Ein Vulkanausbruch ist harmlos dagegen: Es gibt Menschen, die machen aus jeder noch so kleinen Mücke einen Elefanten.
Beziehungskrise vorprogrammiert! Nur eine Sache überschäumenden Temperaments? Erfahren Sie hier mehr über Ursachen und Umgang mit Drama-Queens und -Kings.
Welle der Wut
Diana (32) spürt es kommen, wie eine Welle: "Wenn ich mich über etwas ärgere, steigt eine Wut in mir auf, die kann ich einfach nicht kontrollieren. Ich bin halt ein temperamentvoller Mensch. Dafür bin ich nicht nachtragend." Ihr Freund Jochen (36) findet das allerdings alles andere als komisch. "Man muss sich doch auch bis zu einem gewissen Punkt im Griff haben", wendet er ein und denkt dabei an all die vielen Szenen, in denen Diana mit ihrem explosiven Verhalten eine richtige Beziehungskrise heraufbeschwört.
Eine Frage des Temperaments
"Impulsivität ist eine Persönlichkeitseigenschaft, deren Veranlagung von Mensch zu Mensch unterschiedlich ausgeprägt ist", erläutert Diplom-Psychologin Lisa Fischbach. Natürlich äußert sich das in verschiedenem Ausmaß und Verhalten. "Menschen mit einem dramatischen Temperament neigen zu impulsiven Reaktionen auf bestimmte Ereignisse. Solche Charaktere haben Schwierigkeiten, ihre Emotionen zu kontrollieren."
Mögliche Gründe: Verlustängste und Geltungssucht
Besonders schlimm ist es natürlich bei Beziehungsthemen, schließlich sind die besonders existenziell. So beschwert sich Diana beispielsweise lautstark darüber, wenn Jochen einmal in der Woche mit seinen Freunden zum Fußball will und wirft ihm Vernachlässigung vor. Verlustängste und eine gewisse Geltungssucht bescheren Diana diese emotionale Achterbahnfahrt, die sie nahezu hysterisch werden lässt. Die Konsequenz: Jochen braucht Abstand und zieht sich überfordert zurück.
Erziehung und Kindheit prägen
Dieses dramatische, launenhafte und betont emotionale Verhalten ist laut Lisa Fischbach typisch für Menschen, die auf der Gefühlsebene sehr instabil sind. "Persönlichkeitseigenschaften entstehen im Laufe der Persönlichkeitsentwicklung, also vorrangig in der Kindheit bis zur Adoleszenz. Ein Teil ist genetisch vorbestimmt, ein anderer wird durch Umwelterfahrungen geprägt." Tatsächlich neigen Frauen schon aufgrund ihrer genetischen Veranlagung vermehrt zu dramatischem Verhalten und einer hysterischen Persönlichkeit. "Sich emotional impulsiv und dramatisch zu verhalten, wird eher bei Mädchen bzw. Frauen akzeptiert, Männer werden eher zur Beherrschung erzogen", so Fischbach.
Ruhe und Gelassenheit wichtig
Woher es letztlich auch kommen mag: Allzu häufige dramatische Szenen stellen die Liebe auf eine harte Probe. Jeder Partner muss für sich entscheiden, wie viel er davon aushalten kann und will. Jochen kann es bislang recht gut kompensieren, aber auch er stößt bisweilen an seine Grenzen. "Manchmal platzt mir der Kragen", sagt er. "Das macht dann natürlich alles nur noch schlimmer."
Das bestätigt auch Lisa Fischbach: "Lassen Sie sich nicht in solche Inszenierungen und Nähe-Distanz-Spielchen verstricken. Ruhige Reaktionen sind konstruktiver. Wer mit Gegendruck und zusätzlicher Impulsivität reagiert, der schürt die Emotionalität immer weiter und eine Auseinandersetzung schaukelt sich hoch." Besser: Mit Ruhe und Gelassenheit reagieren.
Den anderen ernst nehmen
Die Psychologin rät zudem, die emotionale Belastung des Gegenübers nachzuempfinden und ernst zu nehmen: "Für einen Menschen mit einem Hang zur Dramatik ist das Leid und der Druck, der sich aufbaut, echt und belastend, auch wenn es von außen übertrieben und irrational wirkt." Wer das nicht ernst nimmt, provoziert auf der anderen Seite Wut und Verletzung.
Letzte Rettung: Professionelle Hilfe
Natürlich hat alles auch seine Grenzen: "Die Veranlagung zu einer hysterischen Persönlichkeit kann zum Teil drastisch ausgeprägt sein", so die Psychologin. "Dahinter kann auch eine Persönlichkeitsstörung stecken." Dann ist auf jeden Fall professionelle Hilfe angesagt. Jochen passt mit seiner ausgeglichenen Art deswegen gut zu Diana. "Es ist auch schon viel besser geworden", sagt Diana nach drei Jahren Beziehung. "Mit einem Partner, der ebenso explosiv ist, wie ich, würde es wohl hinten und vorn nicht funktionieren." Stimmt! Und das Beste an jedem Streit ist ja bekanntlich eh die Versöhnung – wenigstens etwas!
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