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Attraktivität – Fluch oder Segen?
Attraktivität – Fluch oder Segen? (Kategorie: Flirtblog)
Es hat nicht nur Vorteile, besonders attraktiv zu sein.

"Schönheit ist ein offener Empfehlungsbrief, der die Herzen im Voraus gewinnt", sagt der Philosoph Arthur Schopenhauer. "Aber auch die Schönen verdienen Mitleid", meint der Arzt und Kabarettist Eckart von Hirschhausen.

In der Zeitschrift emotion (11/2009) las ich vor kurzem die Kolumne von Eckart von Hirschhausen. Der Autor ist sehr populär, Sie kennen ihn sicher, liebe Leserin, lieber Leser. Sein aktuelles Buch "Glück kommt selten allein", schon einige Zeit auf dem Markt, erreicht noch immer rekordverdächtige Absatzzahlen. Ich habe es gelesen, nebenbei erwähnt, und ich kann es sehr empfehlen. Kurzweilig geschrieben, wissenschaftlich fundiert (hauptsächlich geht es um Positive Psychologie), mit vielen praktischen Tipps angereichert. – Aber zurück zur Kolumne.
Sie hat den Titel "Der Fluch der Schönheit", und der Autor sieht Schönheit als zweischneidiges Schwert. Zu Recht, wie wir gleich sehen werden. Ich möchte einige seiner Thesen herausgreifen und kommentieren.
Hirschhausen meint: Schönheit – so reizvoll, wie sie ist – vergeht, wie man so schön (?) sagt. Zunächst eine lapidar klingende Feststellung. Doch das ist ein wichtiger Aspekt, den sicherlich viele Menschen auf der Partnersuche nicht vollends bedenken. Betreffende, und das sind nicht wenige, jagen stets denjenigen Singles hinterher, die absolute "Hingucker" sind, weil sie eine perfekte Hülle offenbaren. Die "Hingucker" werden zudem vom Beobachter auch noch idealisiert, was viele sozialpsychologische Experimente belegen. Man gießt also selbst noch vorauseilend Öl ins Feuer. Dies führt wohl oder übel zu einer hochgradigen Verzerrung der Wahrnehmung, sprich des Anderen. Er (oder sie) wird nicht innerlich erschlossen, nur äußerlich. Das kann in die Irre führen.
Aber auch wenn man es fertig bekommt, einen wirklich anziehenden Partner für sich zu begeistern, ist das noch lange keine Garantie für eine funktionierende Zweierbeziehung. (Das ist eigentlich auch eine Binsenweisheit.) Ich habe viel über Partnerschaften gelesen, in denen der Eine sich äußerlich sehr stark vom Anderen unterscheidet. Zwei Phänomene fallen mir hierzu ein: 1. Derjenige, der äußerlich gesehen weniger zu bieten hat, neigt eher zur Eifersucht. – 2. Manche Partner mit reizender Hülle neigen zu Seitensprüngen. Hier scheint es sich um ein sich ergänzendes Dilemma zu handeln.
Ein anderer Aspekt, so Hirschhausen, der nachdenklich stimmen muss: Viele extrem hübsche Partner jenseits der 40 sind laut Studien mit ihrer Ehe und dem Selbstbild signifikant unzufriedener als durchschnittlich aussehende Liierte (wie er an diese Daten kommt, sagt er nicht, egal). Hirschhausen ergänzt: "Germany's next Topmodels sind folglich Deutschlands übernächste Depressive."
An letzterer Aussage ist sicher "was dran". Wer sein Leben lang Anerkennung, Aufmerksamkeit und Bewunderung überwiegend für seine Hülle einheimste, der fällt möglicherweise in ein emotionales Loch, wenn die Resonanz vonseiten der Umwelt nach und nach schwindet. Es fehlt etwas Fundamentales! Sind dann nur wenige Ressourcen vorhanden, die zur Persönlichkeitsentwicklung genutzt werden könnten, färbt sich das ganze Leben schwarz. Denn alles war von der Bewunderung durch andere abhängig. Fazit: Beide Geschlechter sollten sich nicht zu sehr darauf versteifen, unbedingt einen möglichst attraktiven Partner erobern zu wollen. Das Ganze kann irgendwann zu einer Retourkutsche werden.
Das Innere bleibt, das Äußere verändert sich naturgemäß.


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Eine Antwort zu “Attraktivität – Fluch oder Segen?”

  • tieft sagt:

    Kann dem Artikel nur zustimmen. Wenn es um Beziehungen, Sex u. Liebe geht, ist alles viel oberflächlicher, als man denkt. Äußerst wichtig ist der
    "Marktwert" beim anderen Geschlecht. Ist der "Marktwert" bei einem Paar bei beiden ähnlich, gibt es wenig Probleme. Ist er aber deutlich unterschiedlich, dann sind Turbulenzen vorprogrammiert. Schaue sich jeder in seiner Bekanntschaft, Verwandschaft um: Bei Trennungen, Scheidungen spielt dieses Ungleichgewicht ganz oft eine große Rolle.
    Schade eigentlich, aber wahr.