Warum klammern so viele Menschen an Beziehungen, die eh nicht funktionieren und ihnen nicht gut tun?
Es bleibt eines meiner Lieblingsthemen. Die Frage, warum sich Menschen eigentlich nicht manchmal einfach trennen. In den letzten Monaten hat sich dabei eine ganz neue Gruppe in meinem Leben aufgetan. Vielleicht habe ich früher nicht darauf geachtet, oder es nicht verstanden. Aber nicht nur viele meiner Freunde, sondern auch ich selbst, litten in den letzten Jahren darunter, in einer Beziehung zu stecken und gegen jede Vernunft nicht Schluss machen zu können. Man hängt fest. Loslassen geht einfach nicht. Auch wenn man sich immer wieder sagt, dass man es gleich tut. Bald. An einem Termin, wenn etwas Bestimmtes passiert. Halt nur nicht jetzt. Ich habe vor nicht allzu langer Zeit über den Teufelskreis des Nichtloslassens geschrieben. Aber so richtig losgelassen hat mich das Thema seitdem nicht. Ich selbst weiß gar nicht, warum es mir auch so ging. Ich habe nie dazu geneigt, mich in etwas zu verbeißen. Eigentlich habe ich immer schnell Schluss gemacht. Bei mir hielt keine Beziehung länger als vier Monate. Aber ich kenne Menschen bei denen geht das über Jahre.
Warum ist das so?
Ich glaube man muss erstmal grundsätzlich eines dazu verstehen: Man kennt die Menschen, die man liebt nicht. Man ist zu nah dran, projiziert zu viele von seinen Hoffnungen auf sie, teilt zu viel. Man übernimmt zu viel von dem, was der andere über sich denkt. Und was wissen Menschen schon über sich selbst?
Außerdem liebt man Menschen. Liebe lässt einen Dinge nicht mehr klar sehen. Man weiß nichts über das Leben des Anderen außer dem, was er erzählt. Selbst wenn man das realistisch beurteilen kann, erfährt man nur, was der andere erzählen will und kann. Das, was der andere für wichtig hält. Das Peinliche, Unerträgliche, Geheime, Unverzeihliche, Perverse, Lapidare, lang Vergangene ist nicht mehr da. Die Kindheit? Fragmente! Die Ex? Weichgespülte Versionen, die im besten Fall ein bisschen Eifersucht kreieren! Karriere? Nur das Best of! Frühere Beziehungen? Gott, ich kann nicht mals mehr die Lieblingsgerichte oder Wandfarben all meiner Ex-Freundinnen aufzählen. Klar, ich weiß noch wie ich mit ihnen zusammen kam und wie es endete. Aber wie lebte ich mit ihnen? Wie war das neben ihnen aufzuwachen? Wie neben ihnen einzuschlafen. Jetzt fallen mir die zehn besten und schlimmsten Momente ein, aber kein einziger, der neutral und gewöhnlich war. Kurzum, ich erinnere mich nicht mehr. Nur noch an das Skelett aus Drama und Spektakel. Was kann ich also über mich und Frauen sagen? Nur die paar Dinge, die ich für mich selbst als „Wahrheit über Sebastian Leyendecker“ ausgemacht habe, kann ich weiter geben. Und meine Partner können sagen, dass die wahr oder falsch sind. Wow, das sind ja eine Menge Infos, oder? Und der Rest? Weg. Nicht zugänglich.
Nein, wir kennen uns nicht. Ebenso wenig kennen wir die Menschen, die wir lieben. Und sicher kennen wir sie nicht, wenn wir sie nicht kennen wollen. Denn man stelle sich vor, dein Partner sagt etwas über dich selbst. Was bedeutet es dann, wenn …
Der Grund liegt in einem selbst. Der Grund, warum man nicht Schluss machen kann. Man hofft, dass irgendetwas anders wird, weil man es braucht. Und mit Hoffnung ist das so eine Sache. Hoffnung ist ein Verräter. Hoffnung lässt dich kämpfen und hält dir den Sieg vor Augen, immer wieder, egal wie klar es ist, dass du verlierst. Kommt die Niederlage dann, ist sie weg. Keine Hoffnung mehr. Keine Aussicht, dass Dinge sich doch noch zum Guten wenden. Hoffnung ist so irrational wie Angst. Zusammen sind die beiden unschlagbar. Und dieser Hüpfer, den jede Andeutung macht, dass wir doch noch bekommen was wir brauchen, treibt uns weiter. Das fühlt sich gut an. Ja, am Ende halten wir das für Liebe. Was immer Liebe ist. Eine Definitionssache eben. Aber Liebe ist immer gut, oder? Das sagen doch alle, oder? Liebe überwindet jede Grenze und so weiter, richtig? Nein, tut sie nicht. Liebe ist ein Gefühl. Und keine Heiligsprechung. Man kann aus Liebe töten, Fehler machen und sich selbst weh tun. Wenn man erstmal in diesem Spiel ist, dann ist Liebe bestimmt die „Liebe“, die man mal gesucht hat. Es ist ein Etikettenschwindel.
Ach ja, wenn man damit klar kommt, tut der Trieb noch sein Übriges hinzu. Sex lässt einen so viel besser fühlen, oder? Guter Sex und eine schlechte Beziehung sind eine echt miese Kombination. Echt mies. Aber witzigerweise scheint gerade der Umstand, dass Beziehungen kaputt sind, irgendwie zu ebenso kaputtem Sex zu führen. Was meistens erstaunlich viel Spaß macht. Komisch, oder? Das überlasse ich jetzt aber mal dem Sexualitätsblog.
Andere Faktoren: Angst vor Einsamkeit, schlechtes Gewissen. Die Befürchtung, nichts Besseres mehr zu bekommen. Die perverse Neigung, Typen toll zu finden, die einen mies behandeln oder die die typisch männliche Eigenschaft pflegen, nicht auf Angebereien verzichten zu können. Finanzielle Abhängigkeiten. Gemeinsame Kinder. Oder Kinderwunsch. Zusammen leben. Oh ja, dass ist ziemlich mies. Zeit. Zu viel Zeit zu zweit. Alles Gründe, warum man bleibt, obwohl bleiben einen unglücklich macht.
Ist das alles so schlimm, was ich oben beschrieben habe? Hm, ich weiß nicht. Ist es bei euch auch so? Sagt mir, wie ihr es findet! Ich machte mir immer weiß, es wäre alles gut und dann war doch nur alles furchtbar. In der Retrospektive find ich’s furchtbar und bin froh, dass es so fix vorbei war und ich wieder der erwachsene Basti wurde. Der manchmal neben sich selbst steht und mal kritisch beobachtet, ob das alles so clever ist, was er da gerade tut.
Nicht loszulassen ist eine der schmerzhaftesten Möglichkeiten mit einer kaputten Beziehung umzugehen. Und nur, weil es manchmal besser wird, heißt das nicht, dass es nicht auch mal wieder schlimmer wird. Aber ich kann schlecht sagen, Sie sollen irgendetwas besser machen. Versuchen Sie lieber gar nicht erst an diesen Punkt zu kommen. Denn von da an wird das Leben allein oder zu zweit einfach nicht mehr gut.
Ganz ehrlich: Was will mir der Autor damit sagen? Immerhin ist er ja nach seiner Aussage nur maximal 4 Monate mit seinen Partnerinnen zusamengewesen, weil er dann Schluß machte. Somit kann er kaum echte Partnerschaft kennen gelernt haben.
Dies führt mich zu dem “Schluß”, dass hier Fluktuation zwischen Menschen zu gunsten und zu Gewinn der Partnervermittlugsbörsen propagiert wird. Denn wollte man auf Treue und Zusammenhalt setzen, ist diese dann ja brotlos.
Somit: Ziemlich nichtssagender Gefälligkeitsaufsatz pro Elite, eines Juristen, der in der Sparte Psychologie, offenbar wenig profunde Kenntnisse vermitteln kann, außer seiner eigenen denkwürdige Erfahrung.
Warum trennt man sich nicht einfach?
Hm, vielleicht, weil es einen nicht wirklich weiter bringt?
Man verliebt sich, fühlt sich toll, dann fühlt man sich nicht mehr toll und dann huschen wir zum nächsten. Schnell wieder verlieben, und wenn man sich dann wieder nicht mehr toll fühlt, wenn man nämlich selbst was von sich preisgeben müßte (und da gehts nicht um Wandfarbe, sondern, wie erstaunlich, um Hingabe) – vielleicht sogar etwas, was man selbst nicht so toll an sich findet, wenn man also Angst bekommt, daß man in den Augen des anderen nicht mehr ganz so ein toller Hecht ist, ja, dann sollte man sich natürlich ganz schnell trennen, denn wir wollen uns ja alle toll fühlen…
Warum trennt man sich also nicht ganz einfach?
Da, ja da gibt es das Wort Liebe. Verliebt sein, da wachsen einem Flügel, da findet man sich toll und den anderen wunderbar, da bekommt man das Gefühl, man sei ja doch richtig, denn was könnte an einem selbst falsch sein, wenn der andere in einen verliebt ist?
Was der Autor aber nicht zu wissen scheint, ist, daß LIEBE (ja, Großbuchstaben!) nicht in 4 Monaten stattfindet. Liebe läßt sich selbst und den anderen, wie er ist, mit allen Wunden, Wünschen, Unfertigkeiten, Ängsten. Liebe möchte dies sehen, Liebe findet statt, wenn die rosarote Brille weg ist. Kann erst entstehen mit Hingabe, und Wahrhaftigkeit. Wenn man so liebt, trennt man sich schwer, selbst wenn man nicht immer glücklich ist.
“Verrückt”, kann ich da den Autor hören, “entweder man liebt und ist glücklich oder man ist unglücklich und dann liebt man eben nicht mehr, so einfach, fertig aus, schwarz oder weiß.”
Nee, wenns mal so wäre!
Manchmal liebt man. Das muß nicht weh tun, kann aber. Manchmal bleibt man, weil man den anderen so liebt, daß man das Märchen von den guten und schlechten Tagen ernst nimmt. Da fühlt sich das Zusammenleben vielleicht nicht so gut an, wie man es sich gewünscht hat, aber die Liebe ist da. Sagt man dann: “Okay, weißt du, ich liebe dich zwar, aber auf die schlechten, schwierigen Tage, da hab ich keinen Bock, also Ciao!”?
Kann man das einem Menschen antun, den man behauptet zu lieben?
Liebe ist Hoffnung, Angst und was noch?
Das wäre in der Tat furchtbar.
Liebt man, um zu kriegen, was wir meinen zu brauchen, dann sollte man wohl gehen. Ganz schnell. Rein mal aus Barmherzigkeit dem andern gegenüber.
Aber wie meine Vorrednerin schon sagte – der Autor wird genug über Trennung wissen – über die Gründe, es manchmal nicht zu tun, kann er nichts wissen.
Manchmal bringt es einen in der Tat weiter, die schlechten Tage mitzunehmen, sich durchzubeißen. Wenn zwei es wirklich wollen, kann man alles meistern, wie schwierig es auch sein mag – davon bin ich fest überzeugt und lasse mich trotz gegenteiliger Erfahrungen nicht abbringen.
Ah ja- da ist sie wieder: die Hoffnung;-)
Heidrun, das tat gut! Wie recht Du doch hast! Das hätte ich so toll nie schreiben können, aber ich habe bei jedem Satz genickt! Danke!