Manchmal zeigen Singles nach außen hin Emotionen, die genau im Gegensatz zu den eigentlichen Gefühlen stehen.
Es heißt: Was sich liebt, das neckt sich. Denkt man hierbei an den Flirt, so stellt man fest: Da ist manchmal was dran. Manchmal auch nicht. Ein Drahtseilakt.
Als Lehrer lerne ich immer mal wieder mal Schüler im Unterricht kennen, die eine eigentümliche Logik verfolgen, um mit mir in Kontakt zu kommen. Sie kommen nicht auf die "freundliche Tour", sondern auf die "nervige". Manche stressen mich zum Beispiel so lange, bis ich sie rauswerfe. Beim nachfolgenden Gespräch, in dem ich den Betreffenden zur Rede stelle, merke ich oft, dass das Gespräch das eigentliche Ziel der Störungen war! Nun: Was mir im Unterricht passiert, passiert auch Singles auf dem Partnermarkt. Tatsächlich ergibt sich ein Kontakt manchmal geradezu unter negativen Vorzeichen – und dahinter steckt dann nichts anderes als Sympathie, die anfangs noch im Verborgenen lag. Wahnsinn, oder?
Mir erzählte mal jemand im Flirtkurs, dass er auf einer Uniparty in einem Wohnheim vor einigen Jahren war. Er gönnte sich ein paar Biere und unterhielt sich mit einem Kumpel in der Ecke des Raums. In der anderen Ecke saß eine Studentin, die ihm quer durch den Raum immer mal wieder auf den Zahn fühlte, aber augenscheinlich negativ. Genauer gesagt, sie setzte ein paar Nadelstiche, eben "dumme Sprüche", etwa: "Aha, der Herr trinkt schon sein fünftes Pils!"
Nun, am Ende des Abends saßen die beiden auf einem Sofa und unterhielten sich angeregt. Und dann endete die Angelegenheit mit einem One Night-Stand.
Wie ist das möglich? Tja, manchmal zeigen Singles nach außen hin Emotionen, die genau im Gegensatz zu den eigentlichen Gefühlen stehen, die im Inneren vorliegen. Dieses Phänomen wird auch im Rahmen der Psychoanalyse "Verkehrung ins Gegenteil" genannt.
Im Umkehrschluss heißt das: Ein bisschen Antipathie, vielleicht in Form eines "kleinen Korbs", kann geradezu auf versteckte Sympathie hindeuten. Aber (und das Folgende sollten vor allem männliche Leser berücksichtigen): Ein "Nein" heißt in den meisten Fällen: Nein! Ich meine hier Kommunikationsmuster, die, sagen wir, ein bisschen provokant-liebevoll rüberkommen. Wenn ich jemand sozusagen etwas auf die umgangssprachliche Schippe nehme, so schwingt häufig sicherlich auch mal Sympathie mit.
Singles auf der Suche sollten daher nicht vorschnell die Flinte ins Korn werfen, sollten sie mal eine Antwort präsentiert bekommen, die nicht ins Raster "normale Reaktion" passt. Eventuell ist auch mal ein süffisanter, humorvoller Spruch eine Gesprächsaufforderung.
Und mal ehrlich: Gerade die Unwissenheit, die zu Beginn des Flirts in der Regel auf beiden Seiten vorherrscht, macht die Geschichte ja auch so spannend, oder?