Kurbeln Sie die Hormondusche mal wieder an, dann fühlen Sie sich auch nach langer Zeit wie frisch verliebt.
Die Liebe muss bekanntlich gehegt und gepflegt werden. Ein probates Mittel hierzu ist der Flirt. Das wissen die meisten – aber vernachlässigt wird er trotzdem.
Jeder, der mal verliebt war (oder es gerade ist), weiß, dass die erste Phase der Beziehung der "absolute Kick" ist. Das Gehirn schüttet so gut wie alles an Glückshormonen aus, die es auf Lager hat. Man schwebt bekanntermaßen auf Wolke Sieben.
Die Dopamin-Dusche ist vor allem für das himmlische Erleben verantwortlich – aber das Ganze geht vorüber. Das ist nun mal so und muss auch so sein. Stellen Sie sich mal vor, man wäre zwei, drei Jahre völlig high vor Liebesglück. Vieles würde vernachlässigt werden.
Also, der Dopamin-Spiegel sinkt mit der Zeit, dafür steigt aber der Oxytocin-Anteil im Gehirn. Oxytocin ist auch bekannt als das Liebeshormon. Es wird mit dem Erleben von Vertrauen und tiefer Bindung in Zusammenhang gebracht. Gerade Mütter wissen, wovon ich hier spreche, schließlich gehört die Mutter-Kind-Bindung (in der Regel) zum stärksten emotionalen Band zwischen Menschen. Oxytocin ist dabei mit im Spiel.
Jedenfalls kommt es aufgrund der skizzierten hirntypischen Entwicklung beim Verlieben irgendwann zu einem Zustand, den ebenfalls die meisten Paare kennen: Man ist sich vertraut, alles klar, aber es fehlt irgendwie der "Kick des Anfangs". Manche Partner sorgen für eine erneute Ausschüttung des Glücksbotenstoffs, indem sie (wieder) eigenen Hobbys nachgehen, sich selbst verwirklichen oder – fremdgehen. Letzteres bringt zwar auf den ersten Blick auch den Kick schlechthin, ist aber irgendwie einseitig, egoistisch, oder? Auf der anderen Seite bringt man eventuell gleich die komplette Beziehung "um die Ecke".
Bleiben wir realistisch: Es muss beiden Partnern klar sein, dass das "hormonelle Spitzenniveau" zu Beginn der Beziehung nie wieder erreicht werden kann. Aber es ist möglich, gemeinsam ein paar ordentliche "Dopamin-Sprünge" zu machen. Vor allem durch neuartige und aufregende Unternehmungen ist dies möglich. Hierzu einige Anregungen für Paare:
1. An jedem Wochenende mindestens eine Sache gemeinsam tun, die man noch nie vorher gemacht hat.
2. Dem anderen (unverhofft) eine kleine Aufmerksamkeit schenken.
3. Zusammen sinnliche Erfahrungen machen.
4. Sich am Ort des ersten Dates verabreden und das damalige (Flirt-)Geschehen von A bis Z nachspielen.
5. Einen Vertrag abschließen. Darin steht: Abwechselnd überraschen sich die Partner alle zwei Monate mit einer Angelegenheit, die dem anderen erfahrungsgemäß viel Spaß bringt.
Fazit: Ein permanent hoher Dopamin-Spiegel ist in der Liebe nicht möglich. Aber es ist durchaus hilfreich, gemeinsam ein paar Dopamin-Ausreißer nach oben zu provozieren. Die Betonung liegt auf: Gemeinsam!
Also das stimmt nicht so ganz, dass es nur am Anfang kickt. Nach vielen Jahren ist das immer noch möglich, WENN mas es will. Der Clou: Augen offenhalten, den Partner wieder neu erstaunen, mal absacken und dann wieder aufbrausen lassen, das ist mein Rat! Neue Sachen ausprobieren, welche? Auf die man gerade stößt, ohne seine eigene Lust oder Werte zu opfern. Probieren geht über studieren. Mal die Frisur wechseln, die Kleidung, neue Unterwäsche, ihn überraschen, mit ihm flirten, z.B. auch mal bei seiner Arbeit mit einem sexy Kleid auftauchen, wenn man unangemeldet in sein Büro kommt… Das funktioniert ganz sicher! Oder auch nicht zur üblichen Abendzeit zu Hause sein, wenn er kommt, um ihn später zu verführen. Der Überraschungseffekt ist mir immer gut gelungen und hat nicht nur unser Sexleben ganz gut aufleben lassen. Meistens dann, wenn sich nach einiger Zeit Ebbe einsetzte, dann habe ich eben die Flut in Art von Verführung, Flirt und Neues heraufgebracht. Es hat immer funktioniert. Und das schon seit 35 Ehejahren! Wir haben heute den besten Sex von unserem Leben. Ob es sich noch steigern wird? Weiß ich nicht. Aber der Versuch ist es wert! Und unsere Liebe zueinander auch!