Andere Länder, andere Dating-Sitten: Strikte Regeln in den USA, arrangierte Traumhochzeiten in Indien und Ein-Euro-Scheidungen im Reich der Mitte zeigen uns, wie unterschiedlich die Partnersuche in anderen Kulturen abläuft. Hier ein kleiner Überblick.
Unsere Umfrage hat ergeben: Jeder dritte Single findet Italiener und Franzosen besonders attraktiv. Kein Wunder also, dass grenzüberschreitende Partnersuche voll im Trend liegt und dank wachsender Mobilität durch Auto, Flugzeug und Co. kein Problem mehr darstellt. Während es in Europa eigentlich kaum Unterschiede im Kennenlern- und Flirtverhalten gibt, lohnt es sich vor allem in weit entfernten Ländern einen Blick hinter die Dating-Kulissen zu wagen. Denn: Schnell entwickelt sich ein kleines Fettnäpfchen zur bösen Stolperfalle, in das wir nicht aus lauter Boshaftigkeit, sondern aus reiner Unwissenheit stapfen. Beugen Sie vor: Unser kleiner Exkurs über die Partnersuche weltweit, hilft Ihnen dabei. Wussten Sie zum Beispiel, dass Dating in Australien keineswegs so locker gesehen wird, wie man meinen könnte? Dort hat ein Treffen von Mann und Frau immer einen romantischen Hintergrund. In Lateinamerika ist das "Machotum" zwar noch weit verbreitet, aber stark auf dem Rückzug. Dafür legt man viel Wert auf gute Manieren und Umgangsformen, um das andere Geschlecht zu umgarnen.
Indien: Tradition und Moderne
Traumhochzeit à la Bollywood: Bis zu 14 Tage können die Hochzeitsfeierlichkeiten in Indien, dem Land von Ghandi, Buddha und tausend weiteren verschiedenen Gottheiten, dauern und kosten dementsprechend ein Vermögen. Viele Eltern verschulden sich dafür ins Unermessliche. Ach ja, das Brautpaar selbst lernt sich häufig erst bei der Trauungszeremonie kennen. 93 Prozent aller Ehen werden noch immer von den Eltern oder älteren Verwandten arrangiert, oft mit Hilfe von Heiratsvermittlungen. Viele junge Leute finden das sogar ganz praktisch, denn sie vertrauen den Erfahrungen der Älteren. Schätzungen zufolge werden im Bereich der Heiratsvermittlungen etwa 180 Millionen Euro jährlich umgesetzt. Tendenz steigend. Viele Singlebörsen haben in den Städten Filialen eingerichtet, in denen moderne Technologien mit alten Traditionen verschmelzen. Interessant: Wer einen potenziellen Partner online gefunden hat, lässt erst einmal einen Abgleich der Horoskope vornehmen. Stehen die Zeichen gut, kann man nächste Schritte in Erwägung ziehen. Passt es von der Vorhersage nicht, wird die Suche fortgesetzt.
China: Umbruch im Reich der Mitte
Immer weniger Chinesen gehen den Bund der Ehe ein. Dafür steigt die Zahl der Scheidungen, denn diese sind hier für umgerechnet einen Euro zu haben. Die Partnersuche für junge Chinesen ist kompliziert: Traditionen und Moderne stehen einander bisweilen im Wege. Der Fokus liegt zudem meistens auf materiellen Aspekten, so wird beim ersten Treffen sofort über Verdienst und Besitztümer gesprochen. Eltern und Verwandte nehmen, ebenfalls wie in Indien, häufig eine kuppelnde Funktion ein und suchen auf Heiratsvermittlungsmärkten, die beispielsweise in einem Park abgehalten werden, nach einem passenden Partner. Die Älteren besuchen in den Städten gern so genannte "Partnerclubs", in denen sie beim Speed-Dating nach einem Partner suchen.
USA: Die Regeln geben den Ton an
Von den Dating-Regeln, die die Partnersuche in den USA bestimmen, haben wohl die meisten Europäer schon einmal gehört. Schließlich unterscheiden sie sich nicht sonderlich von den uns bekannten. Es sind jedoch die Details, auf die es ankommt. Amerikaner sind zum Beispiel recht freigiebig und offen, was die Handynummer betrifft. Kommt es dann aber tatsächlich zu einer Verabredung, kann es durchaus kompliziert werden: Das Wochenende ist fürs erste Date tabu, denn das signalisiert bereits eine besondere Zuneigung und zudem mangelnde soziale Kontakte. Die Pflichten für den Mann sind klar definiert: Er holt sie ab, bringt sie auch wieder nach Hause und zahlt alles – auch den obligatorischen Restaurantbesuch beim zweiten Date. Beim dritten Date gibt es dann zwar keine festen Regeln mehr, aber selbst wenn es romantisch endet, muss das nichts heißen. Denn: Amerikaner strecken ihre Fühler, was die Partnersuche betrifft, gern in mehrere Richtungen aus, um möglichst große Erfolgschancen zu haben.
Afrika: Ich heirate eine Familie
Auch in Afrika geben Verwandte und Bekannte traditionell Hilfestellung bei der Partnersuche, indem sie Suchende mit möglichen Kandidaten bekannt machen. Für Europäer ist die Offenheit bisweilen regelrecht schockierend, denn gleich beim ersten Treffen wird der andere über die eigenen Vorzüge, aber auch Fehler aufgeklärt. Im Gegenzug wird erwartet, diese Informationen vom Gegenüber zu erhalten. Auf diese Weise wird ermittelt, ob der andere der Richtige ist. In Afrika hat die Familie übrigens einen völlig anderen Stellenwert als in Europa. Ein Paar ist nicht nur Mann und Frau, sondern Teil einer Familie, in die sie sich einfügen sollen. Für moderne, junge Afrikaner oftmals eine Gratwanderung, da sie sich mehr und mehr an europäischen und amerikanischen Rollenbildern orientieren.
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