In Deutschland ist jede siebte Eheschließung eine binationale Verbindung, jedes dritte Kind hat Eltern unterschiedlicher Nationalitäten.
Der Verband binationaler Familien und Partnerschaften iaf e.V. ist eine bundesweite Interessenvertretung mit dem Ziel, das interkulturelle Zusammenleben zukunftsweisend zu gestalten. Geschäftsführerin Hiltrud Stöcker-Zafari erklärt, warum es für binationale Paare oft schwer ist, den Weg in ein unbeschwertes Glück zu finden.
Frau Stöcker-Zafari, welche Besonderheiten gelten für binationale Paare?
Oft müssen diese Paare verfrüht heiraten, wenn einer der Partner keinen gesicherten Aufenthaltsstatus hat. Dieser ist dann an die Partnerschaft gebunden und das stellt häufig eine Belastung für die Beziehung dar. Hinzu kommen häufig Probleme mit Behörden oder bei der Wohnungssuche. Viele Paare berichten, dass die Wohnung, die soeben noch frei war, plötzlich vergeben ist, wenn der nichtdeutsche Partner auf der Bildfläche erscheint. Und dabei gilt nach wie vor: Je dunkler die Hautfarbe, desto öfter werden diese Erfahrungen gemacht. Auch gegenüber Moslems gibt es viele Vorbehalte. Zudem macht auch oft das private Umfeld Stress. Je nach Herkunft des Partners oder der Partnerin geht das von beiden Seiten aus, also auch die Herkunftsfamilie des nichtdeutschen Partners. Auch das ist für eine Beziehung eine Belastungsprobe.
Wie kann so eine Beziehung denn trotz aller schwierigen Startbedingungen gelingen?
Da muss jedes Paar seinen eigenen Weg gehen. Einige finden es schwierig, dass es keine Vorbilder gibt. Die besondere Herausforderung liegt in der hohen Kommunikationsfähigkeit, die ein Paar besitzen muss. Denn ohne diese Kompetenz kann nichts nachgefragt, nachgehakt und verhandelt werden. Auch ist eine hohe Konfliktfähigkeit gefragt, Toleranz und die Bereitschaft, bisher Alltägliches und Selbstverständliches in Frage zu stellen, sich mit anderen Verhaltensweisen und Traditionen auseinander setzen können.
Was sind die häufigsten Probleme innerhalb so einer Beziehung?
Die wenigsten Probleme stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit der unterschiedlichen kulturellen Herkunft. Sie sind eher geprägt von überhöhten gegenseitigen Erwartungen, unklaren Rollenabklärungen oder Ähnlichem. Alles Dinge, die in allen Beziehungen präsent sein können. Hinzu kommen häufig Probleme mit Behörden, bei der Arbeits- oder Wohnungssuche. Natürlich gibt es aber auch kulturelle Unterschiede, wie zum Beispiel ein unterschiedliches Verständnis hinsichtlich der Bedeutung der Familie. Wer gehört dazu, für wen trage ich die Verantwortung, muss ich sie finanziell unterstützen? Auch ein unterschiedlicher Umgang mit Geld oder das Konfliktverhalten wird oft zum Problem.
Und wie werden diese Paare von der Gesellschaft angesehen?
Es gibt Unterschiede in der Wahrnehmung. Bestimmte Ausländer werden kritischer beäugt und sogar abgelehnt. Oft werden Ehen zwischen deutschen Frauen und ausländischen Männern vorschnell als "Scheinehen" abgestempelt. Wenn Männer eine russische oder asiatische Partnerin haben, wird ihnen unterstellt, die Frau "gekauft" zu haben.
Welche positiven Aspekte hat denn eine binationale Partnerschaft?
Viele! Wer mit einem Partner aus einer anderen Kultur zusammen ist, setzt sich mit seiner eigenen Herkunft und mit den alltäglichen Selbstverständlichkeiten auf eine andere Weise auseinander. Wir gewinnen Erkenntnisse, die uns sonst verborgen geblieben wären. Wenn wir die Sprache des Partners lernen, erweitern wir unsere sprachliche Kompetenz. Wir lernen ein anderes Land und dessen Kultur auf eine Weise kennen, wie wir es als Tourist nie tun könnten. Wir erweitern aber auch unsere individuellen Verhaltensmöglichkeiten, werden flexibler im Umgang mit fremden Personen und natürlich auch toleranter. Eine binationale Beziehung bringt uns interkulturelle Kompetenz, von der wir persönlich auf vielen Ebenen profitieren.
Liebe Frau Stöcker-Zafari, wir danken Ihnen für's Interview!
Diese Artikel können Sie auch interessieren:
>> Test: Welcher Beziehungstyp sind Sie?
>> Umfrage: Jeder Dritte hofft auf Urlaubsliebe
>> Ratgeber: Das erste gemeinsame Weihnachten
>> Warum Frauen und Männer unterschiedlich ticken
>> Streitfalle: Nörgeleien in der Beziehung
