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Anatomie einer Trennung II: Fehler, die es einem leichter machen
Anatomie einer Trennung II: Fehler, die es einem leichter machen (Kategorie: Trennungsblog)
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Love is a battlefield. So gesehen, ist Untreue die Atomwaffe in einer Beziehung.

Letzte Woche sprach ich über die unweigerliche Anziehungskraft, die das Ende hat, wenn man weiß, dass es vorbei ist. Man könnte denken, dass wir nun zum eigentlichen Akt der Trennung kommen. Bei vielen Menschen ist das auch so. Die können dann beruhigt zum Eintrag der nächsten Woche vorspringen. Die meisten aber können nicht so einfach Entscheidungen aufgrund veränderter Gefühle treffen. Sie brauchen erst einen Sturm, um das sinkende Schiff zu verlassen. Ich gehöre zu diesen Menschen.

Das liegt wohl vor allem daran, dass es ja Gefühle sind, die einen zum Handeln treiben. Entfremdung, Langeweile, Mangel an Reizen. Diese Dinge kommen schleichend. Und deshalb brauchen sie meistens eine konkrete Form. Es braucht ein Ereignis. Einen Fehler. Ein Fehler löst nämlich alle Probleme.
Drei mögliche "Fehler" sind dabei meiner Erfahrung nach äußerst populär: Fremdgehen, Streiten, Ignorieren.
Fremdgehen ist natürlich ohnehin etwas, das in der Natur vieler Menschen liegt. Es passiert überall und ständig und die schwächelnde Bindung zum Partner macht es nur umso leichter. Man hat Sex mit jemand anderem, dann gesteht man es und kommt in der folgenden Diskussion zum Schluss, es kann nicht mehr weiter gehen. Hätte man das vorher gesagt, wäre man eigentlich gar nicht fremdgegangen, aber dann hätte man sich damit beschäftigen müssen, was eigentlich schief gegangen ist. Eventuell würde man sogar einige unangenehme Wahrheiten über sich selbst erfahren. Die Varianten des Umverliebens (besonders sinister: Der neue Partner weiß nichts davon), Partneraustauschs und Langzeitaffäre sind allgemein bekannt. Sie führen alle zum Todesstoss. Unweigerlich und schnell. Gar nicht so selten will der Partner/die Partnerin einem das sogar verzeihen. Es als Zündung für einen zweiten Versuch nehmen. Man faselt dann irgendwas von: So könnte ich nie weitermachen.

Fremdgehen in der Beziehungskrise ist die Atomwaffe unter den Beziehungskillern.

Streiten ist die Variante für Leute, die es sich gar nicht eingestehen wollen. Wenn der Streit kaum noch von Versöhnungsphasen unterbrochen wird und man vom Schweigen zum gegenseitigen Anschreien wechselt ohne dass einer den Mut hat etwas Radikales zu tun, wartet man, dass einer es endlich sagt und durchzieht. Meistens lieben sich solche Paare sogar noch, irgendwie. Liebe ist ein grausames Ding. Es klappt nur gar nicht. Ewig geht das nicht. Nach Wochen, Monaten, Jahren bricht einer zusammen. Beide werden auf immer bitter sein und Freunde bleiben sie eh nicht.
Der ewige Streit ist unter allen Arten auf das Ende der Beziehung hinzuarbeiten der Stellungskrieg. Lange, ermüdend, grausam und eigentlich völlig überflüssig.
Ignorieren. Den Partner einfach ignorieren ist die grausamste Variante. Man bricht sozusagen den Glauben des anderen in die Beziehung. Nur weil man selbst keinen mehr hat. Feige, aber effektiv hören herzlose Partner einfach auf, mit dem anderen zu reden. Sehr oft führt es dazu, dass der betroffene Partner zu obigen Lösungen greift. Schluss machen tut einer von beiden in jedem Fall. Eine Beziehung führen, die daraus besteht, den Partner schlechter zu behandeln als den Fernseher, hat keine Zukunft.
Den Partner zu ignorieren ist eigentlich mehr ein Kriegsverbrechen, das den Gegner zum Angriff bringen soll. Eine Provokation zum Schluss machen. Man sollte dazu bemerken, dass viele Leute das nicht durchhalten. Dazu gehört schon etwas Grausames.
Es erübrigt sich zu sagen, dass ich keinen dieser Wege empfehle. Aber das sind meistens keine bewussten Entscheidungen. Also, lasst uns einfach traurig feststellen, dass so was passiert. Bevor man an den Punkt ohne Wiederkehr kommt.
Und für alle die sich an meiner "Kriegsrethorik" stören werden: Ich glaube an die Weisheit der 80er Jahre Lieder. Und wie sang Pat Benatar? Love is a battlefield.
Nächste Woche reden wir über die Momente, die wir nie vergessen. Schlussmachen.

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2 Antworten zu “Anatomie einer Trennung II: Fehler, die es einem leichter machen”

  • bettina sagt:

    Die Serie gefällt mir sehr gut. Man erlebt eine Trennung, denkt man ist der Einzige der Welt, dem das passiert, und dann lese ich, das ist alles normal. Es ist tröstlich und informativ. Danke

  • Lena sagt:

    Kann mich der Meinung von Bettina nur anschließen. Es tut gut, so etwas zu lesen, man füllt sich entspannter. Vielen Dank.