Kim berichtet von ihrem Liebeskummer nach einer schmutzigen Trennung.
Wir alle wissen ja, dass das Leben bekanntlich die kuriosesten, aber manchmal auch traurigsten Geschichten schreibt. So auch folgende, die mir neulich eine Klientin in meiner Praxis erzählte.
Kim (49) hatte sich auf ein Abenteuer mit Peter eingelassen. Abenteuer in dem Sinne, dass Kim 15 Jahre älter ist als Peter. Niemals hätte Kim zu träumen gewagt, dass Peter eines Nachts vor ihrer Tür stehen würde, mit dem Satz: "Ich träume seit Jahren von dir, und habe endlich den Mut, dieses auszusprechen."
Dazu muss ich sagen: Peter ist ein Freund von Kims jüngeren Bruder und Kim hat sich seit Jahren heimlich gedacht: "Der Peter ist ein echt leckerer Typ!" Spontan schlug Peter in den nächsten Monaten immer wieder bei Kim auf um ihr "Gute-Nacht-Geschichten" zu erzählen. Sie wissen was ich meine?!
Es passierte, was passieren musste: Kim verliebte sich. Das Gefühl hatte den Kopf überholt und eigentlich wollte Kim das nicht, aber zu spät! Genau diesem Gefühl wollte Peter keinen Raum geben (er hatte genau bemerkt, dass Kim ihr Herz verloren hatte) und flüchtete, bevor auch er sich in dieses Gefühl fallen ließ. Kim hörte von da an nichts mehr von Peter. Heimlich wartete sie jeden Abend und jede Nacht auf ein Zeichen von ihm, ging abends mit ihrem Handy ins Bett.
Happy End unmöglich?
Fünf Monate später rief Paul, der kleine Bruder von Kim, bei Kim an, um ihr freudestrahlend zu berichten, dass Peter mit Katrin (einer alten Schulfreundin von Peter und Paul), fest liiert und überglücklich sei. Zu allem Übel schickte Paul per Mail ein Foto, auf dem Peter glücklich strahlend mit Katrin Arm in Arm glänzte.
Paul, der von Kim und Peter nie erfahren hatte, dachte, seiner Schwester damit eine Freude zu machen und setzte unter das Bild den Titel: "Das neue Traumpaar". Kim traf der Schlag. Natürlich hatte sie vor diesem Moment seit Monaten Angst und ihr war völlig klar, dass es niemals für sie und Peter ein Happy End geben würde. Sie fühlte sich von einem Messer durchbohrt und war völlig außer Kontrolle. Sie hatte keinen Appetit mehr, leichte Panikattacken und Angstzustände, Schüttelfrost, war tief traurig und fiel in eine Depression.
Kein Schutz vor der Liebe
Dieses zeigt uns doch wieder, dass wir uns vor der Liebe nicht schützen können.
Kim hatte seit Jahren eine tiefe Zuneigung für Peter gefühlt und diese immer unterdrückt. Ihren Gefühlen hatte sie nur freien Lauf gelassen, weil Peter die Initiative ergriffen hatte. Trotzdem ist es für sie schwer zu ertragen, dass die wunderbaren gemeinsamen Stunden genauso unerwartet ein Ende finden, wie sie unerwartet begonnen habe. Von Selbstzweifeln getrieben dachte sie: Hat er mich nur ausgenutzt, verschaukelt, hätte ich niemals nachgeben sollen?
Kim hat sich schwer getan am Leben wieder Freude zu finden. Sie hat intensiv an sich gearbeitet, ihre Trauer und ihre Depression mit Hilfe einer Beratung wieder in den Griff bekommen und mittlerweile ist sie wieder so stark, dass sie Peter und Katrin auf Partys ohne Hass und Trauer freundlich gegenüber stehen kann.
Allerdings schlägt ihr Herz immer noch für Peter und das ist für sie mittlerweile ein Glücksgefühl.
Also da gehört ja schon etwas dazu, seiner Liebe dabei zuzuschauen, das er mit einer anderen zusammen ist. Ich weiß auch, dass es möglich ist. Ich lebe in einer ähnlichen Situation und es ist eine große Herausforderung für mich, zu lieben ohne etwas zu wollen. Allerdings steigt auch immer wieder die Sehnsucht auf und ich habe noch kein Rezept gefunden, um damit fertig zu werden, außer dass ich mich immer wieder in Bewegung bringe und schaue, was es sonst noch Schönes im Leben gibt. Ein bisschen Trauer bleibt immer. Was es noch schwieriger macht: Eine neue Liebe kommt dann nicht, weil die ungelebte ja immer noch einen Platz im Herzen hat.
Ja, bin in einer ähnlichen Situation. Eine wunderbare Liebe hat unverhofft begonnen und bevor ich es richtig realisieren konnte, war alles schon wieder vorbei. Was bleibt ist die Sehnsucht nach Berührung, Zuwendung und Zweisamkeit, die vorher gar nicht da war. Das Herz ist verwundet und blutet.
Ich versuche mich abzulenken und auf alles schöne zu schauen, was das Leben bietet…aber man ist einfach nicht offen für eine neue Beziehung, bevor diese Wunde nicht wieder ausgeheilt ist. Und man bekommt immer mehr Zweifel, ob es eigentlich überhaupt mal funktioniert, wird immer vorsichtiger.
Trotzdem denke ich jede Erfahrung, auch wenn sie noch so schmerzhaft ist, bringt einen weiter und macht einen doch letztendlich stärker!