Aus zwei mach drei: Worauf junge Paare jetzt achten sollten...
Gestern hielt ich einen völlig verzweifelten Anruf einer Klientin, mit folgender Geschichte:
Seit 5 Jahren lebte sie harmonisch mit ihrem Partner in trauter Zweisamkeit, bis sie sich gemeinsam vor einem Jahr entschieden haben: Wir wünschen uns ein Baby.
Die Pille wurde abgesetzt und schneller als gedacht wurde meine Klientin schwanger. Die Schwangerschaft verlief anstrengend und mühselig und alle waren froh, als der kleine Junge endlich gesund auf der Welt war. Die anfängliche Erleichterung geriet schnell ins Hintertreffen, denn der komplette Tagesrhythmus war völlig verändert. So extrem hatten sich meine Klientin und ihr Mann das Leben als Eltern nicht vorgestellt. Das Kind schrie Tag und Nacht, und somit wurden als erstes getrennte Schlafzimmer organisiert, damit der Ehemann einigermaßen fit am anderen Tag zur Arbeit gehen konnte. Nun entwickelte sich das ganze so, dass der Ehemann immer mehr und länger im Büro blieb, sich dann mit seinen Freunde traf, und am Wochenende entweder zum Sport oder zur einem Weiterbildungsseminar musste.
Meine Klientin veränderte sich von einer jungen dynamischen Frau zur "Mutti", war ständig übermüdet, vernachlässigte sich und ihre Freunde, und wurde zunehmend frustrierter. Aus dem wunderbaren jungen Ehepaar wurden ein nicht vorhandener Ehemann und eine ungepflegte Mutti.
Hier muss ganz schnell die Notbremse gezogen werden!
"Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, ein Kind in die Welt zu setzen, sollten Sie sich darüber im Klaren sein, dass Kinder das Leben ganz und gar umkrempeln. Einerseits muss alles nach Plan laufen, denn Kinder brauchen eine geregelten Alltag, regelmäßige Mahlzeiten und Schlafenszeiten. Ein Paar, das es gewohnt ist, sich jedes Wochenende mit Freunden die Nächte um die Ohren zu schlagen, sollte sich fragen, ob es bereit ist, darauf die nächsten Jahre über weitgehend zu verzichten.
Gleichzeitig sollten Sie darauf gefasst sein, dass mit einem Kind vieles eben nicht mehr nach Plan läuft und auch nicht planbar ist. Eine Verabredung zum Frühstück kann da schon mal kurzfristig ins Wasser fallen, weil das Baby sich seit Stunden mit Bauchweh herumquält. Ist man sich als Paar nicht einig, wie die Prioritäten gesetzt werden sollten, ist der Alltag geradezu mit Tretminen gespickt."
Wie üblich bleibt die "Drecksarbeit" an der Frau hängen. Er macht sich ein schönes Leben, flüchtet sich in Arbeit, Sport und Freizeitvergnügen. Ach, der arme Mann, dessen Frau sich ach so gehen lässt! Er sollte sich Gedanken machen, wie er ihr zur Seite stehen kann, ihr auch mal den Rücken frei halten und den Schlafmangel mit ihr teilen. Ok, er arbeitet und schafft das Geld heran. Aber er kann ja z.B. auch die Elternzeit nehmen und ihr zur Seite stehen, oder einen Babysitter besorgen. Frauen, die ein Baby bekommen haben, sind körperlich und geistig in einem Maße gefordert, dass sie Unterstützung und Verständnis brauchen und keinen Kerl, der sich beschwert, dass sie sich gehen lässt. Ein Kind allein zu bewältigen ist kaum möglich und wenn er sich da rauszieht, ist es einfach nur zum Kotzen und ein typisches Phänomen unserer Familienfeindlichen Gesellschaft. Der Anfang ist nun einmal hart, da sind beide Partner plus Freunde und Familie gefragt.
Ok, hier wird grade ziemlich genau meine letzte Beziehung (bzw. Ehe) beschrieben. Erschreckend!
Wir waren so ein verliebtes junges Paar. Ständig am turteln. Keiner hätte je geglaubt, dass wir mal getrennte Wege gehen.
Dann entschieden wir uns nach ca. 8 glücklichen gemeinsamen Jahren für ein Kind und die Ehe. Das Kind kam zur Welt, es wurde stressig, jeder musste sich einschränken. Ich gab meinen Beruf auf und wurde langsam aber sicher zur frustrierten Hausfrau. Mir fehlten die sozialen Kontakte. Mein Mann kam mit den Anforderungen als Ehemann und Vater nicht zurecht und zog sich immer mehr zurück. Am Ende gab es Frust auf beiden Seiten. Mitlerweile (hat allerdings eine Weile gedauert) bin ich eine weitesgehend glückliche Alleinerziehende Mutter und verstehe mich seit der Trennung wieder ganz gut mit meinem Noch-Ehemann.
Es stimmt, so ein Kind verändert alles. Aber ich habe noch nicht einen einzigen Tag bereut diesen kleinen Engel auf die Welt gebracht zu haben.
Über dieses Thema hab ich mir auch schon Gedanken gemacht und bin zu dem Schluß gekommen, daß ich lieber in "trauter Zweisamkeit" mit meinem Partner glücklich bleibe, als mir dieses Glück zu verderben durch einen 24/7-Streß-Job, der sich nicht mal unbedingt auszahlt, sondern alles fordert: Schlafmangel, Ratlosigkeit, Frust, Verzweiflung, eigene Bedürfnislosigkeit, Selbstlosigkeit und am Ende ggf. sogar: Partnerlosigkeit!! Den geliebten Partner, den man nie loswerden wollte!!! Wie sollte es dies jemals wert sein??? Ganz im Ernst…!
@naja, wie traurig! sein ganzes leben auf einen mann auszurichten, um dann in trauter zweisamkeit irgendwann abserviert zu werden … sorry, aber dieses konzept klingt irgendwie schräg, da konnte ich mir den zynischen kommentar nicht verkneifen.
es stimmt, die ersten jahre mit kind sind eine belastungsprobe für eine beziehung. aber wenn diese daran zerbricht, dann ist es eigentlich eher ein indiz dafür, dass die partner eben nicht zusammen gepasst haben. wie soll es denn bitteschön dann im alter aussehen, wenn die partner beide alt und krank werden und auf pflege des anderen angewiesen sind? dann bloß schnell abschieben, weil man sich ja eingeschränkt fühlen könnte.
ganz ehrlich: ich kenne so viele glückliche paare, die kinder haben und gemeinsam groß ziehen. ja, es ist stressig. aber es ist wunderschön, es bereichert die liebe zu zweit um viele aspekte und es ist eine frage der organisation, dass man es geregelt kriegt, kind, partnerschaft und job zu managen. es ist schwierig, besonders für die frauen. aber es ist machbar und sehr erfüllend. ich war noch nie so verliebt, wie ich es in mein kind bin! und ich liebe es, meinen partner zu sehen, der liebevoll den väterlichen part übernimmt. trotzdem gibt es bereiche, die für uns als paar sind und seit das kind da ist, genießen wir diese bereiche umso mehr, weil sie eben wertvoller und besonderer geworden sind.
dieses ganze gejammer geht mir auf die nerven. die ersten jahre sind hart. basta. da muss man sich helfen, verständnis haben, netzwerke bauen. wenn eine beziehung das nicht aushält, war sie von anfang an nicht richtig.
Wenn es mit Kind in der Partnerschaft immer noch klappt – Glückwunsch! So selbstverständlich kommt mir das allerdings nicht vor. Ich habe eher den Eindruck, dass Patchwork-Familien das heute fast schon vorrangige Modell darstellen, weil immer mehr ursprünglich gegründete Familien auseinanderbrechen. Wer die Belastungsprobe dennoch meistert und trotzdem an Pärchen-Romantik nichts einbüßt, umso besser. Aber auf diese Belastungsprobe müssen beide von vornherein schon "echt Bock" haben, halbherzig braucht man da gar nicht erst ran!!! Der Mutti-Job ist auch einfach nicht für jeden was, auch wenn einem meist suggeriert wird, dass es für niemanden etwas Besseres geben könnte…Für viele gibt es ein sehr ausgefülltes/erfülltes Leben ohne Kinder!! (Richte mich jetzt schon mal auf vorprogrammierte Proteststürme ein). Wenn man es aber mal entspannt betrachten will, ist es doch gut, wenn jeder sein Ding macht und sich nichts diktieren lässt, was angeblich zu einem erfüllten Leben dazugehören MUSS! Ebenso wie ich nicht abstreiten will, dass manche Frauen in der Mutterrolle etwas finden, was sie sonst vielleicht nirgends gefunden hätten.
Irgendwie wird in diesem Artikel nur erzählt was alles schief gehen kann und gesagt, dass etwas getan werden muss. Aber ich finde keinen einzigen konkreten Verbesserungsvorschlag! Ok, mit Kind wird alles anders, aber soll der Artikel uns sagen, dass wir besser keine Kinder mehr bekommen? Ein paar Tipps wie eine Beziehung auch mit Kind gelingen könnte wären doch irgendwie viel hilfreicher oder?