Noch immer herrscht insbesondere in den Medien das Klischee vom starken Mann mit immerwährender Potenz vor.
Es gibt sie trotz aller gegenteiligen Behauptungen noch immer, die Mythen und Klischees über den „echten Kerl“, den „richtigen Mann“. Und sie verunsichern beide Geschlechter gleichermaßen. Nicht nur Frauen verzweifeln daran, auch so mancher Mann. Dies gilt ganz besonders dann, wenn es um Sexualität geht. Angeblich können sie immer und denken nur an das Eine. Ganz und gar nicht! Auch Männer haben Komplexe und stellen ihre Potenz bisweilen in Frage. Mann kann und will gar nicht immer und überall. Und das macht insbesondere den Jungen zu schaffen.
Es stimmt zwar, dass Männer und Frauen zu Berührungen unterschiedliche Beziehungen haben; so geht es Frauen in erster Linie um die Berührung selbst, das zärtliche Schmusen, Männer hingegen sehen sie als Einleitung zum Sex. Doch Sexualtherapeuten gehen davon aus, dass Männer durchaus das Bedürfnis haben, durch Berührungen Geborgenheit zu empfinden, allerdings wird dieses Bedürfnis häufig verdrängt. So steht der harte Kerl dem richtigen Mann oftmals im Wege, dabei wünschen sich doch alle Beteiligten, sprich Männer und Frauen, eigentlich eine Trendwende.
Studie belegt Trendwende
Und eine solche ist tatsächlich im Anmarsch. Zumindest lässt eine neue Studie dies vermuten. Diese wertete anlässlich des 30jährigen Jubiläums des bundesweiten Sorgentelefons „Nummer gegen Kummer“ mehr als zwei Millionen Anrufer-Protokolle der letzten zehn Jahre aus. Von den Anrufern, so die überraschten Forscher um den Bildungswissenschaftler Klaus Hurrelmann, sind inzwischen 40 Prozent männlich. Noch im Jahr 2000 war es nur knapp ein Viertel. Ein Anzeichen für einen Wandel der männlichen Identität?
Die Hotline ist laut Hurrelmann eine Art Frühsignalsystem für veränderte Lebensstile, sie gebe Aufschluss über die Lebensauffassung junger Menschen und wie sich diese im Laufe der Zeit verändere. Knapp 3.000 Anrufe pro Tag erhalten die ehrenamtlichen Mitarbeiter der „Nummer gegen Kummer“ im Schnitt, innerhalb der letzten zehn Jahre hat sich die Zahl der Anrufer versechsfacht. Dies nicht zuletzt, weil immer mehr Jungen zum Telefon greifen, um sich beraten zu lassen und über ihre Probleme zu sprechen.
Unterschiede bei den Themen
Bei Jungen wie Mädchen geht es in erster Linie um Partnerschaft, Liebe und Sexualität. Bezüglich der Themen gibt es jedoch Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Mädchen haben häufig eher gefühls- und beziehungsbezogene Fragen und schildern Liebeskummer oder Verliebtheit. Jungen wollen meist etwas über sexuelle Praktiken oder Neigungen wissen. Während nur rund 20 Prozent der Mädchen Fragen zu diesem Themenkomplex haben, sind es bei den Jungen 34 Prozent. Jungen haben auch wesentlich häufiger Fragen zu ihrem Körper und ihrem Aussehen.
Sie plagt die Angst vor dem Versagen, sie stehen unter starkem Druck, denn noch immer herrscht insbesondere in den Medien das Klischee vom starken Mann mit immerwährender Potenz vor. Doch gesellschaftliche Veränderungen passieren langsam, und auch kleine Schritte gehören zu einem großen Weg. Umso erfreulicher, wenn Jungen wie Mädchen das Angebot nutzen, über ihre Probleme und Nöte zu sprechen. Ein erster Schritt, der hoffen lässt, dass die Jungen, die beim Sorgentelefon anrufen, später einmal mit ihrer Partnerin offener über sexuelle Belange reden können.