Lassen Sie sich von Hollywood-schnulzen nicht unter Druck setzen.
Jetzt ist es endlich bestätigt: Wer häufig Hollywoodschnulzen konsumiert und sich stark beeindruckt zeigt, entwickelt eventuell unvorteilhafte Vorstellungen von einer "wahren Beziehung".
Millionen Menschen fieberten mit ihren Helden auf der Leinwand mit. Und als Sarah Jessica Parker alias Carrie Bradshaw am Ende von "Sex and the City" ihrem Traummann Mr Big (Chris Noth) "Ich liebe Dich" entgegenhaucht, kullerten wahrscheinlich bei der einen oder anderen Besucherin die Tränen. Bis zum Happy End war es aus dramaturgischen Überlegungen wahrlich ein weiter Weg, ein Mix aus Extremen. Zu Beginn der Handlung war alles in Butter, das Pärchen war auf Wohnungssuche. Dann ein (eher zufälliger) Hochzeitsantrag. Alles war gut. Kurz vor der Hochzeit kam der Bräutigam ein bisschen (!) ins Straucheln. Die Katastrophe. Dann folgten Monate des Schmollens. Wie gesagt, ein Hin und Her. Was auffiel: Bradshaw hatte ein sehr ideales Bild von ihrem Traummann. "Big" erfüllte es letztendlich, wie schon gesagt. Doch, und das ist die Frage: Haben die "Sex and the City"-Besucher ein "normales Paar" gesehen? Hierzu möchte ich eine Studie erwähnen, die kürzlich im Spiegel (2/2009) zitiert wurde.
Psychologen der Heriod-Watt University im schottischen Edinburgh untersuchten Hollywood-Liebesfilme, die zwischen 1995 und 2005 erschienen sind. Sie kamen zu einem – für alle Fans dieses Genres – besorgniserregenden Befund.
Die filmische Darstellung verliebter Paare hat mit den realen Verhältnissen so gut wie nichts gemeinsam. So überraschten sich die Celluloid-Liebenden z.B. nach einer Woche mit einem Heiratsantrag. Andererseits warfen etliche Paare die Beziehung nach kleinen Unstimmigkeiten über Bord. (Ich schiebe jetzt mal "Sex and the City" aus den oben genannten Gründen in dieselbe "Film-Ecke".)
Natürlich ist klar, dass Filme den Zuschauer unterhalten sollen. Doch man sollte auch bedenken: Medien beeinflussen auch den Rezipienten. Und in welchem Umfang, das ist sehr schwer zu beurteilen.
Was hat die Untersuchung nun mit unserem Thema Flirten zu tun? Nun, man kann annehmen, dass es kompliziert werden kann, wenn sich zwei Menschen verlieben, die sehr unterschiedliche Erwartung an den Traummann bzw. die -frau haben. So manche Frau, die sich, sagen wir, stark mit einer Carrie Bradshaw identifiziert, hat vielleicht die (für sie) "normale Vorstellung", der Mann möge sie doch begeistert auf Händen durchs Leben tragen, ihr die Wünsche jederzeit von den Augen ablesen (natürlich muss sie sie nicht aussprechen), sie jeden zweiten Tag mit kleinen Aufmerksamkeiten überraschen, nie mit anderen, aber selbstverständlich jeden Tag mit ihr flirten usw. Dann haben wir ein Problem – was freilich nur von ihm als solches wahrgenommen wird.