Die meisten assoziieren Erotik mit Jugend und knackigen Körpern. Warum eigentlich? Schließlich hört die Sexualität nicht einfach irgendwann auf. Dass auch ältere Menschen ein durchaus erfülltes Sexualleben haben, steht außer Frage.
Erst jenseits der 75, so das Ergebnis einer US-amerikanischen Studie, geht es mit dem Liebesleben ernsthaft bergab. Außerdem: Der Zeitpunkt dafür ist individuell verschieden. "Die eigene Gesundheit und die des Partners ist ein äußerst wichtiger Punkt", sagt Psychologe Volker Drewes. "Wen keine gesundheitlichen Probleme plagen und wer einen Partner an seiner Seite hat, der genießt auch als älterer Mensch lustvolle Stunden."
Lustvolle Stunden im zweiten Frühling
Das gilt für Männer und Frauen übrigens gleichermaßen: "Es ist ein Irrglaube, dass die weibliche Sexualität mit den Wechseljahren nachlässt", so der Psychologe. Aber woher kommt dann diese Annahme? Schließlich bleibt die sexuelle Erregbarkeit bei den meisten Frauen bis ins hohe Alter erhalten. Es sind häufiger die Männer, die beispielsweise mit Erektionsproblemen zu kämpfen haben.
Volker Drewes erklärt das so: "Viele Frauen überleben ihre Männer und verbringen oft viele Jahre ohne Partner." Das Männer-Frauen-Verhältnis gerät also mit zunehmendem Alter mehr und mehr ins Ungleichgewicht. "Wer als ältere Frau Zweisamkeit mit einem Partner genießen möchte, muss aktiv werden und sich auf die Suche machen", rät Volker Drewes.
Sexualität ist entspannter geworden
Obwohl die Partnersuche für Frauen mit zunehmendem Alter tatsächlich immer schwieriger wird, ist das heutzutage zum Glück weniger problematisch also noch vor wenigen Jahrzehnten als eine Witwe in den allermeisten Fällen allein blieb.
Auch Helga (63) genießt ihren zweiten Frühling mit Karl (65): "Nach meiner Scheidung war ich zehn Jahre allein und habe mich sehr einsam gefühlt." Sexualität sei inzwischen viel entspannter als mit 20 oder 30, sagt sie. Das bestätigt auch eine Umfrage des Apothekenmagazins "Senioren Ratgeber": Die Hälfte aller Befragten war mit ihrem Liebesleben voll und ganz zufrieden und immerhin ein Drittel betonte, wie viel intensiver und vertrauter das intime Zusammensein mit dem Partner mit der Zeit geworden sei. Wenngleich es vielleicht nicht mehr ganz so häufig stattfindet wie früher.
Mit den Veränderungen leben
"Im Laufe unseres Lebens verändert sich unsere Sexualität", bestätigt Volker Drewes. "Der Austausch von Zärtlichkeiten und anderen Gesten der Zuneigung wird wichtiger, wenn unsere Körper vielleicht nicht mehr so makellos sind und die Erregbarkeit womöglich nachlässt." Dennoch haben wir das Bedürfnis nach Nähe, Zärtlichkeit und Sexualität und das ist und bleibt so individuell wie in jedem Alter unseres Lebens. Und es ist wichtig, keinen Druck zu erzeugen: Es muss nicht alles so klappen, wie früher. Seien Sie kreativ!
Erstaunlich eigentlich, dass es für junge Menschen so unendlich viele Tipps und Hinweise, Ratschläge und Empfehlungen rund ums Thema Sex gibt. Aber für die Älteren? Fehlanzeige! Dabei müssen doch gerade diese sich in ihrer veränderten Sexualität neu orientieren und finden. Und gerade hier ist ein offener Umgang mit diesem Thema eine Voraussetzung für ein erfülltes Liebesleben. Für Erektionsprobleme, Hormonstörungen oder andere Probleme gibt es nämlich zahlreiche und sehr gut wirkende Therapien und Hilfsmittel.
Wünsche und Bedürfnisse erkennen
Egal ob jung oder alt: "Um sexuelle Befriedigung mit einem Partner erleben zu können, müssen beide ihre Wünsche und Bedürfnisse kennen und versuchen, ihren Weg zu finden", so Volker Drewes. "Überwinden Sie das Tabu, wenn es um Liebe und Sexualität im Alter geht und setzen Sie sich über Schamgefühle Ihrem eigenen Körper gegenüber hinweg." Das ist leichter gesagt als getan, aber ein unerlässlicher Schritt. Gerade in unserer vom Jugendwahn geprägten Gesellschaft ist es besonders für Frauen schwer, ihren Körper auch im Alter zu akzeptieren.
Liebesleben, jahreszeitenunabhängig
Angesichts der Veränderungen in unserer Gesellschaft ist das Modell der Partnerschaft für das ganze Leben auf dem Rückzug. Deshalb sehen sich auch ältere Menschen immer häufiger mit dem Problem der Partnersuche konfrontiert. Wie bereits erwähnt, ist das zwar einfacher als noch vor wenigen Jahrzehnten. Doch die Partnersuche im Alter unterscheidet sich von der Suche jüngerer Menschen. Ältere haben oft andere Ansprüche an eine Beziehung, sie sind weniger flexibel, weil sie z.B. durch Kinder oder Immobilienbesitz ortsgebunden sind. Auch die Persönlichkeitsmerkmale sind stärker ausgeprägt und weniger modifizierbar.
Doch ältere Menschen werden auch in dieser Hinsicht immer selbstbewusster. Es ist durchaus nicht mehr unüblich, dass man(n) oder frau sich nach einer Trennung oder dem Tod des Partners auf die Suche nach einer neuen Liebe macht. Umso erfreulicher, dass dies inzwischen auch gesellschaftlich immer akzeptierter ist und zur Normalität wird.
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