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Heimliche Schnüffelei – Spionage im Profil
Heimliche Schnüffelei – Spionage im Profil (Kategorie: Partnersucheblog)
Vertrauen muss aufgebaut werden - man kann es nicht erzwingen!

Die Online-Partnersuche macht sehr viel Schönes möglich: Sie kann zu berührenden Momente führen, von symbolischen Ritualen begleitet werden, mit schönen Situationen überraschen. Sie hat aber auch ihre Schattenseiten und bietet Möglichkeiten, misstrauisch im Profil des anderen zu spionieren.

Einen interessanten Mann oder eine tolle Frau übers Internet kennenzulernen, ist das Ziel fast all derjenigen, die sich auf Online-Partnersuche begeben. Gekrönt wird die Initiative, funkt es auch noch beim Treffen außerhalb der digitalen Welt. Spätestens bei den ersten Intimitäten stellt sich für die meisten die Frage, ob man nun füreinander exklusiv sein will, also nur noch seinen Gefühlen zu dieser einen Person nachgeht. Die amerikanischen Dating-Regeln legen diesen Moment klar fest. In einem Gespräch stimmen beide Seiten explizit und verbal der wechselseitigen Exklusivität zu, was sie zu Boy- and Girlfriend macht. Ansonsten ist Parallel-Daten in den USA normal. Hier zu Lande eher weniger. Das führt zu Unsicherheiten, weil nicht klar ist, wie der andere zu diesem Thema eingestellt ist. Partner, die sich an einem gewissen Punkt füreinander entscheiden, besiegeln das häufig mit einer bedeutungsvollen Geste: Sie melden sich bei der Online-Partnersuche zusammen ab.

Was aber, wenn es nicht rund läuft? Ich höre in meiner telefonischen Single-Coaching Sprechstunde nicht selten, wie das Profil des anderen nach negativen Spuren abgesucht wird und wie vermeintliche Funde interpretiert werden. Wann war der letzte Login des anderen? Ah, ertappt: Sie war gestern wieder angemeldet, obwohl vorgestern das zweite Date war und wir uns küssten. Zweifelnde sehen sich darin bestätigt, dass man es nicht wirklich ernst mit ihnen meint oder der andere gar zwei oder mehr Eisen im Feuer hat. Denn eigentlich müsste keiner mehr von beiden ins Netz, denn gemailt und telefoniert wird bereits über die privaten Kanäle. Also, klarer Beweis!

Die meisten sprechen solche Situationen nicht an, wollen sich nicht die Blöße für ihr Misstrauen geben. Dennoch kontrollieren sie heimlich immer weiter. Das ist meiner Meinung nach grundverkehrt. Zwar ist das Profil in gewisser Hinsicht öffentlich und die Schnüffelei nicht verboten oder so gravierend wie der Blick in das achtlos umher liegende Handy. Dennoch ist es besser, sich gegen diese neugierigen Blicke bewusst zu entscheiden und Unsicherheitsgefühle offen anzusprechen. Sicherlich ist das schwieriger, schließlich offenbart man somit intime Gefühle. Doch bietet die direkte Auseinandersetzung mit solchen Gefühlen die Chance zu mehr Begegnung und damit verbunden zu mehr Nähe.
Bei wem sich hingegen immer mehr Unsicherheiten breit macht, weil der Umgang unehrlich wirkt, die Nähe nicht verbindlicher wird, das Kennenlernen vermeintlich grundlos stockt oder Ungereimtheiten auftreten, der sollte sich auf sein Bauchgefühl verlassen und das direkte Gespräch suchen. Ist keine befriedigende Klärung möglich, sollte über mehr Distanz und Selbstschutz nachgedacht werden.
Der Wunsch nach Sicherheit in der Liebe ist mehr als verständlich. Das Bedürfnis danach unterschiedlich groß, je nachdem wie gut man in der Lage ist, Vertrauen aufzubauen. Doch Sicherheit ist nicht zu erzwingen oder auf dem Wege zu erzeugen, indem man versucht, alles zu kontrollieren. Liebe braucht Vertrauen. Das schenkt man seinem Partner und bekommt es im besten Fall auch wieder von ihm zurück. Auf jeden Fall entsteht kein Vertrauen mit der Holzhammer-Methode.


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2 Antworten zu “Heimliche Schnüffelei – Spionage im Profil”

  • Anna sagt:

    Liebe Frau Fischbach,
    natürlich stimmt es: Es gehört sich nicht, hinter jemandem herzuschnüffeln. Ich würde gar nicht auf die Idee kommen, in ein herumliegendes Handy zu gucken.
    Aber das kann man auch gar nicht vergleichen, finde ich.
    Als ich anfing mit der Partnersuche im Netz, hatte ich das Gefühl, im Tal der Gesetzlosen gelandet zu sein. Viele, die im Netz unterwegs sind, nehmen es nicht so genau mit der Moral, und das ist gerade für die sensiblen und "anständigen" Menschen riskant.
    Es braucht Zeit, um jemanden zu finden. Ich finde es wichtig, dass man lernt, sich zu schützen, damit man keine schmerzlichen Verletzungen davonträgt.
    Der Blick auf das Profil des anderen ist meiner Meinung nach , wenn überhaupt, eine lässliche Sünde. Man kann ja auch sehen, wer auf dem Profil war, also ist keine heimiche Schnüffelei.
    Viele Grüße
    Anna

  • Tom sagt:

    Ein schwieriges Thema, was Sie da ansprechen!
    Meine Meinung ist die, dass man, solange man sich gegenseitig keine Exklusivität vereinbart hat, ruhig davon ausgehen kann, dass der andere noch nach anderen Möglichkeiten Ausschau hält. Parallelkontalte sind insofern legitim. (Auch hierzu gibt es bereits einen interessanten Blog!)
    Nicht in Ordnung in diesem Zus.-hang finde ich es, dem anderen nachzuschnüffeln! Wenn man sich unbedingt Klarheit verschaffen will, ist es besser – bei passender Gelegenheit versteht sich – danach zu fragen, wie er oder sie damit umgeht. Sind beide offen und vernünftig, wird man sich hoffentlich einig sein/werden.
    Sich an dem letzten Login des anderen hochzuziehen, ist meiner Meinung nach Kindergarten! An sowas sollte man seine Gedanken und Mutmaßungen nicht verschwenden. Ich denke vielmehr, man merkt im laufenden Umgang, Schriftwechsel, Treffen, usw. sehr gut und relativ schnell, wie wichtig man sich gegenseitig ist.
    Eine Athomasphäre (ständigen) Misstrauens hingegen hat sowieso keine gute Zukunftsaussichten.
    Wenn das Kennenlernen erfolgreich verläuft, irgendwann Gefühle dazukommen (gegenseitig), sich (exklusiv) füreinander einscheidet, ist es nur konsequent, sich zusammen von der Online-Partnersuche abzumelden. Das würde ich dann schon – von meiner in dem Moment ja Freundin/Partnerin – erwarten. Das versteht sich eigentlich von selbst.