Der Frühling scheint wirklich viele zu beflügeln. Ostermontag war ich mit Freunden an der Elbe essen. Um uns herum saßen offensichtlich viele frisch Verliebte oder aneinander Interessierte, denn das Flirtverhalten war nicht zu übersehen.
Direkt neben uns hatte ich besten Einblick und konnte den Verlauf eines Dates gut beobachten. Nicht, dass ich den Beiden ihre Intimität nehmen wollte, aber sie waren so wild gestikulierend, dass man sie nicht übersehen konnte. Stilvoll hatte man mit Champagner begonnen, zu den Jakobsmuscheln wurde zu einer Flasche Weißwein gewechselt und zu meiner Überraschung wurde der Wildhauptgang mit dem Dekantieren eines guten Rotweins eingeleitet. "Tapfer, tapfer", dachte ich, "die können was ab". Denn die Frau war ein zierliches Federgewicht von geschätzten 50 Kilo.
Wie gut sie das vertrug, zeigte sich wenig später, als ich ihr auf der Damentoilette begegnete. Vor mir am Waschbecken warf sie gerade ihr kleine Schminktasche runter, während sie versuchte, Lippenstift nachzuziehen. "Puh", sagte sie mich anlächelnd, "ich habe doch einen viel größeren Schwipps als ich dachte. Wie peinlich, das ist mein zweites Treffen und mir wird schwindelig." "Keinen weiteren Tropfen mehr und viel Wasser trinken", riet ich ihr. Weiterhin empfahl ich ihr, ihrem Date moderat ehrlich gegenüber zu sein und zu sagen, dass sie wohl im Gefecht des lebendigen Gespräches sich von dem köstlichen Wein hat verführen lassen und nun auf Nullprozentiges umsteigt. Wenn ihr wirklich schwindelig würde oder sie merkt, dass sie nicht mehr gut artikulieren kann, dann solle sie in Erwägung ziehen, das Treffen charmant zu beenden.
Aber unbedingt erklären warum, damit dies nicht als vorgeschobener Grund interpretiert wird und ungewollte Gefühle auslöst. Denn sich angetrunken zu präsentieren, kann nach hinten losgehen. Die Zunge ist gelockert und es können Intimitäten entgleiten, die man mit klarem Kopf nachher bereut. Nicht selten sinkt auch die Hemmung und es kommt zu Zärtlichkeiten, die eigentlich noch gar nicht gewollt waren. Daher ist es besser, die Notbremse zu ziehen und sich zu verabschieden. Das kann mal passieren. War der Kontakt vorher nett, wird dies kein Stein des Anstoßes sein. Vor allem nicht, wenn es ein Ausrutscher war.
Weniger ist mehr
Grundsätzlich sollte man unbedingt mit Alkohol bei den ersten Dates aufpassen. Es muss nicht die Null-Komma-Null-Grenze sein, aber auf keinen Fall sollte es zu viel sein. Betrunken beim ersten Date: Das passiert laut einer Studie von ElitePartner ungefähr 10 Prozent der Flirtwilligen. Dabei unterscheiden sich Männer und Frauen nicht. Aufregung fördert die Wirkung von Alkohol. Durch mehr Adrenalin im Blut und eine stärkere Durchblutung gelangt der Alkohol schneller in den Körper und dadurch stellt sich die Wirkung prompter ein, ist also schlechter zu abzusehen. Durch den betrunkenen Zustand werden eher falsche Signale gesendet. Schnell wird man zutraulich, die Körpersprache wird kontaktfreudiger. Einige Männer fühlen sich zu mehr eingeladen, wenn Frau körperlich wird und es zu vielen kleinen Berührungen kommt. Daher sollte man Herr seiner Sinne bleiben. Gegen ein Gläschen Prosecco ist nichts einzuwenden. Das hilft manchmal, ein bisschen die Verkrampfung zu lösen. Aber unterschätzen Sie die Wirkung gerade beim Daten nicht. Der Flirtfaktor kann nämlich schon ganz ohne Promille zu leichtem Schwindel führen. In diesem Sinne, weniger ist mehr…