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Mingles – halb Beziehung, halb Singles?
Mingles – halb Beziehung, halb Singles? (Kategorie: Partnersucheblog)
Wichtig ist, dass eine Beziehung, egal welcher Art, der Bedürfnislage beider Partner entspricht.

Ist das größte Partnerglück eigentlich immer noch die klassische Vater-Mutter-Kind Konstellation – im trauten Heim mit Hund und Garten-Idylle? Sicher gilt diese Beziehungsform für die meisten nach wie vor als erstrebenswertes Ideal.

Doch gibt es einen Trend auszumachen, der eine nicht weniger befriedigende Alternative anbietet.
Nach Meinung von Gesellschaftsforschern ist Konkurrenz auf dem Vormarsch. Nichts elementar Neues, dass alternative Lebensformen ebenso glücklich machen können, wenn sie nur den Bedürfnissen und Wünschen beider Partner entsprechen. Schließlich entscheiden diese beiden ganz allein darüber, was für sie Liebe und Partnerschaft bedeutet. Auch wenn gesellschaftlich meist ein Ideal vorherrscht, gibt es bei der individuellen Gestaltung des Miteinanders kein von außen festgelegtes richtig oder falsch, sondern einen selbst definierten Maßstab.

Was ist also neu an den so genannten Mingles? Auf alle Fälle der Begriff. Es handelt sich bei Mingles um Frauen und Männer, die in Liebe und Familie neue und unterschiedliche Wege gehen. Der Begriff kommt laut Hamburger Trendforscher Wippermann von "mixed singles". Eine Kreuzung von der Lebensform des Singles und eines Paares. Mingles sind das Paradebeispiel für Menschen, die einen Zeitgeist der verbindlichen Unverbindlichkeit feiern. Es sind Paare, die sich z.B. bewusst dazu entschließen, getrennt zu leben, obwohl sie sogar eine Familie sind. Prominentes Beispiel gibt es einige wie Monica Belluci, die mit ihrem Sohn seit 10 Jahren vorrangig in London lebt, während ihr Ehemann seinen Lebensmittelpunkt in Paris hat. Nach eigenen Aussagen empfinden sie die räumliche Trennung als bereichernd für ihre Beziehung. Diese Beziehungsform ist nicht nur ein Privileg der Prominenten, sondern auch unter "Normalsterblichen" durchaus bekannt. Neu allerdings ist, dass es nun einen Namen dafür gibt: Mingles. Für die einen einengende Schublade, für die anderen erleichternd und identitätsgebend zu wissen, jetzt wie ein Mingle zu leben.

Der feine Unterschied, ob eine solche Lebensform – egal wie man sie etikettiert – glücklich macht oder nicht, liegt an der persönlichen Entscheidung und ob sie der Bedürfnislage beider Partner entspricht. Wer aufgrund beruflicher Veränderung aus der Stadt seiner Liebe ziehen muss und in eine Fernbeziehung gezwungen wird, muss für sich neu erkennen, ob er diese Beziehungsform als bereichend und belebend empfindet oder eben als einschränkend und frustrierend. Wer ein starkes Bedürfnis nach Freiheit und Unabhängigkeit hat, für den ist die Lebensform des Mingles sicherlich erfüllender. Für denjenigen, der sich aber nach viel Nähe und Gemeinsamkeit sehnt, nicht. Er würde unter einer solchen Konstellation leiden.

Wie bei so vielen Aspekten und Bedürfnissen in einer Partnerschaft braucht es für eine solche Beziehungsform das passende Pendant, welches in seinen Nähe- und Freiheitsbedürfnissen einem ähnlich und nicht grundverschieden ist. Die vielfache Begründung der Mingles für ihr "getrennt wohnen" in gleichen oder fremden Städten, das ständige Anreisen, Abreisen, neu Treffen, ist, diese Freiheit für die Liebe zu brauchen und somit auch in ihrer Beziehung. Bei dem einen oder anderen verbirgt sich darin auch die Angst vor zuviel Nähe, in Zweisamkeit und Alltäglichkeit zu ersticken, durch zuviel Wir-Identität die Ich-Identität zu gefährden. Jedem das seine. Für den einen Königsweg, für den anderen unvorstellbar, für den Dritten nur eine Übergangsphase. Auch wenn es sicherlich anspruchsvoll ist, gelingt es vielen Paaren auch auf 70 Quadratmetern dem anderen genug Freiheit zur persönlichen Entfaltung zu geben, sich immer wieder neu zu begegnen, Lebendigkeit und Leidenschaft aufrecht zu erhalten, anstatt der Symbiose- oder Nähefalle zu erliegen. Wenn es nicht durch trennende Kilometer von selbst gegeben ist, muss in räumlicher Enge eben besonders achtsam mit dem Erhalt der Unabhängigkeit umgegangen werden.
Über Nähe und Freiheit lässt sich sicherlich streiten. Das wichtigste dabei ist, einen Menschen zu finden, der bei diesen Grundbedürfnissen einem selber entspricht. Denn zu verhandeln gibt es bei dem elementaren Thema wenig.


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6 Antworten zu “Mingles – halb Beziehung, halb Singles?”

  • Sarah sagt:

    Schön, dass es für diesen "Zustand"/diese Lebensform nun auch ein WORT gibt:
    Mingle!
    Auch wenn Mingle wie ein Kleintier oder der beste Freund der Teletubbies klingt, finde ich, dieser spezielle Beziehungsform einen Namen zu geben tatsächlich identitätsgebend.
    David Beckham ist ja schliesslich auch nicht mehr hetero-, sondern METRO-sexuell. Zumindest für uns;-)
    Aber zurück zu den Mingles. (Das Wort klingt irgendwie freundlich und harmlos, wie ich finde)
    Was "ist" (war) man gesellschaftlich, wenn man eine offene Fernbeziehung führt?
    Was, wenn man jemanden liebt und mit diesem Jenigen verbindlich unverbindlich lebt?
    Und das auch noch treu!
    Oder aber offen!
    Aber verbindlich.
    Schnell gebraucht das Umfeld Worte wie Affäre, Geliebte und dergleichen.
    Klingt aufregend und leidenschaftlich, trifft es aber in vielen Konstellationen nicht (mehr) auf den Punkt und stimmt zudem nicht.
    Denn manche Menschen/Paare wählen eine Form, die über "nur verbindlichen sexuellen Kontakt" hinaus geht, ohne sich als Paar zu bezeichnen.
    Aus welchen ganz eigenen Gründen auch immer. Das müssen 2 immer neu FÜR SICH entscheiden.
    Wenn diese 2 sich auch noch LIEBEN, aber NICHT zusammen sind, gerät Karin von nebenan -Mutti sowieso und Oma bloss nicht sagen!!!- ins Straucheln und versteht die Welt nicht mehr!
    Gesellschaftlich zwar "Single", weil ja kein offizieller Partner an der Seite vorzustellen ist, aber im Herzen vergeben (und jetzt meine ich Ausnahmsweise mal nicht aufgrund irgendwelcher Trennungs-Nachwehen), klingt für die meisten kompliziert.

  • Sarah sagt:

    Teil 2
    Wie Frau Fischbach völlig richtig schreibt, braucht es für alles -jedes Beziehungsmodell- das entsprechende Pendant!
    Was des einen Horror ist, ist des anderen Glück.
    Und was des einen Glück ist, ist des anderen Horror.
    Worum geht

  • Steffi sagt:

    So dann weiß ich jetzt doch wenigstens daß wir, mein Partner und ich, Mingles sind und vielleicht können unsere Freunde nach diesem Beitrag endlich verstehen, daß wir durchaus "normal" sind. Er lebt mit seiner Tochter in seinem Haus und ich mit meiner Tochter in meinem. Das ganze durch 35 km getrennt – aber es ist für uns beide seit langem die erste Beziehung die funktioniert.
    Also Mingles: Mut zu neuen Wegen äh Beziehungen!!

  • Lotta sagt:

    Danke von Mingel Nummer 3!
    Und man wollte mich schon in die Kategorie "nicht ganz normal" einsortieren.
    Also ist Mingel jetzt die deutsche Antwort auf LAT?
    (living apart together).
    Egal-wo sind die anderen zum rummingeln

  • Christel_Berlin sagt:

    Herrlich der Artikel! Wunderbar geschrieben und auch angenehm kritisch.
    Ja, schön, wenn eine gesellschaftlich akzeptierte Formulierung auf den Markt kommt für etwas längst Gelebtes. Ist zwar alter Wein in neuen Schläuchen, trägt meiner Meinung nach aber eher zur weiteren Akzeptanz und Liberalisierung auf dem Partnerschaftsmarkt bei.

    Ich kann nur von mir berichten. Ich war 5 Jahren mit meinem Freund zusammen. Ich damals 54, er 59. Ich in Berlin Mitte in eigener Wohnung, er im Berliner Randgebiet in einem Häuschen mit Garten. Für uns war das ideal. Wir hatten eine Stadtwohnung und einen "Landsitz". Am Wochenende waren wir im Sommer meist bei ihm, wenn wir was Kulturelles gemacht haben, haben wir bei mir gastiert. Es hat uns überhaupt nichts genommen, sondern nur bereichert. Wir hatten keine Angst vor zu viel Nähe, sondern fanden das Ganze mehr als die Summe seiner Teile.

    Ich muss auch bemerken, dass es ab einem bestimmten Alter schwieriger wird, seine Haushalte zusammen zu legen. Man hat seine eigene Welt in seinen vier Wänden aufgebaut, die man nicht so leicht aufgeben will. Das ist nicht unbedingt Bequemlichkeit, sondern mehr das Schätzen, was man sich gestaltet hat. Zudem finde ich, dass man im Alter auch die ein oder andere Eigenschaft/Eigenart entwickelt hat, die nicht unbedingt auf 100 Quadratmetern kompatibel ist. Wären wir noch zusammen, wir hätten unsere Haushalte wohl nicht zusammengeführt, weil uns an dieser Stelle nichts fehlte. Wir haben auch so genug Gemeinsamkeiten herstellen können.

    In diesem Sinne, erlaubt ist, was gut tut!
    Christel

  • Ursula sagt:

    Dafür ein Wort zu kreieren ist menschlich. Es gibt für alles irgendein Wort.
    Ich selber habe zwischen Berlin und Frankfurt/M.
    1