. Denn zu dem Menschen, der man vor diesem Versprechen war, kann man nie wieder zurückkehren. Auch eine Scheidung macht einen nicht wieder zu dem Menschen, der man vor der Ehe war. Eine Scheidung ist kein Rückspulknopf. Es gibt im Leben sowieso gar keine Rückspulknöpfe. Eine Scheidung ist der Verlust von etwas. Manchmal, wenn man es hart genug probiert hat und trotzdem scheitert, dann ist es auch eine Erlösung. In den schlimmsten Fällen mag es sogar ein Befreiungsschlag sein. Leicht ist es nie.
Es gibt keine Scheidung, ohne dass eine Ehe gescheitert ist. Egal, unter wie viel Freundschaft man diese Erkenntnis verbirgt, irgendwie ist dies ja doch immer die bittere Wahrheit. Man heiratet nicht, um sich scheiden zu lassen. Die Scheidung ist damit das Ende von etwas, dass gar nicht enden sollte. Warum passiert so etwas? Welche Probleme stellen sich einem dabei? Sowohl menschlich als auch juristisch? Und was ist mit den anderen Leidtragenden? Den Kindern? Den neuen Partnern? Können Scheidungen Fehler sein? All diese Fragen möchte ich in den nächsten Wochen mit gebotener Sorgfalt erforschen.

Praxistest - Überlebensstrategien VIII

Geschrieben am 25.11.09 um 10:35 Uhr

Praxistest - Überlebensstrategien VIII

Esoterik: Der kleine Bruder der Religion ist für Menschen, die daran glauben, die Lösung für fast alles. Es ist manchmal schwer, das alles ernst zu nehmen, aber es gibt zweifelsfrei Leute die genau das tun. Also werde ich mir das auch mal genauer angucken.

Meine eigenen Erfahrungen mit so etwas sind eher bescheiden, aber dank eines übergroßen, pflegeleichten Freundeskreises, habe ich ein paar Dinge erfahren...
Nicht selten, wenn man ganz am Boden ist, kommen Leute und wollen helfen. Mit Vorschlägen, die aus ihrem großen "spirituellen Verständnis" der Welt herrühren. Sie sprechen dann gerne über:

Meditation

Nun, seit Jahrtausenden meditieren Menschen. Ich selbst habe das lange praktiziert. Allerdings ist ruhig bleiben immer so eine Sache, wenn man aufgeregt ist. Daher ist wohl die Zeit der Trennung kein guter Zeitpunkt, um damit anzufangen. Meditation kann trotzdem helfen. Das will ich gar nicht bezweifeln. Es soll Ruhe bringen und innere Kraft. Man befreit sich von schlechten Gedanken und reinigt den Geist. Nun, so schlecht klingt das gar nicht, oder? Es gibt viele Arten der Meditation, die aus verschiedenen Traditionen kommen und verschiedenen Zwecken dienen sollen. Ich selbst vergleiche Meditation immer ein wenig mit schlafen. Es tut ohne Frage gut. Aber wenn man aufwacht, sind die Probleme in der Regel immer noch da. Kann man sie besser akzeptieren? Oder ist man gleichmütiger? Das hängt wohl von einem selbst ab. Nein, da halte ich ausnahmsweise mal meine Klappe. Wer glaubt, dass meditieren hilft, dem sei geholfen. Alle anderen haben inzwischen eine lange Liste an Alternativen hier im Blog.

Energien sammeln

Etwas ungewöhnlicher, aber mit dem Thema oben oft verbunden, ist das Sammeln positiver Energien. Ob mit Pendeln, weißem Licht, dem Ablegen des Irdischen (dahinter stecken meistens Leute, die so nett sind, Euch von Eurem Geld zu befreien) oder durch die Übertragung positiver Energien von einem Körper zum anderen (ratet was dahinter steckt) - es gibt viele Wege. Natürlich gibt es auch verschiedene Rituale der Reinigung, um negative Energien abzuführen. Das alles basiert mehr oder weniger auf Reiki, dem asiatischen Heilverfahren, das an die Kanalisierung von Energien zur Heilung glaubt. Eine Art universelle Lehre jener Energien, die wir nicht sehen können. Inzwischen kann Reiki alles: Von der Herzchirurgie zur Behandlung der Depression. Man kann sagen Reiki is "in"...
Helfen sie, diese Energien? Nicht wirklich. Zumindest sagen das Studien. Außer dem berühmten Placeboeffekt wurde keine heilende Wirkung festgestellt. Helfen sie gegen Liebeskummer? Na ja, wenn man ganz fest dran glaubt...

Bachblüten

Vor nicht all zu langer Zeit hat ein Mitglied meiner Leserschaft in den Kommentaren empfohlen, man solle meinen Artikel vergessen und lieber in Gesprächen mit Freunden und Bachblüten den Schmerz der Beziehung in positive Energien umwandeln. Ja, so etwas können Bachblüten! Bachblüten können so einiges, wovon wir Menschen einfach keine Ahnung haben. Zumindest wenn man den Bachblütenanhängern glauben will. Man kann da auf diverse Seiten gehen oder auch dicke, teure Bücher kaufen. Man kann sogar Seminare besuchen. Studieren kann man es allerdings nicht. Auch kann man es wissenschaftlich nicht nachweisen. Man findet sogar unterschiedliche Aussagen von unterschiedlichen Richtungen der Bachblütenfreunde...

Versteht mich nicht falsch. Es spricht nichts dagegen. Und wem es gefällt und hilft, okay. Wem das alles etwas komisch vorkommt, dem soll aber bitte nicht geraten werden Bachblüten seien der einzige Weg. Das geht dann vielleicht doch etwas weit.

Der ganze Rest...

Natürlich streife ich hier nur die vielen, vielen Möglichkeiten, die uns moderne Spiritualität zur Verfügung stellt, unser Geld auszugeben und uns mit unserem Leid zu beschäftigen. Fast alle versprechen Besserung und Einsicht. Tarot-Karten, Kristall-Therapie, Pilgerreisen, Gruppensitzungen, Heilfasten, Astrologie, gute Hexerei (inklusive Flüchen, Tränken etc.) und natürlich die Traumdeutung. Um nur mal ein paar zu nennen. Alle versprechen irgendwie Linderung und wenn man daran glaubt klappt das vielleicht auch. So ist das halt mit glauben?

Aber ich will mal ganz klar sagen, dass die Leute, die mit so was kommen, wenn man gerade ganz am Boden ist, mit Vorsicht zu genießen sind. Quasi-religiöser Kram, der darauf beruht, dass du doch jetzt bitte Vertrauen, Vertrauen und noch mehr blindes Vertrauen schenkst, damit du besser über deine Trennung vom Ex hinweg kommst, ist keine Hilfe. Da nutzt jemand die Situation aus.

So, und damit sind meine Überlebensstrategien erstmal erschöpft. Nächste Woche dann zu trockenen, aber wichtigen Themen für alle, die hier ihren Partner fürs Leben finden. Nächste Woche reden wir über das neue Scheidungsrecht.

Praxistest - Überlebensstrategien VI

Geschrieben am 17.11.09 um 14:05 Uhr

Praxistest - Überlebensstrategien VI

Kreativität: Fast jeder glaubt sie zu haben, manche besitzen sie wirklich. Jetzt macht dein Partner Schluss. Was tun? Fang an und tobe dich aus. Wo? Am Medium deiner Wahl. Wenn alles weh tut, haben die Besten die größten Werke erschaffen.

Goethe, Nietzsche und wenn die Legende stimmt, sogar Homer. Sie alle haben Unsterbliches geschaffen, weil sie Liebeskummer hatten.


Kunst

Ja, warum eigentlich nicht? Malen, Schreiben, Dichten? All das geht eigentlich eher leichter, wenn man leidet. Woher kommen Eurer Meinung traurige Liebeslieder? Woher die schmerzerfüllten Gedichte? Wird man Meisterwerke erschaffen? Kann natürlich passieren - ist aber eher unwahrscheinlich! Ich schreibe hier keinen Blog über kreatives Arbeiten, sondern über Liebeskummer. Man wird sich den ganzen Kram einmal von der Seele malen, schreiben und am nächsten Tag wundert man sich, wie gut das Produkt ist, oder einfach wie man so etwas Peinliches machen konnte. Ist egal, man muss es ja nicht rahmen und aufhängen oder irgendwem geben. Einfach machen lautet die Devise.

Tagebuch schreiben

Ich persönlich habe ca. 800 Seiten peinliche Tagebucheinträge, die ich heute in einer Munitionskiste in meinem Arbeitszimmer aufhebe. Alle sind schlimm und alle taten gut. Probiert es. Schreibt über Eure Gefühle, Eure Erinnerungen, sortiert Eure Gedenken auf einem geduldigen, weisen Stück Papier. Schmiedet Pläne, macht To-Do Listen und Lippenbekenntnisse ein besserer, stärkerer Mensch zu werden. Macht es einfach. Es hilft. Und wenn nicht: Gibt's entweder die oben erwähnte Variante oder aber...

Musik

Ja, ich weiß, Musik ist auch Kunst. Aber es ist eine besondere Art von Kunst. Sie ist ein unmittelbarer Zugang zu unserem Herzen. Also ist sie auch ein schneller heilendes Medikament? Oh, das ist schwierig. Man kann Musik missbrauchen um sein Leiden bis in alle Ewigkeit in die Länge zu ziehen. Eine gute Dosis trauriger Lieder macht das mit einem. Auch wenn man sie selbst spielt, singt oder arrangiert. Trotzdem, Musik ist einfach etwas Direktes, Gradliniges. Ein Weg, die Emotionen in die richtige Form zu bringen oder einfach nur um Krach zu machen. Was immer auch hilft.

Tanzen

Oh ja, ich nehme das mal zum Thema Kunst dazu, obwohl das auch gut bei Sport gewesen wäre. Tanzen. Ob eine ausgefeilte Choreografie, Ballett, GoGo-Tanz, Striptease oder einfach nur mal abzappeln auf der nächsten 80er Party oder im angesagtesten Club der Stadt...wer kann traurig sein beim Tanzen? Hm, Tanzen hilft. Guckt Euch kleine Kinder an. Das erste, was sie tun ist lachen und dabei zu jeder Art von Musik ihre Hüften schwingen. Tanzen ist etwas Natürliches. Also vergesst mal alles und tanzt!

Praxistest - Überlebensstrategien V

Geschrieben am 10.11.09 um 12:02 Uhr

Praxistest - Überlebensstrategien V

Arbeit. Irgendwie kommen wir alle nicht drum herum. Noch nicht einmal die, die es versuchen. Arbeit ist das, was wir nun mal die längste Zeit unseres Lebens machen. Also kann Arbeit uns vielleicht auch mal helfen? Anstatt immer nur unser Privatleben mit Forderungen zu attackieren und uns zu nerven? Ja, vielleicht.

Arbeiten, weil man es liebt

Manche von uns lieben das, was wir tun. Ich zum Beispiel, unter anderem...schreibe Blogs und alle möglichen anderen Sachen. Und wenn ich mit gebrochenem Herzen dasitze, höre ich den Laptop flüstern, ich sollte doch bitte mal was aufschreiben. Obwohl das eher in die kreative Überlebensstrategie führt, die ich bad thematisieren wollte. Aber auch so eine miese, kniffelige Akte kann einen auf andere Gedanken bringen. Eine Nachtschicht, nach der man auch mal schläft wie ein Baby. Bezahlte Überstunden. Verdammt, wenn man mag, was man tut, ist es besser als Trübsal blasen.

Arbeiten, weil man es hasst

Und wenn man es nicht mag? Dann ist da immer noch eine Karriere, Geld und am Ende des Tages ist alles besser, als sich dem Schmerz hinzugeben. Vielleicht kann man ja seinen Chef mal auf seine Seite kriegen, wenn der merkt, dass man plötzlich in einem Arbeitsamoklauf das gesamte Büro ummodelt, oder alle Krankschichten der Kollegen übernimmt. Ich habe mal eine kurze Karriere in einer Firma auf Liebeskummer aufgebaut. Ich habe da praktisch gearbeitet, bis ich ihn los war. Und wurde dann befördert. Was mich zu Punkt 1 brachte und sehr viel mehr Spaß machte. Arbeit ist immer da. Man sollte auf keinen Fall aufgeben und alles hinwerfen, weil es privat nicht gut läuft. Wenn man das hinbekommt und den Frust einer Trennung in Produktivität umsetzt, hat man ganz fix einen guten Motor um endlos weiter zu arbeiten.

Arbeiten, weil man nichts anderes hat

Manchmal bleibt einem ja auch nichts anderes übrig, als zu arbeiten. Man hat halt einen Job, bei dem man sechs Tage die Woche bis 23:00 Uhr arbeitet. Mehr ist da nicht. Gut für den, dem gerade das Herz gebrochen wurde. Klar, er kann alles, was ich hier seit Wochen nur noch auf den Sonntag verlege, aber dafür wird er - ob er will oder nicht - die Grundregel aller Überlebensstrategien einhalten: Er wird sich nicht seinem Schmerz passiv hingeben. Er wird das tun, was er immer tut: Arbeiten. Eine solche Stabilität kann Dich nerven, wenn man das Gefühl hat, die Welt sollte eigentlich jetzt mal explodieren, um die Situation angemessen zu repräsentieren. Trotzdem kann man nicht umfallen, wenn man keinen Platz zum Fallen hat. Man bleibt stehen. Bis man wieder die Kraft hat, auf eigenen Beinen sogar ein paar Schritte zu machen. Es gibt vielleicht coolere, angenehmere Wege dadurch zu kommen. Aber die gibt's doch immer für alles, oder?

Praxistest - Überlebensstrategien IV

Geschrieben am 03.11.09 um 15:56 Uhr

Praxistest - Überlebensstrategien IV

In den Kommentaren von letzter Woche erwähnte jemand seine Anmeldung im Fitnessstudio. Interessant, denn genau das soll diese Woche mein Thema sein. Sport als Überlebensstrategie nach der Trennung? Ja, so was kann funktionieren.

Sport machen

Sport ist nämlich so was wie ein Allheilmittel. Es macht den Kopf klar, das Herz frei und tut dabei auch noch der Figur gut. Sport gibt einem Selbstvertrauen. Sport macht außerdem Spaß. Und das kommt jetzt von jemandem, der nicht unbedingt zu den größten Fans von Sport gehört. Egal,  ob das effektive Fitnesszentrum, der geliebte Sportverein oder die eigene Mannschaft. Härter trainieren schadet nie, aber kann dem einen oder anderen helfen Dinge in die richtige Perspektive zu rücken. Dass man attraktiver wird, schadet ja auch nicht. Da macht man vielleicht gleich mit den Lösungsstrategien von letzter Woche weiter. Es gibt natürlich die Leute, die sich frustriert ein paar Pfunde anfressen und nicht mehr raus gehen, sich eine Weile einfach mal gehen lassend. Persönlich halte ich eher weniger davon. Schlicht, weil die irgendwie nie so wirkten, als würde ihnen das was bringen. Wenn man aus gegebenem Anlass Aggressionen verspürt, ist Laufen bis zum Umfallen auch eine gute Art damit umzugehen. Und das Gesicht vom Nebenbuhler auf dem Sandsack sorgt für erstaunliche Trainingserfolge beim Boxen. Glaubt mir.

Extremsport

Ach ja, dann gibt's noch das Flirten mit der Gefahr. Habt Ihr Euch mal aus einem Flugzeug geworfen und die Erde näher kommen lassen, nur einen Fallschirm, den Ihr besser rechtzeitig öffnen solltet - zwischen euch und dem Ende? An was denkt man da? Wohl nicht an Beziehungsprobleme. Bungee-Jumping, Skysurfing bzw. -diving oder Training für den Iron Man. Freefight, für die härteren Genossen. Off road skiing. Was auch immer. Es ist befreiend, verrückt zu sein. Es ist befreiend, sich zu verausgaben. Wie verrückt und verausgabt man dann am Ende sein will, bleibt jedem selbst überlassen. Aber wer flirtet, leidet nicht. Das gilt sogar für einen Flirt mit der Gefahr.

Denksport

Ein Freund von mir hat sich einmal von seiner langjährigen Freundin getrennt und dann angefangen Schach zu spielen. Sportlich war er, eine Affäre hatte er auch. Aber er merkte, dass es ihm besser ging, als er anfing Schach zu spielen. Irgendwie verstand ich ihn. Das ist eine kleine Welt für sich, funktioniert nach einfachen Regeln und man hat klare Ziele. Weniger Verwirrung gibt es nicht. Keine Allianzen, keine Verbindungen. Nur einen selbst und den Gegner. In seinem Fall oft ich und sein Computer. Natürlich muss es nicht Schach sein. Sudoku, Kreuzworträtsel, Puzzle, was auch immer...ein Versuch ist es wert.

Können Leute etwa traurige Gedanken abarbeiten, wegdrängen? Interessante Idee, oder?  

Nächste Woche mehr dazu.

Praxistest - Überlebensstrategien III

Geschrieben am 19.10.09 um 14:54 Uhr

Praxistest - Überlebensstrategien III

Wenn man aber weder die ruhige, noch die aggressiven Strategien versucht um über seine Trennung hinweg zu kommen, gibt's nur noch die Strategien, die nichts - oder zumindest nicht direkt - mit dem Ex zu tun haben. Sex ist eine Strategie, die, wenn schon kein Hilfe, zumindest etwas Spaß verspricht.




One Night Stand

Der berühmte ONS um über den/die Ex hinweg zu kommen. Haben wir das nicht alle schon mal probiert? Vorausgesetzt man ist in der Position, so was bewerkstelligen zu können, spricht ja nichts gegen den Versuch. Das kostet nichts (außer die Drinks) und bei halbwegs weiser Auswahl kann es auch ganz kurzweilig sein. Meistens poliert es das Ego enorm. Gerade, weil es nach einer zerbrochenen Beziehung passiert. Abgewiesen oder unattraktiv hat sich beim Sex noch keiner gefühlt, oder?
Nur hält dieses Gefühl meistens nicht lange an. Und beim zweiten, spätesten dritten Mal wird es etwas verzweifelt. Wenn man es dann auch noch nötig hat, es dem Ex unter die Nase zu reiben und der antwortet: "Ja ich auch."...dann geht der ganze Spaß auch noch nach hinten los.
Trotzdem, gegen die sexuellen Entzugserscheinungen nach der Beziehung hilft es. Wie der Alkohol kann es in zeitlich begrenzten und intensiven Dosen auch mal gegen Einsamkeit helfen. Eine Dauerlösung ist das allerdings nicht. Als Pflaster für die geschundene Seele aber durchaus empfehlenswert.
Vorsicht jedoch bei der Partnerwahl. Gemeinsame Freunde, die besten Freunde des Ex/der Ex oder sogar der eigene beste Freund/beste Freundin führen wahrscheinlich zu großem Drama. Entweder man macht dann beim Thema "Rache" weiter, siehe letzte Woche, oder bei unserem zweiten Thema von heute...

Die neue Beziehung

Ja, man kann sich einfach ins Nächste stürzen. Es gibt Menschen, die können gleich etwas Neues aufbauen. Bei den meisten ist das um sich besser zu fühlen und hält nicht lange. Egal, wenn man das will, kann man das versuchen. Schlecht fühlen sich frisch Zusammengekommene meist nicht. Sogar, wenn man alte Beziehungsreste hat, kann so was helfen. Aber so richtig Stil hat es auch wieder nicht. Wahllos und beliebig ist das.
Wenn es da natürlich jemanden gibt, bei dem es BOOM macht oder sogar immer jemanden gab, mit dem es knisterte, aber aus Rücksicht auf den Ex/die Ex man sich zurückgehalten hat...Getrennte sind Singles per Definition. Also sollte man sich nicht, bloß weil es einem schlecht geht, von irgendwas abhalten lassen. Solange man glaubt, man kriegt das zusammen, ist man frei. Und Beschwerden vom Ex sind dann oft Balsam für die Seele.

Enthaltsamkeit

Das klingt komisch, aber ich persönlich schwöre darauf. Aussteigen aus dem "Mann-Frau"-Spiel auf begrenzte Zeit. Sagen wir zum Beispiel für sechs Monate, in denen der Fokus auf Beruf, Freunde und Hobbies liegt.
Es hilft einem, sich im Leben wieder zurecht zu finden. Zu entdecken, dass es Dinge gibt, die nichts damit zu tun haben, wie attraktiv mein Ego sich heute fühlt oder wie sehr meine Ex mich noch liebt. Zurückweisungen gibt es nicht, wenn man sich nicht anbietet. Und wenn man sich erholt hat und soweit ist...merkt man das schon.

Praxistest - Überlebensstrategien II

Geschrieben am 12.10.09 um 17:07 Uhr

Praxistest - Überlebensstrategien II

Nach den friedlichen und herkömmlichen Arten eine Beziehung zu überwinden will ich diese Woche doch mal auf die andere Schiene: Aggressive Verarbeitungsmodi.

Lagerfeuer

Natürlich kann man auch zum Strand fahren und ein schönes, gemütliches Lagerfeuer machen. Ich rede hier aber vom Lagerfeuer mit den Sachen des/der Ex. Die Fotos, Briefe und Geschenke sind dabei eine Variante. Ein symbolisches Loslassen oder einfach ein symbolisches "Du kannst mich mal". Es hat etwas von einer Beerdigung. Es gibt aber natürlich auch noch die grausame Variante. Wenn der/die Ex seine/ ihre Sachen einfach nicht abholen will, kann man den Lieblingspulli ja wenigstens sinnvoll als Wärmespender einsetzen. Vom juristischen Standpunkt können da Schadensersatzansprüche auf einen zukommen, vom menschlichen Standpunkt vor allem Vorwürfe. Aber was soll es,  wenn man den Gedanken nicht los wird. Und dem anderen eh alles egal ist!  

Ich hab's mal gemacht und verdammt, ich habe mich besser gefühlt.

Brandschutzregeln sind natürlich zu beachten. Eiseneimer, draußen und nicht in der Nähe von brennbarem Material. Außer vielleicht den anderen Sachen, die reinfallen könnten.

Telefonterror

Oh ja, das ist eine merkwürdig häufige Strategie der Beziehungsbewältigung. Ich dachte immer Frauen würden dazu neigen, aber ich kenne inzwischen auch genug Männer, die das tun. Ist eigentlich strafbar und das ist auch gut so. Es macht den Leuten Angst und das einzige, das man damit beweist, ist, dass der Partner recht hatte sich zu trennen. Egal wie schrecklich der Partner ist, das heißt ja nicht, dass man als kranker Psycho ständig anrufen muss, oder? Als Tipp für alle Opfer, man kann Nummern auch sperren lassen.

Rache

Meistens phantasiert man ja nur drüber, aber oft genug zieht das auch jemand einfach durch. Simple, übelste, brutalste, billigste Rache. Tue dem anderen weh und hoffe, dass es dir dann besser geht.
Ich werde gar nicht drauf eingehen, was es hier alles für Möglichkeiten gibt. Von Infos an die Steuer, über Schlafen mit dem besten Freund oder Verpfeifen bei der Polizei oder einfach dem Zerkratzen des Autos. Man hat da eine große Bandbreite. Nicht alles ist legal. Aber es gibt genug, das sogar gesetzlich befürwortet wird, aber einfach nur moralisch fragwürdig ist. Und die Moral ist einem ja eh egal. Die biegt man sich mit ein paar Ausreden wieder hin. Ich werde hier auch keinem erzählen, danach fühlte man sich schlechter. Das hört man von großen Moralisten ja öfters, aber so richtig wahr ist das nicht. Wenn Menschen, die einen leiden lassen, nicht mehr ganz soviel Spaß haben am Leben ist das nicht so übel. Aber im Ernst...erwachsen ist das nicht. Loslassen sieht eh anders aus und ob man die Antwort verkraftet ist eine andere Sache.

Rache wird schnell zur Kriegserklärung und ehe man sich versieht, stehen alle Beteiligten vor Trümmerhaufen und keiner hat etwas gewonnen. Bei Rache gibt?s halt auch nichts zu gewinnen außer einem besseren Gefühl. Das ist nur oft nicht von Dauer. Und dass man anschließend keine Freunde bleibt oder es schafft, eine konstruktive Beziehung mit dem/der Ex aufzubauen, ist selbstverständlich.

Praxistest - Überlebensstrategien I

Geschrieben am 06.10.09 um 12:44 Uhr

Praxistest - Überlebensstrategien I

Der Praxistest untersucht diese Woche die drei herkömmlichen Strategien der Trennungsüberwindung. Reden, Trinken, Essen.

Reden

Es ist das älteste Rezept der Welt. Es soll alles heilen und es ist völlig kostenlos. Außer dem Kaffee, den man vielleicht kredenzen muss und den Freunden, die irgendwann genervt sind. Man redet drüber. Redet sich all den Schmerz von der Seele. Fehler. Verletzungen. Erinnerungen. Es hilft. Das kann niemand ernsthaft bestreiten. Ich denke, egal welche Strategie man wählt, man wird nie darauf verzichten können, mit irgendwem irgendwann darüber zu reden. Das Wichtigste beim "darüber Reden" ist natürlich der richtige Partner. Jemand, der ehrlich ist und reflektieren kann, was man ihm sagt, jemand, der für einen da ist, ohne Hintergedanken, ein Freund im eigentlichen Sinne. Wenn man gute Freunde hat, kann sogar "nicht darüber reden" helfen, weil trotzdem alles gesagt ist. Aber ich kann nichts Falsches daran finden, sich mit dem, was passiert ist, auseinander zu setzen, wenn es einen beschäftigt.

Trinken

Umstrittener ist wohl die nächste Strategie. Trinken. Und ich meine da nicht Coca Cola. Ich rede natürlich von Alkohol. Wie Grönemeyer mal so treffend sagte, dem Rettungsanker in der Not. So ganz falsch ist das ja auch nicht. Ich muss sagen: Nach schlimmen Trennungen habe ich mich oft ziemlich betrunken, denn das bringt einem Erleichterung. Zwar nur für ein paar Stunden. Doch wenn es so richtig weh tut, ist das alles, was man erstmal braucht. ABER hier liegt die Gefahr. Offensichtlich. Wer mit Alkohol Schmerz betäubt und nie etwas gegen den Schmerz macht, hat bald ein neues Problem. Und ich muss sagen: Nicht wenige Menschen, die ich mit einem Alkoholproblem kenne, haben sich das nach Trennungen eingefangen. Gerade wenn Alkohol bei der Trennung eine Rolle spielt, wird hier eine Hassliebe geboren, bei der die Trennung nur noch als Alibi wirkt. Alkohol hat halt seine eigenen Gefahren. Und jetzt zu sagen, dass man das einschätzen sollte, ist natürlich Blödsinn. Gerade diejenigen, die es nicht können, neigen dazu ihre Probleme zu ertränken. Was da noch so alles im Alkohol umkommt ist dann eine andere Sache. Daher...Johnny Walker ist vielleicht euer Freund, aber zum Reden taugt er nicht und als Gesellschaft ist er auch nur begrenzt brauchbar. Ich empfehle die Flasche als Ausweg daher höchstens für den ersten Abend. Da allerdings kann sie Wunder wirken. Wenn man mit Freunden etwas trinkt und eine gute Zeit hat.

Essen

Praxistest - Überlebensstrategien I

Das habe ich nie so richtig in der Praxis ausprobieren können. Wenn ich mich trenne, höre ich immer auf zu essen und fange an Sport zu treiben (dazu bald mehr). Es gibt aber Leute, die stopfen sich bei Kummer mit Essen zu. Zucker soll ja glücklich machen. Aber ich bezweifle, dass eine Schokokuchen-Therapie gegen Einsamkeit hilft. In jedem Fall wird man bei Eintritt auf den Singlemarkt die Trennung dann wohl wieder abarbeiten müssen. Schon allein fürs Selbstwertgefühl. Aber natürlich ist Essen nicht nur das Ersticken allen Schmerzes mit Zuckerbergen. Es gibt ja Verschiedenes, was man tun kann. Zum Beispiel kann man anfangen, sich gesund zu ernähren. Kombiniert mit Sport fühlt man sich dabei bestimmt nicht schlechter. Und Veränderungen, soviel kann man ja mal grundsätzlich sagen, sind gut. Vor allem, wenn man Veränderungen verdaut, die man nicht wollte. Also weg mit Schatzis...sorry...Ex-Schatzis Lieblingsgerichten. Neues ausprobieren. Ich habe mal eine Beziehung ausgeheilt, indem ich begann Sushi zu machen. Klingt dumm? Kam gut an bei Frauen, war lecker und dazu gesund! Das exotische Flair ist ein Bonus. Auch einfach mal das zu essen, was man immer wollte und nie durfte, weil Schatz, Ex-Schatzi mein ich natürlich, allergisch war, das nicht mochte, das nicht gut hieß oder Lebensvorstellungen hatte, die dagegen sprachen. Oh Gott, ein Burger nach einer Beziehung mit einem Veganer führt einem so etwas von deutlich vor Augen, dass Trennungen auch ihre guten Seiten haben.

Trennungsschmerz, Teil 7 - Fallensuche

Geschrieben am 01.10.09 um 10:44 Uhr

Trennungsschmerz, Teil 7 - Fallensuche

Nun haben wir uns angeguckt, wie das aussieht mit dem Trennungsschmerz über die Monate und wie ich sehe, gab es dazu ja zustimmende wie auch abweichende Meinungen. So sollte das auch sein. Aber worüber wir zu wenig geredet haben, ist, was man da beim Trennungsschmerz alles falsch machen kann.

Dabei ist das so eine Art Kernproblem des Beziehungsabwicklungsschmerzes. Man baut so richtig viel Mist in der Zeit. Man ruft den Ex zum Beispiel ständig an oder spioniert ihm hinterher. Was auch immer man für Chancen hatte die ganze Sache zu kitten oder zumindest in positiver Erinnerung zu bleiben...So ein leichtes Stalking bringt einen ganz schnell in die Kategorie "großer Fehler" beim Ex. Und ist man da erst mal, kommt man da auch nicht raus, weil alle derselben Meinung sein werden. Der/Die Neue sowieso, die Freunde und Freundinnen auch und meistens finden das sogar die eigenen Jungs bzw. Mädels ein bisschen daneben. Klappen tut das mit Sicherheit nicht. Und zu wissen, dass der/die Ex mit einem anderen schläft, mag einem ja unglaublich wichtig erscheinen, ist es aber nicht. Über kurz oder lang tut sie das sicherlich und man selbst auch. Es ist nun mal Fakt, dass alle Menschen mit mehr als einem Partner im Leben Sex haben. Da hilft nix eifersüchtig zu sein. Das treibt die nur schneller in neue Hände.
Aggression ist da noch eine Spur schlimmer. Es gibt ja viele, die meinen, sie müssten ja noch mal general abrechnen. Danach fühlt man sich auch besser. Man verabredet sich zum Kaffee danach. Überrascht den/die Ex mit Vorwürfen und nutzt diesen Vorteil vorbereitet zu sein, um ihn/sie so richtig fertig zu machen.
Das kann oft schon beim ersten Versuch schief gehen, weil es einem erstens nicht gelingt. Zweitens der/die Andere dann einem plötzlich doch leid tut oder - was meistens passiert - nämlich drittens, man sicher eine Woche später die Retour vom Ex kriegt. Der danach nämlich so sauer ist, dass er eine Woche nur über die Fehler von einem selbst brütet. Jeder macht welche. So was gibt genug Stoff für so richtig üble Trennungen.
Weil getrennt aber getrennt ist, egal wie sauber oder übel, sollte man sich überlegen, ob man unbedingt Krieg erklären möchte. Das mag zwar kurzfristig helfen, aber loslassen und weiterleben ist etwas anderes, oder?  

Ab nächster Woche unterbrechen wir die Trennungsschmerzserie aus gegebenem Anlass und fragen nach einem sehr verwandten Thema. Wie kommt man denn nun am besten über eine Trennung hinweg? Ich habe den Praxistest gemacht.

Trennungsschmerz, Teil 6 - Ein paar Monate später...

Geschrieben am 23.09.09 um 11:56 Uhr

Trennungsschmerz, Teil 6 - Ein paar Monate später...

Und irgendwann ist es vorbei. Das ist eigentlich das Sensationelle am Trennungsschmerz: Er ist vorbei. Obwohl man sich das nie vorstellen konnte. Und trotzdem ist er mal dahergekommen, als würde er nie gehen.

Als wäre er gekommen, um zu bleiben. Das Schlimme: Man hat ihm das sogar geglaubt. Es kann einem meistens nur peinlich sein, wie sehr man an sein eigenes Elend glaubt. Immer wieder. Manche verstehen bereits mit 24, dass es immer irgendwie weiter geht, manche erst mit 52. Manche natürlich auch nie. Die werden besonders wütende Beiträge schreiben, wenn ich sage:  
Je schneller man versteht, dass es vorbei ist, desto schneller werden neue Gefühle Platz haben. Wer sich an das, was kaputt ist, klammert, der wird mit dem sinkenden Schiff im Zweifel untergehen. Solltet ihr auf euer Herz hören? Das Herz ist ein mieser Heuchler. Es erzählt euch immer dasselbe und konfrontiert euch nie mit harten Wahrheiten. Das Herz ist gut um einen Partner auszuwählen. Sobald die Dinge nicht mehr ganz toll sind, ist das Herz kein Berater mehr auf den man sich verlassen kann.

Hört doch mal auf euren Verstand. Einfach mal ausprobieren. Euer Herz wird euch erstmal wehtun um zu zeigen, dass man es nicht ignorieren darf. Klar. Aber was denkt Ihr, geschieht zwölf Monate später? Oder 24? Euer Verstand wird immer noch treu sein, euer Herz hat immer noch dieselben Ratschläge für euch bereit. Susanne heißt jetzt nur anders und die neue Beziehung ist natürlich ein ganz, ganz anderer, einzigartiger Juwel als die acht davor die einem auch so vorkamen. Das macht das Leben einfach, solange alles gut läuft und es macht ein Leben miserabel, wenn es schief geht.  

Darum ist es gut, wenn man ein paar Monate später merkt, dass der Verstand einem sagt, ob es richtig oder falsch war. Ob sich am Ende alles gelohnt hat - und wo es jetzt hingeht.  

Einige wenige werden auch nach Jahren noch mit ihrem gebrochenen Herzen kämpfen. Den Schmerz spüren. Das sind entweder die Leute, die es so wollen oder aber die, denen sehr schlimm weh getan wurde. Letztere können einem nur leid tun. Denn so etwas kann dauern. Und es gibt dann irgendwann kein einfaches Rezept mehr.  

Mit solchen Fällen beschäftigen wir uns aber sicher auch bald. Nächste Wochen zum Beispiel, wenn wir mal genauer darüber nachdenken, was die Fallen sind in die man tappt - Und wie man denen am Besten wieder entkommt.

Trennungsschmerz, Teil 5 - Der erste Monat

Geschrieben am 17.09.09 um 10:44 Uhr

Trennungsschmerz, Teil 5 - Der erste Monat

Dann irgendwann werden aus Tagen Wochen und aus Wochen wird ein Monat. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen an dem sich die Spreu vom Weizen trennt. Ob man schnell drüber wegkommt, weiß man in der Regel nach einem Monat. Es tut vielleicht noch weh, aber es ist nicht mehr so schlimm.

Nach einem Monat hat man langsam rausbekommen, was einem gut tut und was nicht: Vom guten Buch bis zur Affäre - in einem Monat hat man genügend Zeit, alles auszuprobieren.  

Einige von uns denken aber, dass sie sich nach dem ersten Monat nicht viel anders fühlen als nach dem ersten Tag, den ersten drei / vier Wochen - oder wann auch immer. Tja, manche Herzen sind angeknackst. Andere brechen. Einige, so hört man, sollen sogar einen Totalschaden erleiden.  

Nach einem Monat, wenn man sich die Mühe macht, sich selbst zu fragen wo man denn steht, weiß man, wie es bei einem aussieht. Eigentlich könnte man fast sagen wie es weiter geht, aber so schnell soweit sind wohl die wenigsten.  

Trotzdem bleiben uns die Problemfälle. Der Autor dieses Textes war mal einer davon und hat deshalb große Sympathien für all diejenigen, die sich zu dieser Sorte der Leidenden zählt. Irgendwann hat man sich ein System an Gedanken, eine Gewohnheit von Gefühlen aufgebaut, die nicht ständig da ist, aber trotzdem immer wiederkehrt. Schmerz in Endlosschleife. Ich empfand es im Nachhinein als Ohrwurm - den ich nicht los wurde. Ein trauriger Song, der mich immer wieder runterzieht. Irgendwann, nicht unbedingt nach einem Monat - aber vielleicht nach drei - wurde mir klar: Ich habe ein Problem. Ich sagte mir, dass ich das am nächsten Tag angehen würde, dass ich nicht aufgeben würde und dass ich mich nicht unterkriegen lassen würde. Ich legte mich Bett, voller Kampfeswillen. Ich wachte auf. Der Schmerz war weg.  

Nicht bei jedem wird das so einfach sein. Als Ratschlag kann ich deshalb nur wenig anbieten. Man sollte versuchen, sich mal neben sich zu stellen und drüber nachdenken, was man eigentlich gerade mit sich anstellt: Ist es das Wert? Das sollte man solange machen bis man sich sicher ist, das man es nicht mehr will. Das kann auch ruhig ein etwas längerer Zeitraum sein.  

Schmerz, der sich einmal festgesetzt hat, kriegt man nicht weggeredet, getrunken oder gewartet. Am besten ist da ein ehrlicher, gesunder Selbstexzorzismus. Der tut dann zwar noch einmal weh, aber danach ist wenigstens gut.

Trennungsschmerz, Teil 4 - Die Erste Woche

Geschrieben am 07.09.09 um 11:11 Uhr

Trennungsschmerz, Teil 4 - Die Erste Woche

Wir haben letzte Woche darüber nachgedacht, wie man mit Trennungsschmerz in den ersten Stunden umgeht. Hat man die überstanden, beginnen die harten Tage danach. Aber jetzt wird es auch einfacher. Denn egal wie schlimm es ist, in den ersten Tagen danach muss man zurück ins normale Leben.

In den Job, in die sozialen Netzwerke. Leute anrufen oder Treffen wahrnehmen. Arzttermine. Man wird wieder zum Mensch. Und ist nicht länger das Überbleibsel einer kaputten Beziehung.
Man wird vielleicht sogar wieder glücklich. Für kurze Zeit. Wenn man mal kurz vergisst, wie bescheuert eigentlich alles ist. Oder. Wenn man mal abschaltet. Es wird etwas besser. Warum? Biologie. Der Körper kann so wenig ewig unglücklich sein, wie er ewig glücklich sein kann.
Und nach einer Woche erschöpft sich das Unglück zum ersten Mal. Meiner Erfahrung nach. Natürlich, es bleibt ein bitterer Geschmack, während man durch die Welt streift ohne das jemand einen zu Hause erwartet.
Was kann man für Tipps geben in der ersten Woche? Geschäftig sein. Ein Fluch, wer frei hat, Zeit hat, nur zu Hause herumhängt, ohne dass Freunde, Mitbewohner oder Kinder einen da ablenken. Ein Segen, wer von Chefs, Freunden oder den Liebsten auf Trab gehalten wird.
Aufräumen muss man natürlich irgendwann. Die Sachen vom anderen rausräumen. Bloß nicht hinterher telefonieren, nein auf den Dachboden damit. Den anderen kommen lassen.
Manchmal geht das alles nicht so leicht. Da telefoniert man noch mal mit dem anderen und die ganze erste Woche wartet man dann auf Rückruf. Und wartet und wartet. Das sind die ersten Wochen, wie sie nicht sein sollten. Die ersten Wochen nach der Trennung, die nicht viel anders sind als die ersten Stunden oder Tage. Wenn es einem so geht dann ist hoffentlich irgendjemand da, der einem in den Hintern tritt.
In dieser ersten Woche werden aber die Weichen gestellt, was für eine Trennung man da gerade hat. Gehen hier die Dinge im Kopf schief, wird es hart. Und darüber denken wir nächste Woche nach. Den ersten Monat.

Will mich mein Ex zurück?

Geschrieben am 03.09.09 um 09:40 Uhr

Will mich mein Ex zurück?

Aus aktuellem Anlass unterbreche ich meine Serie und beschäftige mich heute mit einer Frage, die man sich häufig stellt, wenn es vorbei ist. Und sich plötzlich jemand meldet. Will mein Ex mich zurück?

Woran erkennt man das? Wenn er Blumen zum Geburtstag schickt oder sie nach einem Kaffee trinken mit ihm im Bett landet? Na ja, er kann einfach das Datum vergessen haben und sie hatte einfach nur Lust. 

Vielleicht erkennen wird, dass sie uns zurück wollen...wenn der Ex-Partner wieder etwas mit einem machen will? Nö. Vielleicht vermisst er einen, aber gibt der Sache keine Chance. Oder meinte das mit dem Freunde bleiben ernst. Wenn sie mich zu ihrer Party einlädt vielleicht? Wohl kaum. Da kommen ja eine ganze Menge Leute hin.  

Vielleicht bereuen unsere Partner aber auch das Beziehungsende und wollen uns einfach wieder. Ja vielleicht. Wissen wir es? 

Nein.  

Unser Ego will doch immer begehrt werden. Es glaubt gerne, man wolle uns zurück haben und das kann peinlich sein. Das Ego ist ja auch das, was am meisten weh tut, wenn der Partner Schluss macht. Was soll man also tun, wenn man den Eindruck hat, der Partner könnte vielleicht Interesse an einer Wiedervereinigung haben? Will man das? Wenn nicht, dann ist das der Moment, wo man auf Distanz geht. Schon beim Verdacht, sonst wird das nur kompliziert und man muss später ganz genau drüber reden. Man sollte, wenn man ihn nicht zurück will, vermeiden, mit ihm/ihr zu schlafen. Besonders wenn man nicht abgebrüht genug ist, später damit auch klar zu kommen, dass man das gemacht hat. Man sollte nicht über alles reden. Sonst kriegt man die andere Person später nicht mehr aus dem Leben raus. Man sollte Distanz wahren, notfalls ganz den Kontakt abbrechen. Man sollte auf jeden Fall verhindern in eine Position hineinzugeraten, wo der Ex Ansprüche stellen oder einem neue Vorwürfe machen kann. Oft haben die Rückeroberer mit ihren verletzten Gefühlen nämlich heimlich ihr Scheitern mit einberechnet und wollen einem nur den schwarzen Peter zuschieben. Nein, nein, haltet euch von den Ex fern, wenn ihr sie nicht wieder haben wollt.  

Und wenn doch? Dann kann man natürlich mit einem zu forschen Vorgehen die zarte Pflanze der zweiten Chance  gleich wieder zertrampeln. Abwarten ist mein Ratschlag und die Chancen ergreifen, die man kriegt. Wenn da noch was ist, klappt so etwas doch von selbst, sobald beide wollen. Man muss dann nur zusehen, dass, was immer zum Beziehungsende geführt hat, nicht mehr da ist und schon gar nicht im Wege steht.  

Leider gibt es da dann noch eine dritte Gruppe. Was ist, wenn ich da Zeichen habe, so Kleinigkeiten. Er will mit mir über die gemeinsamen Kinder reden oder mit mir zu einem Ball gehen. Er hilft mir, wenn ich krank bin. Sie ist ohne ihren Typen in Urlaub gefahren und hat mir dann eine Karte geschickt. Als sie mich traf, trug sie einen Mini. Sie flirtet. Ja, was, wenn man solche Zeichen hat, aber irgendwie halt auch vieles dagegen spricht? Was ist, wenn auch sonst niemand glaubt, der Ex-Partner wolle einen zurück und so richtig in die Pötte kommen tut der dann auch nicht... soll ich nachhelfen, ihn drauf ansprechen? Wenn er leugnet, kann ich das überhaupt glauben? Wenn sie sagt, sie liebe ihren Neuen noch, wie ernst sollte ich das nehmen? Für Menschen, die sich in diesen Beispielen wiederfinden, habe ich nur einen Rat: Lasst es. Der Mensch will begehrt werden und wenn man ihm weh tut, hofft er, der andere macht es auch wieder gut. Klar, aber das sind Illusionen. 90% aller Fälle, die mir persönlich begegneten, waren keine Rückeroberungen, sondern einer von beiden log sich selbst an, um sich besser zu fühlen. Das tut am Ende natürlich nur noch mehr weh. Zudem macht es einen auch einsam.  

Ich gebe den Rat öfters, aber er ist so wichtig, dass ich's noch mal wiederhole: Akzeptiert es, wenn es vorbei ist. Wenn der Abpfiff erklingt, kann man keine Tore mehr schießen. Das Spiel ist dann halt vorbei.  

Wie im Fußball hindert einen das ja nicht daran, ein neues Spiel zu beginnen.

Trennungsschmerz, Teil 3 - Der erste Tag

Geschrieben am 26.08.09 um 15:23 Uhr

Trennungsschmerz, Teil 3 -  Der erste Tag

Letzte Woche habe ich darüber nachgedacht, wie die erste Stunde nach der Trennung aussieht. Diese Woche reden wir über die Zeit danach. Die ersten 24 Stunden sind, anders als die erste Stunde selbst, hart. Hier beginnt langsam die Erkenntnis zu sacken, dass man alleine ist.

Einem fallen die Termine ein, die man absagen muss. Beginnt es den Leuten, die es besser wissen sollten, Bescheid zu geben. Man beginnt abzudriften. Schmerz durchsetzt die Handlungen des Alltags, er verschwindet für ein paar Minuten, dann kehrt er - schockierend gewachsen - zurück.

Und wenn das Telefon klingelt, dann hofft man doch irgendwie, es sei der/die Ex. Glaubt man doch, es ginge einem besser, würde nur dieser Anruf kommen. Nicht selten kommt er. Damit tut man sich aber auch keinen Gefallen. Für zehn Minuten hat man Erleichterung, weil man den anderen hört. Aber ob es mit Anschreien endet, oder damit, dass man sehr gut geredet hat... es tut danach weh. Weil man Hoffnung hat, es klappe doch noch. Weil man sich noch schlechter fühlt.

Die Dinge beginnen einem einzufallen. Diese Dinge, Ihr wisst schon, diese kleinen Details, diese schmutzigen Andeutungen, die das Leben macht  - Hinweise, Ideen, Möglichkeiten, ein Anderer, eine Andere? Hatte er einen One Night Stand und hat daraus Konsequenzen gezogen? Ist sie von meinem besten Freund abgeworben worden? Das ist alles nicht unbedingt falsch. Der Schock, dass Schluss ist, lässt einen oft erstmal die Beteuerungen glauben, es habe nichts mit jemand anderes zu tun. Wenn die gelogen sind, kommt man in den nächsten 24 Stunden dahinter.

Schlimmer wird es, wenn man weiß, es gibt jemand anderen. Dann liegt man da im Bett und stellt sich vor, wie es wohl gerade bei denen ist. Man liegt allein da, während der Ex-Partner gerade seinen Spaß mit dem nächsten hat...das sind die schlimmsten Momente, die eine Trennung für einen bereithält.

Kann man auch irgendwas richtig machen in ersten 24 Stunden? Na ja, wenn man es hier schafft, sich zu beruhigen, hat man gute Chancen, das Ganze gut zu überstehen. Cool bleiben. Nicht in Panik versetzen. Vielleicht ablenken. Wenn der Wurm des Zweifels erstmal frisst, dann hält man den so schnell nicht auf.

Dummheiten sollte man wenn, dann jetzt machen. Ex-Partner und auch die Umgebung vergeben einem Überreaktionen wohl am ehesten, wenn sie wenigstens spontan geschehen. Mit der Beziehung abschließen, ist wohl noch zu früh gehofft an diesem Punkt. Aber wenigstens sich die Situation mal klar machen, das sollte man. So kann man Fehler vermeiden, mit denen man später leben muss.

Sollte man Grund zur Rache haben, sollte man sich damit noch tunlichst zurück halten. Schon die alten Römer wussten, dass man die am besten kalt serviert...

Trennungsschmerz, Teil 2 - Die erste Stunde

Geschrieben am 19.08.09 um 10:41 Uhr

Trennungsschmerz, Teil 2 - Die erste Stunde

Ja, die erste Stunde ist meistens der Teil von der Trennung, an den man sich gar nicht mehr so erinnert. Die ersten fünf Minuten vergisst man nie. Nun, wie man die nächsten Stunden nach den Worten "Es ist Schluss" verbringt, wäre kaum wert, dass wir darüber reden.

Streiten, Spazierengehen oder miteinander schlafen sind statistisch die drei Dinge, die am häufigsten direkt danach passieren. Danach miteinander schlafen?  

Ja, tatsächlich kommt so was vor. Man macht Schluss und fällt übereinander her. Kann sich der Autor auch nur schwer vorstellen, aber man hört recht häufig davon.  

Streiten tut man ja eh viel im Gewerbe der Beziehungsliquidation und dass man bekanntlich am besten nicht bei ihr oder ihm Schluss macht, sondern irgendwo, wo es neutral ist, war ja auch hoffentlich schon bekannt. Ich habe sogar einen echten Schlussmachpunkt. Einen Ort, an dem ich mich wohl fühle. Ich gehe da eigentlich nie hin, außer ich beende Beziehungen.  

Was passiert aber in der Stunde, nachdem man dann gegangen ist? Nach dem die Trennung unwiderruflich ist? Statistiken hierzu gibt es eine Menge. Die meisten Menschen weinen wohl oder fühlen ein Gefühl der Taubheit. Gerade wenn die Trennung als Schock kommt, oder ungewöhnlich grausame Gründe hatte, muss man sich häufig erst mal emotional distanzieren. Würde man das nicht tun, hätte man vielleicht gerade ihrem Neuen den Kopf eingeschlagen oder wäre aus dem Fenster gehüpft. Man kommt runter. Vielleicht ruft man jemanden an und erzählt es. Oder man macht das Handy aus und setzt sich irgendwohin.  

Fernsehen, Kochen, Sauber machen, manchmal macht man einfach weiter.  

Es ist eigentlich egal, was man da tut. Es wird nicht besser. Es wird noch viel schlimmer. Man sollte in dieser ersten Stunde sich so gut vorbereiten, wie man kann - auf das was da kommt...

Ich erinnere mich, was ich das letzte Mal tat, als eine Beziehung von mir zerbrach, die mir etwas bedeutete. Ich kaufte eine Flasche Whisky und drei Zigarren und lieh einen Film aus der Videothek aus. Dann nahm ich mein Lieblingsbuch und begann zu lesen. Ich rührte die Zigarren nicht an, trank nichts und den Film habe ich bis heute nicht gesehen (aber zurück gebracht). Aber es tat gut, das alles da zu haben... 

Da hatte man das Gefühl, man sei noch ein bisschen Herr der Lage.  

So etwas nennt man eine Illusion, glaub ich.

Trennungsschmerz, Teil I

Geschrieben am 11.08.09 um 08:54 Uhr

Trennungsschmerz, Teil I

Es ist nicht das erste Mal, dass wir uns mit diesem Thema befassen. Aber ich werde wohl nie genug dazu gesagt haben. Der Grund, warum wir alle an diesem Blog überhaupt interessiert sind, ist doch eigentlich, weil die Trennung so intensiv ist, so zerstörerisch, so schwierig - halt einfach schmerzhaft.

In den nächsten Wochen möchte ich mich daher ganz eingehend mit diesen Stunden, Tagen, Wochen danach beschäftigen. Und einmal hinterfragen, was da eigentlich so weh tut, wie man dagegen angehen kann und was man auf jeden Fall verhindern sollte. Wie erlebt man die Trennung emotional, welche Fallen hält sie bereit und was darf dabei nie passieren?

Womit beginnen wir? Mit dem Anfang.

Trennungen vergisst man nicht.

Es ist dieses Ziehen, diese ruhige Zerstörung, die sich in einem ausbreitet. Bei mir persönlich fühlt sich der Moment, egal wer es sagt, immer so an, als würde mein Herz aussetzen und meine Knie langsam schwach werden. Dann ist es vorbei und ich beginne mich wieder aufzurichten. Mental. In Wirklichkeit, glaub ich, bewege ich mich gar nicht. Der erste Stich ist der Schlimmste. Aber er ist auch kurz und schnell vorbei. Trotzdem bleibt er im Gedächtnis wie ein erster Kuss. Wie eine erste Umarmung. Wenn ich ganz ehrlich bin, erinnere ich mich noch an den Stich und wie er sich anfühlte bei Partnerinnen, deren Nachnamen ich nach all den Jahren nicht mehr zusammen bekomme.

Es ist traurig, dass dieser brennende kurze Moment sich so einprägt. Während soviel Gutes im Strudel der Zeit verloren geht. Das ist aber auch typisch. Trennungsschmerz ist halt eine ganz besondere Art sich zu verabschieden. Es ist das symbolische Zerreißen eines Bandes.

Und bei aller Philosophie. Es tut halt verdammt weh.

Warum trennt man sich nicht?

Geschrieben am 30.07.09 um 09:59 Uhr

Warum trennt man sich nicht?

Das ist eine Frage, die manchmal an einem Ort mit so vielen Singles wie bei ElitePartner, nicht so dringlich erscheint. Aber es gibt neben den Leuten, die unter Trennungen leiden, eine zweite große Gruppe trauriger Menschen in kaputten Beziehungen: Diejenigen, die sich nicht trennen.

Wie viele Male hat man gesehen, wie Männer sich von ihren Freundinnen demütigen lassen, wie Freunde von den Partnern beschissen werden, Frauen unter kranken Freunden leiden...die sie überwachen oder man hat Freunde, die einfach nur traurig sind. Denen es schlecht geht. Die aber ihre Beziehungen nicht loslassen. Menschen trennen sich nicht, wenn es Sinn macht. Sie trennen sich nicht, wenn es gut für sie ist. Menschen trennen sich oft erst, wenn es nicht mehr anders geht. Und je mehr man eine Beziehung braucht, umso mehr ist man bereit sich aussaugen und zerstören zu lassen, um nicht allein zu sein. Trennungen sind manchmal etwas, das Leute nicht schaffen.

Eigentlich ist es dieselbe Angst, die uns nach der Trennung befällt, die uns auch davor im Griff hat, allein zu sein. Wie begründet eine solche Angst ist, spielt dabei keine Rolle. Ich habe 22jährige Models mit meterlangen Schlangen an Verehrern gesehen, die überzeugt waren, nie einen Mann zu finden. Und Freunde von mir, die von allen Frauen im Raum angeschmachtet wurden, während sie mir erzählten, wie sie die ewige Einsamkeit vorbereiteten. Man bleibt beim Partner, weil man nicht weiß wie es ohne sein wird. Das Unbekannte ist halt doch ein schreckliches Ding und selbst wenn es quält, so ist das Vertraute auch immer Sicherheit.

Natürlich kann so was mal zur Besserung führen. Meine private Statistik an Beobachtungen ist dabei eher ernüchternd. Sehr, sehr ernüchternd.

Funktionierende Beziehungen sind halt leider nicht gut funktionierende Beziehungen.

Die Angst vor Trennungen

Geschrieben am 22.07.09 um 11:16 Uhr

Die Angst vor Trennungen

Ein ernstes Thema ist Angst immer. Man muss mit ihr leben. Niemand ist frei von ihr. Und je weniger man hat, umso härter trifft sie einen, wenn sie dann doch mal auftaucht.

Die Angst vor Trennungen ist etwas Schreckliches. Entweder sie ist ein klares Zeichen dafür, dass man bald alleine ist - und offensichtlich gefällt einem der Gedanke nicht - Oder, was noch schlimmer ist, sie ist unbegründet. Was soll ein Partner tun? Einem sagen das alles gut ist? Wenn man das glauben könnte, hätte man keine Angst. Vielleicht einem seine Liebe beweisen? Liebe ist schön, aber man kann nicht ständig beweisen, dass sie noch da ist. Das hält kein Mensch aus.

Darum führt die Angst davor, dass der Partner sich von einem trennen will, genau dazu. Man ist ja nicht gerade ein Traumpartner, wenn man ständig am Anderen zweifelt. Und wenn diese Angst nicht weggeht, egal was der andere sagt...dann traut man ihm letzten Endes nicht. Man glaubt, er würde lügen, wenn er sagt alles sei okay.

Warum gibt es dann so viele Menschen, die nicht aufhören können zu glauben, ihr Partner würden die Beziehung beenden? Klar, manchmal hat man den Eindruck, dass eine langjährige Beziehung nicht mehr den Pepp einer frischen Beziehung hat. Aber das ist doch nicht allein der Grund, oder?

Ich habe da so meine eigenen Erfahrungen. Weniger aus meinen eigenen Beziehungen als mehr aus Gesprächen mit Freunden. Ja, es stimmt schon, dass diese Menschen gegen jede Vernunft glauben, ihr Partner wäre so gut wie weg. Aber das liegt vor allem daran, dass sie nicht glauben in irgendeiner Art und Weise selbst ein attraktiver Partner zu sein. Merkwürdigerweise ist diese Einstellung vor allem bei Menschen, die sich da eigentlich keine Sorgen machen müssen, weit verbreitet.

Diese Angst ist aber rein subjektiv. Sie sitzt in ihnen drinnen.

Das extremste Beispiel das ich kannte war eine junge Schönheit, die wirklich allen Männern in der Bar in der sie arbeitete, den Kopf verdrehte. Sie war eigentlich - trotz ihres Aussehens, das die meisten Frauen arrogant gemacht hätte - zu lieb für die Welt. Ihr Freund trug sie, wie sich das gehörte, auf Händen. Kein besonders netter Kerl, aber sie liebte ihn. Er war gut zu ihr. Sie war aber trotzdem davon besessen, dass er sie eigentlich gar nicht wollte. Das Beste war: Sie glaubte, auch sonst niemand würde sie wollen. Die Gruppe aus Männern, in der sie das zum Besten gab, brach in lautes Lachen aus. Was sie allerdings nicht verstand. Irgendwie haben die beiden es dann geschafft sich zu streiten, obwohl alles gut war. Und das hat dazu geführt, dass dieses Mädchen irgendwann die Beziehung selbst beendete. Mit den Worten: "Du hast mich doch eh nie richtig gewollt!"

Der arme Kerl regt sich bis heute noch darüber auf. Er verstand die Welt nicht. Alles was ich mir damals dachte war "Wovor hat SIE soviel Angst?"

Um keine falschen Eindrücke zu vermitteln: Die Angst vor dem Verlassenwerden ist bei Männern mindestens ebenso verbreitet. Das ist das Faire an Angst. Sie behandelt alle gleich.

Aber es gehört zu den traurigsten Dingen, die es in einer Beziehung gibt. Nicht an sie glauben zu können. Oder an sich selbst.

Eifersucht nach der Trennung

Geschrieben am 06.07.09 um 16:40 Uhr

Eifersucht nach der Trennung

Es ist vorbei, man ist getrennt und dann sieht man ihn plötzlich im Café um die Ecke mit dieser dünnen Blonden. Sie hat einen verlassen, noch geschworen, da wäre kein anderer im Spiel, aber eine Woche später ist sie mit dem Kerl von ihrer Arbeit zusammen?

Oder noch übler: Man kriegt mit, dass der Ex auf der Party am Samstag, der man vorsichtshalber fernblieb, irgendwann einfach verschwunden war. Bei mehrmaligem Nachfragen stellt sich heraus: Nicht allein. Man sitzt zu Hause mit den Kindern und erfährt, er ist mit der Sekretärin in Urlaub gefahren. Er wird rausgeworfen und kriegt mit, wie die Ex die Kinder zum Babysitter gibt, weil ihr Neuer kommt.  

Es ist kein gutes Gefühl, das man da hat. Der Stich, das kalte, verzehrende Feuer. Es macht einen rastlos. Irritiert einen. Macht einen unkonzentriert. Es macht eine schlichtweg...fertig. Man ist eifersüchtig.  

Eifersucht auf den Ex ist das Subjektivste, Unsinnigste, was es gibt. Es passiert trotzdem jedes Mal wieder. Selbst wenn man "loslässt und sich für den anderen freut: Das ist doch nur ein Versuch NICHT eifersüchtig zu sein, oder?  

Ich kann vorweg sagen, dass dieser Blog dazu keinen einzigen Lösungsvorschlag machen kann, es ist so menschlich. Wir alle wollen halt von allen für immer geliebt werden. Unser Ego verlangt das von uns. Und zu sehen, dass wir ersetzt wurden, dass der andere über einen hinweg ist (das sagt unsere Eifersuchtslogik, aber das muss es in Wahrheit noch nicht mal zwangsweise heißen) tut unserem kleinen streichbedürftigen Trennungsego halt weh. Das ist nicht angenehm. Das ist sogar höchst ärgerlich.  

Aber darum sind Trennungen ja auch so ein verdammt schwieriges Ding, dass man ganze Blogs darüber schreiben kann.  

Was kann man tun? Wenn man wirklich grausam darunter leidet, geht man am besten der Situation aus dem Weg, indem man sich nicht informiert. Man kämpft gegen diese kleine Stimme an, die es wissen will. Wenn man das nicht schafft...dann hat man es vielleicht irgendwie gebraucht.  

Weil sie halt dazu gehört. Zur Trennung.

Auf der "Dunklen Seite", Teil III

Geschrieben am 29.06.09 um 12:16 Uhr

Auf der Dunklen Seite, Teil III

In Anbetracht der Reaktionen, die dieses Thema hervorrief, kommt hier der dritte Teil meines Beitrags zur ewigen Diskussion um Liebe, Sexualität und Moral. Natürlich wie immer mit der Frage, was das mit uns Getrennten, Abgetrennten, Zertrennten und Sich-Trennenden zu tun hat.

Es ist ja nicht so, als hätte man nicht den weitesten Teil seines Erwachsenenlebens damit verbracht darüber nachzudenken.
Also, wie verwerflich ist es denn, sich zu nehmen, was man will? Ist man deshalb böse und alle werden einen meiden? Wird man unglücklich? Zerstört es unser Leben und hinterlässt uns als gebrandmarkte Verbrecher am menschlichen Zusammenleben?  

Mitnichten.  

Es wird die Nase gerümpft, ein wenig gelästert (ein wenig gelästert wird ja immer, oder?) und dann ist alles wieder in Ordnung. Liebe ist mehr als ein Gefühl. Es ist auch ein Markt. Es ist auch eine Nachfrage. Leute wollen lieben. Und Leute wollen geliebt werden. Unbedingt. Und so wie es da draußen aussieht, sind nicht alle Menschen unbedingt liebenswert. Um die, die es sind, umgibt eine gewisse Konkurrenz. Es ist unvermeidbar. Und wenn man diese Konkurrenz auslebt, mag das schon mal in einer Trennung enden. Was dann traurig ist - aber der Preis fürs eigene Glück ist.  
Halten solche Beziehungen? Vielleicht nicht. Treu und verlässlich sind diese abgeworbenen neuen Partner ja wirklich nicht gerade.  

Gegenfrage: Geht es darum? Sind neun Monate Glück nichts?
  
Natürlich muss man dann auch fragen, wie es mit denen aussieht, die bei so was nicht mitmachen würden. Heißt das, dass all jene, die auf Treue, Ehrlichkeit und Zusammenhalt setzen und hoffen, etwas falsch machen?  
Nein, auch nicht. Denn Märkte sind ja nicht das Resultat von etwas Gutem. Nein, irgendwas gibt es da draußen nicht genug. Wenn man selbst genug davon hat, warum nicht aus dem Markt aussteigen? Warum nicht mit seinem einen Partner glücklich werden und all die anderen da draußen herum springen lassen im Versuch abzuwerben, zu erobern und sich immer wieder neu zu verlieben?  

Wer glaubt, er habe das, was er gesucht hat, sollte natürlich aufhören zu suchen.  

Was passiert dann, wenn jemand kommt und dieses Glück zerstören will? Eine gewichtige Frage. Es mag sie geben...die standhaften, ehrlichen, großartigen Menschen, die sich davon nicht irritieren lassen. Es sind wenige. Und es ist nicht jedermanns Sache. Aber glücklich soll sich schätzen, wer so jemanden gefunden hat. Bevor alle ICH schreien...nein...zu glauben, man habe so jemanden gefunden, zählt nicht. Das tun wir alle, bevor die grausame Realität ihr fieses Grinsen zeigt. Wenn man aber jemanden gefunden hat, dem man vertrauen kann, sollte man nicht darüber urteilen, was all jene, die weniger gut dran sind, für ihr Glück tun.  

Alle anderen sind da draußen nämlich auf diesem "Markt"...bzw. hier, denn wir alle sind beim Registrieren hier spätestens Teil davon geworden. Und müssen damit leben, dass es viele Strategien gibt dort zu bestehen. Am Ende wollen alle nur glücklich sein.  

Ich habe meine Probleme herauszufinden, was dabei GUT und was BÖSE ist. Beziehungen zerbrechen. Beziehungen entstehen auch wieder. Was man sagen kann ist, dass faires Werben viel viel stressfreier ist als ein "haben wollen um jeden Preis".
Es gibt ja Möglichkeiten andere Singles zu finden. Elitepartner muss ich dabei wohl nicht extra erwähnen.

Trennung vorprogrammiert

Geschrieben am 22.06.09 um 11:56 Uhr

Trennung vorprogrammiert

Gibt es vorprogrammierte Trennungen? Gibt es ein Ende, das nicht abwendbar ist und immer schon in der Beziehung mitschwang?

Manchmal kommt es einem so vor. Wenn Menschen sich verlieben, kann das sehr rational sein. Es ist oft der "passende" Partner an den das Herz fällt. Und oft ist es gerade dieser passende Partner, der dazu vorherbestimmt ist, nicht auf ewig den Vorstellungen von einem zu genügen.  

Ist eine räumliche Trennung vielleicht unumgänglich, weil der Beruf es verlangt, aber einer der beiden kann sich das gar nicht vorstellen? Liebt man den Sixpack, aber der andere hat keine Zeit mehr für Sport? Oder sind es die Augen an die man sich irgendwann gewöhnt hat? Vielleicht ist es die Treue und der Partner hat es nie geschafft treu zu sein. Oder man selbst. Oder es gibt Dinge, die niemand absehen kann. Chancen und Träume die der andere begraben hatte, die plötzlich aufleben. Oder bei einem selbst. Und in die Beziehungen nicht mehr integrierbar sind. Die die Beziehung zumindest so verändern, dass sie nicht mehr funktioniert.  

Die traurigste Variante ist...der Partner nach der großen Liebe. Der, den man nie so lieben kann wie den letzten, weil man Angst vor erneuter Verletzung hat. Erst wenn es mit dem dann vorbei ist, weiß man plötzlich, dass es so auch nicht geht und macht's beim nächsten dann wieder besser. Der Mittlere, egal wie gut, lieb und ernst er war...hatte nie eine Chance. In dem Moment wo man zusammen kam, spielte er nur auf Zeit.

Auf der "Dunklen Seite", Teil II

Geschrieben am 15.06.09 um 09:48 Uhr

Auf der Dunklen Seite, Teil II

Letzte Woche sprachen wir von der feindlichen Übernahme von Partnern. Diese Woche reden wir über eine noch viel schlimmere Variante. Manche Menschen tun dies, ohne den abtrünnigen Partner zu wollen.

Wozu?  

Jagdinstinkt, der berühmte Kick? Vielleicht einfach nur das eigene Ego mit den Schmerzen, die man anrichten kann, polieren? Oder fühlt man sich attraktiver, wenn man nicht nur ein Herz erobert, sondern dabei auch noch eine andere Person überflügelt? Es muss wohl eine Kombination aus diesen Gründen sein, die Frauen und Männer dazu bringen absichtlich und mit großer Befriedigung das Ende fremder Beziehungen einzuleiten.  

Woran erkennt man solche Parasiten? Sie haben einen Ruf. Immer haben sie einen Ruf. Weil so was zu viele Wellen schlägt, um im Geheimen zu bleiben. Aber da endet es nicht. Man kann es fühlen. Sie sind zu gut in dem was sie tun. Sie sind zu souverän. Spielen zu viel. Zu schnell. Wissen zu gut, welche Knöpfe sie drücken müssen.  

Hilft das? Kann man sich, weil man sie erkennt, sich solchen Menschen entziehen? Das hängt wohl von einem selbst ab. Die meisten Leute lieben die Gefahr zuviel und fallen einmal drauf rein. Einmal stehen sie am Ende mit schlechtem Gewissen als der große Widerling da und können nur sich selbst die Schuld geben.  

Wer es ein zweites Mal tut, sollte sich dann aber nicht beschweren. Es gehört vielleicht dazu. Es ist vielleicht der Finger auf der heißen Herdplatte, der einem beibringt, dass es da zu heiß ist.  

Was, wenn man selbst der ist, dem das etwas gibt?  

Nun, das ist das Tröstliche für uns Ausgespielte. Die Menschen, die diese Spiele so lieben, werden weitermachen bis sie mal verlieren. Und jeder verliert mal, wenn er immer weiter spielt.

Auf der "Dunklen Seite", Teil I

Geschrieben am 10.06.09 um 10:29 Uhr

Auf der Dunklen Seite, Teil I

Manchmal spielt man nicht fair im Leben. Wir alle haben moralische Ansprüche an uns selbst. Und die meisten von uns können sich von denen auch schnell verabschieden, wenn sie im Weg sind.   Klar, so sagt man sich selbst das nicht. Aber irgendwie, ganz tief da irgendwo drinnen weiß man dann, dass es so ist.

Als guter Trennungsratgeber, der ich in diesem Blog nun mal sein will, darf ich deshalb auch diese Situation nicht aussparen. Was, wenn man nicht derjenige ist, der sich trennt? Was, wenn man die Trennung eines anderen will?  

Diese Woche reden wir also über die bösen Menschen, die Beziehungen kaputt machen. Und darüber, dass wir manchmal diese böse Menschen sind. Lasst mich mit einem Geständnis beginnen. Ja, ich habe auch schon mal eine Beziehung zerstört. Ich wusste, was ich tue. Ich wollte es tun und ich habe es getan!  

Warum? Nun, ein Freund von mir hat mal gesagt: Wenn man ganz schnell ans andere Ende des Strandes will, muss man halt manchmal durch die Sandburgen der Kinder rennen.  

Wie stellt man das also an? Wie kriegt man die Frau/den Typen eines/r Anderen? Oh, es ist leichter als man denkt. Sofern da in irgendeiner Form Interesse ist spielt, man seine Karten aus. Irgendwas fehlt jedem im Leben. Und irgendwas fehlt in jeder Beziehung. Das gibt man dem Objekt der Begierde. Will man das nicht? Will man lieber, dass sein Herz entscheidet? Dann reden wir hier über was anderes. Wenn man entschlossen ist, sich zu NEHMEN was man will, muss man dafür auch bereit sein, die Grenzen zu überschreiten. Langsam nimmt man mehr und mehr Zeit. Lässt die andere Person in den Hintergrund treten. Ist da. Hört zu. Spielt nicht. Auf keinen Fall. Dann spielt der andere auch nur mit dir. Nein, man ist besser. In jeder Beziehung. Wenn man verliebt ist, sollte das gar nicht so schwierig sein. Wenn nicht, muss man halt schuften. Sex, Liebe, Zärtlichkeit, Zeit, verbotene Spiele, Kochen, Aufmerksamkeit, sogar Streit, Arroganz oder schlichte Attraktivität. Wenn der andere zwischen zwei Stühlen steht, dann gibt es irgendwas auf deinem Stuhl, das er will.  

Und wenn er droht sich zu entscheiden, verlasse dich nie darauf, dass er das Bekannte für dich Abenteuer verlässt. Nein, dann kommt der krönende Akt der Verführung.  

Du ziehst dich zurück. Wenn du geliebt werden willst, öffne dein Herz. Willst du verehrt werden...verschließe es.  

Menschen wollen das, was sie nicht haben können. Dann wird man plötzlich zu etwas, dass nicht aufgegeben werden kann. Weil man sich gar nicht gegen einen entscheiden kann. Und hält man das durch...dabei geht?s in dem Spiel...die Strategie durchhalten trotz eigener Gefühle?dann wird man am Ende kriegen, was man will.  

Auch wenn es eigentlich jemand anderem gehört.  

Und ausnahmsweise liest mal jemand anderes diesen Blog.

Liebeskiller

Geschrieben am 02.06.09 um 10:56 Uhr

Liebeskiller

Ja, Liebe kann sterben. Das wissen wir. Wir schreiben bzw. lesen ja immerhin einen Trennungsblog. Aber was ist es, das die Liebe letztlich killt? Darüber gibt es eine Menge Ideen, Vorstellungen und Vorurteile. Und mindestens so viele Meinungen wie es Leute gibt.

Beziehungskiller Nummer eins: Die eigenen Illusionen. Klar, jeder glaubt seinen Partner zu kennen. Aber seien wir ehrlich...subjektiver als verliebt...wird man nicht. Der Partner, der Frau und Familie für euch verlassen hat, ist treu? Klar! Das Mädel das 24/7 an ihrem Äußeren arbeitet ist an inneren Werten interessiert? Natürlich. Und alle Männer sind klug und alle Frauen sind lieb. Grundsätzlich. Niemand hat einen dummen Freund. Und niemand ist mit einem Biest zusammen. Irgendwann ist die rosarote Brille mal weg und schon sieht man, dass man sich zwar verliebt hat, aber nicht in die Person, die da vor einem sitzt.

Eine Weile ist das noch negierbar, aber irgendwann geht's nicht mehr. Und dann ist da plötzlich keine Liebe mehr. Ein Klassiker, über den niemand redet. Weil man dazu Selbstkritik üben muss.

Routine. Wird auch immer gerne genannt. Aber ich denke, dass ein wichtiger Faktor das Bedürfnis nach Abwechslung und Selbstzelebrierung ist. Eine Beziehung ist halt irgendwann gemütlich und nett. Menschen mit ausgeprägtem Event-Bedarf finden das langweilig. Routine kann aber auch ermüden. Und beides führt dazu, dass man nicht mehr von einer Beziehung kriegt, was man will. Und schon ist da keine Liebe mehr.

Hängt Liebe etwa mit Bedürfnisbefriedigung zusammen? Darüber kann man lange diskutieren aber...klar!

Zeitmangel. Klingt dumm, aber wenn man den anderen nie sieht, wird man irgendwann die Verbindung zu ihm verlieren. Es ist bei arbeitenden Paaren sicher ein großes Problem einen gemeinsamen Raum zu bewahren, egal wie stressig es wird.

Ich könnte ewig so weiter machen. Eifersucht, Klammern, Besitzdenken, Angst, Frustration, Falsche Prioritäten, Alltägliche Probleme, unterschiedliche Entwicklungen, Gewalt, Freunde, Ex-Freunde, Vergleiche, Vereinnahmung, Entfernung, Intimität, Mangel an Intimität, Mangel an Zärtlichkeit, Sexualität, Perversionen, Vorlieben, Lebensstile, Alter, sinkende Attraktivität, Belastung, Krankheit, psychisch, physisch, Geld, andere Partner, Experimentierfreude, Wildheit, Langeweile etc. etc.

Aber nur weil ich einen neuen Blog mit Todesursachen für die zarte Pflanze "Liebe" füllen könnte, heißt das ja nicht, dass ich es auch tun muss.

Vielmehr will ich feststellen, was das alles für uns bedeutet. Warum wir wieder in diesen Blog schreiben oder diesen Lesen. Warum unsere Liebe oder die unseres Partners wieder gestorben ist.

Weil man auf Liebe aufpassen muss. Sie ist zerbrechlich. Ihre Allmacht ist eine Illusion. Gefahren lauern überall. Überall.

Lasst uns nächste Woche über eine Gefahr reden, die wir gut kennen. Uns. Wie bringen wir jemanden dazu, Schluss zu machen. Von der Kunst, schmutzig zu spielen...

Beziehungsunfähigkeit
 

Geschrieben am 25.05.09 um 11:39 Uhr

Beziehungsunfähigkeit  

Es wird viel drüber geredet. Ja, man kann sagen, es ist chic heutzutage beziehungsunfähig zu sein. Es ist dieselbe Modevorstellung in der man auch einen Therapeuten hat, Tabletten zum Glücklich sein schluckt und ohnehin nie schläft, liebt oder sich um irgendwas kümmert.

Es ist eine Mode für Leute, die sich gerne als verlorene Generation sehen.
Zu sagen man sei beziehungsunfähig, nur weil es gerade mal nicht geklappt hat, ist wohl die beliebteste Schutzbehauptung unserer Zeit. Das ist ja auch ganz okay. Nur etwas traurig, wenn es um die wenigen Leute geht, die wirklich nicht in der Lage sind eine Beziehung zu führen.
Meistens haben solche Leute ja nichtmals Probleme, jemanden kennen zu lernen. Wahrscheinlich weil sie viel Praxis darin haben. Aber kaum sind sie mit jemandem zusammen, beginnen Dinge schief zu gehen. Sie fühlen sich eingeengt oder einfach nur schlecht behandelt. Oder sie wollen noch mehr vom Leben sehen, sich nicht festlegen, sich nicht begrenzen lassen.
Die Menschen, die wirklich beziehungsunfähig sind, die sagen das nie von sich. Die Menschen, die wirklich darunter leiden, glauben immer sie würden bald die große Liebe treffen und dann würde alles anders. Es passiert aber nicht. Bzw. es passiert jede Woche. 
Als Freund guckt man da nur zu und sieht scheitern nach scheitern. Wie ein Drogenjunkie suchen sie immer wieder den Kick, jemanden kennen zu lernen. Sich verlieben - nur um einige Zeit darauf nicht mehr zu können. Sich nochmal verlieben wollen. Wofür die Liebe von gestern weg muss.
So ein Verhalten wird zum selbsterhaltenden System. Der Autor dieses Beitrags musste leider guten Freunden dabei zusehen, wie sie sich in so was verloren haben. Manchmal hilft es, wenn die Leute älter werden und diese Spiele immer schwerer werden. Aber oft kommt noch ein Jugendwahn dazu, der es ermöglichen soll, ewig so weiter zu machen.
Für gewöhnlich bin ich der Erste der sagt, jeder soll tun womit er glücklich wird. Aber das werden solche Leute leider nicht. Sie geben sich die Kicks, die, meine Junkie-Metapher hält weiter stand, immer kürzer halten und immer höhere Dosen brauchen. Das solche Leute natürlich leichte Opfer derer sind, die gerne spielen, ist ja klar. Was es nicht einfacher macht.
Trennungen am Stück. So schnell, dass man sie kaum noch so nennen will. Bis man sie nicht mehr zählen kann. Bis man nicht mehr weiß, wann und mit wem. Und die Leute, die so zumindest Teile ihres Lebens verbringen werden nicht weniger. Woran liegt das?
Da kann man wohl nur spekulieren. Vielleicht stimmt es einfach, dass die Welt sich mehr und mehr nur noch aufs Individuum konzentriert. Wir sind alle so furchtbar einzigartig. Wer passt schon dazu? Was uns einsam macht.
Ein anderer Erklärungsansatz: Konsumdenken. Man will verliebt werden. Jede Woche. Wie im Fernsehen. Man will die Hauptrolle seiner eigenen romantischen Komödie sein. Und weil es unser Lieblingsfilm ist, wollen wir den dann jede Woche wieder sehen. Ein Remake, sozusagen. 
Es ist in jedem Falle Narzissmus. Denn sich vom Partner zu lösen, ist schwer möglich, wenn man sich gar nicht an ihn bindet. Vielleicht, ich weiß es wirklich nicht, ist es eine Art von Adrenalinsucht. Wie andere Leute süchtig nach Gefahr, Sex oder Drogen werden, um sich frei und lebendig zu fühlen. Dann wäre es nur ein Symptom eines größeren Problems.
Die drei oder vier Menschen, die mir bei so was sofort einfallen, sind allesamt nicht sonderlich kaputt oder krank. Sie leiden nur, weil sie ewig dasselbe erleben und die Zeit in der sie es genießen immer kürzer wird.
Eigentlich hat das noch nicht einmal was mit Trennungen zu tun. Mehr mit der Unfähigkeit Beziehungen zu beginnen.
Was also tun, wenn man jemanden kennt, der in sowas gefangen ist? Was tun wenn man selbst drin steckt?
Nun, als Dritter, als unbeteiligter Beobachter, denke ich gibt?s wenig was man machen kann. Wie alle Junkies müssen auch die Liebessensationsjunkies ganz unten ankommen bevor man ihnen helfen kann und sie diese Hilfe auch annehmen.
Wenn man selbst drin steckt...sollte man einfach mal drüber nachdenken, ob das, was man will, auch das ist was man braucht.

Wie viele Trennungen sind genug?

Geschrieben am 14.05.09 um 17:53 Uhr

Wie viele Trennungen sind genug?

Die Frage hat man mir neulich gestellt. Auf einer Fahrt nach Lübeck, wo ich arbeite, fragte mich meine charmante Beifahrerin, die es nicht zugeben wollte, aber wohl über eine mögliche Trennung sinnierte: Wie viele Trennungen sind denn eigentlich genug?

Eine komische Frage. Aber wenn man sich da mal reinfühlt, irgendwie verständlich. Der einzige Weg wie Beziehungen irgendwann halten ist, indem man aufhört sich zu trennen. Beziehungen, Menschen ohnehin, werden nie perfekt sein. Finden wir irgendwann unser "Match" oder ist es eher ein Reifeprozess, der uns dazu bringt, auch die Fehler anderer zu akzeptieren? Lernt die Liebe mal, um ein paar Felsen drum herum zu fahren, anstatt immer aufzulaufen? Und bleibt man deshalb irgendwann an Bord?  

Oder trennt man sich bis in alle Zeit, bis alle einem den Stempel BEZIEHUNGSUNFÄHIG aufdrücken?  

Oft erlebt man es, dass die Entscheidung des "DIE oder DER ist es" nicht wirklich aus unübertreffbaren Gefühlen heraus entsteht. Sondern weil Leute es nüchtern merken. Jetzt trennt man sich nicht noch einmal. Jetzt wird man nicht noch einmal Single, feiert und trinkt und sucht und baggert und meldet sich im Internet an. Jetzt bleibt man da, wo man ist. In der Beziehung die man hat.  

Man hört auf sich zu trennen. Denn Gründe dafür würde man finden. Immer wieder. Notfalls halt der Drang nach Freiheit und weil man noch mal was anderes probieren will.  

Solche Gedanken ziehen einen irgendwann in eine Spirale von Unzufriedenheit. Das ist dem Verfasser dieses Artikels nur zu bekannt. Bei denen, bei denen es täglich kracht und die sich nur noch angiften...muss man nicht drüber reden...ist es zu spät. Aber man kann den langsamen Zerfall beenden. Man kann auf die Bremse treten, wenn man driftet. Kann man das immer? Immer öfter, je älter man wird. Immer öfter, je mehr man versteht was einen dazu bringt, so zu reagieren. Wenn man versteht, dass es ein Verhaltensmuster ist, das man hier wiederholt. Die Schuld beim anderen zu suchen ist ebenso falsch, wie die Schuld bei sich zu suchen. Manchmal ist es einfach die Dynamik, dass es passiert. Und es ist egal, ob man 14 oder 40 ist. Einige Menschen brauchen ihre regelmäßige neue Liebe und regelmäßige Trennung. Die meisten wollen irgendwann einmal ein zu Hause haben.  

Zurück zur Frage: Wie viele Trennungen braucht man dafür. Wie oft durchleidet man ein Beziehungsende bevor man es gut genug kennt, um es nicht zuzulassen? Zahlen kann man hier nicht nennen. Aber ich stehe zur Antwort die ich ihr gegeben habe: Man wird es merken. Nachdem man zum ersten Mal "Nein" zur Trennung gesagt hat. Und sich dabei gut fühlt.  

Das nennt man Reife, glaube ich. Ein Wort, das ich auch gerade erst beginne, positiv zu sehen.  

Nächste Woche dann mehr zu den Leuten die nie genug von Trennungen kriegen. Trennungen und Beziehungsunfähigkeit.

Muss man sich trennen?

Geschrieben am 07.05.09 um 14:01 Uhr

Muss man sich trennen?

Warum eigentlich eine Trennung? Nur weil die Beziehung nicht gut läuft? Meistens stellt sich die Frage ja nicht wirklich. Da ist der Partner ohnehin so untragbar und nervig ist, dass man ihn mit einer Trennung schon gut dabei wegkommen lässt.

Manchmal aber, darüber haben wir hier ja oft genug meditiert, sterben Beziehungen an langsamem Siechtum anstatt durch ein brutales Attentat. Die Frage ist, wenn man in solchen ruhigen Beziehungsleichen steckt: Warum sich das Drama der Trennung geben?  

Es ist schwer etwas Neues zu finden, wenn man etwas Altes hat. Aber ist es einem gleichgültig genug, dann klappt das auch. Die fliegenden Wechsler sind ja der beste Beweis dafür. Streiten tut man sich auch nicht mehr, wenn beide wissen es ist vorbei. Es wird halt nur nicht Schluss gemacht. Und wenn man eh mit seinem Ex gerne schläft, dann muss man auch gar nicht erst einen Ex daraus machen.  

Die Statistik und das viel geachtete Selbstbild leiden ja auch noch drunter. Und dann die Freunde. Nein, lasst mich das in Anführungszeichen setzen. "Freunde".   Mitleid, heimliche Schadenfreude und das Gefühl, dass sie einem geben irgendwie versagt zu haben.  

Wenn man sich in dem gerade von mir beschriebenen Szenario wieder findet, gehört man natürlich zu einer ganz bestimmten Gruppe von Mensch. Das ist nicht schlecht. Nicht falsch. Aber echt anstrengend. Man gehört zu Leuten die Beziehungen führen (und meistens wohl auch alles andere im Leben tun), weil es irgendwie zu dem was sie sich von sich selbst vorstellen gehört.  

Beziehungen als Farbfleckchen im Portrait des eigenen Lebens?  

Ich denke, der Grund warum man eine Beziehung die nicht mehr funktioniert beendet, ist aus demselben Grund warum wir unsere Toten begraben: Nach einiger Zeit beginnen sie zu stinken.

Anatomie einer Trennung XV - Die Beziehung danach

Geschrieben am 28.04.09 um 12:08 Uhr

Anatomie einer Trennung XV - Die Beziehung danach

Manchmal geht es ganz schnell. Manchmal dauert es viel zu lange. Aber irgendwann, bei irgendwem ist es wieder da. Dieses Gefühl. Dieser Zug und Drang, der Person nahe zu kommen. Man lässt alle Vernunft beiseite, ignoriert jede Erfahrung und schmeißt sich wieder hinein ins Abenteuer Beziehung.

Gerne würde ich sagen: Wir alle machen es jedes Mal besser. Aber das wäre eine Lüge. Man lernt nicht dazu. Wenn die Liebe zuschlägt, dann schluckt man den Treffer und geht zu Boden. Wann? Wie lange? Wie schnell? Das sind die Fragen die zählen.  

Es gibt Leute, die nicht alleine sein können. Die also sofort nach einer neuen Beziehung suchen. Menschen, die einen Partner brauchen um sich ganz zu fühlen. Mir persönlich sind die immer etwas unheimlich, aber wenn es für die Person funktioniert: Warum nicht...Gerade bei denen wird oft aber mehr schön geredet, als dass man versucht, eine gute Partnerwahl mit gesicherter Gefühlslage zu treffen. Wie in der Wirtschaft ist eine Stelle frei und die muss halt nun wieder besetzt werden. Dass es dann regelmäßig zu Wirtschaftskrisen kommt, gehört zum System.  

Andere lassen sich Zeit. Kommen drüber weg. Treffen dann aber irgendwann jemanden, der genau das verkörpert, was sie suchen. Oder zumindest so viel, dass man die anderen Lücken mit Fantasie füllen kann. Auch keine Garantie, die Fehler der Vergangenheit zu vermeiden. Aber wenn das so einfach wäre, könnte ich hier keinen Blog schreiben.  

Ich werde nicht sagen, man könne aus seinen alten Beziehungen viel lernen. Das ist eine sehr populäre Annahme. Aber nicht so einfach. Wenn man immer dasselbe Problem hat, kann man darüber mal nachdenken. Selten wird sich das dann aber nur auf Beziehungen beschränken. Ansonsten sind einfach die Geflechte zwischen zwei Menschen zu komplex. Und subjektiver als "verliebt" wird man nicht. Man sollte vielleicht versuchen, nicht jeden Fehler wieder zu machen. Man sollte etwas vorsichtiger sein mit dem, was man glaub zu wissen über die "ewige echte Liebe".
Vor allem aber sollte man diesen Blog nicht lesen und sich über die Dinge über die wir hier reden keine Gedanken machen. Und einfach mal im Flirtblog und Sexualitätsblog stöbern und Spaß haben. Ihr landet früh genug wieder bei mir.

Anatomie einer Trennung XIV - Die Affäre danach

Geschrieben am 22.04.09 um 09:49 Uhr

Anatomie einer Trennung XIV - Die Affäre danach

Letzte Woche haben wir ja schon festgestellt, dass zur Trennung eigentlich auch schon der nächste Mensch in unserem Leben gehört. Oft ist es aber nicht die Große Liebe Nr. 2, die man direkt nach der Großen Liebe Nr. 1 sucht. Oft ist es einfach nur Ablenkung. Spaß. Sex.

Menschen haben Bedürfnisse und eine der ganz wenigen Vorteile, wenn man verlassen musste oder verlassen wurde ist, dass man sich denen widmen kann. Ohne schlechtes Gewissen, ohne Konsequenzen. Wenn man das mehrfach mit demselben Menschen macht, hat man eine Affäre. Das ist nach einem gebrochenen Herzen oft etwas ziemlich gesundes. Nicht nur, dass man das Gefühl den anderen körperlich zu vermissen in den Griff bekommt. Das tut man sicher. Man beweist sich selbst auch, dass man weiter macht. Das hier nicht die Endstation ist. Und es ist spannend und neu und irgendwie ein bisschen verrucht. Alles Dinge, die kaputte Beziehungen wohl ziemlich sicher am Ende nicht mehr hatten. Wenn der Arzt einem irgendwann sagt, man könne nicht mehr rauchen, hilft ja auch oft erstmal eine Schokolade, oder?  

Sind Affären billig? Und wenn schon, wer geht denn pleite und investiert danach gleich wieder alles. Geht es dabei ums polieren des Ego? Na ja, wenn jemand das Ego zerkratzt, muss irgendwer es ja wieder aufpolieren. Benutzt man die Affäre? Oh ja, die beschweren sich bestimmt.  

Es gibt keinen Grund der gegen Affären spricht, der wirklich noch gut ist, wenn man nichts mehr zu verlieren hat. Beziehungen ohne Liebe sind gut für den Entzug.  

Manche aber glaube nicht an so etwas. Es gibt Menschen die glauben, dass der einzige Grund, warum wir vom Pferd fallen, ist, wieder aufzusitzen. Um diese Menschen und alle die ihre Affäre hinter sich haben, geht es nächste Woche.  

Wenn wir im vorletzten Beitrag in dieser Reihe über die Beziehung nach der Beziehung sprechen.

Anatomie einer Trennung XIII - Der nächste Partner

Geschrieben am 15.04.09 um 12:30 Uhr

Anatomie einer Trennung XIII - Der Nächste Partner

Die Statistik sagt immer, jede dritte Ehe werde geschieden. Ich habe einen Freund, der gerade zum vierten Mal heiratet. Statistisch hat er sozusagen dafür gesorgt, dass acht andere Menschen für immer glücklich zusammen bleiben. Weil er ja die Scheidungen für die gleich mit übernommen hat.

Vor allem aber habe ich eines früh von ihm gelernt. Nach jeder Beziehung kommt etwas anderes. Man bleibt nicht allein. Meistens ist man zwar traurig, aber nie wirklich einsam. Freunde, Bekannte und oft halt auch Kinder sind da, um einem in der schweren Zeit beizustehen. Und durch Menschen lernt man Menschen kennen. Und da niemand je allein sein will (die Ausnahmen nehme ich jetzt mal raus) kann man davon ausgehen, dass sich über kurz oder lang die Leute wieder zusammen finden.  

Wenn man niemanden im Bekanntenkreis findet, bleiben ja immer die anderen Mittel. Wenig überraschend empfehle ich Elitepartner.de. Aber wenn ihr das hier lest, wisst ihr das ja schon.  

Ist man erst wieder zu zweit, werden die Dinge sicherlich leichter. Aber der neue Partner muss natürlich auch mit dem Päckchen der Vorgängerbeziehung leben. Verlustängste, Vertrauensprobleme und überhöhte Ansprüche sind nach einer Trennung das Normalste von Welt. Die nimmt man alle mit ins neue Glück. Das dann oft nicht lange glücklich ist. Man kann auch von niemandem erwarten, gerne den Therapeuten zu geben mit dem man die Schmerzen des letzten Partners aufarbeitet. Obwohl es Menschen gibt, die sich gerne gebraucht fühlen. Und für so etwas oft ausgenutzt werden. Letztlich wird es den meisten zuviel und man beginnt dann irgendwann wieder mit Anatomie einer Trennung, Teil I.  

Obwohl gerade nach langen Beziehungen oft nicht der nächste Partner der große Wurf ist, geht an ihm kein Weg vorbei. Man kann natürlich nicht zum übernächsten springen. Für jede große Beziehung gibt es halt auch die Frau/den Mann danach.  

Eine neue Beziehung kann eine Lösungsstrategie sein. Man kann sich schlecht selbst sagen, man sei unattraktiv, unwichtig und beziehungsunfähig, wenn man glücklich verliebt ist. Aber so etwas ist natürlich gefährlich. Für die neue Beziehung in jedem Falle. Zu leicht tappt man in die Falle sich einfach in irgendwen zu verlieben. Menschen neigen meiner Erfahrung nach eh dazu, sich ihre Partner zurecht zu lügen. Wie wird das erst, wenn man dringend einen haben möchte? Solche Beziehungen leben oft nicht lange. Heilsam können sie natürlich trotzdem sein. Es bietet sich im Zweifel an, das Ganze gar nicht erst für die Ewigkeit zu planen. Und ehrlich an die Sache ranzugehen.  

Oder man glaubt dran, dass es einfach beim nächsten Mal klappt, schmeißt sich in den nächsten Versuch und macht aber dieses Mal alles richtig.  

Mit diesen beiden Möglichkeiten werden wir uns sozusagen in den nächsten zwei Wochen beschäftigen. Nächste Woche also reden wir über...Affären.

Anatomie einer Trennung XII - Verarbeitungsphase

Geschrieben am 02.04.09 um 10:42 Uhr

Anatomie einer Trennung XII - Verarbeitungsphase

Nun nähern wir uns dem Teil der Trennung, der eigentlich der Schwerste ist: Die Zeit danach. Wie geht man mit Trennungen um? Eigentlich wissen wir alle eine ganze Menge gute Antworten, aber wenn es dann soweit ist, befolgen wir unsere eigenen Ratschläge ja doch nicht.

Warum eigentlich? Weil Gefühle nie das tun, was sie sollten. Ganz einfach. Klingt platt, aber ist kompliziert. Wir wollen nicht das haben, was gut für uns ist. Erkennen nicht, was wir nicht haben können. Halten uns an dem fest, was weh tut. Der Mensch hat nun mal Hoffnung. Manchmal ist das ein Segen, oft aber treibt es einen nur weiter, wenn man besser aufgehört hätte. 

Die Zeit erledigt das Problem. Der Körper ist gar nicht in der Lage irgendein Gefühl für immer zu haben.  

Nach der Trennung sind wir also einsam, verzweifelt und von dem ständigen Gefühl, etwas stimme nicht, getrieben. Manche Beziehungen dauerten Jahre und es ist ziemlich natürlich das man sich bei ihrem zerbrechen umgewöhnen muss. Es ist als würde ein Verwandter sterben. Plötzlich ist ein Mensch weg. Dazu kommt, dass in jedem Beziehungsende die Möglichkeit eines wie auch immer gearteten persönlichen Scheiterns steckt. Das wird schlimmer eben weil man immer glaubt, es würde einem selbst viel mehr wehtun. Schließlich steigt in einem die Angst auf und ersetzt den Schock. Angst vor Einsamkeit, vor ewiger Isolation.  

Ich erinnere mich an eine ganz schlimme Trennung. Sie kam unerwartet und plötzlich. Ich hatte es nicht kommen sehen und fühlte deshalb den plötzlichen Verlust der Zweisamkeit umso stärker. Deshalb zog ich mich zurück. Schloss meine Freunde und Familie aus und legte meine Lieblings-CD ein. Queens Innuendo. Mein CD-Player hatte damals die neumodische Funktion eines "Einzel-Lied-Repeats" den ich sofort nutzte um den letzten Song des Albums "The Show Must Go On" in eine Endlosschleife zu versetzen. Nach einer Stunde war ich soweit das zu tun, was ich mein Leben lang in solchen Momenten tat. Ich nahm mein Tagebuch und schrieb. Schrieb, weil ich plötzlich eine absolute Gewissheit hatte. Die mein ganzes Herz erfasste. Nie wieder, nie wieder würde ich geliebt werden. Nie wieder würde mich eine Frau glücklich machen. Nie wieder würde ich für eine Frau etwas empfinden können. Das Thema Frauen...das Thema Liebe als solches...fand ein Ende.  

Ich war 13 Jahre alt. Und sagen wir die Geschichte war noch nicht ganz zu Ende.  

Was ich damit veranschaulichen möchte, außer dem Umstand das der Autor seinen Sinn für Dramatik früh entwickelte, ist, dass diese Dinge nun mal subjektive Weltuntergänge sind. Endgültige, das Leben zerstörende Ereignisse.  

Bis sie dann vorbei sind.  

Irgendwann kommt die nächste Beziehung. Und die Alte ist vergessen. Nächste Woche machen wir uns darüber mal Gedanken. Was kommt danach? Wer kommt vor allem danach?  

Anatomie der Trennung XI - Getrennt sein, Die Krisenperspektive

Geschrieben am 25.03.09 um 09:57 Uhr

Anatomie der Trennung XI - Getrennt sein, Die Krisenperspektive

Nachdem wir eine "normale" Trennung ausreichend betrachtet, gedreht und gewendet haben, sollte nicht unerwähnt bleiben, dass nicht alle Trennungen nach dem gewohnten, anerkannten Prinzip des Redens - Trennens - Entfremdens durchgeführt werden.

Es gibt Trennungen die sind schlimmer, schmerzhafter und durchaus auch gefährlicher als das, was wir alle von Zeit zu Zeit durchmachen.  

Meistens gehen solche Trennungen schon damit los, weshalb sie stattfinden. Manische Partner, hysterische Anfälle, Gewalt in der Beziehung. Meistens sind die Männer dabei die Aggressoren, aber nicht unbedingt immer. Auch krankhafte Eifersucht, Drogen und Depressionen gehören zu den Klassikern die eine Trennung in einen Urlaub in der Hölle verwandeln können. Irgendwann macht man Schluss und man glaubt, man habe den Alptraum hinter sich. Nur um festzustellen, dass er gerade erst richtig beginnt.  

"Mann plakatiert Innenstadt mit obszönem Foto seiner Ex" (Spiegelonline 26.02.09), "Stalker schickt Ex Leichenwagen." (Bild.de 09.03.2009) oder im traurigsten Fall sind es Fälle wie den um einen 37jährigen Hamburger der im Januar seine Ex-Freundin erschoss, oder der 23jährigen Studentin die ihren Freund erstach als dieser ins Ausland gehen wollte. Es sind Ausnahmesituationen, die aber zeigen wie weit die Einsamkeit und der Schmerz Menschen treiben können. Keine dieser Extremreaktionen kommt ohne Vorgeschichte. Aber sie passieren öfters als man denkt. Der Autor dieses Artikels durfte schon zweimal auf seiner Couch schlafen, weil weibliche Freunde vor ihren drohenden, wütenden Ex Schutz suchten. Er hat auch schon mal seine Nummer ändern müssen, weil eine Ex nicht aufhörte anzurufen.  

Ich habe ausführlich beschrieben, dass der Akt verlassen zu werden, ein schmerzhafter ist. Es ist nicht schwer vorstellbar, wie sehr, wie tief solche Schmerzen einen Menschen erreichen, der ohnehin nicht im Gleichgewicht ist. Jemand der mit seiner psychischen Gesundheit vielleicht kämpft oder dies nur zu verbergen weiß. Wenn wir "normale" Menschen schon leiden wie Hunde, uns anfangen zu betrinken und Dummheiten machen, was passiert mit so jemandem? Als Partner bzw. Ex-Partner von solch einer Person bleibt meistens nur die Flucht ins Ungewisse. Irgendwohin, wo der andere einen nicht erreicht. Denn reden, vernünftig sein oder beruhigen wird meistens nicht funktionieren. Und nicht selten dienen Stalking- und Terrorstrategien auch dem schlichten Zwecke, die Beziehung, die man verloren hat, wieder zurückzuerpressen.  

Es bleibt beim Einfachsten aller Ratschläge. Egal was der andere tut, bittet Bekannte um Hilfe, sprecht mit Freunden oder stellt Anzeige. Nahezu jede größere Stadt hat eine Hotline für Opfer von Stalking und häuslicher Gewalt. Da meistens Frauen Opfer sind, gibt es für diese auch bundesweit Notrufe. Aber lasst euch nie auf dieses Spiel ein. Denn es wird nicht besser . . .

Anatomie der Trennung X - Getrennt sein, die Täterperspektive

Geschrieben am 12.03.09 um 09:57 Uhr

Anatomie der Trennung X - Getrennt sein, die Täterperspektive

Letzte Woche sprach ich über die simplen Leiden desjenigen, dem ein Beziehungsende aufgedrückt wurde. Diese Woche reden wir über die viel schwieriger zu definierende Rolle des Täters: Des "Schlussmachers."

Es ist ein weit verbreitetes Gerücht, es ginge immer dem besser, der eine Beziehung beendet. Es mag seine Vorteile haben, den Zeitpunkt und die Art und Weise selbst zu bestimmen. Aber man hat oft auch keine Wahl gehabt.  

Jemandem den Laufpass zu geben, heißt ja nicht immer gleich, er ist einem egal. Oder man freut sich diese Person los zu sein. Es kann oft wehtun, dass man es getan hat. Auch derjenige der sich trennt, kann sich danach einsam fühlen. Vor allem aber stellt sich die Frage: War es richtig?  

Viele Menschen weichen dem natürlich aus. Leute die gerne fliegend wechseln und glauben, "sich umzuverlieben" hätte etwas mit Romantik zu tun, gehören sicher zu der Art von Mensch die sich solchen Momenten ungern stellen. Aber der normale Mann oder die normale Frau denkt genug nach, um Zweifel zu haben. Und mit denen muss man erstmal fertig werden. Hat man es genug versucht? War man sicher genug, dass der Schritt der Richtige war? Hat man den Partner im Stich gelassen? Hasst der Andere einen nun?  

Das sind Fragen die einen begleiten. Auf die ungenehme Art begleiten: Die einem nachts auflauern, wenn man alleine im Bett liegt. Wie wird man sie los?  

Das ist genauso, wie Opfer eines Beziehungstods zu sein. Man braucht Zeit. Diese Dinge werden klarer, je weiter man sie aus der Distanz betrachtet. Bis man da ist, tun sie einem halt weh. Das ist auch gut so. Man weiß deshalb, dass man noch nicht ganz abgestumpft ist.  

Obwohl ich sonst nicht dazu neige, vertrete ich, was Schmerz betrifft, ja eher eine romantische Einstellung.  

Wer durch Liebe sein Glück finden kann, der kann auch unter dem Mangel an Liebe leiden. Und anders herum.  

Wenn es einem nicht leicht fällt etwas zu zerstören, dann ist das wohl so. Nicht der unsympathischste Wesenszug, oder?  

Anatomie der Trennung IX - Getrennt sein, die Opferperspektive

Geschrieben am 06.03.09 um 09:54 Uhr

Anatomie der Trennung IX - Getrennt sein, die Opferperspektive

Man sitzt plötzlich alleine da und die Einsamkeit starrt einen an. Räume werden leer, Bilder vom Ex lauern überall. Und dann rufen auch noch an und sagen Wörter wie "ihr" und "euch" und man muss anfangen es all seinen Freunden zu sagen. Es tut weh.

Strategien gibt es jetzt viele. Ich könnte gute Tipps geben wie: Die Bilder wegzuwerfen. Skandinavischen Jazz  hören. Sehr populär in Ratgebern ist immer das Treffen mit Freunden, das Reden über das ganze und der symbolische Akt der Trennung durch das entfernen von irgendwas Wichtigem. Der Haare. Der Kleidung. Dem Wohnort. Aus der Praxis kennt man da schon handfestere Tipps. Meine Freunde schworen immer auf Alkohol und One Night Stands. Weinen. Auch ein Klassiker. Sich seinen Gefühlen stellen. Schreien. Feiern. Sport treiben. Rache üben. Sich neu verlieben. Umziehen. Reisen. Frisur ändern. Kleider verbrennen. Bücher. Opern. Naturheilkunde. Steine. Mineralien. Tierzeichen.  Liebesromane. Tragödien.  

Eigentlich alles Blödsinn. Man muss halt irgendwas tun. Weil man weiß, dass nichts tun auch nicht hilft.  
Es dauert. Man kann sich da vielleicht helfen, aber es dauert halt. Es braucht Zeit.  

Mein einziger Rat ist, es nicht zu verleumden. Sich dabei auch nicht schwach zu fühlen. Ohnehin nicht krank zu fühlen. Niemals glauben, es werde nicht enden. Man muss das durchmachen.  
Es ist halt traurig allein zu sein. Erstmal.   Irgendwann dann...ist es plötzlich wieder in Ordnung.

Anatomie der Trennung VIII - Die Rückeroberung

Geschrieben am 25.02.09 um 10:23 Uhr

Anatomie der Trennung VIII - Die Rückeroberung

Eine weitere Art wie man Trennungen versuchen kann wieder aufzuheben, ist der Versuch, seinen Partner wieder zurück zu erobern. Das kann vieles bedeuten. Mal ist es die Einsicht einen Fehler gemacht zu haben, oft nur das zerkratzte Ego, das poliert werden muss.

Selten gelingt es auf Dauer die Liebe, die man bereits verloren hat, wieder zurück zu bekommen. Doch es gibt diese Fälle. Ein oder zwei unter Hundert vielleicht. Und das reicht in der Regel um 98 vergebliche Versuche zu motivieren.  

Die Situation ist immer kompliziert. Egal wie einfach eine Trennung wirklich war, im Kopf der Betroffenen wird sie zu einem komplizierten Labyrinth von Gefühlen, Schmerzen, Unzulänglichkeiten und Unsicherheiten. Der Partner kann einem offen und ehrlich sagen warum Schluss ist. Das ändert nichts. Man wird jede andere Möglichkeit erwägen. Jeden denkbaren Fehler von eigener und anderer Seite erwägen, in der Hoffnung etwas zu finden, das es einem leichter macht. All diesen Ballast kann man natürlich am einfachsten loswerden, indem man die Trennung selbst wieder rückgängig macht. Und während man den anderen zurück erobert, vielleicht täglich mit ihm telefoniert, ein entspanntes Abendessen hat (weil man ja Freunde geblieben ist) oder sogar mit ihm weiterhin schläft, ist man ja auch nicht wirklich getrennt. Und muss sich so auch gar nicht mit all den Fehlern und Versäumnissen der Vergangenheit beschäftigen.  

Natürlich gibt es auch die Menschen die ihre Entscheidungen sehen, bewerten und korrigieren wollen. Aber es ist eine seltene Brut Mensch, die die Größe hat, sich den eigenen Fehlern zu stellen. Und wenn sie es tun und plötzlich wissen, sie wollen den Partner zurück, dann kann man ihnen nur Glück wünschen. Die Wenigsten werden es haben.  

Rückeroberungen sind Versuche den Kurs zu korrigieren und doch noch gegen den Strom und Wind zurück in den Hafen zu kommen.

Anatomie der Trennung VII - Trennung auf Zeit

Geschrieben am 16.02.09 um 10:23 Uhr

Anatomie der Trennung VII - Trennung auf Zeit

Wenn man sich auf Zeit trennt, sollte man das nicht planen. Die Trennung auf Zeit ist ein feiges, verlogenes Ding. Man weiß nie, wie ernst es gemeint ist. Kann nie neu anfangen, kann nie ganz abschließen und eigentlich hat man nur Angst, es endgültig zu machen.

Wenn man sich nämlich eigentlich noch liebt, erledigt sich das alles von selbst.  

Keine Betrachtung von Trennungen wäre komplett, würde ich verschweigen, dass es manchmal auch ein gutes Ende gibt. Und ich meine damit nicht, dass beide mit neuen Menschen glücklich werden. Ich meine damit, dass Beziehungen durch eine Trennung heilen. Es ist nämlich die eine Sache, genervt zu sein, aber die andere, alleine zu sein. Und wenn man dann andere Leute trifft, oder einsam ist, oder sich in die nächste Beziehung stürzt, dann findet man oft heraus, was man eigentlich hatte.  
Nicht jeder Mensch bringt uns zum Lachen. Vielleicht sah man das als zu selbstverständlich. Nicht jeder Mensch sagt, er liebe uns und meint es so. Nicht jeder Mensch weiß, wie er unseren Körper zu behandeln hat. Nicht jeder Mensch kennt uns. Nicht jeder Mensch versteht uns. Vielleicht tut das alles nur einer. Und von dem dachte man, er sei nicht mehr der Richtige. Traurige Geschichten entstehen, wenn nur einer so denkt.  
Aber manchmal erinnern sich einfach beide, was sie waren. Und ich glaube daran, dass zwei Menschen etwas haben können, das sie niemals woanders finden werden. Ich glaube, dass viele Menschen das nie finden werden, aber wenn . . . und man merkt es erst, wenn es zu spät ist...
Dann macht man Schluss mit dem Schlussmachen. Man kehrt zurück.  
Oft kann so etwas eine Illusion sein. Gerade wenn man das ganze unkritisch betrachtete. Ich verweise auf die On/-Off Beziehungen von denen ich vor ein paar Wochen berichtete. Aber es gibt diese Fälle, da klappt das einfach.  

Nicht so lange her, da habe ich die Einladung zur Hochzeit von so einem Paar bekommen.  
Soll man an solche Happy Ends glauben? Nein. Aber wenn sie trotz aller Zweifel passieren, rennt nicht davor weg.  
Und wenn es ein Fehler war, macht es euch im Zweifelsfalle einfach sympathischer, dass ihr ihn gemacht habt.

Anatomie der Trennung VI: Nach dem Schlusspfiff, Verlängerung

Geschrieben am 09.02.09 um 12:49 Uhr

Anatomie der Trennung IV: Nach dem Schlusspfiff, Verlängerung

Nun haben wir uns mal klar gemacht, wie diese magischen Momente menschlicher Tragödie eigentlich aussehen. Die, in denen Beziehungen enden und Träume aufgegeben werden. In Filmen endet die Geschichte oft hier, im Leben auch, aber nicht immer. Es gibt verschiedene Wege, wie es weiter gehen kann.

Manchmal versucht einer den anderen zurück zu gewinnen. Manchmal werden beide Freunde. Oft folgt ein Kleinkrieg und gelegentlich sogar müssen Freundeskreise geteilt werden. Es gibt sogar Beziehungen, die werden durch ihr Ende gerettet. All dies werden wir in den nächsten Wochen mal untersuchen. Heute reden wir über eine ärgerliche Schwäche menschlichen Verhaltens. Wir können nicht loslassen.
Manchmal nämlich kommen zwei Menschen nicht voneinander los.  

Dieser Zustand ist natürlich völlig subjektiv. Lieben sie sich noch? Mag vorkommen, ist aber eher selten. Allerdings gewöhnt man sich ja durchaus an Zweisamkeit. Gewohnheit ist eine eigene Macht. Man besucht sich öfters, redet noch viel, erkundigt sich nach dem Wohlbefinden des anderen. Ja, man landet auch durchaus im Bett, weil man das so gewohnt ist, weil man den anderen vermisst. So etwas muss nicht schlecht sein. So etwas kann den Abschied leichter machen, weil man die Dosis der Droge "Beziehung" langsam verringert, bis einer sagt: "Ich kann jetzt ohne." 

Aber es kann auch zur Hölle werden, wenn ein Aufbruch dadurch unmöglich gemacht wird oder ein anderer darunter leidet. Zum Beispiel ein neuer Partner. Man kann natürlich sagen: "Der hat es nicht anders verdient". Aber am Ende hat man nur zwei kaputte Beziehungen und drei Menschen, die sich schlecht fühlen. Am schlimmsten wird das alles wenn einer den anderen liebt. Dies aber nur noch von Gewohnheit beantwortet wird.  

Ich habe Menschen an so etwas zerbrechen sehen.   Man kann das einfach nicht pauschal bewerten, sondern muss den Einzelfall betrachten. Aber wie? Wird eine Entscheidung noch irgendwie subjektiver als diese?  

Ich habe hier einen guten Rat. Wie es gute Ratschläge so an sich haben, ist er einfach gesagt und schwer durchzuführen. Wie es alle guten Ratgeber so an sich haben, höre ich selbst höchst selten darauf.  

Fragt eure Freunde. Die echten, treuen, guten Freunde. Die, die leiden, weil es euch schlecht geht. Erzählt ihnen alles und guckt, wie sie reagieren. Es wird eine instinktive Reaktion geben. Sie wird euch vielleicht nicht gefallen. Aber sie wird all die Dinge beinhalten, die ihr nicht sehen wolltet.  

Und wenn man nur hört, wie schön das ist und wie gut einem das wieder tun würde, dann muss man einfach aufhören sich Sorgen zu machen.  
Eine Verlängerung ist halt kein neues Spiel. Sie geht irgendwann zu Ende. Und wenn nicht?  
Dann hat man gerade einen neuen Anfang gefunden.  

Dazu mehr nächste Woche.

Anatomie der Trennung V: Man macht Schluss, Gegenseitiges Einverständnis

Geschrieben am 05.02.09 um 10:07 Uhr

Anatomie der Trennung V: Man macht Schluss, Gegenseitiges Einverständnis

Es gibt viele Paare, die sagen, sie hätten sich in gegenseitigem Einverständnis getrennt. Eine Weile kam es mir so vor, als würde man sich einfach nicht mehr anders trennen. Vor allem jüngere Paare führen das gerne mal an. Wenn man älter wird und Beziehungen ernster und länger werden, passiert meistens irgendetwas, das schon dafür sorgt, dass einer die Entscheidung trifft.

Aber seien wir ehrlich. Von 100 Paaren, die in "Gegenseitigem Einverständnis" ihre Beziehung beenden, hat einer das Gespräch angefangen und der andere ist eingestiegen, um nicht dumm da zu stehen.  

Der Vorher-Nachher-Test zeigt es. Bevor die Paare nämlich gegenseitig einverstanden sind keine Paare mehr zu sein, sitzt man meistens mit einem von beiden in irgendeiner Kneipe und er erzählt Dir vom Plan die Beziehung zu beenden. Der Andere denkt derweil drüber nach, ob sie zusammen ziehen, Kinder kriegen oder heiraten. Dann reden beide. Am Ende ist Schluss. Gegenseitig, hm?  

Es ist schwer, dass ein Mensch eine solche Entscheidung trifft. Zwei Menschen, die diese gemeinsam treffen, brauchen schon eine gehörige Portion Reife. Ich unterstelle dem Menschen im Allgemeinen, dass Reife nicht die starke Seite unserer Spezies ist. Wenn es klappt, ist es aber dennoch eine gute Sache. Die Schmerzen des Verlassenwerdens und die Bürde der Entscheidung werden gerecht verteilt, können gerecht verteilt werden. Nicht selten hat doch einer irgendwie den Eindruck verlassen worden zu sein. Man hat es dann zumindest versucht.  

Allerdings sind Beziehungen, die so enden, häufiger nicht so am Ende, wie man denkt. Aus rein persönlicher Erfahrung weiß ich, dass Leute, die so etwas gemeinsam ausdeichseln, genau die sind, die nach zwei Jahren wieder zusammen sind. Nicht immer, aber öfter als jene, bei denen alles schief geht. Vielleicht muss man den anderen noch ein bisschen lieben um ihm Mitspracherecht einzuräumen. In jedem Fall kann man noch reden. Die Gründe, die man hat, es zu beenden, sind meistens auch nicht unerheblich. Gram und Frustration sind der Liebe nicht unähnlich. Bei beiden wundert man sich manchmal, wohin sie eigentlich verschwunden sind.  

Ganz gleich wie es aber endet, ab nächster Woche gucken wir mal unter dem Schlussstrich nach, was passiert, nachdem es passiert ist.  

Wir alle wissen, dass da die Geschichte oft erst anfängt.

Anatomie der Trennung IV: Man macht Schluss, Opferperspektive

Geschrieben am 29.01.09 um 10:20 Uhr

Anatomie der Trennung IV: Man macht Schluss, Opferperspektive

Zunächst entschuldigt den späten Artikel diese Woche. Mein eigenes Altern in Form meines Geburtstags hat mich von früherem Schreiben abgehalten.

Wie angekündigt reden wir diese Woche nicht über die Leute, die Schluss machen, sondern über die, mit denen Schluss gemacht wird. Das soll ja der schlechtere Part dabei sein. Obwohl ich letzte Woche hoffentlich gezeigt habe, dass auch diejenigen, die den Schlussstrich ziehen, es sich oft nicht einfach machen.  

Aber sie wissen, was passiert. Das Opfer des Beziehungsmordes ist oft ahnungslos. Man verabredet sich, hofft mal nicht streiten zu müssen, will die Beziehung retten, die schlechten Zeiten aussitzen, mehr Romantik in die Beziehung bringen oder mehr Sex, oder mehr Liebe oder mehr reden oder mehr...und da passiert's. Der andere druckst rum, ist angespannt, guckt einem nicht in die Augen, irgendwann rutscht es ihm raus. Oder man fragt. Oder er wollte "offen und direkt" sein und schmeißt es einem gleich ins Gesicht.
Es ist Schluss.  
Ein Hammer zertrümmert alle verbliebenen Hoffnungen auf ein gutes Ende. Der Schmerz übernimmt mal eben den Rest der Wochenplanung und man weiß nicht, was man sagen soll. Zumindest habe ich noch nie von jemandem gehört, der sehr zufrieden mit den nächsten Worten war.   Schreien ist natürlich populär. Besonders wenn das Ende nicht ganz sauber scheint oder man eh viel gestritten hat. Weinen ist auch nicht selten, nicht nur bei Frauen. Sogar Männer können Tränen zeigen, wenn Träume sterben. Manchmal folgt auch nur noch Schweigen. Stumme Anerkennung der Tatsachen oder die schlichte Unfähigkeit irgendetwas zu sagen.  
Am schlimmsten ist es, wenn man Erleichterung fühlt, denn dann hätte man das wohl längst selbst machen sollen.  

So oder so, es ist die schwerwiegendste Entscheidung, die Menschen nach unserer Volljährigkeit über unser Leben treffen können. Entscheiden, dass wir - die mit denen Schluss gemacht wird - von nun an allein sind. Und egal wie gut das begründet ist oder wie wahr alles ist, was als Grund angeführt wird...es tut weh. Es hinterlässt ein Loch.  
Ist das fair?  
Mit Fairness hat das gar nichts zu tun. Man kann fair Schluss machen. Man kann sich fair trennen. Aber dass einer von beiden die Entscheidung trifft und der andere damit leben muss, wird nie fair sein.  
Gibt es einen anderen Weg? Sehen wir uns das nächste Woche an. Dann kommen wir zur modernsten Form des Beziehungsendes: Gegenseitiges Einverständnis

Anatomie der Trennung III: Man macht Schluss, Täterperspektive

Geschrieben am 22.01.09 um 10:32 Uhr

Anatomie der Trennung III: Man macht Schluss, Täterperspektive

Nach all den Lügen und all dem Streit kommt man an den Punkt, wo man den Partner loswerden will. Klingt böse. Ist aber die Wahrheit. Meistens will man gar nicht frei sein, man will nur aus DIESEM Gefängnis fliehen. Weil die Haftbedingungen einfach etwas zu grausam geworden sind. Der andere muss weg. Aus der Wohnung, aus dem Leben. Man will nicht mehr mit ihm/ihr reden, streiten, teilen und Kompromisse finden.

Man will allein sein. Auch wenn es wehtun wird. An diesem Punkt hat man einen Grund gefunden, diesen Schmerz zu ertragen. Genau das macht ein Beziehungsende ja zu so einem grausamen Ding. Man weiß, es wird wehtun. Und tut es trotzdem.  

Wie bereits vorher gesagt, kann man sich selber helfen. Untreue, Streitperioden und andere Grausamkeiten machen einem das Leben leichter, wenn es um?s Trennen des "Wir" geht. Leider hat man manchmal da nicht so gute Vorbereitungen getroffen. Manchmal ist man einfach nicht der Bösewicht in dem Drama. Am schlimmsten ist, dass es oft keinen Bösen gibt.
Es ist vorbei. Es ist Schluss. So geht es nicht mehr. Ich glaube, ich will das nicht mehr. Du, ich will alleine sein. Ich glaube, wir sind nicht mehr wirklich zusammen. All das sind gute Sätze. Gern kann man auch mal um den Topf herum hüpfen, bis der andere schockiert fragt: Machst Du gerade Schluss? Willst Du gerade Schluss machen? Dann bleibt es bei einem einfachen: Ja. Oder auch mal einem "Es tut mir leid." Besonders human. "Du weißt doch warum, oder?"
Solange man es sauber macht, keinen Streit führt und keine Sünden zu beichten hat, ist es eigentlich egal, wie man es sagt. Es wäre mir bisher entgangen, dass irgendeine Formulierung besser wäre als die andere. Um den Schmerz kann man ohnehin nicht herum reden. Der kommt.
Und dann? Ist es erstmal gesagt, was tut dann unser Schlussmacher? Meistens geht man auseinander. Oder schweigt sich noch eine Weile an. Nett ist es, wenn man sich noch mal in den Arm nimmt. Viele Paare schlafen merkwürdigerweise miteinander. Dann folgt ein zweites Klärendes: "Das ändert aber nichts." Sobald man das hinter sich hat.
Und vorbei ist es. Alles, was an WIR da war, ist nun Vergangenheit. Zwei Menschen gehen wieder getrennte Wege.
Manchmal natürlich wird das nicht so einfach, manchmal ist eine Trennung nur auf Zeit, all diese Dinge werde ich in den nächsten Wochen einmal ansprechen. Nächste Woche widmen wir uns aber erstmal den Leuten, die den passiven Part in diesem Drama spielen müssen: Schlussmachen aus der Opferperspektive.

Anatomie einer Trennung II: Fehler, die es einem leichter machen

Geschrieben am 14.01.09 um 15:04 Uhr

Anatomie einer Trennung II: Fehler, die es einem leichter machen

Letzte Woche sprach ich über die unweigerliche Anziehungskraft, die das Ende hat, wenn man weiß, dass es vorbei ist. Man könnte denken, dass wir nun zum eigentlichen Akt der Trennung kommen. Bei vielen Menschen ist das auch so. Die können dann beruhigt zum Eintrag der nächsten Woche vorspringen. Die meisten aber können nicht so einfach Entscheidungen aufgrund veränderter Gefühle treffen. Sie brauchen erst einen Sturm, um das sinkende Schiff zu verlassen. Ich gehöre zu diesen Menschen.

Das liegt wohl vor allem daran, dass es ja Gefühle sind, die einen zum Handeln treiben. Entfremdung, Langeweile, Mangel an Reizen. Diese Dinge kommen schleichend. Und deshalb brauchen sie meistens eine konkrete Form. Es braucht ein Ereignis. Einen Fehler. Ein Fehler löst nämlich alle Probleme.
Drei mögliche "Fehler" sind dabei meiner Erfahrung nach äußerst populär: Fremdgehen, Streiten, Ignorieren.
Fremdgehen ist natürlich ohnehin etwas, das in der Natur vieler Menschen liegt. Es passiert überall und ständig und die schwächelnde Bindung zum Partner macht es nur umso leichter. Man hat Sex mit jemand anderem, dann gesteht man es und kommt in der folgenden Diskussion zum Schluss, es kann nicht mehr weiter gehen. Hätte man das vorher gesagt, wäre man eigentlich gar nicht fremdgegangen, aber dann hätte man sich damit beschäftigen müssen, was eigentlich schief gegangen ist. Eventuell würde man sogar einige unangenehme Wahrheiten über sich selbst erfahren. Die Varianten des Umverliebens (besonders sinister: Der neue Partner weiß nichts davon), Partneraustauschs und Langzeitaffäre sind allgemein bekannt. Sie führen alle zum Todesstoss. Unweigerlich und schnell. Gar nicht so selten will der Partner/die Partnerin einem das sogar verzeihen. Es als Zündung für einen zweiten Versuch nehmen. Man faselt dann irgendwas von: So könnte ich nie weitermachen.

Fremdgehen in der Beziehungskrise ist die Atomwaffe unter den Beziehungskillern.

Streiten ist die Variante für Leute, die es sich gar nicht eingestehen wollen. Wenn der Streit kaum noch von Versöhnungsphasen unterbrochen wird und man vom Schweigen zum gegenseitigen Anschreien wechselt ohne dass einer den Mut hat etwas Radikales zu tun, wartet man, dass einer es endlich sagt und durchzieht. Meistens lieben sich solche Paare sogar noch, irgendwie. Liebe ist ein grausames Ding. Es klappt nur gar nicht. Ewig geht das nicht. Nach Wochen, Monaten, Jahren bricht einer zusammen. Beide werden auf immer bitter sein und Freunde bleiben sie eh nicht.
Der ewige Streit ist unter allen Arten auf das Ende der Beziehung hinzuarbeiten der Stellungskrieg. Lange, ermüdend, grausam und eigentlich völlig überflüssig.
Ignorieren. Den Partner einfach ignorieren ist die grausamste Variante. Man bricht sozusagen den Glauben des anderen in die Beziehung. Nur weil man selbst keinen mehr hat. Feige, aber effektiv hören herzlose Partner einfach auf, mit dem anderen zu reden. Sehr oft führt es dazu, dass der betroffene Partner zu obigen Lösungen greift. Schluss machen tut einer von beiden in jedem Fall. Eine Beziehung führen, die daraus besteht, den Partner schlechter zu behandeln als den Fernseher, hat keine Zukunft.
Den Partner zu ignorieren ist eigentlich mehr ein Kriegsverbrechen, das den Gegner zum Angriff bringen soll. Eine Provokation zum Schluss machen. Man sollte dazu bemerken, dass viele Leute das nicht durchhalten. Dazu gehört schon etwas Grausames.
Es erübrigt sich zu sagen, dass ich keinen dieser Wege empfehle. Aber das sind meistens keine bewussten Entscheidungen. Also, lasst uns einfach traurig feststellen, dass so was passiert. Bevor man an den Punkt ohne Wiederkehr kommt.
Und für alle die sich an meiner "Kriegsrethorik" stören werden: Ich glaube an die Weisheit der 80er Jahre Lieder. Und wie sang Pat Benatar? Love is a battlefield.
Nächste Woche reden wir über die Momente, die wir nie vergessen. Schlussmachen.

Anatomie der Trennung III - Man macht Schluss - Täterperspektive

Anatomie der Trennung IV - Man macht Schluss - Opferperspektive

Anatomie der Trennung I - Anfang vom Ende

Geschrieben am 07.01.09 um 11:18 Uhr

Anatomie der Trennung I - Anfang vom Ende

Ich wünsche euch allen ein Frohes Neues Jahr! Schön, dass ihr wieder hier seid! Man hat mich letztes Jahr gebeten, darüber zu schreiben, wie Trennungen wirklich stattfinden. Welche Momente man durchlebt und welche Gefühle man in den verschiedenen Phasen hat. Da das einen einzelnen Beitrag sicher sprengen würde, beginnen wir heute mit dem ersten Teil. Die nächsten Wochen werden dann Stück für Stück die Trennung zweier Menschen sezieren. Wie immer alles völlig subjektiv.

Vor der Trennung steht die Beziehung

Ich muss niemandem erzählen, wie aufregend unsere Beziehungen einmal waren. Wie prickelnd die ersten Stunden sind und wie einnehmend belebend die ersten Nächte. Irgendwann zieht Alltag ein. Langsam und schleichend. Aber nur in schlechten Beziehungen ist das ein Problem. Der Alltag, die Sicherheit die uns ein Partner gibt, das hat einen eigenen Wert. Als man jünger war, musste man irgendwann wieder ausbrechen, um den Thrill der ersten Tage zu bekommen. Aber man wird erwachsen und inzwischen betrachte ich den Teil, in dem man sich zurücklehnen und die Beziehung genießen kann, als den Besten.
Er ist auch der gefährlichste Teil der Beziehung, denn hier beginnen die Dinge irgendwann heimlich und still schief zu gehen.
Woran erkennt man das Ende? Ich denke daran, dass man keinen Weg mehr sieht, wie es weiter geht. Die letzten Tage von Beziehungen können ganz unterschiedlich sein. Aber immer sind sie unehrlich, angespannt und schmerzhaft. Exemplarische, typische Abläufe gibt es genauso viele wie "einzigartige Beziehungskrisen". Einiges konnte ich immer wieder beobachten. Es beginnt mit kleinen Lügen. Den Dingen die Mann/Frau sagt, um sich allein mit Freunden treffen zu können. Oder mehr Zeit für sich zu gewinnen. Die Gesprächsthemen verschwinden oder man bleibt bei denen, die man gut kennt. Ganz gleich wie Gespräche aussehen, das Lachen verschwindet. Humor wird schwerer. Die Nerven sind angespannter und dies führt zu mehr Streit. Schlimmer als Streit empfand ich immer Schweigen. Lügen. Verheimlichen. Den Partner ausgrenzen. Es tut nicht nur weh, wenn das mit einem geschieht. Auch wenn man selbst der ist, dem die Beziehung nicht mehr passt, der seine Freiheit sucht, schmerzt es. Zu sehen, was aus einem geworden ist. Das Gewissen. Die zunehmende Zuversicht, dass man da raus muss. Am schlimmsten wird es, wenn man weiß, dass man am Ende jemandem das Herz bricht. Jemandem, der es vielleicht gar nicht verdient hat.
Viele Leute haben hier traurige Geschichten geschrieben, warum sie ihre Partner verlassen mussten. Betrug, Lügen, Gewalt und sogar Sucht. Aber ich sage euch: Freut euch! Es wirkt nicht so im Moment der Trennung, aber es ist ein Segen, einen guten Grund zu haben.
Wenn man nämlich nicht völlig emotional verrottet ist (mag sein, dass solche Menschen eine Minderheit darstellen) ist es das Schlimmste, was man tun kann: Eine Beziehung mit jemandem der es nicht verdient hat zu beenden. Jemand, der einen liebt. Jemand, der alles tut, um es richtig zu machen. Den man aber aus irgendeinem Grund verlassen muss.
Und in dem Moment, in dem einem klar wird, dass man Schluss machen wird, beginnt sich alles zu verändern. Manche sprechen es gleich an. Wenn ihr dazu gehört, überspringt meinetwegen Teil II. Für alle die nicht dazu gehören, gibt es nächste Woche Teil II mit allen Dummheiten, die man macht, bevor die berühmten Worte ausgesprochen werden.

Wenn es einfach nicht mehr geht

Geschrieben am 22.12.08 um 15:21 Uhr

Wenn es einfach nicht mehr geht

Wann ist der Punkt an dem man Schluss macht? Wenn man nicht mehr will? Ja, das wäre ein guter Zeitpunkt. Aber ich hätte hier wenig zum Schreiben, wenn wir alle so vernünftig wären.

Vielleicht machen wir Schluss, wenn die Partner uns auf die Nerven gehen? Nein, dann beginnen wir uns abwechselnd zu streiten und wieder zum Versöhnungssex übereinander her zu fallen.
Aber irgendwann, lange nachdem man zum ersten mal den Verdacht hatte, dass es nicht mehr funktionieren wird, irgendwann, wenn es aussichtslos ist und wirklich gar nichts noch irgendwie klappen kann, dann machen wir endlich Schluss.
Hoffnung ist, wie ich immer wieder sagte, ein Verräter. Er bringt einen dazu, völlig dumme Dinge zu tun. Zum Beispiel Beziehungen zu retten, die überhaupt keine Zukunft mehr haben. Das soll nicht heißen, dass man bei jedem Ärger die Flinte ins Korn werfen soll. Es heißt, dass man akzeptieren soll wenn es vorbei ist.  

Männer, die ihre Frauen verprügeln

Geschrieben am 15.12.08 um 14:50 Uhr

Männer, die ihre Frauen verprügeln

Viele halten es für selbstverständlich, wenn ein Mann seine Hand gegen eine Frau erhebt, diese ihn verlassen muss. Dass sie niemals bei ihm bleiben würde. Sogar in den seltenen Fällen, wenn Frauen aus unbekannten Gründen zu extremer Gewalt gegen ihre männlichen Partner neigen, scheint es ein klarer Fall zu sein.

Gewalt ist eine Grenze, die in der Beziehung nicht überschritten werden darf. So denkt man...
Leider sieht die Realität, wie bei so vielen Fällen über die ich hier schreibe, anders aus. Gewalt in der Beziehung passiert. Jeden Tag. Dass die meisten von uns Männern es sich selbst nie vergeben könnten, würden sie jemals ihre Partnerin schlagen, ändert nichts daran: Es gibt Männer, die ihre Partnerin körperlich misshandeln. Und Frauen, die trotzdem bei ihnen bleiben.  

Moderne Psychologie hat eine Reihe von Erklärungsansätzen dafür gefunden, warum Frauen bei ihren Partnern verweilen obwohl diese gewalttätig sind. Erschreckenderweise ist es nicht selten Liebe. Angst, mangelndes Selbstwertgefühl und die undankbare Fähigkeit des Menschen sich an so ziemlich alles zu gewöhnen, tun ihr Übriges. Am Ende sind viele Menschen in einem Kreislauf gefangen, der sie zu Opfern macht. Sie rechtfertigen die Gewalt gegen sich. Verteidigen ihren Freund. Erfinden Ausreden. Meiden Öffentlichkeit.

All das sind Fehler. Natürlich hat niemand verdient, körperlich misshandelt zu werden. Weder Liebe, noch eigene Probleme, noch die Schuld der Partnerin geben einem Mann das Recht eine Frau zu schlagen. Nichts wird etwas daran ändern.  

Zwei Jahre lang habe ich so was mit angehört. Schreien, Drohungen und dann die Schläge, gleich an der Tür nebenan. Ich rief die Polizei, klingelte und sprach ihn wie auch sie an. Sozialarbeiter, Polizisten und Nachbarn versuchten alles. Wenn sie die Tür öffneten, gab es kein Problem. Die Frau war ausgerutscht und er hatte ihr geholfen. Manchmal gaben sie zu, sich gestritten zu haben, aber das sei Privatsache. Dreimal endeten diese Privatsachen im Krankenhaus. Eine Anzeige wegen Körperverletzung scheiterte an ihrer Aussage zu seinen Gunsten. Nach zwei Jahren hörte man ihn dann weinen und sie sah man nie wieder. Es war ihr nichts geschehen, nein, ihr Bruder hatte sie abgeholt und vor ihm verborgen. Knapp ein halbes Jahr später hörte ich dann seine neue Freundin ihn anschreien und für immer die Wohnung verlassen. Danach hörte ich bis zu seinem Auszug nie wieder etwas aus der Nebenwohnung.  

Wenn ein Mensch aus diesem Leben ausbricht, muss man ihm helfen, so gut man kann. So wenig man es versteht, muss einem einfach klar sein, dass es nicht leicht ist, sich aus einer Beziehung zu lösen, die einem so sehr das Selbstwertgefühl genommen hat. Leider scheint es den Menschen mit dem besten Grund ihren Partner zu verlassen, oft am schwersten zu fallen.  

Leider geraten einige Frauen an solche Männer. Hoffen wir, sie bleiben nicht lange.

Trennungen zu Weihnachten

Geschrieben am 08.12.08 um 11:07 Uhr

Trennungen zu Weihnachten

Es ist bald wieder soweit. Weihnachten. Plätzchen, Geschenke, Familie und grausame Lieder überall. Glühwein, Märkte und kitschige Fernsehfilme. Worüber will ein Trennungsblog bei soviel Glück schreiben?

Wie wäre es mit Trennungen? Denn Weihnachten ist eine gute Zeit, um Single zu werden. Google wirft uns da - gibt man die richtigen Suchbegriffe ein - Hunderte von Artikeln vor. Paare, die sich vor Weihnachten, nach Weihnachten oder sogar am Heiligabend das letzte Wort sagen. Weihnachten ist eine Zeit von Trennungen! Auch der Autor dieses Artikels hat den Heiligabend schon genutzt, eine "Freundin abzuschießen". Zugegebenerweise war er jung und unreif. Aber der Heiligabend war nicht unschuldig dran.
Es wird einem einfach zuviel. Wenn man seit Monaten weiß, dass diese Beziehung ihren Höhepunkt längst hinter sich hat und Bequemlichkeit und Loyalität den Job von Leidenschaft und Verbundenheit übernommen haben...dann ist es einfach sooooo nervig, Händchen haltend über Weihnachtsmärkte zu bummeln. Oder sich den Kopf zu zerbrechen, was man einer Frau schenkt, die zunehmend zu nerven beginnt. Die Organisation des ganzen Festes wird ohnehin nervig und hat man dann erstmal festgestellt, dass es unerträglich ist, wird Neujahr zu einer unüberwindlichen Barriere. Nein, ins Neue Jahr will man sich nicht auch noch quälen. Da schenkt man sich lieber die Freiheit. Unter'm Weihnachtsbaum. Ist da ein guter Zeitpunkt? Auf keinen Fall. Taktlos, rücksichtslos und so was von daneben unter'm Weihnachtsbaum jemandem das Herz zu brechen. Aber je mehr man versucht, das zu verhindern, umso schwieriger wird's, es nicht zu tun. Und dann muss es sein.
In diesem Sinne hoffe ich, ihr habt alle ein gutes Weihnachtsfest und kann nur sagen ? wir lesen uns nächstes Jahr. Kommt gut rein ins Jahr 2009.

Trennen sich Männer und Frauen eigentlich anders?

Geschrieben am 01.12.08 um 10:21 Uhr

Trennen sich Männer und Frauen eigentlich anders?

Gibt es zwischen Männern und Frauen einen Unterschied wenn es ums Beenden einer Beziehung geht? Der Gedanke kam mir, als ich mir die unschöneren Geschichten in meinem Freundeskreis anguckte, die sich in den letzten Jahren ereignet hatten.

Natürlich ist das schwierig zu sagen und jede Verallgemeinerung ist eine Einladung an meine Leser, mir Sexismus vorzuwerfen (fühlt euch hiermit eingeladen) aber ich denke, es gibt ein paar Muster. Eine Beziehung beenden ist ein sehr individueller Vorgang. Jeder hat so seine eigenen Wege. Ein paar Dinge scheinen aber nur Frauen zu tun und ein paar Dinge scheinen ausschließlich bei Männern vorzukommen. Im Schnitt machen Frauen häufiger Schluss. Gerade unter den jüngeren Mädels wird dabei gerne zur SMS gegriffen. Zu den Gründen zählen Dinge wie mangelnde Kommunikation (toll, wenn man das jemandem in einer SMS vorwirft, oder?), zu wenig Aufmerksamkeit oder andere Lebensvorstellungen. Frauen sind fast immer ehrlich betreffend des Trennungsgrundes. Sie gehen unvorbereitet ins Gespräch und improvisieren. Sie schlafen nicht mit den Männern, die sie verlassen haben. Es sei denn, er hat es locker genommen. Wenn Frauen ihren Partner auswechseln, sagen sie das meistens. Frauen reden tatsächlich nicht so lange beim Schluss machen. Aber sie sprechen es sehr genau vorher durch. Mit ihren Freundinnen.
Männer übrigens auch. Das schwache Geschlecht redet mehr über solche Dinge als die meisten Frauen glauben würden. Männer reden auch merkwürdigerweise länger beim Schluss machen. Ich glaube, das liegt daran, dass sie oft ihre Gründe zum Schluss machen erfinden. Die wahren Gründe erzählen sie selten. Wenn sie untreu waren, sagen sie das meistens nicht. Wenn sie fliegend wechseln verheimlichen sie das ziemlich oft. Sie reden viel davon, es von Auge zu Auge machen, brauchen aber mindestens zehn Anläufe. Oft geschieht es dann am Telefon. Ihre Gründe sind oft ein Gefühl des Erdrückens, zu wenig Spaß und schlechter Sex. Männer halten sich ihre Optionen nicht offen, sie schlafen aber mit der Ex, wenn es sich anbietet. Männer haben einen Plan zum Schluss machen, wie sie einen haben, eine Frau zu erobern.
Ich möchte nun nicht sagen, welches Geschlecht es besser macht. Die meisten Leute sind ziemlich peinlich beim Schluss machen. Ich bin inzwischen ein Profi und finde das auch sehr peinlich. Es ist der Moment, in dem die besten von uns dumm und ungeschickt wirken. So was muss man halt irgendwie machen. Interessant ist es immer, dass es da Unterschiede gibt. Helfen tut uns das aber nicht wirklich.

Kein Kontakt nach der Trennung

Geschrieben am 25.11.08 um 11:21 Uhr

Kein Kontakt nach der Trennung

Der Ex ist überall. Im Handy, unter den letzten zehn gewählten Nummern, auf dem AB, im Mail-Account, im Kopf, im Herzen, an der Wand und in den Träumen. So schnell wird man den Partner / die Partnerin nicht los.

So schnell ist der Partner nicht aus dem Leben zu löschen. Man kann ihn ruhig vermissen. Wenn man auch nur halbwegs sauber die Beziehung beendet hat, dann verliert man da jemanden, der einem mal etwas bedeutet hat. Und dann liegt man allein im Bett. Das Telefon bleibt still. Und man lernt irgendwelche Fremden kennen und erzählt ihnen Dinge, die der Partner seit Jahren wusste. Warum ruft man nicht an? Warum geht man nicht vorbei? Warum trifft man sich nicht auf einen Kaffee?  

Weil man sich nicht traut. Man könnte wieder in den Armen der/des Verflossenen enden. Weil man es für ungehörig hält. Kann man jemanden anrufen, obwohl man ihm gerade den Schmerz der Trennung ausgesetzt hat? Weil man weiter ziehen will. Das ist der/die Ex und man muss nicht in Erinnerungen schwelgen, wenn da draußen irgendwo der/die Neue herum läuft.
Vermissen tut man einander trotzdem. Und man wollte ja befreundet bleiben. Sich nie wieder melden ist auch irgendwie zu bemüht. Wann also? Wie lange wartet man?
Tja, ich weiß es nicht. Ich hab es irgendwann dann einfach gemacht. Manchmal war es ein Fehler, oft war es gut. Einige meiner Ex sind heute wertvolle Freunde, andere können nicht weit genug von mir entfernt wohnen. Habe ich ein Muster erkannt? Immer mal wieder. Die haben aber nie lang gehalten.
Wer am nächsten Tag anruft, hätte vielleicht nicht Schluss machen sollen. Wer es nach sechs Monaten tut, will doch nur höflich sein. Wer nie anruft, hat sich vielleicht viel Schmerz erspart. Wer es irgendwann schafft, mit dem Verflossenen am Telefon wieder zu lachen hat vielleicht ein bisschen von der Beziehung in eine seichte Freundschaft gerettet.
Ich empfehle, auf den Bauch zu hören. Weil das Herz und der Kopf nichts Brauchbares hervorbringen.

Trennung wegen einer Märchenvorstellung

Geschrieben am 17.11.08 um 16:50 Uhr

Trennung wegen einer Märchenvorstellung

In keiner Statistik taucht dieser Grund auf. In keiner Umfrage, die ich je gelesen habe, wurde es angegeben. Aber wenn ich die Paare um mich herum sehe, die auseinander brechen liegt es meist an dieser einen Sache. Nein, es sind zwei Sachen.

Die Lüge, die sie sich selbst einmal erzählt haben, wer der Partner ist. Und die Unfähigkeit, den Partner so zu akzeptieren, wie er in Wirklichkeit ist. Irgendwann geht einer von beiden. Eigentlich ist das keinem vorzuwerfen. Es ist menschlich, einfache Wahrheiten zu glauben. Es macht das Leben erträglicher. Nur wie kann ein Partner, gerade einer, der sich nicht verstellen oder verändern möchte, damit leben, diesen nicht zu entsprechen? Stereotypen sind nichts, denen man sich unterordnen kann, wenn man nicht in sie hinein gehört. Das schutzbedürftige Mädchen, die dümmere, aber attraktive Begleiterin, der Romantiker, der Frauenheld der gerettet werden will, der treue Partner, die Jungfräuliche, der Erfahrene, der nie eine andere geliebt hat. Es gibt diese Leute eigentlich gar nicht. Sie sind aus unseren Bedürfnissen heraus entstanden. Manche Partner spielen diese Rollen für uns. Viele tun es nicht. Und da beginnen die Dinge schief zu gehen.
Das ständige Nagen und Zehren an unseren Nerven, wenn der andere einfach nicht akzeptieren kann, was wir sind. Wenn es nicht mehr unsere schwachen Seiten sind für die wir verachtet werden, sondern die starken, hört man schnell auf, sich wohl zu fühlen. Man wird gezwungen, in Vorstellungen und Erwartungen zu leben, die nicht mit den eigenen deckungsgleich sind. Und nach ewigem Nörgeln und Streiten geht es auseinander. Was dann meistens das Beste für beide ist.
Zugeben will meistens keiner, dass man sich mehr in die Vorstellung des Partners als den Partner selbst verliebt hat. Und deshalb findet man so was nicht in Statistiken. Blogs schreiben gelegentlich trotzdem drüber.

Nachdem ich Schluss gemacht habe...

Geschrieben am 10.11.08 um 09:50 Uhr

Nachdem ich Schluss gemacht habe?

...fühle ich gar nichts. Leider ist das so und unabhängig davon, wie viel mir die Frau bedeutet hat. Eine enttäuschende Leere erfasst mich und weil ich mir den Tag zum "Schluss machen" frei genommen habe, weiß ich nicht was ich tun soll. Lass ich es nicht an mich ran?

Bin ich krank? Verberge ich meinen Schmerz hinter diesem selbst geschaffenen Gefühl der Gleichgültigkeit? Ich glaube, meistens bin ich einfach nur enttäuscht, wie einfach es ist. Dieses Herz da bricht man durch und legt auf, geht oder schweigt. Und während auf der anderen Seite sich jemand windet und den Schock verkraften muss, bleibe ich ruhig. Passiv. Entgegen meiner sonstigen Art geradezu desinteressiert. Irgendwo in meinem Verstand kriecht bereits dieses Gefühl hoch, wie sehr ich mich dafür später einmal verachten werde. Oft versuche ich, mir Schmerz zu injizieren. Musik von Portishead funktioniert gut. Aber irgendwie ist so was auch nur Augenwischerei. Tatsache ist, dass es manchmal kein Drama ist, mit jemanden Schluss zu machen. Manchmal tut es nicht weh. Es ist irgendwas in einem kaputt gegangen und das lange, bevor man an diesem Punkt ist. Und hier erwartete man, etwas zu verlieren und nichts passiert. Es gibt nichts mehr zu verlieren. Du bringst den Müll raus. Es ist wie das Drücken der Klospülung. Der dreckige Teil liegt schon hinter dir. Und egal, welches Gefühl Dich bald erfassen wird, der Moment in dem es endet, ist einfach nur leer. Das Spiegelbild all der Dinge, die ohnehin inzwischen fehlen.

Trennungsgrund Magersucht

Geschrieben am 03.11.08 um 10:49 Uhr

Trennungsgrund Magersucht

Ich wünschte, ich hätte für diesen Beitrag lange recherchieren müssen. Ja, es wäre schön. Hätte ich da nicht diesen großen Fundus an Erfahrungen mit der Zivilisationskrankheit unserer Zeit. Ausnahmsweise muss ich diesen Eintrag einmal aus rein männlicher Perspektive schreiben. Aus meiner. Distanz zum Thema ist mir kaum möglich.

Es ist unheimlich, eine Frau zu lieben, die selbst zerstörerisch ist. Das Kotzen nach dem romantischen Candlelight Dinner, das Ausweichen, wenn es darum geht, sie zum Essen einzuladen, die Kreislaufzusammenbrüche, der leere Kühlschrank, der riesige Vorrat an Pfefferminzbonbons (ohne Zucker), das Raumspray im Bad, das Brechmittel und die Dutzenden von leeren Päckchen Zigaretten, die (ungestört durch Verpackungen von Lebensmitteln) sich im Mülleimer stapeln. Die Zeichen werden einem merkwürdig vertraut. Am Anfang ignoriert man sie meistens, später dann negiert und letztlich einfach akzeptiert man diese Welt. Es geht einen nichts an. Wenn man helfen will, wird einem vorgeworfen, jemanden der gesund ist, krank zu machen. Schließlich fühlen sich diese Frauen von einem ungeliebt und damit wird man Teil des Problems.
Am Anfang ist das alles natürlich anders.  Wenn man sie kennen lernt, entsprechen diese Mädels den Haut und Knochen-Schönheitsidealen der Werbung. Sie sehen in H&M Klamotten toll aus und sind begehrt. Sie feiern viel, lassen sich sehen und erwählen ihre Männer wie Märchenfeen. Gerade weil man selbst nur als Modell für eine Abschreckungskampagne dienen könnte, ist man stolz darauf.
Aber das ist nur Show. Egal, wie sehr alle denken, dass Deine Freundin schön ist, sie fühlt sich ungewollt, ungeliebt, hässlich. Sie glaubt, weniger zu sein als alle anderen. Du kannst tun, was Du willst, sie wird dieses Gefühl nicht los, es sei denn, sie hungert, kotzt oder tut sich selbst weh. Das Universum deiner Freundin dreht sich um ihren Körper. Alles andere passiert nur. Es tut weh, das mit anzusehen. Und irgendwann, wenn sie den Schmerz in Deinen Augen sieht, wird sie Schluss machen, um ungestört weiter machen zu können. Wahrscheinlicher ist es, dass sie einen vorher vergrault. Denn Magersucht hat man nicht. Magersucht lebt man.
Was kann man tun? Es ist eigentlich wie mit jeder anderen Sucht. Solange der Betroffene keine Hilfe will, kann man nichts tun. Wenn man Glück hat, fehlt der Freundin etwas, das man ihr geben kann. Oft wird man nur mitgerissen in einen Sog aus verzerrter Wahrnehmung und falschen Idealen. Es ist gesund, auszusteigen. Es ist klüger, nicht zu lange im Strudel zu bleiben. Und die Begleiterscheinungen von Magersucht haben bald schon einen negativen Einfluss auf andere Teile der Beziehung.
Man fühlt sich feige, wenn man dieses sinkende Schiff verlässt. Aber nachdem man es probiert und probiert hat, lässt einem das Schiff keine andere Wahl. Man rettet sich selbst und bekommt noch Vorwürfe. Ist man dann erst auf Distanz, entwickelt man Mitleid, das niemand haben will. Irgendwann hört man dann traurige Geschichten von gemeinsamen Freunden.

In Deutschland leiden fast (laut BzGA) 820.000 Menschen an Anorexa nervosa (wie die Wissenschaft Magersucht nennt). Die meisten sind zwischen 14 und 28 Jahren. Die Zahlen haben sich in zehn Jahren fast verdoppelt. In diesen zehn Jahren habe ich meine Erfahrungen mit Frauen gemacht. Von vier magersüchtigen Freundinnen die ich hatte, sind zwei heute geheilt, eine immer noch krank und eine ist tot.

Trennungsgrund: Schlechter Sex

Geschrieben am 29.10.08 um 09:46 Uhr

Trennungsgrund: Schlechter Sex

Menschen haben Bedürfnisse. Und Beziehungen befriedigen gewisse Bedürfnisse. Da werden jetzt eine ganze Menge Leute aufschreien, aber wenn wir uns ehrlich angucken, worum es bei Männlein und Weiblein geht?

Ich sag es so: Man kann die Geigen, romantischen Abendessen, unvergesslichen Sonnenuntergänge und Liebesgedichte komplett streichen und solange zwei Menschen wirklich viel Spaß im Bett haben und sich gegenseitig nicht völlig auf den Geist gehen, haben sie eine gute Zeit. Und eine gute Zeit zu haben konnte noch nie einer Beziehung schaden. Sex ist Teil unserer Natur. Und der durchschnittliche, halbwegs liberale, ansatzweise monogame Beziehungsmensch hat seinen Sex nun mal mit dem Partner. Wenn er darin nicht die Erfüllung seiner Bedürfnisse findet, belastet das die Beziehung. Woran kann das liegen?  

Nun, man hört nicht selten von Männern, die sich einfach keine Mühe geben. Zur Verteidigung meines Geschlechts kann ich nur sagen, dass auch Frauen unendlich langweilige "Pflichtturner" sein können. Schlimmer sind wahrscheinlich die Exoten, Perversen und Paradiesvögel. Die plötzlich auf einem Ponyhof leben wollen, aufhören, sich an wichtigen Stellen zu waschen oder die Peitsche mit ins Schlafzimmer bringen. Wenn sie nicht gleich im Bett anfangen, wüste Beschimpfungen auszustoßen, während sie wahlweise gewürgt werden wollen oder einen blutig kratzen. Wenn man das mag, ist alles super. Dann liest man diesen Blog wohl aber auch nicht.
Das Ganze wäre lustig. Wäre es nicht man selbst, dem das passiert. Und unser durchschnittlicher, sich nach Glück sehnender Beziehungsmensch steht dann plötzlich vor der Frage, ob er den Rest seines Lebens mit jemandem zusammen sein will, der ihn sexuell einfach nicht erfüllen kann. Man würde seine eigenen Bedürfnisse aufgeben, um an der Beziehung festzuhalten. So etwas nennt man wohl einen Trennungsgrund.

Trennungsgrund: Neue Liebe

Geschrieben am 20.10.08 um 16:11 Uhr

Trennungsgrund: Neue Liebe

Es gibt dieses neudeutsche Wort: "Umverlieben". Wenn ich das lese, zieht sich bei mir alles zusammen. Nicht nur, weil es eine schreckliche Wortschöpfung der Generation "Seifenoper" ist. Auch, weil ich nicht glaube, dass Liebe und Zweitliebe wirklich funktionieren.

Kann man beide Lieben? Gleichzeitig? Ich stelle mir Liebe wie einen Schnellzug vor. Wenn er Fahrt aufnimmt, überlebt man den Absprung nicht und bleibt deshalb drinnen. Wenn man aber von einem Zug zum anderen springen kann, war das mit Sicherheit kein ICE.  

Was tut man aber, wenn man sich verliebt, obwohl man vergeben ist?  

Ganz einfach, man wird jemandem wehtun. Egal was man tut, es kann nicht mehr ohne Herzblut zu Ende gehen. Eigentlich ist es eine soziale und romantische Katastrophe. Man wird entweder verzichten und sich (womöglich sogar der neuen Liebe) das Herz brechen oder man wird der Partnerin sagen, dass man eine andere liebt. Im schlimmsten Fall. Obwohl die Beziehung, die man führt, wunderbar funktioniert. Die Entscheidung zwischen zwei Übeln.  Welchen der beiden Wege man gehen will, ist da jedem selbst überlassen. Ich persönlich halte ja viel von Loyalität. Eine fast vergessene Tugend unserer Zeit. Und es hat schon Edles, Charakterstarkes, wenn man sein eigenes Herz bricht und beim Partner bleibt. Wegen dem gemeinsam Aufgebautem.  

Aber seien wir ehrlich: Liebe ist ein Tyrann. Sie wird uns selten diese Wahl wirklich lassen. Sie wird brennen und uns verzehren, mit Tagträumen und Hoffnungen quälen, bis man dem Neuen nicht mehr widerstehen kann. Das verspricht in seiner Unbekanntheit und mysteriösen Art ja ohnehin soviel mehr als das Alte. Meistens werden wir unserem Partner wehtun und das Abenteuer wagen. Das kann man Egoist oder Romantiker nennen. Letztlich ist das mehr Schwäche als einem Lieb ist. Die Äpfel im Garten des Nachbarn sehen immer leckerer aus.  

Sind sie aber nicht immer.

Trennungsgrund: Fernbeziehung

Geschrieben am 13.10.08 um 11:29 Uhr

Trennungsgrund: Fernbeziehung

Wenn man gebeten wird, einen Blog über Trennungen zu schreiben, kommt man nicht umhin, seine vergangenen Beziehungen Revue passieren zu lassen. Da ging es mir nicht anders. Mir fielen dabei vor allem meine Fernbeziehungen ein. Ich hatte mal eine Neigung dazu. Außerdem betreute ich im Studium einige Jahre lang Austauschstudenten.

Und die eine Sache, die ich über Fernbeziehungen gelernt habe, ist, dass sie nicht halten. Weder meine, noch die von anderen. Sind zwei Menschen räumlich getrennt (also soweit auseinander, dass man den anderen nicht innerhalb von ein paar Stunden erreichen kann) müssen sie sich schon wirklich lieben, um zusammen zu bleiben. Die meisten Vorteile einer Beziehung verliert man dadurch. Der andere ist aber wichtig genug, um trotzdem nicht von ihm abzulassen. Zumindest gehören Menschen, die versuchen, mit einem Telefon und ein paar E-Mails eine Beziehung zu führen, zu denen, die sich wirklich lieben. Woran scheitert es dann? Am Entzug der Nähe, des Sex und der gemeinsamen Aktivitäten? Nach meiner Erfahrung ist es das meistens nicht. Was mich auch überrascht hat. Es ist die persönliche Entwicklung. Man verändert sich. Man merkt das gar nicht so. Aber die Zyniker, die sagen, Menschen ändern sich nicht, haben nie festgestellt, wie einem der Partner langsam fremd wird. Wie die tausend Gespräche, Aufgaben und Herausforderungen und Prüfungen des Lebens ihn langsam zu etwas geformt haben, dass nicht mehr zu einem passt. Eine Weile liebt man noch die Erinnerung an den anderen. Dann verblasst die und der Gedanke, es zu beenden kommt langsam, aber sicher immer häufiger auf. Dann zieht man entweder an einen gemeinsamen Ort und nähert sich wieder an oder geht getrennter Wege. Wenn man Schluss macht, überrascht das den anderen meistens nicht. Er versteht einen nur zu gut.
Es ist traurig, aber meistens unvermeidbar. Als Trostpflaster kann man nur sagen, dass aus Fernbeziehungen echte Freundschaften entstehen können. Besonders weil man es versucht hat.

Trennungsgrund: Misstrauen

Geschrieben am 06.10.08 um 15:28 Uhr

Trennungsgrund: Misstrauen

In den nächsten Wochen will ich etwas darüber nachdenken, warum man Beziehungen beendet. Welche Gründe man hat und warum man es vielleicht sogar wirklich tut. Ich beginne mit einem hässlichen Grund namens Misstrauen. Und ja, ich spreche leider aus Erfahrung.

Vertrauen, so sagt die Floskel, sei die Basis einer jeden Beziehung. Da bin ich mir gar nicht so sicher. Man kann, ist man abgebrüht genug und ausreichend gefühlskalt, durchaus auch damit leben, jemandem nicht zu vertrauen. Es muss einem nur egal sein. Schwierig wird's erst, wenn man misstraut. Also, wenn man jede einzelne Aussage vom Partner untersucht. Wenn man glaubt, das meiste sei wahr, aber eine Lüge sei in dem Meer der Wahrheiten verborgen. Das treibt einen in den Wahnsinn. Und am Ende macht der Partner Schluss oder man ist selbst so fertig mit der Beziehung, dass man sich davon abwendet.

Mit Misstrauen ist das so eine Sache. Wenige (nicht ganz gesunde, häufig aus vorherigen Beziehungen enttäuschte) Menschen misstrauen ihrem Partner generell. Wenn man misstraut, dann hat man meistens einen Grund dazu. Ein gehörtes Gerücht, eine Lüge des Anderen bei der man ihn oder sie ertappt oder einfach nur das Gefühl, dass sich etwas verändert hat. In den Blicken, den Gesprächsthemen, der Art, wie der andere einen küsst. In sieben von zehn Fällen hat man dann leider Recht. Sofern man aufpasst, sich nichts einzubilden, kann man meistens darauf vertrauen, dass etwas nicht stimmt, wenn man fühlt, dass etwas halt einfach nicht stimmt. In den anderen drei Fällen ist man einfach ein Arsch. Und verliert den Partner garantiert auch.

Kann man also eine Beziehung in der ein Partner dem anderen misstraut überhaupt noch retten? Gute Frage. Ich empfand Misstrauen in meinen Beziehungen immer als Trennungsgrund Nr 1. Vielleicht ist das richtig so. Denn irgendwem muss man ja vertrauen können. Und wenn nicht dem geliebten Partner, wem dann?  

Trennung, trotz Kindern?

Geschrieben am 29.09.08 um 17:42 Uhr

Trennung, trotz Kindern?

Trennungen passieren. Soviel wissen wir wohl alle hier. Der junge Mensch von heute wechselt Beziehungen wie Unterwäsche.

Einsamkeit, Frust, Ego und Selbstzerfleischung sind allesamt irrelevant verglichen mit dem, was die Trennung der Eltern einem Kind antun kann. Kinder verlieren eine ihrer Bezugspersonen. Und nachdem sie Jahre damit verbracht haben, der Beziehung ihrer Eltern beim Zerfall zuzusehen, stehen sie nun plötzlich vor einem der beiden und wissen nicht, warum der andere plötzlich ihr Feind sein soll. Sie werden instrumentalisiert, isoliert, sie werden hin- und her geschoben. Am Ende entwickeln sie sich auch noch zur Belastung allein erziehender Elternteile.

Wer fragt sie was sie wollen? Hinter dem Argument, dass sie das alles noch nicht verstehen, kann man sich ja herrlich verstecken. Meiner (leider) persönlichen Erfahrung zufolge ist nichts falscher. Klar, warum sich die Eltern die ganze Zeit nur zerfleischen, verstehen sie nicht (was sie meist mit allen anderen klar denkenden Menschen der Welt gemeinsam haben), aber sie werden verstehen, worum es geht. Nicht um sie. Und sie werden verstehen, warum das so ist. Weil den Eltern irgendwas viel wichtiger ist als ihr Wohl. Und sie werden das nie vergessen. Niemals.

Sollte man eine Beziehung am Leben erhalten wegen der Kinder? Sollte man zusammen bleiben? Sollte man dem Partner gegenüber, den man nicht mehr liebt, treu, loyal und ehrlich sein, weil er mit einem ein Kind hat? Ja. Ganz einfach: Ja.

Die Geschichte vom kleinen Sebastian

Geschrieben am 23.09.08 um 11:49 Uhr

Die Geschichte vom kleinen Sebastian

Ich bin nicht der Kerl, der auf viele Dinge im Leben stolz ist. Stolz ist einfach kein Bestandteil meiner Weltsicht. Aber als ich vor 13 Jahren auf der anderen Seite des großen Teichs einer verzweifelten Mutter bei der Geburt ihres ersten Kindes die Hand gehalten habe, habe ich schon einen guten Job gemacht. 

Die Eltern sahen das genauso und benannten ihren Sohn nach mir. Bis heute ist mir das eine große Ehre. Auch wenn "Mini-Ich" bereits heute cleverer ist als sein großes Vorbild. Leider ist dies nicht das Ende der Geschichte, denn alle guten Dinge kommen zu einem Ende. Einige nur leider zu früh. Eine gute Sache war die Ehe von "little Sebastians" Eltern. Eine Trennung, wie sie Hollywood schreibt. Ein höchst attraktives Brautpaar, sein bester Freund in ihrem Bett und herzzerreißende Szenen der Verzweiflung.  

Zwei Jahre später saß ich mit "little Sebastian" dann auf einer Bank in einem Zoo in einer deutschen Großstadt und trank einen Kaffee, während er sich ohne großen Enthusiasmus über einen McFlurry hermachte. Auf meine Frage, ob alles ok wäre - immerhin war er den ganzen Tag glücklich herumgetollt - gestand mir der frühreife Bengel, dass er mich etwas fragen wolle. Ob ich denke, dass seine Eltern sich wegen ihm getrennt hätten.

Ich denke, die einzige Antwort, die er mir sicher geglaubt hätte, wäre ein klares JA gewesen. Leider hatte er aber nicht das Geringste mit der Trennung zu tun. Jedoch auch ein stundenlanges Gespräch konnte ihm nicht klar machen, warum sich seine Eltern getrennt hatten. Am Abend viel mir erst auf, dass der Kleine Recht hatte. Eigentlich gab es keinen Grund, warum die beiden eine Familie zerstört hatten. Nur jede Menge Gründe für eine Trennung. Nun tat es beiden leid, was sie ihm angetan hatten.

Während der Scheidung hatte keiner von beiden wirklich erwogen, diese Situation als Dreierkonstellation zu sehen. Es waren zwei Handelnde und ein Opfer. Man nutzte seine Unfähigkeit aus, diese Entscheidung zu beeinflussen. Weil er angeblich nicht reif genug dafür war. Was hätte seine Mitsprache geändert? Alles.

Am Frühstückstisch sagte ich ihm, was falsch war. Ich erklärte ihm, dass er glaubt, seine Eltern würden an alles denken, weil sie so klug sind. Aber sie hatten nicht an alles gedacht und deshalb machte das alles keinen Sinn für jemanden, der es von außen beobachtete. Zu meiner Überraschung verstand der Kleine das. Nicht sofort, aber nach einigen Tagen

War er damals zu dumm, um ein Mitspracherecht zu bekommen? Musste er ausgeschlossen werden, damit Erwachsene eine reifere Entscheidung treffen konnten?

Die Geschichte hat ein Happy End. Denn die drei leben heute wieder zusammen. Und das lässt jeden, der glaubt, mein Namensvetter hätte nicht Recht gehabt, ziemlich dumm aussehen.

Leider sind solche Happy Ends zu selten.

On/-Off Beziehungen

Geschrieben am 15.09.08 um 16:48 Uhr

On/-Off Beziehungen

Beziehungen bilden sich, Beziehungen zerbrechen. Leute heiraten, lieben sich, betrügen sich, trennen sich und kommen mit anderen Leuten zusammen. Alle Menschen versuchen doch letztendlich nur, ihre eigene Hollywood-Romcom zu inszenieren, egal wie verzweifelt das wirkt.

Aber bei einigen wechseln die Hauptrollen nie. Paare, die sich immer wieder trennen und doch wieder zusammen kommen sind etwas Bizarres. Beim ersten Mal glaubt man ja noch an das Happy End einer Liebesbeziehung. Beim dritten Mal will man glauben, dass die beiden sich einfach etwas schwer tun. Danach sitzt man als Freund daneben und wundert sich nur noch, wie lange so was dauern kann. Nach wie vielen Trennungen ist es zur Routine geworden? Ich selber bin nicht unschuldig, mit solchen Merkwürdigkeiten meinen Freundeskreis auf Trab gehalten zu haben. Es ist eine neuartige Beziehungsform. Alle sind so locker drauf, dass man eigentlich dauerhaft in völliger Verkrampftheit lebt.

Warum also? Vielleicht ist es ein Moment, an dem man glaubt, Dinge würden in Ordnung kommen. Ein Moment, in dem man glaubt, etwas Besonderes zu haben, den man nicht loslässt. Weil es zu schmerzlich ist diese Hoffnung loszulassen. Weil man Hoffnung gerade braucht? Egal wie teuer erkauft. Wie ich bereits früher erwähnte: Hoffnung ist ein Verräter.  

Oft ist es einfach der Charakter beider Beteiligter. On-Off-Beziehungen werden oft von Leuten geführt, die Wahrheiten als lästige Feinde ihrer eigenen Weltsicht betrachten.  

In jedem Falle ist es die ungesundeste Sache der Welt vor lauter "Lockerheit" in einem ständigen Zwischenzustand zu leben. Man hat ja auch durchaus Partner zwischen den Partnerschaften. Das ist zwar nicht selbstverständlich, aber Menschen die zu On/Off-Beziehungen neigen, leiden meistens auch an der Unfähigkeit alleine zu sein (persönliche Statistik). Sie streiten sich, trennen sich, kommen wieder zusammen. Irgendwann hören ihre Freunde nicht mehr zu. Der andere Partner wird abgestumpfter. Alles fühlt sich weniger spannend an. Es wird profan. Und kaum fehlt emotionale Resonanz. Kaum ist aus dem großen Drama eine sachliche Geschichte in Grautönen geworden, hören sie dann plötzlich auf. Niemals als Paar. Immer getrennt.

Die Menschen, die ich traf, die solche Beziehungen hinter sich hatten, die waren meist für immer beschädigt. Im verzweifelten Ringen um seine Illusionen macht man vielleicht mehr von ihnen kaputt, als man sollte.  

Ex und Hopp

Geschrieben am 05.09.08 um 10:39 Uhr

Ex und Hopp

Was tun wir eigentlich, wenn es vorbei ist? So was plant man ja nicht vorher. Selten legt man Tag, Uhrzeit und Moment genau fest und hält sich dann sogar an seinen Plan. Nein, es geht einem meistens doch so, dass man keine Ahnung hat, was man mit dem Rest der Zeit anfängt.

Mit diesem leeren Moment, bevor das Leben ohne den Partner wieder beginnt, ist schwer umzugehen. Und dieser Moment kann gut und gerne mal einige Wochen und Monate dauern. Was tun wir also? Der klassischste Tipp ist, etwas mit den Freunden zu tun. Klappt bei mir nie so, es sei denn, ich will was trinken. Nein, besser mit sich ausmachen. Mit Musik im Hintergrund. Dann kommen die Pflichtaufgaben des frisch Getrennten. Die Verwaltungsarbeit der Trennungsprozedur, wenn man so will. Was passiert mit den Sachen vom anderen? Behält man die Bilder? Verstecken, zerreißen, verbrennen oder erstmal hängen lassen. Das muss geklärt werden. 

Auf mittelfristige Sicht muss entschieden werden (meist sehr spontan), ob man in Bettgeschichten flieht oder doch lieber auf den Grund einer Whiskyflasche. Alternativ kann man einfach so weiter machen wie bisher. Die Leute sind mir immer etwas unheimlich. Hallo? Glaubt jemand, Beziehungen hätten etwas mit Gefühlen zu tun?

Irgendwie ist das natürlich schrecklich bemüht. Aufgesetzt und irgendwie herkömmlich. Und es kommt am Ende doch nur auf Eines an: Dass die Übergangsphase nicht zu lange dauert. Wenn es die Sache wert wäre, wär's ja nicht vorbei.

Was? Euer Herz sagt etwas anderes? Warum redet ihr noch mit dem? Der hat euch das Ganze doch eingebrockt.  

Grund für Trennung: Fremdgehen

Geschrieben am 26.08.08 um 12:54 Uhr

Grund für Trennung: Fremdgehen

Wenn ich Eure Kommentare lese, merke ich, dass ich zu einer großen Gruppe gehöre, die eins gemeinsam hat: Wir wurden betrogen. Und ich gehöre zu einer anderen Gruppe, die allerdings weniger laut in Foren postet: Ich habe schon mal betrogen.

Was bedeutet es für eine Beziehung, wenn einer der beiden Menschen fremdgeht? Was sollte es bedeuten? Es ist erstaunlich, wie oft Untreue ohne wirkliche Folgen bleibt. Eine Freundin von mir glaubt, dass so was nichts mit dem Partner zu tun habe, sondern nur mit einem selber. Ein guter Freund sagt, so was passiere in jeder Beziehung von Zeit zu Zeit. Es gibt Leute, die glauben, Monogamie wäre ohnehin eine Illusion, etwas Spießiges oder Unnötiges. Und vielen ist es einfach egal.

Ich sage: Alles Blödsinn.

Wenn der Partner eine andere oder einen anderen vögelt, ist die Sache klar. Man kann sich selbst anlügen und eines der oben genannten Dogmen übernehmen. Der Andere/ die Andere hat inzwischen ihr Ego einmal mit Sperma poliert -  Verzeihung - und es war ihm/ ihr scheiß egal! Wenn danach Reue aufkommt, dann weil Menschen Angst vor der Einsamkeit haben. Wenn er Dir nicht wehtun wollte, würde dein Partner nicht jemand anderen vögeln. Glaubst Du was anderes? Dann frag Dich, ob Du das nicht nur glauben willst. Partner sind nicht böse, weil sie untreu sind. Sie sind nur nicht grundsätzlich ehrlich. Sie sind als Partner nicht mehr brauchbar. Sie teilen selbstsüchtig ihre Intimität mit anderen. Intimität ist aber nichts, was man mit mehreren Leuten hat.

Sollte man die Beziehung beenden? Eine Möglichkeit. Sollte man sich revanchieren? Die andere Möglichkeit. Sollte man je wieder glauben, es wäre nicht noch mal passiert? Nein. Sollte man nicht. Da spricht die Hoffnung. Und Hoffnung verspricht viel, hat aber keine Ahnung. Nein, entweder man beendet es, weil das Vertrauen in den Partner und der Glaube ihn zu kennen, sich als zwei Lügen erwiesen haben und darauf die Beziehung nun mal basiert oder... man spielt mit. Dann kann man beruhigt davon ausgehen dass - obwohl es jedes Mal wehtun wird und man sich selbst Lügen erzählt - man genau die Art Beziehung führt, die zu einem passt. Man ist halt auch nicht besser. So was passiert in einer Welt voller unperfekter Menschen.  Persönlich hoffe ich für jeden, dass er/ sie nicht aus gekränkter Eitelkeit und dem Wunsch der Bestätigung, eine Beziehung aufrechterhält.

Wenn man spielen will, gibt es bessere Spiele. Und egal, was der Fremdgeher denkt und wie begehrt er sich dabei fühlt: Fremdgehen ist so gewöhnlich wie die Beziehung selbst. Es passiert jeden Tag. Besonders daran ist, wie der Partner damit umgeht.  

Richtig Schluss machen! Part II

Geschrieben am 20.08.08 um 12:01 Uhr

Richtig Schluss machen! Part II

Das Einzige, worüber ich nicht geschrieben habe, ist, wie man richtig Schluss macht. Was kann man falsch oder richtig machen? Im Laufe meines Lebens habe ich einige Male eine Beziehung beendet und für mehr als die Hälfte davon schäme ich mich heute.

Am schäbigsten ist es, wenn man feige ist. SMS bilden dabei in unserer Zeit die wohl unpersönlichste, jämmerlichste Art und Weise, eine Beziehung zu beenden. Der Abschluss einer Welt von Gefühlen in 160 Zeichen? Wer daran glaubt, braucht einen Psychiater. Aber Briefe sind eigentlich auch nicht viel mutiger. Da schreibt man dann seinen Kram rein und was der andere zu sagen hat, tut man sich besser gar nicht erst an. Ich finde, da sollte man gleich eine Postkarte schreiben. Spart Porto. Man schreibt in solche Briefe ohnehin nur Versöhnliches. Und wenn die Hälfte der Nettigkeiten wahr gewesen wäre, hätte man zumindest mal angerufen.

E-Mails bilden keine Ausnahme. Sie sind moderner, aber eine Beziehung beenden sollte man auf die altmodische Art und Weise. Anrufen... na ja, das ist leider manchmal die einzige praktikable Möglichkeit Schluss zu machen. Weil der andere gerade nicht da ist. Fernbeziehungen enden meistens so. Generell kann man am Telefon reden und deshalb spricht nichts wirklich dagegen. Reden ist nämlich das, was man beim Schluss machen tut. Der andere fragt immer nach dem "Warum". Man sollte eine Antwort geben und diese auch erklären können. Man sollte aber auch schweigen können. Gerade wenn dieses letzte Treffen den Königsweg nimmt und man sich dem zukünftigen Ex persönlich stellt.

Denn manchmal gibt es ja auch nichts zu sagen. Oder alles, was man sagt, tut nur noch mehr weh. Will man Lügen aus dem Weg gehen, ist Schweigen das Gold. Und Reden nicht mal Silber. Weinen, miteinander schlafen oder eine Folgeverabredung gelten gar nicht erst als Schluss gemacht. So was nennt man gescheiterten Versuch. Nein, man nennt es wahrscheinlich am Abend noch Schluss machen. Aber man wird es garantiert wieder versuchen. Und deshalb zählt es halt nicht. Wie man so was aus dem Weg geht? Knappheit ist der Schlüssel. Klarheit der Weg. Sagt einfache Sätze, setzt zeitliche Grenzen und gebt den ganzen Kram, der bei euch zu Hause rum liegt, sofort zurück. Erwähnt ruhig, dass es auch gute Dinge gab. Aber stellt klar, dass die der Vergangenheit angehören.

Freunde bleiben

Will man befreundet bleiben? Der Satz ist die populärste Ausgeburt der Überflüssigkeit unserer Zeit. Entweder es klappt oder nicht - und was man bei dem letzten Treffen sagt, spielt dabei keine Rolle. Alles in allem ist das natürlich leichter gesagt als getan, aber so ist das ja nun mal mit Liebesdingen. Guter Rat ist billig (gibt's umsonst in Blogs hier bei ElitePartner.de), aber die Umsetzung immer schwer. Ein paar Mal ist es mir gelungen, gut und klar eine Beziehung zu beenden. Das sind die Enden, auf die ich heute ohne Bitterkeit zurück blicken kann. Viele waren es nicht, aber ich empfehle allen, ihren inneren Drang nach Dramatik zu überwinden und es schlicht einfach und fair zu machen. Alles andere fühlt sich bedeutender an und wird im Laufe der Jahre doch peinlicher und peinlicher. Wenn nicht für euch, dann sicher für den Ex.

Richtig Schluss machen! Part I

Geschrieben am 11.08.08 um 15:59 Uhr

Wie macht man eigentlich richtig Schluss? Was ist der beste Weg? Und was meint man eigentlich mit bester Weg? Ist es am besten, wenn man dem Partner nicht zu sehr weh tut?

Oder wenn man noch mal alles losgeworden ist, was man zu sagen hat? Wenn man mit sich im Reinen ist? Wenn man mit dem Partner im Reinen ist? Wenn man Freunde bleiben kann? Wenn man sich die Möglichkeit einer Wiederaufnahme der Beziehung offen hält? Wenn man stärker aussieht als der andere?

Um es richtig zu machen, muss man im Gewirr der dahinscheidenden Beziehung wohl erstmal herausfinden, was man eigentlich will. Was man wirklich will. Drückt man dem Partner noch einmal eine rein, um sich besser zu fühlen? Hält das lange? Was, wenn man sich nächste Woche auf der Straße trifft? Wut und Zorn mögen oft zum Beziehungsende führen. Aber ich überrasche sicher niemanden, wenn ich die beiden für schlechte Ratgeber halte. Eine Beziehung beenden sollte nie Rache sein, es sollte vielmehr einen Endpunkt darstellen. Was ist der Sinn vom Ende, wenn man danach ohnehin nur jammert, was alles schlecht ist und war? Wenn man Schluss macht, sollte man einen Endpunkt setzen, die Seite umschlagen und ein neues Kapitel beginnen.

Wie ehrlich man dabei ist, hängt wohl vom Einzelfall ab. Das ist eine schwierige Frage. Ehrlichkeit kann sehr wehtun. Während Ultra-Moralisten (die sich selbst nie so nennen) sie immer als Maß aller Dinge betrachten, gehören auch sie kaum zu den Leuten, die gerne hören, dass sie schlecht im Bett waren, intellektuell nicht mithalten können oder absolut nerven.  

Hat ein Partner so was verdient? Oh, ich bin sicher, ein paar haben das. Viele unserer baldigen Ex haben es aber auch einfach versucht und es hat nicht geklappt. Gerade die trifft die Trennung ohnehin hart. Ich persönlich habe dann immer lieber gut gemeinte Lügen erzählt als auf Menschen einzutreten, die ohnehin schon am Boden lagen.

Trennung: Gründe fürs Beziehungsaus

Geschrieben am 05.08.08 um 15:21 Uhr

Da schreibt man über Trennungen und kaum hat man das ins Netz gestellt: Kommt die ElitePartner-Liste der Trennungsgründe heraus. Ganz oben steht da: auseinanderleben (37%), zu große Unterschiede (30%), nicht miteinander reden können (23%). Paare sind schon merkwürdig, was?

Das ist doch irgendwie unheimlich. Stimmt ja, genau aus den Gründen geht eine Beziehung klassischerweise in die Brüche, aber ? was passiert da? Diese Paare waren doch alle mal frisch verliebt? Die sind doch mal mit einem unverwüstlichen Grinsen und Glanz in den Augen durch Fussgängerzonen gewandert und haben frustrierte Singles an den Rand des Nervenzusammenbruchs getrieben. Und diese Paare, die jeden damit quälen, erklären zu müssen sie seien nicht wie alle anderen, sondern etwas ganz Besonderes ? haben sich dann irgendwann nichts mehr zu sagen?!?

Nach dem Liebesschwur

Da fängt man an, darüber nachzudenken, was die Liebe eigentlich ist, oder? Dieser Mörtel, der die fragilen Steine unserer Beziehung zusammen halten soll. Vielleicht ist es doch nichts anderes als das was Biochemiker sagen: Ein riesiger Haufen Schokolade. Glückshormone im Überfluss. Eine perfekte Droge, vom eigenen Körper in rauen Mengen produziert. Aber natürlich ist der Vorrat begrenzt, irgendwann ist der Thrill der ersten Wochen verflogen und man sieht den Partner wie er ist.
Vielleicht hat man einen Glückstreffer. Ein Mensch, der auch auf den zweiten Blick noch wertvoll ist. Der zu einem passt. Wenn man aufhört, sich nur in den Laken zu wälzen oder Liebesschwüre an den Kopf zu werfen, hat der geliebte Mensch auch noch am Frühstückstisch etwas Interessantes und kann zuhören.
Oft wird man aber einfach zu unterschiedlich sein oder nicht mehr miteinander reden können. Wie oft? Das wissen wir ja jetzt endlich. So 23-37% aller Fälle werden so enden. Und scheitern.   Und dann? Sitzt man hier und schreibt oder liest so ein Blog. Da kommen wir alle dann ins Spiel.
Statistiken können grausam sein.  

Trennung: Fliegender Wechsel

Geschrieben am 28.07.08 um 10:13 Uhr

Es gibt Trennungen, die sind gar keine. Es sind Müllentsorgungen. Man hat jemanden kennen gelernt. Die neue Kollegin, der glutäugige Barkeeper, die Fremde im Supermarkt oder irgendwer sonst. Man ist glücklich, man ist verliebt man ist ... eigentlich vergeben.

Also wird man den alten Partner los. Vielleicht brutal und rücksichtslos. Vielleicht demütigt man ihn mit Gesprächen, die um Verständnis werben. Oft fühlt der andere sich noch schlecht, weil er einem das neue Glück nicht gönnt. Seien wir ehrlich: Eigentlich wird da der Restmüll eines alten Lebens entsorgt. Man wirft jemanden weg, weil man ihn durch einen Besseren ersetzt. Vielleicht nicht besser, sondern auch nur jünger, einfacher, frischer, unbekannter, spannender. Das Ersetzen von Menschen, auch wenn keiner das hören will, entlarvt tausend Versprechen als billige Lügen. Treueschwüre als Hinhaltetaktiken. Liebesbekundungen als leeres Gerede. Es ist das so ziemlich Abgründigste, das man einer Beziehung antun kann.

Man vögelt natürlich eine Weile mit beiden Partnern. Den neuen Partner genießt man, weil es spannend und neu ist und mit dem alten Partner macht man es, weil der wahrscheinlich noch versucht, die Beziehung zu retten. Man verhält sich wie menschlicher Abschaum, für den der Partner ein ersetzbares Gut ist, das durch Jahre treuer Beziehung nicht einen kleinen Anspruch auf Ehrlichkeit, Treue oder Fairness verdient hätte. Natürlich kann man so etwas vor sich rechtfertigen. Man kann alles vor sich selbst rechtfertigen. Mitglieder der Totenkopf-SS hielten sich für gute Menschen. Da ist so ein kleines Doppelspiel doch kein Problem. Menschen, die so was tun, fühlen sich am Anfang auch noch begehrt und gut dabei.
Bei allen Fehlern, die ich im Laufe der Zeit gemacht habe (es waren genug, um jetzt als Trennungsexperte ein Blog darüber zu schreiben), habe ich meine Partnerin zumindest nie ersetzt. Leider kann ich nicht behaupten, nie ersetzt worden zu sein. Und ich hing nicht wirklich an ihr damals.
Der Schmerz, wenn man eines Tages feststellt, dass der andere gute Miene zu (seinem) bösen Spiel gezeigt hat, ist unbeschreiblich. Es ist die purste Form der Kränkung. Ein Hammer, der das Ego zertrümmert, den Glauben an Liebe brennen und einen darüber nachdenken lässt, ob es dieses ganze Ding "Beziehung" eigentlich gäbe, wenn man es nicht ständig überall sehen wollte. Es lässt einen eine ganze Menge Fragen stellen und das ist eigentlich das Gute daran. Wenn man denn unbedingt etwas Gutes daran sehen will.

Sex mit dem Ex

Geschrieben am 17.07.08 um 17:47 Uhr

Der Körper hat ein eigenes Gedächtnis. Es interessiert ihn einfach nicht, was Verstand oder Herz dazu sagen. Vielleicht glaubt man, getrennt zu sein, die Körper fühlen sich deshalb noch lange nicht voneinander abgestoßen.

Wie leicht ist diese Falle doch zu übersehen. Ist es denn überhaupt eine? Sex mit dem Ex. Man ist auseinander und ehe man sich versieht, schon wieder ganz nah. Und während man sich schwitzend in den Laken tollt, kommen Hoffnungen auf, man würde wieder zusammen finden oder - man fühlt sich einfach nur benutzt.
Warum tut man es also? Ego. Im Laufe der Jahre (und der Beziehungen) bin ich zynisch geworden. Fast alles, was man tut, macht man doch irgendwo auch, damit es einem besser geht. Damit man sich halt nicht so ungewollt fühlt. Selbst der Teil, der eine Beziehung beendet, stößt danach auf Ablehnung vom Ex-Partner. Wer wird schon gerne abgelehnt? Wer fühlt sich beim Sex schon abgelehnt? Na ja, bestimmt schläft man auch mit dem Ex, um der guten alten Zeiten willen. Einmal noch... weil man irgendwie beim letzten Sex nicht wusste, dass es der Letzte sein würde. Und natürlich ist man besonders hemmungslos und zu allem bereit! Wofür sich irgendwas aufheben? Wenn der andere dann jammert, was er hat gehen lassen: Umso besser! Und wenn er einen zurück will? Perfekt, das ist Balsam für geschundene Seelen. Entweder man probiert es dann noch mal (meistens nicht sehr lange) oder man kann zumindest sich selbst noch mal klar machen, dass man es nicht will. Und wenn man danach selber plötzlich wieder will, der andere aber nicht? Tja, dann hat man den Kürzeren gezogen, aber immerhin Sex gehabt.

Immerhin Sex gehabt mit einem Partner, der die Ins & Outs unserer Lustzentren studiert hat und nicht mit irgendeinem bemühten Novizen, der einen gerade erst kennen lernt. Und Sex ist besser als Einsamkeit. Klar, der entkommt man auch nicht ewig, aber im Paket ist die dann trotzdem erträglicher.

Was spricht also überhaupt dagegen? Wenn man sicher ist, dass da noch was geht, warum nicht? Ein kleines Problem gibt es dabei. Abschließen mit "etwas" geht schwer, während man mit der anderen Hälfte von "etwas" Sex hat. Man kann sich da eine Menge erzählen (und ich glaube, dass eine Trennung der beste Grund ist, sich selbst etwas vorzumachen), aber letzten Endes ist der alte Partner doch erst weg, wenn der neue da ist?
Oder wie seht ihr das? 

Trennungsbilanzen

Geschrieben am 01.07.08 um 14:53 Uhr

Jeder Trennung beginnt mit einer Beziehung. Und da die meisten Menschen doch weit mehr als eine Beziehung in ihrem Leben gehabt haben, enden die meisten Beziehungen mit einer Trennung.

Ein paar Glückliche können verbuchen, dass sie eine Beziehung mehr gehabt  haben als Trennungen. Das sind die, die gerade in einer Partnerschaft leben. Aber ich nehme an, dass solche Menschen wohl kaum ein Blog, das sich mit Trennung beschäftigt, lesen würden. Es sei denn - sie haben vor, ihre "Beziehungs-/Trennungsbilanz" auszugleichen. In absehbarer Zeit.
Trennung: Zwei Menschen die sich als "Wir" empfanden, müssen sich plötzlich wieder in ein "Du" und "Ich" aufspalten. Mal ist man der Abspaltende und mal ist man der, der getrennt wird. Gründe gibt es zahllose, ebenso wie Formen, in denen eine solche Trennung stattfinden kann. Aber getrennt werden kann selbstverständlich nur das, was einmal zusammen gehörte. Und die wenigsten Trennungen die ich erlebte, waren besser als ihre vorangegangenen Beziehungen. Und Trennungen sollen endgültig sein. Sollen sie das? Selbst das ist heute nicht mehr sicher.

Reden wir also über Trennungen. Denn zusammen ist man ja nur eine Weile. Getrennt für alle Ewigkeit.

Eine Trennung unter vielen  

Geschrieben am 01.07.08 um 15:06 Uhr

Es gibt Leute, die glauben, Glück sei eine zerbrechliche Blume, auf die man aufpassen müsse, damit sie nicht verletzt wird. Die man hegen und pflegen müsse, damit sie gedeihen kann. Meiner Erfahrung nach ist das Blödsinn. Glück ist mehr ein Grashalm auf einem Kinderspielplatz.

Hat man erstmal das Glück, es wächst alleine, aber früher oder später wird irgendein rücksichtloses Wesen drauf treten und dann knickt der Halm ein und bevor er sich wieder aufrichten kann, trampeln eine ganze Armee von Füssen über ihn. Am Ende muss ein Sprössling einen anderen Platz finden um zu wachsen, denn da wo der erste Grashalm "Glück" mal stand, ist nun ein Trampelpfad.
Ein Beispiel? Damit das hier nicht bildlastig wird? Gerne.

Die unheimlichste Trennung die ich je erlebte, war zwischen zwei Freunden von mir, die ich als Paar kennen gelernt hatte. Alternative Geister und lebenslustige Leute. Sie machten gemeinsame Urlaube, studierten zusammen, kamen zu jeder Verabredung zu spät und quälten alle anderen mit diesem Dauergrinsen, das sie auf dem Gesicht hatten. Viel änderte sich auch nicht daran, als Sie (nennen wir sie Rita, weil ich keine Rita kenne) nach Berlin zog. Fernbeziehung tat den beiden ganz gut. Und sie verbrachten jede freie Sekunde beieinander. Als er dann irgendwann die Stadt verlassen hatte, traf ich mich mit ihr auf einen Kaffee. Sie erzählte mir, wie glücklich sie gewesen sei, als ihr Freund (lasst ihn uns Tim nennen) das letzte Mal bei ihr war. Sie hätten das Bett nicht verlassen, gestand sie kichernd Sie liebe ihn so sehr. Ich erzählte ihr, dass es ihm wohl genauso ginge. Und heimlich grinste ich wie diese beiden, an sich patenten, Persönchen zu turtelnden Teenagern wurden, sobald sie übereinander sprachen. Ein bisschen Neid war vielleicht dabei, weil ich gerade erst eine Liebe aufgegeben hatte, diese beiden aber so sicher und ungestört in ihrer badeten.

Nur fünf Tage vergingen, schon saß dann Tim auf meiner Couch. Ein ruhiger, nordischer Typ der selten Emotionen zeigte, schüttete eine halbe Flasche Southern Comfort in sich hinein und Tränen liefen über sein Gesicht. Sorgen machte ich mir da. Dass Rita sich von Tim getrennt haben könnte, der Gedanke kam mir nicht im Traum. Irgendwann schluchzte er dann: "Sie fühlt sich gefangen. Sie sagt weil sie mich so sehr liebe, habe sie das Gefühl kein eigenständiger Mensch mehr zu sein." "Wie bitte?" "Sie hat es beendet." Die Geschichte änderte leider ihre Pointe auch nicht nachdem ich mehrmals nachgefragt hatte. Rita hatte sich von Tim getrennt. Auch spätere Gespräche mit ihr ließen nie genau erkennen warum, außer dass sie glücklich gewesen wäre und ihr das wohl irgendwie nicht geheuer war. Irgendwelche psychischen Abfälle hatten sich in ihrem Inneren angehäuft und waren verrottet bis sie offenbar zuviel Platz eingenommen hatten. Sie hatte ihre perfekte Beziehung lieber aufgegeben.

Natürlich landeten die beiden noch ein paar Mal im Bett, probierten es noch mal und probierten es nie wirklich, weil jeder lieber nach neuen Partnern Ausschau hielt. Faktisch war ihre gemeinsame Zeit an diesem Abend auf meiner Couch beendet. Zwei Jahre später traf Tim eine neue Frau. Ich mochte sie nicht so sehr, aber die beiden sind bis heute recht glücklich. Rita sagte mir vor kurzem, sie habe ihr Glück weggeworfen, als sie ihn gehen ließ. Das sie seinen zarten kleinen Grashalm zertrampelt hatte, will sie bis heute nicht wissen.

Und ich versteh immer noch nicht, was ihr eigentlich fehlte. Sie hat bis heute keinen neuen Freund.

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Hier schreibt...

Experte

Sebastian Leyendecker

Autor

Sebastian Leyendecker ist eigentlich Jurist und veröffentlichte verschiedene Texte zu allem, was ihm interessant erscheint. Seine Biographie legte nahe, einen Blog über Trennungen zu schreiben. Denn er glaubt, man müsse über Dinge schreiben, die man selber erlebt hat ...


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