Stevan Paul ist ein Meister des guten Geschmacks in vielerlei Hinsicht. Der ehemalige Restaurant- und Fernsehkoch schreibt für namhafte Foodmagazine, arbeitet als Foodstylist und betreibt einen einflussreichen Blog.
In seinem amüsanten Buch "Monsieur, der Hummer und ich" schreibt er von verzweifelten Köchen, unberechenbaren Lebensmitteln und Kellnern mit Schwimmflügeln. Im Interview verrät er, wie man mit kulinarischen Stolperfallen beim Date umgeht.
Herr Paul, warum ist Kochen eigentlich so eine sinnliche Angelegenheit?
Kochen regt alle Sinne gleichermaßen an: Die Geschmacksnerven, Nase und Augen sind gefordert, wird mit den Fingern probiert oder gegessen kommt noch der Tastsinn hinzu. Gemeinsames Kochen und Essen ist kommunikativ und schafft eine Verbundenheit – aus der sich viel entwickeln kann.
Liebe geht durch den Magen! Was soll ich kochen, um einem Menschen meine Liebe auf kulinarischem Wege zu zeigen?
Zeigen Sie schon im Vorfeld Ihre fürsorgliche Seite: Fragen Sie nach Unverträglichkeiten, Vorlieben und Abneigungen. Immer mehr Menschen plagen sich mit Allergien, immer mehr Menschen ernähren sich beispielsweise vegetarisch. Bei der Menü-Planung eines romantischen Dinners gilt für ambitionierte Hobbyköche und Laien gleichermaßen: Bewegen Sie sich eher im unteren Bereich Ihrer kulinarischen Möglichkeiten, Sie wollen am Abend souverän und selbstsicher wirken, Zeit für Ihren Gast haben, und nicht stundenlang nervös in der Küche werkeln. Schwere und stark gewürzte Speisen sind umpassend, "sinnliches" Fingerfood wirkt beim ersten Date plump.
Und was koche ich, wenn ich nicht kochen kann, aber ihn oder sie beeindrucken möchte?
Selbst wer überhaupt nicht kochen kann, kann zum Essen einladen: Ein paar gekaufte Antipasti mit gutem Brot und Olivenöl vorweg, kleine Mini-Quiches aus dem Feinkostladen im Ofen erwärmt, dazu ein Salat mit gekaufter Balsamico-Vinaigrette, Käseauswahl mit Feigensenf und Trauben, zum Dessert gekauftes Mousse au Chocolate oder Eis mit Himbeeren angerichtet – fertig! Der Wille und die Geste zählen.
Haben Männer und Frauen unterschiedliche kulinarische Vorlieben?
Menschen und ihre kulinarischen Vorlieben sind verschieden, gerade beim Kochen sind persönliche Vorlieben wesentlich entscheidender als die geschlechtliche Zugehörigkeit. Die gängigen Klischees – Frau: Salat ohne alles, Mann: Halbes Schwein auf Toast -, sind überholt. Darum ist es wichtig, sich gleich zu Beginn auch auf kulinarischer Ebene kennen zu lernen und die Koch- und Küchenvorlieben des Partners herauszufinden. Auch hier gilt wie so oft im Leben: Toleranz und Neugier helfen.
Und wie kann ich ihn oder sie "weichkochen"?
Gar nicht! Ein liebevoll zubereitetes Dinner bringt beim Liebeswerben sicher Punkte, vermittelt Fürsorglichkeit und Stil, ersetzt aber nicht Charme und Charakter. Grundsätzlich gilt: Weichkochen lässt sich nur, wer sich weichkochen lassen will. Aber klar, ein Menü kann da sicherlich bei helfen. Übrigens: Sollte es mit dem "Weichkochen" beim abendlichen Dinner tatsächlich klappen, beweisen Sie Weitsicht und horten Sie im Kühlschrank schon ein paar schöne Leckereien fürs erste gemeinsame Frühstück. Nur für den Fall.
Welche Tipps haben Sie für das erste Date? Welches Restaurant, welche Küche?
Keine Experimente! Entweder haben Sie sich im Vorfeld schlau gemacht, welche kulinarischen Vorlieben Ihr potentieller Partner pflegt, oder aber: Sie gehen zum Italiener. Es macht keinen Sinn einen Vegetarier zum Griechen auszuführen oder einen Menschen mit Fisch-Allergie zum Sushi einzuladen. Der Besuch eines gehobenen Sternerestaurants oder eines trendigen Designer-Fresstempels kann einschüchternd bis protzig wirken. Die italienische Küche ist bestens geeignet fürs erste Date, da ist für jeden Geschmack etwas dabei, da wird niemand überfordert. Ein Besuch beim Italiener vermittelt zudem Bodenständigkeit.
Und was empfehlen Sie für die Einladung nach Hause?
Auch hier ist das Stichwort Bodenständigkeit. Werfen Sie nicht mit Kaviar und Hummer um sich, sondern beweisen Sie Stil mit einem sehr guten deutschen Winzersekt. Denn: Beim ersten Date muss es kein Champagner sein. Zurückhaltung ist auch bei Tischdekoration und Musikauswahl gefragt, weniger ist mehr. Hochwertige Gläser, sauberes Geschirr und minimalistischer Blumenschmuck genügen, dafür gerne Stoffservietten. Meiden Sie ermüdendes Schummerlicht und stellen Sie nicht zu viele Kerzen auf, das vermittelt Friedhofstimmung statt Romantik.
Sehr geehrter Herr Paul, wir danken Ihnen für das Interview!
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