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Frisch getrennt trifft klar entschlossen
Frisch getrennt trifft klar entschlossen (Kategorie: Partnersucheblog)
Wenn die Sympathie stimmt, man aber in unterschiedlichen Phasen des Lebens ist ...

Diese Woche hatte ich eine lebendige, aufgeschlossene und attraktive Frau in der Beratung. Gerlinde (42) hatte ein paar Fragen zu ihrem aktuellen Date. Vor vierzehn Tagen trafen sich die beiden das erste Mal. Mutig hatte Gerlinde den 43jährigen Anwalt zu sich nach Hause auf einen Salat eingeladen.

Ein wunderbarer Abend, heitere Gespräche, der Gast kam mit angemessener kleiner Aufmerksamkeit, lobte das Essen, schrieb später, wie wohl er sich mit Gerlinde gefühlt hatte und wie gerne er noch länger geblieben wäre. Nach dem verheißungsvollen Start wurde es komplizierter. Phillips Frau hatte ihn vor drei Monaten nach 25 Jahre Ehe erst verlassen, zwei der drei Kinder sind beim Vater geblieben. Er ist überfordert mit der Umstellung, Vollzeit-Job, nun Vollzeit-Vater und verantwortlich für den Haushalt.

Gerlinde weiß nach drei Jahren Single-Phase nun genau was sie will und merkt, wie ungeduldig sie wird. Sie telefonieren zwar regelmäßig, jeden Tag fliegen SMS hin und her, aber auf ihre Frage, sich wieder zu treffen, kam bisher nichts. Warten fällt Gerlinde schwer, also hat sie ihm eine Email geschrieben. Darin formuliert sie diplomatisch, aber direkt, was sie sich von einer neuen Begegnung wünscht. Sie möchte eine feste Beziehung, ist nicht an einer Bettgeschichte interessiert. Sie kann sich einen Mann mit Kindern im Haushalt vorstellen und sie möchte gerne eines seiner Hobbys kennenlernen, vielleicht beim nächsten Mal, falls er mag, mit ins Stadion zum Eishockey gehen.

Diese Zeilen sind zehn Tage her und bisher gibt es keine Antwort. Gesprochen haben sie seitdem einige Male, aber diese Themen bleiben von seiner Seite ausgespart. Und von ihrer im Moment auch. Ich habe mit Gerlinde in der Beratung erforscht, wer das denn ist, der da so klar in ihr spricht und diese Email geschrieben hat. Sie nannte sie "die Entschlossene". Diese Person haben wir genauer betrachtet. "Die Entschlossene" ist klar, zielstrebig, ehrlich, direkt, hat den Fuß auf dem Gaspedal, möchte mehr. Wir haben anschließend den Blick darauf gerichtet, auf wen "die Entschlossene" zurzeit bei Phillip trifft. Sie gab ihm den Namen "Der langsam realisierende Macher". Ich ließ Gerlinde diese Figur erforschen, in dem sie sich in diese hinein versetzen, für sie denken, fühlen und sprechen sollte. Ihr wurde deutlich, dass sich Phillip zurzeit auf einer ganz anderen Ebene befindet. Er muss sein Leben neu sortieren und organisieren. Die Trennung kam unerwartet, er versucht gerade als Feuerwehrmann Brände zu löschen. Zur emotionalen Verarbeitung ist er nicht mal in Ansätzen gekommen, eher fängt er langsam an zu realisieren, was passiert ist. Sein Fuß steht beim Thema Kennenlernen ziemlich auf der Bremse. So gerne er wollte, er kann Gerlindes Fragen gar nicht beantworten.

In der Beratung haben wir nun erarbeitet, ob "die Entschlossene" in Gerlinde so einen Mann aktuell möchte. Einen, der sich – egal wie schön die Gefühle sind und wie groß die Hoffnungen – nicht von heute auf morgen ändern kann. Gerlinde hat für sich heraus gefunden, dass sie nicht genug Geduld und Kraft hat, auf so einen Mann zu warten. Der nur Unsicherheiten vermitteln, mit sich beschäftigt ist und deshalb nur wenig Zeit für eine neue Frau übrig hat. Gerlinde wird noch ein, zwei Wochen abwarten und dann – ändert sich nichts – mit Phillip offen darüber sprechen. Denn sie hat auch das Gefühl, er sucht eine gute Zuhörerin und keine neue Frau. Und in der Freundinnenschublade möchte sie nicht landen.


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19 Antworten zu “Frisch getrennt trifft klar entschlossen”

  • Beate sagt:

    Tja, leider ist die Liebe kein Knopf. Sie hat ihre ganz eigenen Gesetze, Regeln, Bedingungen und vor allem: IHR Timing. Traurig, wenn sich die jeweiligen Timings verpassen. Und schwer wahr zu haben, dass zwar genügend Gefühle und ausreichend Anziehung im Spiel sind, das böse Timing aber am Schicksalsrädchen dreht.
    Liebe Frau Fischbach, Ihren Fall betreffend kann ich nur folgendes sagen:
    Armer Philip! Ein 43 Jähriger, der 25 Jahre Ehe hinter sich hat -sprich, seitdem er 18 ist mit der einen Frau zusammen war- und nun 2 Kinder im Haus hat, braucht keine Gerlinde. Er braucht eher eine ihn unterstützende "Gabi" – eine, die ihm unter die Arme greift, ihm Halt, Kraft und Zuversicht gibt.
    Nicht eine, die zusätzlich noch an ihm zerrt und der garantiert alles zu wenig Aufmerksamkeit sein wird. Aber auch eine Gerlinde hat ihre Geschichte und ganz eigenen Gründe, warum sie so ungeduldig ist. Hat sie schon mal auf jemanden gewartet und will das nie wieder? Kann sie einfach nur nicht alleine sein?
    In beiden Fällen ist sie bei Philip natürlich ebenfalls an der falschen Adresse.
    Sie braucht was anderes.

  • Beate sagt:

    Sie hat ja ganz offensichtlich keine Zeit zu verlieren. Nicht mal einen Monat nimmt sie sich (Torschusspanik??), um zu schauen, wie es so weiter geht und rennt zu einer Psycholgin in die Praxis. Ganz ehrlich, da kann ich nur Kopfschütteln und sagen: das passt nicht. Geht ihr auch scheinbar nicht um Philip an sich, sondern um "Jemanden". Plus klassischer Fall von extrem blödem Timing.
    Glück haben dennoch beide gehabt! Denn noch bevor etwas tieferes entstehen konnte, rennt schon der/die eine. Somit ist der Verlust nicht wirklich schmerzlich/erwähnenswert und das Motto der 2 darf lauten: der/die Nächste bitte!
    Willkommen im 21 Jahrhundert, in dem viele Menschen nicht mehr bereit sind, steile Wege für eine Liebe zu gehen!

  • Ellen sagt:

    Bei Frauen wie Gerlinde bekomme ich stellvertretend für die Herren der Schöpfung Atemnot. Anfang 40 und möglichst schnell einen Versorger finden! Auf dieser Suche nerven natürlich "Philips", "Gerlindes" aber auch. Ich kann jeden Typen verstehen, der vor solchen Frauen Angst hat und rennt!

  • ullinka sagt:

    Nach einer langjährigen Beziehung braucht man nach meiner Erfahrung mindestens ein Jahr, um zu einer neue Bindung fähig zu sein. Es ist meist sehr egoistisch, sich auch dem Gefühl der Verlassenheit in eine neue Beziehung zu begeben. Der neue Partner wird gezwungen, die Defizite auszugleichen und läuft dabei gegen die Wand. Lieber erst sich selbst sotieren um dem neuen Partner eine faire Chance zu geben.

  • Kai sagt:

    Ich finde mich im dem Artkel leider wieder. Vor Jahren machte ich den gleichen Fehler und suchte eilig eine neue Bindung. Damit habe ich nur verletzt. Fazit: Zu sich selbst finden und mit der neuen Lage klar kommen. Dann erst eine neue Bindung suchen.

  • Linda sagt:

    Habe ähnliche Situation erlebt. Ich kann jeder Frau nur abraten, es kostet zu viel Energie und leistet Beziehungsarbeit (jedoch nicht in eigener Sache) gleich mit. Interessant, dass es immer die gleiche Aufstellung ist, Mann kurz getrennt, zieht sich zurück und/oder fordert ohne Invest – Frau leistet die Arbeit. Mädels, Finger weg! Die Jungs sollen sich erstmal selbst auf die Reihe kriegen.
    Ahoi von Linda

  • K.L. sagt:

    Hallo Frau Fischbach,
    ich befinde mich in einer ähnlichen Struktur und ihr Beitrag hat mich gestern Abend noch lange beschäftigt. Ein guter Lösungsansatz. Vielen Dank!
    Viele Grüße, K.L.

  • manuela sagt:

    Super Beitrag!

  • Tom sagt:

    Stelle immer wieder fest, dass unterschiedliche Erwartungen ein unüberwindliches Handycap sind. Schade, Gerlinde wird nun auf Distanz gehen.

  • andreas sagt:

    Klärender Beitrag. Glocke vom Kopf und sehe Dinge klarer. Thematik scheint große Schnittmenge zu haben.

  • Sieglinde sagt:

    Ich kann aus eigener Erfahrung nur sagen: Hände weg von Männern, die noch an ihrer alten Beziehung knabbern. Da kann man nur verlieren.

  • sven sagt:

    Das "Hände weg" gilt leider auch für Frauen die mit ihren Herzen noch mitten in ihrer Vergangenheit stecken. Habe einen wundervollen Kontakt gehabt, die Frau hat mich sehr in ihren Bann gezogen. Wunderschöne Mails, das erste und einzige Treffen, alles war wie es sein soll, plötzlich konnte Mann sich alles vorstellen, unbeschreiblich schön. Zwei Tage später war der Kontakt beendet, sie wollte nun doch lieber ein zufriedener Single sein

  • Anke sagt:

    Kann dem nur beipflichten, Finger weg von diesem Mann. Meiner letzten Erfahrung nach hängen manche Männer doch mehr an ihren alten Beziehungen, als sie sich selber eingestehen wollen. Man hat dann in dieser Beziehung keine Chance, wenn Männer nicht loslassen wollen.

  • B sagt:

    ich habe vor einem jahr genau die gleiche situation erlebt. man hat mich nur ausgenutzt – das ist das fazit. finger weg von maennern kurz nach der trennung mit kindern im haus – sonst wird man nur zum opfer und suendenbock gleichzeitig gemacht. es hat mich viel emotionen und energie gekostet, allerdings direkt nach der trennung konnte ich endlich atmen und leben!

  • Evi sagt:

    Ullinka spricht mir aus der Seele!

  • monika sagt:

    Aus eigener, langer und leidvoller Erfahrung, was einen potentiellen neuen Partner betrifft, der noch über beide Ohren in der Verarbeitung der alten Beziehung war, kann ich nur sagen: Zügig handeln, ansonsten läuft man Gefahr selber Schaden zu nehmen. Der Partner ist nicht in der Lage, die notwendigen Prioritäten zu setzen und ist gnadenlos überfordert. Umgekehrt wird man selber ständig verletzt und hintenangestellt. Tut nicht gut und sehr weh.

  • Marianne sagt:

    Mir hat der Artikel von Frau Fischbach sehr gefallen da ich die Herangehensweise sehr gut finde herauszufinden wo jeder steht. Das ist so oft das Problem wenn man sich neu kennenlernt. Klar zu erkennen "wo stehe ich". Und das ist eben nicht immer auf derselben Seite vom Gleis um den Zug zur Partnerschaft zu besteigen. Leider. Ich fand die sehr einfühlsame aber auch sehr klare Art des Umgangs mit der Situation von Gerlinde und dem Anwalt, als angenehm empfunden. Sie weiß was sie möchte und warum soll sie auf einen Mann eingehen und ihre Zeit verschenken wenn es: 1. nicht die große Liebe ist, 2. er noch richtig viel Zeit braucht um selbst festzustellen was er überhaupt möchte. Ihr ist klar was sie will und das ist es leider vielen Frauen nicht. Sobald sich ein Mann für sie interessiert spielen sie die Verständnisvollen-Rolle und sind aber insgeheim gefrustet daß er nicht regelmäßig mit ihr etwas unternimmt, was sie insgeheim möchte. Ich finde sie hat das super gemacht sich Unterstützung zu holen um herauszufinden wo sie steht. Gerlinde wird so auf jemanden treffen der auch klare Vorstellungen hat :-) .

  • k.j. sagt:

    Ja – ich denke auch, besser sich nach 2 Wochen Unterstützung beim Nachdenken und der Entscheidungsfindung holen, als nach, wie bei uns, 9 schwierigen, wenn auch zeitweise sehr schönen Jahren und 2 gemeinsamen Kindern, immer wieder feststellen zu müssen, dass es einfach unmöglich ist einen gemeinsamen Nenner zu finden (wobei unsere Ausgangssituation ähnlich war

  • Sylvia sagt:

    Ich wundere mich immer wieder, wieviel verwundete Seelen in dieser Welt herumlaufen. Wenn man die Kommentare hier liest, ist häufig von "eigener leidvoller Erfahrung" die Rede. Vielleicht sollten diese Menschen mal den Blickwinkel ändern und begreifen, daß das wertvolle und bereichernde Erfahrungen sind. Wer möchte denn am Ende seines Lebens sagen "Es war immer alles eitel Sonnenschein, Friede, Freude, Eierkuchen, aber entwickelt habe ich mich nicht dadurch."? Wer das will, sollte sich vielleicht auch schleunigst mal einen Termin bei einem Therapeuten geben lassen. Nichts für ungut!