Vor Kurzem liess ich mich über das Phänomen des fliegenden Wechsels aus. Mann, hab ich mir was anhören müssen.
Hier im Blog und in meinem Freundeskreis sprangen mir die schlechten Gewissen überall nur so entgegen und regten sich darüber auf, wie ich behaupten konnte, so was sei menschlich einfach ein Armutszeugnis.
Nun bin ich zwei Jahre älter und natürlich auch schlauer … und ändere meine Meinung nicht. Gott, dieselben Leute, die mir irgendwas von Liebe und Vertrauen und dem gaaaanz großen Gefühl vorsülzen, erzählen mir ein Jahr später, es sei total normal sich umzuverlieben und nennen mich einen Zyniker, weil ich glaube, dass Liebe meistens eine Illusion ist? Nee, es wird Zeit, darüber mal intensiver nachzudenken!
Was bringt Menschen dazu, den Partner auszutauschen? Was bringt sie dazu, ihrem Partner so weh zu tun? Wie gehen sie selbst damit um? Woher kommen eigentlich die "Neuen"?
Das wird uns also die nächsten Wochen beschäftigen und durchs Sommerloch bringen. Mich beschäftigt es zudem aus aktuellem Anlass sehr.
Warum? Na ja, weil LIEBE irgendwie so was wie ein Image ist. Das kann man abstreifen, wenn's nicht passt. Ähnlich wie Popstar Madonna, die sich ab und zu mal neu erfindet. Dann verliebt man sich halt neu – oder macht plötzlich Sex, Aussehen oder was auch immer zum neuen Fetisch. Sind Menschen so? Nein! Menschen, die ihre Partner monatelang hintergehen und dann auswechseln … die sind so. Warum gehen die nie, nachdem sie sich verliebt haben zum alten Partner und sagen, sie haben einen Neuen? Tja, warum ein Risiko eingehen? Wenn man sicher spielen kann?
Ich denke, gesagt zu bekommen, dass man ersetzt wurde, entlarvt jede Beziehung als Fehler. Weil man sich wohl in die eigenen Tasche gelogen hat, als man glaubte, man wäre der anderen Person wichtig. Höchstens eine Wichtigkeit unter vielen. Eine, die leicht ersetzt oder überflügelt werden kann. Wenn es keine Regeln mehr gibt, wird die Liebe zum Spiel ohne Gewinner. Dann spielt jeder gegen jeden. Weshalb alle mal drüber nachdenken sollten, ob Sicherheit eigentlich für unsere Egos so wichtig ist, dass wir Menschen wie Unterwäsche behandeln. Im Ernst: Es macht aus einem selbst doch auch nur etwas Ersetzbares, oder?
Menschen, die ihren Partner wechseln, können aber auch oft nicht anders. Keine Frage! Sie wollen nicht allein sein, sie verlieben sich einfach oder sind gierig nach Neuem. Es passiert sicher häufiger bei unreifen Personen, als bei gefestigten. Trotzdem kommt es von der 18jährigen bis zum 60jährigen Familienvater eigentlich überall vor. Wären Menschen Computerprogramme würde man so was Update nennen.
Sind wir aber nicht.
Computerprogramme, meine ich.
Deshalb reden wir mal nächste Woche darüber wie man sich eigentlich einen Zweitpartner zulegt.
Es ist schlimm und es tut sehr weh, wenn der langjährige Partner sich anderweitig verliebt, aber gleichzeitig eröffnet sich ein neuer Weg, den man sich vielleicht nicht gewünscht hat, der aber einen in eine neue und viel interessantere und prickelnde Zukunft bringt. Man dreht sich dann um und staunt über sich selbst und sagt: "Wie konnte ich eigentlich mit diesem Menschen so viele Jahre zusammen gewesen sein, wie konnte ich nur so blind sein?" Und danach "Ich danke dir mein Schicksal, dass ich jetzt einen anderen Weg gehen darf. Wie schön, dass der alte Trott zu Ende ist. Das Vertrauen in sich selbst spielt dabei nicht die letzte Rolle. Wollen wir doch ehrlich sein, das Neue und Geheimnisvolle mach uns neugierig und gleichzeitig jünger, ja ganz genau, denn plötzlich fühlen wir uns wieder wie vor dreßig Jahren. Ich finde, wir sollten denen, die gehen dankbar sein, weil in Wirklichkeit nicht die, die gehen die wahren Gewinner sind, sondern die, die bleiben, weil sie die Wahl haben. Nicht wahr?
Ein "fligender Wechsel" kommt vor. Tatsache ist, dass es für den Verlassen sehr schmerzhaft ist, besonders wenn es unerwartet geschieht. Diese Handlung zu rechtfertigen, indem man mit dem Zeigefinger auf die scheinbar, verlogenen Beziehungen verweist, ist billig. Es gibt jedoch Menschen, die ständig von einer in die nächste Beziehung flüchten und zwischendurch das Alleinsein nicht ertragen können. Sie haben nie die Chance genutzt sich selber kennen zu lernen und besitzen meines Erachtens ein schlechtes Fundament für eine wahre Beziehung. Wie kleine Äffchen von Ast zu Ast, schwingen sie sich in neue Abenteuer und verlieren zuguterletzt sich selbst. Ausserdem funktioniert das nicht nicht mehr mit 60 und dann kommt das große Lamentieren übes Leben.