Frisch verliebt

Psychologin Dr. Bärbel Wardetzki über eitle Liebe

Interview: "Feuerwerk der Liebe"

Interview: Feuerwerk der Liebe

Die Münchener Psychologin Dr. Bärbel Wardetzki ergründet in ihrem neuesten Buch das Phänomen der eitlen Liebe. Das trifft nicht nur Promis, sondern immer öfter auch Normalsterbliche. Was an eitlen Liebschaften so faszinierend und gleichzeitig auch so gefährlich ist, erklärt sie im Interview.





Was genau ist eigentlich eitle Liebe?

Die eitle Liebe ist wie ein Feuerwerk, das, wenn es abgebrannt ist, "dicke" Luft und Brandgeruch hinterlässt. Doch das nimmt jeder gerne in Kauf, denn er bekommt dafür eine märchenhafte Darbietung, wenn auch leider nur für eine kurze Zeit. Verliebtheit, sich gegenseitig verführen, verschmelzen in der gemeinsamen Grandiosität, das ist wie Feuerwerk. Die Gefühle sind heiß, die Begierde ist groß, das Erlöschen folgt meist auf dem Fuß.

Wie unterscheidet sich ein eitles Paar von einem nicht-eitlen?

Eitle Paare gestalten ihre Beziehungen primär zum eigenen Nutzen, manchmal sogar auf Kosten ihres Gegenübers. Sie suchen im Partner mehr die Selbstbestätigung und weniger den Menschen. Sie trennen sich, wenn diese Bestätigung ausbleibt oder der Partner nicht hält, was er versprochen hat. Nicht-eitle Paare beziehen sich aufeinander, haben Interesse füreinander, fühlen sich in den andern ein und nehmen den anderen mit seinen Stärken und Schwächen. Sie brauchen sich nichts vorzumachen, denn in ihrer Begegnung geht es weniger um den schönen Schein als mehr ums das Sein, wie jeder ist.

Ist das ein Phänomen, das nur Prominente betrifft oder können auch Normalsterbliche eitel lieben?

Interview: Feuerwerk der Liebe

Nein es trifft keinesfalls nur Prominente, sondern alle, die eine Beziehung auf narzisstische Weise beginnen. Halte ich mich für die tollste Frau, dann muss es auch mein Partner sein. Solange er das Bild des perfekten Partners bedient, geht alles gut. Im Glamour der Prominenz zählt der äußere Schein natürlich noch mehr, weil er das Leben ausmacht. "Schön, berühmt und reich" ist quasi die Lebensbasis. Der Partner oder die Partnerin wird nach diesen Kriterien ausgesucht und die Beziehung wird zum Vehikel der Selbstdarstellung.

Was, wenn nur ein Partner eitel ist und der andere nicht?

Das kann eine große Chance bedeuten, wenn der nicht eitle Partner fähig ist, eine wirkliche Beziehung anzubieten, die nicht auf Äußerlichkeiten oder grandiosen Idealen beruht, sondern auf Verständnis, Einfühlung und Liebe. Oft ist aber die Angst vor solchen Beziehungen beim narzisstischen Partner so groß, dass er oder sie flieht. Lieber sind sie wieder allein, als sich einzulassen.

Welches sind die größten Probleme in so einer Beziehung?

Narzisstische Beziehungen sind selten dauerhaft befriedigend, erfüllend, nährend oder glücklich. Oft enden sie, bevor sie wirklich begonnen haben und hinterlassen das unangenehme Gefühl, als Mann oder Frau versagt zu haben. Oder sie verlieren im Lauf der Jahre ihren Glanz und das, was als Anziehung einmal da war: die Idealvorstellung eines untrüglichen, gemeinsamen Glücks. Verbunden ist damit ein persönliches Leid, da die betroffenen Menschen unzufrieden, ängstlich oder frustriert zurückbleiben.

Gibt es auch positive Aspekte?

Interview: Feuerwerk der Liebe

Jede Beziehung kann einen narzisstischen Nutzen haben, indem das Gegenüber das eigene Selbstwertgefühl stärkt. Das finden wir in Zweierbeziehungen ebenso wie in Freundschaften. Lob, Anerkennung und Zuwendung bestätigen uns als Person, verbessern unser Selbstbild und machen Lust auf mehr Kontakt. Diese Form der narzisstischen Dynamik ist positiv und daher erstrebenswert: Personen, die uns zugewandt sind, suchen wir auf, da wir uns durch sie geachtet und wohl fühlen. Menschen, von denen wir uns abgelehnt fühlen, meiden wir.

Wie kann so eine Beziehung denn gelingen?

Das geht nur, wenn beide Partner zusammen einen neuen Weg finden wollen und aufhören, dem anderen die Schuld für das Scheitern der Beziehung zuzuschieben. Wenn sie lernen, den anderen zu sehen, wie er ist und nicht, wie sie ihn haben wollen. Wenn sie Vertrauen aufbauen statt Angst zu haben, nicht zu gefallen, wenn sie Ehrlichkeit zeigen, statt sich und dem anderen etwas vorzumachen. Wenn sie Rücksicht, statt Egozentrik leben, wenn sie Kompromiss- und Konfliktbereitschaft entwickeln statt sich bei Unstimmigkeiten zurückzuziehen oder die Beziehung abzubrechen. Und wenn sie lernen, mit dem liebenden Blick auf den anderen zu schauen statt zu kritisieren, was alles nicht ins ideale Bild passt.

Sehr geehrte Frau Dr. Wardetzki, wir danken Ihnen fürs Interview!  

Annette Riestenpatt, Redaktion

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