Bei Julia (38) und Simon (41) funkte es letztes Jahr Mitte Dezember. "Seit Anfang Dezember hatten wir uns geschrieben", erzählt Web-Designerin Julia. "Und als wir uns kurz darauf zum ersten Mal sahen, war es Liebe auf den ersten Blick." Und deshalb hätte Julia auch gern das Fest mit Simon verbracht. Aber der hatte bereits andere Pläne.
"Wer frisch verliebt ist, denkt fast nur noch im Wir und möchte am liebsten alle Zeit mit dem Partner verbringen", weiß Diplom-Psychologin Lisa Fischbach. "Wenn das auf Gegenseitigkeit beruht, sollten die Partner die Festtage und bisherige Pläne neu betrachten und auf mögliche Nischen für Gemeinsamkeit hin überprüfen."
Zusammen oder getrennt?
Weil Simon anfangs seine Pläne nicht ummodeln wollte, war Julia zunächst etwas gekränkt. Sie hätte ihre Reise zu ihrer Familie nämlich sofort Simon zuliebe abgeblasen. Doch Single-Coach Lisa Fischbach warnt: "Das Ziel sollte nicht sein, alle Verabredungen und Einladungen abzusagen und auf Biegen und Brechen Freiräume für einen kuscheligen Rückzug zu schaffen." Mal ganz abgesehen davon, dass Sie Familienangehörigen und Freunden ordentlich vor den Kopf stoßen, sollten Sie die Bedürfnisse aller Parteien im Auge behalten. So ein typischer Honeymoon-Rückzug wirkt nämlich schnell rücksichtslos und gerade bei Absagen kurz vor Weihnachten sollten Sie eine erhöhte Sensibilität walten lassen.
Deshalb rät die Psychologin: Befreien Sie sich von Idealvorstellungen bei solch emotional aufgeladenen Festen wie Weihnachten und überstürzen Sie nichts. Finden Sie einen Kompromiss, mit dem sich beide wohl fühlen. Auch, wenn es vielleicht ein wenig Mut erfordert: Gehen Sie ruhig getrenntr Wege an den Feiertagen, wenn die Planung es nun einmal nicht anders zulässt. Solange das in freundlicher Akzeptanz geschieht, ist das laut Fischbach kein Problem.
Den goldenen Mittelweg finden
Das haben auch Julia und Simon im letzten Jahr getan. Sie fuhr zu ihrer Familie, er mit seinen beiden besten Freunden in die Berge in eine Skihütte. Nach den Feiertagen trafen sie sich wieder und verbrachten eine herrliche Zeit miteinander. "Das war viel besser als ein fauler Kompromiss", sieht Julia inzwischen ein. "Gerade Weihnachten ist ein Fest, das mit vielen Gefühlen und Erwartungen überladen ist", so die Psychologin. "Alles soll besonders schön und harmonisch sein. Und das erzeugt Druck, diesen Ansprüchen zu genügen. Gelingt dies nicht, führt das häufig zum Streit." Kein guter Start für eine neu aufkeimende Liebe.
Sprechen Sie über Ihre Planungen und über Ihre Wünsche, wie Sie das Fest verbringen möchten. Wägen Sie ab, welche Konsequenzen Absagen womöglich haben, ob Freunde oder Familie gekränkt sind, wenn Sie einen "Last Minute-Rückzieher" machen. Lisa Fischbach rät zudem dringend davon ab, die Feiertage mit Terminen zu überladen und gleich einen familiären Rundumschlag machen zu wollen, um sich als Paar vorzustellen. Auch das ist kontraproduktiv für das junge Glück, weil so etwas allzu leicht in Stress ausartet.
Zudem erfordert die Vorstellung eines neuen Partners ein besonderes Fingerspitzengefühl. Überstürzen Sie also lieber nichts, nur weil Weihnachten vor der Tür steht. Wenn zwei Menschen sich noch nicht so lange kennen, sollten sie diese Zeit zunächst für sich nutzen. Erst, wenn die Zeit wirklich reif ist, geht es an die Vorstellung.
Haben beide das Gefühl, dass es nach kurzer Zeit wirklich passt, können Sie die Chance natürlich gern nutzen. Eine bessere Gelegenheit, einen ganz neuen Partner im Freundeskreis vorzustellen, ist oft Silvester. Denn der Jahreswechsel wird in der Regel etwas lässiger und weniger familiär gefeiert.
Nur nichts überstürzen
Auch hinsichtlich der Geschenke sollten Sie je nach Situation individuell entscheiden. Schließlich gibt es unterschiedliche "Geschenke-Typen". Grundsätzlich besteht allerdings die Gefahr, den neuen Partner mit zu großen Geschenken zu beschämen. Deshalb rät Lisa Fischbach: "Geschenke sollten dem Verhältnis und den finanziellen Mitteln angemessen sein und eine persönliche Note haben."
Ob und wann die Zeit gekommen ist, das Fest der Liebe gemeinsam zu feiern, sollten Sie nach Gefühl entscheiden. Es hängt von Ihren ganz eigenen Bedürfnissen ab. Manche mögen es eher traditionell, andere feiern lieber unkonventionell. Sprechen Sie darüber und gehen Sie bei allen Erwartungen auch mit ein bisschen Coolness an die Sache heran. Eine neue Liebe ist ein zartes Pflänzchen und das braucht zum Wachsen die richtige Mischung aus Zuwendung und Freiheit.
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