Männer sind nicht gerade für übersprudelnde Einfühlsamkeit bekannt. Und auch, wenn es um Verbindlichkeit in der Liebe geht, ziehen sich die Herren der Schöpfung gern einmal aus der Affäre. Doch eine Studie belegt: Es gibt einen Wunderstoff, der den härtesten Kerl ganz sanft werden lässt. Oxytocin!
Dieser Stoff macht uns butterweich
"Das Hormon Oxytocin macht uns sanftmütig und unterstützt die Beziehungsfähigkeit. Das Neuropeptid wird deshalb auch oft als Kuschelhormon bezeichnet", erklärt Diplom-Psychologin Lisa Fischbach. Eine Studie des Babraham-Instituts im englischen Cambridge in Zusammenarbeit mit der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn belegt nun, dass ein Oxytocin-haltiges Nasenspray Männer tatsächlich einfühlsamer macht. Normalerweise wird das Hormon beim Orgasmus ausgeschüttet oder bei stillenden Frauen. Und zwar in großen Mengen. "Diese stimmen uns friedsam und offen", erklärt Lisa Fischbach die Wirkung. "Oxytocin fördert unsere Fähigkeit, Beziehungen aufzubauen, soziale Nähe zuzulassen und Vertrauen zu anderen zu fassen."
Liebe geht durchs Gehirn
Es wird von der Hypophyse, der Hirnanhangdrüse, produziert und gilt als typisches Frauenhormon. Schließlich leitet es die Geburtswehen bei Schwangeren ein, reguliert die Milchproduktion nach der Geburt und beeinflusst auch das Verhalten. "Es nährt nicht nur den Mutterinstinkt, sondern wirkt auch ganz allgemein stabilisierend auf Beziehungen", so Lisa Fischbach. Das Hormon hilft, soziale Nähe herzustellen und dass Partner sich einander zugehörig fühlen. Denn um Bindung und Verbindlichkeit geht es in der Liebe schließlich. Lisa Fischbach: "Liebe und Partnerschaft sind von zentraler Bedeutung für das Erleben von innerer Zufriedenheit und Glück. Schon Freud definierte seelische Gesundheit als Arbeits- und Liebesfähigkeit." Deshalb streben Männlein wie Weiblein nach einer erfüllenden Beziehung. Denn hier finden wir Halt, Geborgenheit und Intimität. Das Gefühl, zu einem zu gehören, sich in ihm zu spiegeln und gemeinsam durchs Leben zu gehen, macht laut Psychologin ausgeglichen und glücklich.
Hirn und Hormone
Es liegt im Trend, die Biochemie unserer Gefühlswelt wissenschaftlich zu ergründen. Doch laut Lisa Fischbach ist die Reduzierung unserer Bindungsfähigkeit auf das Spiel körpereigener Botenstoffe ein wenig arg einfach: "Hormone sind zwar ein Zeichen dafür, dass unser Körper und unsere genetische Ausstattung unser Verhalten mit beeinflussen. Viele der Fragen unseres komplexen Soziallebens lassen sich mit dem Blick auf körperliche Prozesse aber nicht beantworten." So lässt sich auf diese Weise nämlich nicht erklären, was das Geheimnis langjähriger Liebesbeziehungen ist. Oder wie Paare es schaffen, ihre ganz persönliche Liebe lebendig zu halten. Dies wird von vielen weiteren Faktoren bedingt, die von Mensch zu Mensch und von Paar zu Paar variieren. Aus dem Wunderstoff Oxytocin eine Art Liebespille zu machen, die Männer einfühlsamer und treuer macht, bleibt trotz allen wissenschaftlichen Fortschritts vorerst Zukunftsmusik. Forscher planen den vorsichtigen Einsatz von Oxytocin zunächst vor allem bei psychischen Erkrankungen. Zudem haben Untersuchungen ergeben, dass Zuviel des Guten insbesondere bei Männern Ermüdung hervorruft.
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