Warum wir uns manche Ungereimtheiten im Alltag gern schönreden.
Flirten ist bekanntlich ein vielschichtiges psychologisches Phänomen. Daher schaden einige Kenntnisse über unbewusste Mechanismen keineswegs.
Ja, die Wahrnehmung beim Flirt – eine Sache für sich. Ich bin davon überzeugt, dass sich gerade bei Frauen und Männern, die in Kontakt miteinander treten, viel Irrationales in den Köpfen beider Parteien abspielt.
Ein sehr interessantes Konzept ist das der sogenannten „Abwehrmechanismen“. Anna Freud hat sich mit diesem Thema ausgiebig beschäftigt und bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein lesenswertes Abwehrmechanismen-Buch veröffentlicht.
Im Folgenden möchte ich in Kurzform einige entsprechende „selbstwertdienliche Verzerrungen“ und ihre potenziellen Auswirkungen skizzieren (so werden Abwehrmechanismen von Sozialpsychologen genannt).
Zunächst einmal ist meistens die sogenannte Verdrängung relevant. Natürlich ist es ganz „normal“ für uns Menschen, unangenehme, peinliche Seiten an uns selbst zu verdrängen. Ist besser für unser Selbstwertgefühl. Sehr folgenreich kann der Mechanismus aber beim Flirt sein, etwa wenn man verdrängt, dass die Gegenseite gar kein Interesse an der eigenen Person hat. Daher sind Aufmerksamkeit und Offenheit sehr wichtig. Halten Sie sich mit dem „ersten Eindruck“ lieber zurück.
Außerdem sollte man etwas über die sogenannte Rationalisierung wissen. Damit ist die menschliche, allzu menschliche Tendenz gemeint, persönliche Niederlagen und sonstige Ungereimtheiten im Alltag schönzureden, zu „verbiegen“, bis „es passt“. Gewissermaßen lügen wir uns wahrscheinlich in dieser Hinsicht alle ein bisschen selbst an.
Man sollte es aber nicht übertreiben, sondern lieber selbstkritisch sein. Es nützt nichts, nach dem 20. Korb am Abend der Überzeugung zu sein, „dass der Misserfolg immer an den Anderen“ liegt. Der gesunde Menschenverstand darf nicht auf der Strecke bleiben.
Und auch die sogenannte Projektion kann skurrile Blüten beim Flirt treiben. Hierbei werden eigene Motive und Bedürfnisse auf den Anderen projiziert. Das heißt, man unterstellt etwa im Falle von sexuellem Interesse dem Anderen: „Er/sie findet mich auch total sexy!“ Wo so eine „Meinung“ hinführen kann, kann man fast täglich in der Presse lesen, nicht? In weniger brisanten Fällen kommt es „nur“ zu Missverständnissen zwischen den Geschlechtern (etwa: „Echt!? Und ich dachte, Du wärst an mir interessiert!).
Alleine schon die drei beschriebene Abwehrmechanismen können sich als echte Selbstsabotage offenbaren. Behalten Sie daher Ihre innerpsychischen Prozesse beim Flirt im Auge.