Flirten im Kino ist ja an sich ein bisschen veraltet. Aber warum nicht. Aber: "pssst!"...nicht zu laut, wenn der Film begonnen hat.
Schauplatz: Kino. Was tun, wenn es auf der Leinwand knistert, aber mit der unbekannten Sitznachbarin nebenan nichts anlaufen will? Der Kino-Flirt ist eine knifflige Sache.
Vor zwei Tagen erhielt ich eine Anfrage per E-Mail von einem Mann aus Freiburg, Mitte 40, dem es wahrlich unter den Nägeln brannte. Er berichtete ausführlich davon, dass er letztens alleine in der Kino-Premiere von "Das Lächeln der Sterne" saß. Er hat ein Faible für Romanzen.
Auf der Leinwand flirtete Richard Gere ausgiebig mit seiner Filmpartnerin Diane Lane – und neben dem Autor der besagten E-Mail imponierte eine Frau Anfang 30, die er zwar nicht kannte, die ihm aber sehr gefiel. Sie war anscheinend mit ihrer Freundin unterwegs. Schon zu Beginn des Streifens war er mit dem Kopf eher bei ihr. Jedenfalls, die Geschichte hatte kein Happy End, denn Frank, so wollen wir ihn einmal nennen, brachte trotz zermürbender Gedankenarbeit, die ihm natürlich einen akkuraten Filmriss bescherten, keinen einzigen Satz heraus. Auch nach der Vorstellung kam kein Kontaktversuch zustande, und das war es dann. "Hätten Sie da einen oder mehrere Tipps für mich – dass so was nicht noch einmal passiert", fragte er schlussendlich. Ich hatte. Wie schon im Artikel "Die besten Anmachmethoden" beschrieben, bieten sich "defensive" Vorgehensweisen an, die dem Flirtpartner in spe Rückzugsmöglichkeiten offen lassen (schließlich werden Sie nach einem missglückten Kontaktversuch noch die restliche Zeit des Films nebeneinander ausharren müssen):
1. Man kann eine belanglose Frage zum Film stellen, auf die der andere leicht reagieren kann. "Entschuldigung, wurde Richard Gere diese Mal von einem anderen Sprecher synchronisiert? Klingt doch irgendwie komisch, oder?" Wendet sich das Gegenüber bei der Antwort Ihnen körpersprachlich zu, ist das schon mal ein gutes Zeichen. Fünf Minuten später wäre dann die nächste Bemerkung angesagt.
2. Eine humorvolle Bemerkung über die Schauspieler kann ebenfalls ein "Türöffner" sein. Sollte Ihnen Ihr Nachbar daraufhin die kalte Schulter zeigen, geht leider nix.
3. Versuchen Sie, Ihren Nachbarn auf der Beziehungsebene anzusprechen. So ein Angebot kann wirken: "Ich geh jetzt mal Popcorn holen. Magst du [mögen Sie, je nachdem] auch was?" Dabei sollte man natürlich versuchen, authentisch zu lächeln. Auf diese Frage kann der andere positiv reagieren – wenn er will.
Natürlich kann man während der Vorstellung keinen Small Talk führen. Dieser kann jedoch nach dem Film leichter gestartet werden, wenn man vorher (erfolgreiche) Kontaktversuche praktiziert hat.
Wie süß. Wurde irgendwie stark an meine Jugend erinnert, als man mit dem großen Schwarm ins Kino gegangen war und die ersten zaghaften Annäherungsversuche gestartet hat.
Ansonsten finde ich den Schauplatz "Kino" nihct sonderlich flirt-geeignet. Schließlich geht man mit der Intention die Schnute zu halten und sich einen hoffentlich tollen Film anzugucken dahin.
Aber klar, meint man die Liebe seines Lebens links von sich zu entdecken, spricht natürlich nichts dagegen, Kontakt aufzunehmen und unauffällig näher zu rücken!