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Interview: “Szenen einer Ehe”
Interview: “Szenen einer Ehe” (Kategorie: frisch-verliebt)
Typisch Mann, typisch Frau. Die TV-Moderatoren Judith und Stefan Pinnow decken in ihren soeben erschienenen Büchern die Macken und Marotten ihres Partners auf. Treffsicher und amüsant beschreiben sie Szenen aus dem alltäglichen Beziehungswahnsinn.

Im Interview erzählen sie, warum Männer und Frauen einfach nicht entspannt miteinander leben und lieben können.

Warum Beziehungswahnsinn? Warum klappt es nicht zwischen Mann und Frau?

Er: Männer und Frauen sind wie Feuer und Wasser. Wenn sie brennt, versucht er zu löschen, während sie es doch eigentlich genießt vor sich hin zu lodern und gar nicht "gelöscht" werden will. Wenn meine Frau etwas bedrückt, telefoniert sie erst mit ihrer besten Freundin, um ihr Leid zu klagen. Danach ruft sie ihre Mutter an, dann eine Freundin und anschließend ihre Schwester, um allen das gleiche zu erzählen. Wenn ich mich einschalte um eine Lösung für das Problem vorzuschlagen, sagt meine Frau: Ich will keine Lösung! Ich will nur dass mir jemand zuhört.
Sie:
Das macht es doch aus, dass Männer und Frauen so unterschiedlich sind. Wir denken und fühlen einfach anders als der Partner.

Und darum trifft es irgendwann trotz aller Verliebtheit jedes Paar?

Er: Bestimmte Macken am Partner findet man anfangs ganz neckisch. Später werden sie zur Zerreißprobe. Meine Frau wollte immer einen Hund. Aus Zuneigung habe ich dann irgendwann "ja" gesagt. Was glauben sie, wer jetzt drei Mal am Tag Gassi geht, wer zum Tierarzt fährt und wer aufwischt, wenn der Hund nachts ins Haus kotzt? Das gleiche ist mir mit unserer Katze und mit dem Aquarium passiert. Man muss höllisch aufpassen als Mann.
Sie:
Als Frau auch. Es ist gut, wenn man später sagen kann: Ich wusste ja, wen ich da heirate. Seine Gedankenlosigkeit fiel mir schon sehr früh in unserer Beziehung auf. Wenn er "aus Versehen" meinen Tee ausgetrunken hat. Oder mir beim Fernsehen herzhaft auf meinen Oberschenkel schlägt, obwohl er weiß dass ich da einen Sonnenbrand habe…

So sieht also Ihr persönlicher Beziehungswahnsinn aus. Wo gibt es noch Unstimmigkeiten?

Er: Zum Beispiel beim Thema Geschenke.
Sie:
Er kann mir einfach nichts schenken. Dann kommt er mit einem digitalen Bilderrahmen an, einem Funk-Kopfhörer und lauter unromantischem Männerkram.
Er:
Den Du dir gewünscht hast!
Sie:
Hab ich nicht. Liebe Männer da draußen: Frauen wünschen sich schöne Ringe, die passenden Schuhe, den Mantel den sie Euch im Schaufenster extra drei Mal gezeigt haben. So schwer ist es gar nicht!

Stichwort Badezimmer, auch das ist eine Ihrer Krisenzonen.

Sie: Der Mann an sich braucht zum Waschen eigentlich nichts weiter als kaltes Wasser, ein Stück Kernseife und etwas Sonne, um sich zu trocknen.
Er:
Die Frau im Bad. Eine unterhaltsame Komödie. Mit Überlänge. Da wird zunächst die Creme für die junge Haut ab 30 benutzt. Dann die Tagescreme für trockene Haut, dann die Aufbaucreme, die man leicht verwechseln könnte mit der Bodylotion, der Bodymilk und der Biocreme. Was ich überhaupt nicht verstehe: Sie benutzt niemals nur eine Creme. Und niemals dieselbe für unterschiedliche Körperteile.
Sie:
Ich werde nie vergessen wie mein erster Freund im Schwimmbad entsetzt aufsprang, weil ich ihm zu viel Sonnencreme auf den Rücken geschmiert hatte. Er musste beinahe sterben. Als hätte ich ihm einen Eimer Feuerquallen auf den Buckel gekippt.

Und wie klappt es so in der Küche?

Sie: Als ich ihn kennen lernte konnte er nicht mal Spaghetti kochen. Ich hab ihn mal gefragt wie er sich ernährte bis er mich traf und seine Antwort war: TK-Baguettes.
Er:
Na und?
Sie: Heute kocht er, aber er braucht für alles ein Rezept. Selbst für Spiegelei auf Brot möchte er ein Rezept. "Wie lange muss das Ei in der Pfanne braten?", fragt er. "Bis es fertig ist." Das ist ihm zu wenig. Er braucht Minutenangaben. Es ärgert ihn, wenn er Dinge liest wie "eine Prise Salz" oder "etwas Milch". "Wie viel ist denn etwas?", fragt er verzweifelt. Die Prise Salz würde er am liebsten abwiegen. Er wiegt alles ab, sogar Spaghetti.

Klingt stressig. Wie kann ein Paar trotz allem miteinander glücklich sein?

Sie: Der Tipp ist nicht neu, aber wirksam: Reden! Ihm sagen, was man sich wünscht und was man braucht. Er kann es einfach nicht wissen, er ist nur ein Mann!!! Wir sind jetzt zwölf Jahre glücklich verheiratet. Das Geheimnis ist, die Liebe nicht als selbstverständlich zu nehmen. Liebe muss man pflegen, ihr Raum und Luft geben und keine Angst davor haben, dass sie sich verändert. Natürlich ist man nach all den Jahren nicht mehr schrecklich verliebt ineinander und springt sich abends an der Haustür an. Dafür wird die Liebe tief und groß, so groß wie das Meer, und warm, wie ein ganz weicher Schal, an einem kalten Wintertag.
Er:
Dem ist nichts hinzuzufügen.
Sie:
Dann sind wir uns ja ausnahmsweise mal einig.

Wir bedanken uns herzlich für das Interview!
 

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