Heiraten ist wieder in. Allerdings wird jede zweite Ehe auch wieder geschieden. Seien wir ehrlich: Wir alle wünschen uns eine Traumbeziehung mit einem Traumpartner. Und deshalb richten wir all unser Sehnen und Streben darauf aus, eine möglichst perfekte und harmonische Beziehung zu haben.
Auf der Suche nach dem großen Glück
Dafür wälzen wir Unmengen von Ratgebern und Magazinen in der Hoffnung, dem ganz großen Glück ein wenig näher zu kommen. Die Liebe, so wird uns nämlich überall suggeriert, besteht aus aufregendem Sex bis ins hohe Alter, immerwährendem Glück und absoluter Gleichberechtigung. Der Psychologe und Paartherapeut Arnold Retzer hat nun eine "Streitschrift für mehr Realismus in der Liebe" vorgelegt, in der er in provokanten Thesen mit lieb gewonnenen Thesen bezüglich der Ehe aufräumt. Er sagt, die Ehe als Zukunftsmodell habe nur dann eine Chance, wenn wir sie von allzu großen Erwartungen entlasten.
Hohe Erwartungen
Tatsächlich überfordern wir uns selbst, unsere Partner und die Ehe mit allzu unrealistischen Ansprüchen, denen wir einfach nicht gerecht werden können. Anfangs, so sagt er, sei es noch leicht, eine Liebesbeziehung zu haben. Erst mit der Organisation des gemeinsamen Lebens stellen sich die Grenzen dieser Liebe immer mehr dar: Vieles muss vernünftig koordiniert, abgesprochen, ausgehandelt und entschieden werden. Und da sollte die Vernunft die Oberhand über die Liebe erhalten, sonst sei ein Scheitern vorbestimmt.
Arnold Retzer, der lange Jahre als psychologischer Berater für namhafte Medien wie Focus, Brigitte oder den SWR tätig war, gibt in seinem aufschlussreichen und gleichsam amüsanten Buch keine Ratschläge. Er untersucht und beschreibt, was wir besser aufgeben sollten, um vernünftige Vorstellungen und Verhaltensweisen zu finden. Ziel sei schließlich, einer guten ehelichen Lebensqualität einen Schritt näher zu kommen. Und wie erreicht man das? Für ihn ganz klar: Indem man eine Vernunftehe führt. Die einzige Form des Ehelebens, die realistisch, lebbar und erfolgreich ist. Dann, so der Autor, sei die Ehe kein Wunder, das man sehnlichst erwarte und doch kaum je erblicke, sondern ein durchführbares und lebbares Projekt.
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