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Praxistest: Überlebensstrategien I
Praxistest: Überlebensstrategien I (Kategorie: Trennungsblog)
Schluss, aus, vorbei. Unser Autor startet seine Serie und stellt die besten Verarbeitungsstrategien vor.

Der Praxistest untersucht diese Woche die drei herkömmlichen Strategien der Trennungsüberwindung. Reden, Trinken, Essen.

Reden

Es ist das älteste Rezept der Welt. Es soll alles heilen und es ist völlig kostenlos. Außer dem Kaffee, den man vielleicht kredenzen muss und den Freunden, die irgendwann genervt sind. Man redet drüber. Redet sich all den Schmerz von der Seele. Fehler. Verletzungen. Erinnerungen. Es hilft. Das kann niemand ernsthaft bestreiten. Ich denke, egal welche Strategie man wählt, man wird nie darauf verzichten können, mit irgendwem irgendwann darüber zu reden. Das Wichtigste beim "darüber Reden" ist natürlich der richtige Partner. Jemand, der ehrlich ist und reflektieren kann, was man ihm sagt, jemand, der für einen da ist, ohne Hintergedanken, ein Freund im eigentlichen Sinne. Wenn man gute Freunde hat, kann sogar "nicht darüber reden" helfen, weil trotzdem alles gesagt ist. Aber ich kann nichts Falsches daran finden, sich mit dem, was passiert ist, auseinander zu setzen, wenn es einen beschäftigt.

Trinken

Umstrittener ist wohl die nächste Strategie. Trinken. Und ich meine da nicht Coca Cola. Ich rede natürlich von Alkohol. Wie Grönemeyer mal so treffend sagte, dem Rettungsanker in der Not. So ganz falsch ist das ja auch nicht. Ich muss sagen: Nach schlimmen Trennungen habe ich mich oft ziemlich betrunken, denn das bringt einem Erleichterung. Zwar nur für ein paar Stunden. Doch wenn es so richtig weh tut, ist das alles, was man erstmal braucht. ABER hier liegt die Gefahr. Offensichtlich. Wer mit Alkohol Schmerz betäubt und nie etwas gegen den Schmerz macht, hat bald ein neues Problem. Und ich muss sagen: Nicht wenige Menschen, die ich mit einem Alkoholproblem kenne, haben sich das nach Trennungen eingefangen. Gerade wenn Alkohol bei der Trennung eine Rolle spielt, wird hier eine Hassliebe geboren, bei der die Trennung nur noch als Alibi wirkt. Alkohol hat halt seine eigenen Gefahren. Und jetzt zu sagen, dass man das einschätzen sollte, ist natürlich Blödsinn. Gerade diejenigen, die es nicht können, neigen dazu ihre Probleme zu ertränken. Was da noch so alles im Alkohol umkommt ist dann eine andere Sache. Daher…Johnny Walker ist vielleicht euer Freund, aber zum Reden taugt er nicht und als Gesellschaft ist er auch nur begrenzt brauchbar. Ich empfehle die Flasche als Ausweg daher höchstens für den ersten Abend. Da allerdings kann sie Wunder wirken. Wenn man mit Freunden etwas trinkt und eine gute Zeit hat.

Essen

Das habe ich nie so richtig in der Praxis ausprobieren können. Wenn ich mich trenne, höre ich immer auf zu essen und fange an Sport zu treiben (dazu bald mehr). Es gibt aber Leute, die stopfen sich bei Kummer mit Essen zu. Zucker soll ja glücklich machen. Aber ich bezweifle, dass eine Schokokuchen-Therapie gegen Einsamkeit hilft. In jedem Fall wird man bei Eintritt auf den Singlemarkt die Trennung dann wohl wieder abarbeiten müssen. Schon allein fürs Selbstwertgefühl. Aber natürlich ist Essen nicht nur das Ersticken allen Schmerzes mit Zuckerbergen. Es gibt ja Verschiedenes, was man tun kann. Zum Beispiel kann man anfangen, sich gesund zu ernähren. Kombiniert mit Sport fühlt man sich dabei bestimmt nicht schlechter. Und Veränderungen, soviel kann man ja mal grundsätzlich sagen, sind gut. Vor allem, wenn man Veränderungen verdaut, die man nicht wollte. Also weg mit Schatzis…sorry…Ex-Schatzis Lieblingsgerichten. Neues ausprobieren. Ich habe mal eine Beziehung ausgeheilt, indem ich begann Sushi zu machen. Klingt dumm? Kam gut an bei Frauen, war lecker und dazu gesund! Das exotische Flair ist ein Bonus. Auch einfach mal das zu essen, was man immer wollte und nie durfte, weil Schatz, Ex-Schatzi mein ich natürlich, allergisch war, das nicht mochte, das nicht gut hieß oder Lebensvorstellungen hatte, die dagegen sprachen. Oh Gott, ein Burger nach einer Beziehung mit einem Veganer führt einem so etwas von deutlich vor Augen, dass Trennungen auch ihre guten Seiten haben.


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14 Antworten zu “Praxistest: Überlebensstrategien I”

  • Laila sagt:

    Genau vor einem Jahr im Herbst (seitdem traurigste jahreszeit für mich) habe ich das Elend auch durchmachen müssen, nach 30 jahre Ehe. Aber was mir wirklich geholfen hat, weder Reden-Trinken-Essen, nur eins hat mir geholfen: weinen, weinen, sobald ich möglichkeit hatte wirklich jeden tag mindestens zweimal.Seit 2 monaten werden die abstände immer grösser…………….

  • Jerry sagt:

    Man kann sowas wahrscheinlich kaum offen sagen, weil soviele Menschen heutzutage mit dem Alkohol kämpfen, aber ich selbst neige dazu nach Trennungen mich ziemlich viel zu betrinken, Parties zu besuchen und Leute zu treffen. Das sind bestimmt nicht die Wochen meines Lebens auf die sehr stolz bin, aber geholfen hat es immer…
    Essen habe ich aber nie probiert. Eigentlich gar keine schlechte Idee.

  • Ros sagt:

    Man kann sich für ganz unterschiedliche Formen, nach so einer Situation, von Auseinandersetzung entscheiden.Ich persönlich hatte das Bedürfnis ca . 6 Wochen lang täglich für eine 1 Stunde joggen zu gehen (ich kam mir fast vor wie ein Jankie). Mittlerweile ist es bei regelmäßigen joggen 3 x wöchentlich geblieben. Meine gesunde Ernährung war eigentlich schon immer bewußt, jedoch ist es dann noch intensiver geworden (es war mir ein Bedürfnis ). Gelernt habe ich dabei den Schmerz auszuhalten und Geduld zu üben, was nicht grade eine Stärke ist. Sich für Alkohol zu entscheiden, um, wie man so schön sagt, den Kummer runter zu spülen, ist leider nur eine momentane Lösung, die kam für mich nicht in Frage. Mit – Jemanden – reden ist sehr hilfreich, jedoch nur wenn sein Gegenüber damit umgehen kann. Wünsche – - Allen Gleichgesinnten – viel Kraft , und die Hoffnung , man geht gestärkt aus dieser Phase raus-

  • britta sagt:

    Ich kann die Überlebensstrategien nur bestätigen. Wobei das "Essen" bei mir nicht umgesetzt, sondern verweigert wurde. Innerhalb von wenigen Wochen habe ich 6 – 7 Kilo abgenommen und mir wurde eine Magersucht nachgesagt. Reden- es heilt, nur wurde nach einigen Wochen die Erwartungshaltung in Richtung "Heilung" groß, d.h. die Trauer darf laut Aussage von Freunden nicht länger als 3 Monate dauern. Bei mir traf diese Zeitspanne nicht zu und die Erwartungen der Freunde hat mir wiedergespiegelt, dass meine Form der Trauer nicht in Ordnung ist. Sehe ich mittlerweile anders.

  • Gundi sagt:

    Ich habe mich nach 35 Jahren vor einem Jahr von meinem Mann getrennt, nachdem er einige Jahre mit der größten Selbstverständlichkeit ein Doppelleben geführt hatte.
    Obgleich der Schritt von mir ausging, war die Trennung katastrophal, denn 35 Jahre kann man nicht einfach ablegen.
    Die Gespräche mit Freunden haben mir sehr geholfen- in diesem Fall hat sich auch herausgestellt, wer die wahren Freunde waren und sind.
    Alkohol war für mich nie ein Problem und mit dem Essen habe ich vorübergehend aufgehört- was mich 10 kg leichter machte. Heute freue ich mich über meine super Figur und denke, dass dies ein positiver Aspekt der Trennung war.
    Aber die Aufarbeitung der ganzen Trennung konnte ich alleine und auch mit Hilfen meiner Freunde nicht schaffen. Ich habe mich in professionelle Hilfe
    (Psychotherapie) begeben und kann dies nur jedem empfehlen. Mit Hilfe meiner Therpeutin habe ich die 35 Jahre meiner Partnerschaft und die Trauer, die mit der Trennung einhergeht, super verarbeitet und heute freue ich mich über mein neues Selbstbewußtsein und mein neues Leben. Ich kann mir jeden Tag gratulieren, dass ich dieses Schicksal ertragen mußte, um in einen neuen, aufregenden Lebensabschnitt zu starten. Mir geht es gut wie schon lange nicht mehr und ich fühle mich rundherum wohl.
    Deshalb mein Rat : wenn der Schmerz zu groß ist, wenn man aus der Depression nicht alleine rausfindet sollte man professionelle Hilfe annehmen.

  • Axel sagt:

    Wenn man über eine Dauer von 20 Jahren eine "glückliche Ehe" mit Familie geführt hat, und dann ur-plötzlich die Frau auszieht, angeblich wegen einer Selbstverwirklichung, dann ist der Trennungschmerz natürlich gross.
    Was tun? Reden mit guten Freunden hilft, Saufen ist keine Lösung, Sport treiben hilft etwas, aber es gibt bessere Alternativen: Reisen (nach Goethe) und Flirten.

  • Midas sagt:

    Nach 17 Jahren Beziehung tat auch meine Trennung weh. Reden hilft auf alle Fälle. Trinken und Essen hilft niemals!!!! Ich arbeite für mich und meine Zukunft und nicht gegen meinen Körper und meine Gesundheit. Sport hilft unheimlich – und "man" ist unter Gleichgesinnten.

  • Holger sagt:

    Reden – ja klar. Hilft. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass vor es vor allem hilft mit denen zu reden die kompromisslos für einen da sind. Freunde also!

    Trinken – ganz im Ernst. Ich habe mich drei Wochen jeden Abend mehr oder weniger betrunken. Nie allein, nur mit Freunden. Das ist sicherlich keine Lösung. Doch es half mir weiter zu machen und mein Leben weiter in Angriff zu nehmen. Ich hatte vor der Trennung nie ein Problem mit Alkohol und habe es heute auch nicht. Nach den drei Wochen war das Bedürfnis nach Betäunbung einfach nicht mehr vorhanden.
    Essen – ja. Ich sag nur knapp 10 Kilo in zwei Wochen abgenommen…

  • Mirjam09 sagt:

    Manchmal hilft weinen. Den Alkohol vermeide ich, schon allein deswegen, weil er mir nicht bekommt und weil ich momentan sowieso nichts essen kann. Manchmal kommt auch schon langsam der normale Verstand wieder durch. Vielleicht ist da doch ein kleines Licht am Ende des Tunnels.

  • Ines sagt:

    Wenn ich so die anderen Kommentare lese, bin ich etwas beruhigt , daß es nicht nur mir so geht.
    Reden hilft wirklich, man muß nur gut überlegen mit wem man redet. Wie schnell stellt sich herraus, daß es nicht die richtigen Freunde sind.
    Trinken habe ich auch versucht, hilft wirklich nur für die Zeit des Rausches. Also nicht das richtige Mittel.
    Essen, ich habe binnen 8 Wochen 12 Kg abgenommen, da ich keinen Bissen runter bekommen habe (einziger guter Nebeneffekt )
    Was mir jetzt hilft ist Sport treiben, habe das Inliner Skaten für mich entdeckt, und Tanzen gehen mit Freunden, denn da merkt man, daß man für andere auch noch attraktiv ist. Obwohl ich für eine neue Bindung noch nicht bereit bin (Trennung ist erst 2 Monate her).

  • Elke sagt:

    Vor einem Jahr habe ich meine große Jugendliebe – nach 33 Jahren "kennen" und 17 Jahren Ehe vor die Tür gesetzt, da sich mein Verdacht auf sein Doppelleben nach monatelangem Abstreiten bestätigte.
    Aus meiner Erfahrung kann ich nur sagen: Das Einzige, was wirklich hilft, ist reden, reden, reden…
    Und wenn angebliche "Freunde"meinen, nach 3 Monaten müsse die Trauerphase abgeschlossen sein, dann sind es keine wirklichen. Zum Glück musste ich diese Erfahrung nie machen und meine Freunde haben sich manche Geschichte schon zum wiederholten Mal angehört..Ich danke Euch, Ihr Lieben!

  • M.ausK sagt:

    Bei mir kam die Trennung nach 15 Jahren – wg. Selbstverwirklichung meiner Ex-Frau – ich war platt und geschockt!
    Mir haben meine Freunde durch zuhören sehr geholfen ( Oh Mann hab ich die Ärmsten belabert …. ), dann kann ich auch empfehlen das Buch " Liebeskummer für Männer " (dat gibbet bestimmt für euch Mädels auch …) da hab ich erst bemerkt " Mensch Du bist nicht der Einzige dem es so ergangen ist …."
    Alkohol – hab ich total entsagt
    Essen – das gleiche wenig gegessen – viel Sport gemacht – und bis jetzt 15 kg abgenommen und vor allem das Gewicht gehalten – das stärkt das Selbstbewusstsein .
    Im Beruf bin ich leitender Angestellter und habe 10 Mitarbeiter unter mir – und da stellte sich die Fragen : " sagst Dus Deinen Mitarbeitern ??" und ja ich habs Ihnen offen und ehrlich gesagt und Sie haben mich alle unterstützt und mir bewusst oder unbewusst Ihre Wertschätzung gezeigt daher kann ich die Offenheit im Beruf nur empfehlen auch meine Vorgesetzten habe ich darüber informiert und Sie haben ebefalls offen und verständnisvoll reagiert .
    Was aber noch viel wichtiger ist – wenn man nach drei Monaten nicht langsam wieder positiver denkt dann hilft nur noch professionelle Hilfe und dies ist der wichtigste Punkt – holt euch Hilfe und ich war skeptisch aber dies hat mir am allermeisten geholfen und wieder aufgebaut.
    Jetzt nach einem Jahr Trennung und Scheidung ist vor Gericht eingereicht gibt es noch etwas was man häufig auch vergisst: ICH HABE ALLE MEINE FREUNDE UND HELFER DIE MICH AUFGEBAUT UND ZUGEHÖRT HABEN GEMEINSAM ZU EINEM BRUNCH EINGELADEN UM DANKE – DANKE ZU SAGEN ! Dies war ein sehr emotionaler Augenblick aber er hilft einem die Trennung mit einer Feier abzuschliessen !

    Ich kanns jeden nur empfehlen – probierts aus und Ihr werdet überrascht sein…

    Viel Glück im neuen Leben ! :-)
    Gruss
    M. aus Köln

  • PaulausHS sagt:

    Ich bin gerade in Trennung – nach 18 Jahren. Unser kleiner Sohn ist gerade mal 6 Monate auf der Welt.
    Ich hätte so gerne eine kleine Familie, doch wie sagt man : es gibt unüberbrückbare Differenzen! Schon vor der Schwangerschaft wollten wir uns trennen. Das Kind sollte alles ändern: hat es aber nicht. Meine Frau ist nach wie vor unzufrieden (ich verdiene nicht genug für ein Haus mit Garten samt Pferd). Es nutzte nicht und bin vor 6 Wochen ausgezogen. Heutiges Gespräch war wieder eine einzige Katastrophe und jetzt sitzte ich hier und realisiere so langsam, dass es das wohl gewesen ist. Es kommen halt immer wieder Dinge hoch. Ich trinke jetzt keine Alkohol – ich brauche einen klaren Kopf. Ich lese im Internet die Schicksale der anderen – das hilft mir ein wenig, denn ich bin nicht alleine.
    Und ich habe Zukunftsangst: Durch meinen geringen Verdienst (1250 Netto) und der zu erwartenden Unterhaltszahlungen werde ich auf den Bankrott zusteuern.
    Mir hilft auch mein Hund, der mich durch seine Treue tröstet.
    Meine Freunde belästige ich nicht damit. Mal sehen wie es für mich weitergeht…….. Aber Alkohol geht gar nicht. Ich esse aber mehr. Nachts kann ich kaum schlafen und gehe dann zum Kühlschrank. Was mich ablenkt, ist auch die Arbeit.

  • kelte sagt:

    Vor drei Tagen hat mir meine Frau gestanden, dass sie den Mann von einem befreundeten Nachbarehepaar liebt… Bei gemeinsamen Abenden haben die beiden sich geneckt, da er ein lustiger Typ ist, habe ich das als Spass gedeutet. Falsch! Ich habe auch Fehler in unserer 16j. Ehe gemacht, echte Gespräche mit meiner Frau waren nicht möglich, es gab immer die "aber Du"-Reaktion…
    Ich muss jetzt noch Monate in unserem Haus wohnen… Der Nachbar verlässt seine Frau, sie verkaufen das Haus, dann will er in unserem Haus mit meiner Frau zusammenwohnen… Ich bin fertig. Es tut mir gut, Eure kommentare zu lesen. Kelte