Sich in die Lage des Partners versetzen zu können, ist essentiell für eine Beziehung.
Empathie für einen anderen Menschen aufzubringen, bedeutet, sich in dessen Lage versetzen und mit ihm mitfühlen zu können. Das so genannte Einfühlungsvermögen ist ein entscheidend wichtiger Faktor für eine glückliche Beziehungsgestaltung.
Wir fühlen uns bei empathischen Menschen meist sehr wohl und aufgehoben. Warum? Weil wir das Gefühl haben, ganz verstanden und mit unseren Sichtweisen akzeptiert zu werden. Das schafft Nähe und das Empfinden, vom Partner ohne große Worte wahrgenommen zu werden. Empathie muss von Kindheit an gelernt werden. Wer in einem Umfeld aufwächst, dass diese Eigenschaft nicht fördert, hat dort Defizite. Gut, dass es selten zu spät ist zu lernen, empathisch zu sein. Dazu ist die richtige Geisteshaltung notwendig wie auch, die eigenen Gefühle zu erkennen und angemessen auf den anderen reagieren zu können. Absolutes Gift für empathisches Verhalten ist ein ausgeprägter Egoismus. Denn Empathie richtet sich uneingeschränkt auf das Gegenüber. Man widmet dem anderen all seine Aufmerksamkeit, schenkt im Gehör und investiert Energie, in seine Perspektive zu schlüpfen und seine Welt wahrzunehmen. Dabei ist es wichtig, erst mal die Empfindungen des anderen als "wahr" gelten zu lassen. Sie entspringen seiner subjektiven Wahrnehmung und sind für ihn authentisch und erlebt. Wenngleich man selber einiges davon vielleicht anders sieht oder als unlogisch empfindet. Aber um Bewertung geht es eben gar nicht, sondern zunächst einmal um vorbehaltlose Akzeptanz der anderen Gefühlswelt. Nach dem Verstehen und Mitempfinden kann später der Moment kommen, dem Partner dazu Ratschläge zu geben oder ihm zu helfen, Gegebenheiten anders zu betrachten und Gefühle neu zu bewerten. Doch das wäre zu Anfang die falsche Strategie.
Studien zeigen auf, dass die Empathie unter Menschen in unserer Gesellschaft abnimmt. Wenn ich nur aus der Perspektive meiner Praxis zu berichten würde, würde ich dies dreifach unterstreichen. Gut, dass ist nicht repräsentativ, denn zu mir kommen schließlich Klienten, die Probleme in Beziehungen und im zwischenmenschlichen Umgang haben. Und sicher sind darunter viele Menschen, deren empathische Kompetenz sich noch entwickeln könnte.
So richtig wundern mich solche Studienergebnisse also nicht. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft und diese fördert nun mal Egoismus. In einer solchen Gesellschaft wird schon sehr früh Wert darauf gelegt, wie man am besten durchkommt und Karriere macht. Der Druck auf jeden Einzelnen steigt, weil jeder seine Ziele erreichen will – notwendigerweise auch ohne Rücksicht auf Verluste. Für Empathie ist dort wenig Platz, wäre sogar kontraproduktiv. In einer "Generation Ich" ist es schwierig, vorhandene Empathie zu bewahren oder gar zu entwickeln. Viele müssen sogar durch die Umstände des Jobs ihre Empathie unterdrücken. Wem es nicht gelingt, zwischen Job und privaten Beziehungsleben zu differenzieren, dem kann sogar die Empathie verloren gehen.
Individualisierung und Ich-Bezogenheit ist bis zu einem bestimmten Maße gut und gesund. Doch ein Zuviel ist nicht gerade günstig für eine konstruktive Beziehung, die sich durch Wärme und innere Verbundenheit auszeichnet. Das Gute daran: Es ist nie zu spät, sich mehr im Geben zu üben und die eigene Geisteshaltung zu überprüfen. Dazu muss es nicht immer einer dramatischen Lebenskrise bedürfen, die so oft das Geraderücken der eigenen Werte mit sich bringt.
"Leistungsgesellschaft und diese fördert nun mal Egoismus" – und nicht zu vergessen, die zum Teil egozentrische Darstellungsmanie – auch im Internet. Sicher auch nicht hilfreich…mehr empathie statt twitter – oder?