Nicht viele Menschen wussten, dass man mich generell um 3 Uhr morgens anrufen kann, weil ich eigentlich nie schlafe.
Ein paar Leute fragten ja, wie es weiter ging mit mir und Anna. Nun, es gibt eigentlich keine Trennung ohne Beziehung. Aber vielleicht sollte ich es trotzdem mal erzählen. Denn ihre offensichtlich schief gelaufene Trennung wurde tatsächlich zum Problem. Daher, mit freundlichem Einverständnis von „Anna“, erzähle ich hier was geschah, nachdem sie zu ihrem Ex zurück kehrte.
Ich selbst fand es eigentlich richtig, fand es nachvollziehbar, was sie da tat. Das war der Vater ihres Kindes. So was zählt. Mehr als „Liebe“, denn die ist nur ein flüchtiges Gefühl, das mehr Verwirrung als Klarheit bringt. Sofern es irgendwen interessierte, hatte sie meinen Segen. Glaubte ich deshalb, dass es richtig war, was sie getan hatte?
Nein. Man wird nicht „Trennungsexperte“ indem man daran glaubt, alles werde gut. Beziehungen sind gut. Sind sie es dann irgendwann erst einmal nicht mehr, kann nur selten, ganz, ganz selten noch irgendwas getan werden, um das wieder zu ändern. Und es braucht meistens Zeit, Hingabe und Bereitschaft, sich zu ändern.
Ihr Ex wollte nicht, dass sie vergeben ist. Ich vermute, dass er sie sich immer als zweite Option hielt. Wie wichtig war das für mich? Nicht sonderlich. Ich war Single und ich war oft genug Single, um zu wissen, dass man nicht jedes Mal, wenn man jemanden mag, damit rechnen darf, dass die Liebe auch erwidert wird. Wir schrieben noch ein paar Mal bei Facebook und quatschten am Telefon.
Dann geriet die Sache für mich in Vergessenheit. Ich wünschte ihr und ihrem Kind alles Gute und schloss damit ab. Bis irgendwann, ein, zwei Monate später, als ich gerade begann, die Einträge dieses Blogs hier zu schreiben, mitten in der Nacht mein Telefon klingelte. Nicht viele Menschen wussten, dass man mich generell um 3 Uhr morgens anrufen kann, weil ich eigentlich nie schlafe. Aus irgendeinem Grund wusste ich aber, dass es sie sein würde. Ich hatte bestimmt seit einer Woche nicht an sie gedacht, aber in dem Moment, als das Telefon klingelte wusste ich, dass es sie war.
Ich nahm ab und sie war es. Was folgte war ein langes, gutes Gespräch über alles Mögliche. Nur nicht über uns oder Beziehungen. Wir guckten zusammen einen Thriller von einem Franzosen der in New York spielte und anschließend erzählte sie mir lustige Geschichten von ihrem Kleinen und als wir auflegten, blieb ich mit einer einfachen Frage zurück: Was war das?
Später erzählte sie mir, dass sie danach auf einen Anruf von mir gewartet hatte. Ich rief nie an. Nicht weil ich sauer war, oder es nicht genoss mit ihr zu reden. Es war wohl einfach nicht so wichtig. Andere Dinge hatten Vorrang. So trieb ich sie aber zu etwas, dass ich mir gewünscht hätte, dass sie es nicht getan hätte. Sie rief auch ein zweites Mal an. Es war dieses Mal abends, nicht mitten in der Nacht. Und ich war eigentlich abgelenkt, aber nahm mir dann doch Zeit für sie, als sie meinte, sie wolle mit mir über was reden. Dann kam eine einfache Frage. Die eine lange Vorgeschichte hatte. Ihr Ex-Freund. Ex-Mann. Wie auch immer. Es hatte nicht geklappt mit ihr und ihm und ihrem zweiten (ich bemerkte lakonisch, es war wohl eher ihr 15ter) Versuch. Besonders deshalb nicht, weil er mit seiner Freundin mittags und mit Anna abends Sex hatte und das zwei Wochen lang und dann offenbar damit prahlte, was für ein toller Kerl er sei. Es war ein Riesenfehler. Sie tat mir leid, weshalb ich mir jeden Zynismus sparte. Ich bin auch Träumen hinterher gerannt, die sich nie erfüllen würden. Habe mein Vertrauen in Menschen gesetzt und dabei alles, was ich über diese wusste und hätte wissen müssen, ignoriert. Ich war auch schon einmal von der Hoffnung in eine Beziehung getrieben worden, der Hoffnung, alles würde gut werden. Nur um festzustellen, dass Hoffnung ein Verräter ist, der dich in die Falle treibt und dann fort ist. Gott, ich hatte über zwei Jahre einen Blog darüber gelesen, den ihr gerade lest.
Ich wusste einfach, dass es so kommen musste. Dann kam die Frage.
Ob wir wohl nach all dem noch eine Chance hätten? Anne fragte es fast ein wenig bittend. Und jetzt würde ich euch so gern erzählen dass alles gut wurde. Wieder einmal, wünschte ich, ich hätte ein Happy End zu bieten. Das wir zusammen kamen, eine tolle Zeit hatten, ich mich mit ihrem Sohn anfreundete und wir heute ein Paar sind, dass alle Probleme gemeinsam löst. Zumindest würde ich gerne sagen, ich hätte ihr noch eine Chance gegeben.
Aber leider habe ich das nicht. Ich hab das nicht gekonnt. Ich war nämlich nicht mehr allein. Die neue Frau in meinem Leben hatte ich witzigerweise wegen ElitePartner kennen gelernt, aber nicht über ElitePartner (obwohl sie da angemeldet war) und wir waren frisch verliebt. Ich und diese neue Frau waren noch kein Paar. Aber ich dachte – und dachte das wohl auch zu recht -, dass Anna zu treffen ein Verrat wäre. Und ich bin zwar Vieles, aber keiner, der die Menschen, die er mag, verrät.
Anna beendete das Telefonat viel zu eilig einige Sekunden später und ich hörte nichts mehr von ihr, bis ich sie kontaktierte und bat unsere Geschichte bei ElitePartner berichten zu dürfen.
Danke dafür, Anna.
Nächste Woche schreibe ich einen Abschiedsbrief. Nein, es geht nicht um irgendwelche unermüdlichen Auslassungen darüber wie man den perfekten Abschiedsbrief schreibt (nämlich gar nicht), sondern es handelt sich um meinen letzten Blog, den ich hier schreibe.
Ja, die ultimative Trennung. Ich trenne mich vom Trennungsblog.
Wie traurig. Die arme Frau. Ich hatte ja auf ein Happy End gehofft. aber dafür würde Herr Leyendecker sicher mit mir schimpfen.
“…sondern es handelt sich um meinen letzten Blog, den ich hier schreibe.”
Danke! Dann laufe ich wenigstens nicht mehr Gefahr, mich mal wieder darüber zu ärgern, mit der Lektüre bloß Zeit verschwendet zu haben…