Es sind nicht mehr nur die Frauen, die sich verschönern lassen wollen. Auch Männer "gönnen" sich immer häufiger eine Schönheitsoperation.
Früher war es eine Domäne der Promis und Reichen. Heutzutage unterziehen sich immer mehr Normalbürger einer oder gleich mehrerer Schönheitsoperationen. Für viele ist das gleichbedeutend mit einer Steigerung ihrer Lebensqualität. Das Körper-Tuning gleichsam als Ego-Tuning. Und es sind nicht mehr ausschließlich Frauen, auch immer mehr Männer „gönnen“ sich eine Schönheitsoperation – und werden dabei immer jünger.
Die Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC) stellte 2010 steigende Zahlen fest. Nach wie vor sind es vornehmlich Brustvergrößerungen, die bei den Frauen an erster Stelle liegen. Bei den Männern sind es Lidstraffungen. Viele würden eine Optimierungsmaßnahme in Erwägung ziehen, so das Ergebnis verschiedener Umfragen. Und immer jüngere Menschen stehen ihrem Äußeren immer kritischer gegenüber.
Gestraffte Bauchdecken, Fettabsaugungen, Brustvergrößerungen oder -verkleinerungen, jede Region des Körpers kann irgendwie aufgebessert werden. Auch die Genitalchirurgie erfreut sich immer größerer Beliebtheit. In Großbritannien beispielsweise hat sich die Zahl der Labienreduktionen, wie die Verkleinerung der Schamlippen im Fachjargon heißt, in den letzten fünf Jahren fast verdoppelt. Nur ein geringer Anteil dieser Eingriffe hatte tatsächlich medizinische Indikationen.
Was aber sind die Gründe für diesen irritierenden Trend? Soziologen vermuten dahinter den gesellschaftlichen Wandel: Traditionelle Bindungen verlieren zunehmend an Bedeutung. Waren früher die Familie, der Wohnort oder auch der Beruf prägend für unsere Identität, so definiert inzwischen stärker als früher das Aussehen den Menschen.
Früher band man sich „für immer und ewig“. Das gilt heutzutage nicht mehr in der Form. Wir müssen auch in fortgeschrittenerem Alter noch für den Partnermarkt attraktiv sein. Für viele das Entscheidungskriterium für ein Körpertuning. Schließlich müssen wir mithalten und zeigen können, was die Mode heute nicht mehr verhüllt und was von den Medien als sexy, verführerisch und begehrenswert definiert wird.
Die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper ist somit nicht immer im mangelnden Selbstbewusstsein zu suchen, oft wird sie von außen mitbestimmt. Und tatsächlich ergaben Untersuchungen des australischen Mental Health Research Institute, dass sich das psychische Wohlbefinden der meisten Patienten nach einer Schönheitsoperation verbesserte.