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Geteiltes Leid ist nicht immer halbes Leid
Geteiltes Leid ist nicht immer halbes Leid (Kategorie: Partnersucheblog)
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Ehrlichkeit ist für viele ein sehr hoher Wert in der Partnerschaft. Den Wunsch danach spüren die meisten. Schließlich schafft ein offener und ehrlicher Umgang miteinander Vertrauen und das Gefühl, sich auf den Partner hundertprozentig verlassen zu können. Wie wir aus Studien langjähriger Paare wissen, ist das einer der entscheidenden Faktoren für dauerhaftes Beziehungsglück.

Doch es ist nicht immer ratsam, alles zu gestehen. Frau M., 53 Jahre kam in meine Praxis, weil sie hinsichtlich ihrer Gewissensbisse nicht mehr weiter wusste. Sie befand sich gerade in einer sehr schwierigen Lebensphase. Ihr jüngster Sohn hatte als Letzter für sein beginnendes Studium das Haus verlassen, ihr geliebter Labrador musste eingeschläfert werden und ihr Bruder war nach schwerer Krankheit vor Kurzem gestorben. Frau M. wollte ihren Job nun von zwei Tagen auf Vollzeit aufstocken, um mehr beschäftigt zu sein und die Leere des Hauses tagsüber weniger zu spüren. Was sie aber am meisten bedrückte, waren Bilder, die aus ihrer Vergangenheit hervor drängten. Eigentlich war dieses Kapitel ihres Lebens längst abgehakt. Nun aber schüttelte sie das schlechte Gewissen. Sie hatte vor der Geburt des ersten Kindes ihren Mann einige Male betrogen. Da ihr Ehemann ihr erster Liebhaber gewesen war, hatte sie lange das starke Bedürfnis, auch andere Männer spüren zu wollen und nicht nur mit einer sexuellen Erfahrung alt zu werden. Sie liebte ihren Mann und wäre nie auf die Idee gekommen, ihn zu verlassen. Nach ein paar „außerhäusigen“ Erlebnissen hätte sich ihre Neugier gelegt und das Bedürfnis kam auch nie wieder in dieser Stärke auf. Diese Untreue wolle sie nun ihrem Mann endlich gestehen. Sie fühlte sich zunehmend schlecht damit, obwohl es Jahrzehnte lang kein Problem für sie war. Doch heißt es nicht immer: Geteiltes Leid ist halbes Leid?

Das schlechte Gewissen ist einer der häufigsten Triebfedern, warum plötzlich der Wunsch entsteht, dem Partner alles zu beichten. Im Vordergrund stehen damit nicht zuallererst der Partner und ein wiederbelebtes Bedürfnis nach Ehrlichkeit. Vielmehr steigt der Druck über den Vertrauensmissbrauch und das Aushalten eines abgründigen Geheimnisses immens in einem an. Die Intention zur Beichte ist daher oft egoistisch motiviert. In Fällen wie dem von Frau M. muss man sich jedoch ernsthaft fragen, was das Geständnis bringen und für die Beziehung bedeuten würde? Wahrscheinlich würde es die Partnerschaft in eine tiefe Krise stürzen. Denn eigentlich ist ihre Liebe seit vielen Jahren lebendig und glücklich. Das vergangene Kapitel ihres Lebens hatte bisher keinen Einfluss auf die Beziehung.

Was ist also der Grund für diese Gefühle? Durch die Belastungssituation der aktuellen Lebensumstände entwickelt Frau M. starke Schuldgefühle, die sie vorher nie in der Form hatte. Erst die depressive Lebensphase lassen diese Emotionen entstehen. Doch in ihrem Fall ist es ratsamer, die Verantwortung für ihr vergangenes Liebesleben, was sie damals auch alleine trug, jetzt ebenfalls mit sich selber auszumachen. So schwer es fällt, dass Gewissen nicht erleichtern zu können. Doch die Konsequenzen könnten verehrend sein. Denn das oben erwähnte Sprichwort bewahrheitet sich nicht immer: Geteiltes Leid ist eben nicht immer halbes Leid. Und manchmal ist Schweigen eben wirklich Gold. Oder eben Reden – aber dann, bevor etwas passiert!

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