Das zwischenmenschliche A und O ist eine offene, wertschätzende und interessierte Haltung.
Samstag war wieder so ein Tag: Grau in Grau im November, kalt und regnerisch. Schwer beladen mit Einkäufen, den Regenschirmen der Passanten auf dem Gehweg mit Ach und Krach ausgewichen, betrete ich einen Lebensmittelladen. Freundlich halte ich die Tür für meinen Nachfolger auf, ein nett aussehender Mann Ende Vierzig.
Trotz Last und Umständen sage ich freundlich und mit zugewandter Gestik "Bitteschön". Und was ernte ich? Nichts. Keinen Dank, keinen Blick. Taubstumm wirkt der Mann nicht, geistig verwirrt auch nicht. Ich sehe auch nicht aus wie ein Schreckgespenst, so dass es ihm möglicherweise die Sprache hätte verschlagen können.
Und dies ist nur ein Beispiel von vielen. Der nett gemeinte Gruß beim Betreten des Wartezimmers wird muffelig entgegengenommen. Fast körperlich angegriffen wirken einige Menschen, wenn man sich beim Verlassen des Zimmers auch noch verabschiedet. Grüße ich letzte Woche freundlich die Dame auf dem Platz neben mir im Konzert, dreht diese sich einfach kommentarlos weg. Wäre ich nicht so gut gelaunt gewesen, ich hätte mich persönlich beleidigt gefühlt.
Ich frage mich in all diesen Momenten, was so schwer daran ist, ein bisschen mehr Freundlichkeit in seine Umwelt auszusenden. Teilweise möchte man es als Reaktion und auch aus Frust einfach selber lassen. Aber ich will das nicht. Mir würde das etwas nehmen und mich innerlich abstumpfen lassen. Ich finde zwischenmenschlichen Umgang wie diesen bedauerlich. Es kostet so wenig, ein bisschen Nettigkeit auszusenden. Und man erntet so viel. Wer mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen einen angenehmen Tag wünscht und sich für die gute Beratung bedankt, vermag damit so manches Gesicht aufzuhellen. Was ist daran falsch, Gedanken zum Ausdruck zu bringen, die man fühlt. Etwas von sich preiszugeben und dem anderen zu schenken.
Es ist doch komisch, dass sich dann manche wundern, wenn sie Schwierigkeiten haben, bei anderen gut anzukommen oder locker in einen Kontakt einzusteigen. Das A und O ist doch, genau wie beim Flirten, eine offene, wertschätzende und interessierte Haltung. Angefangen bei Kleinigkeiten wie einem netten "Hallo". Der Mensch ist stolz, sich im Gegensatz zum Tier vorbildlich weit entwickelt zu haben. Doch man sollte sich einmal anschauen, welche Anstrengungen Tiere auf sich nehmen, um beim anderen Geschlecht zu trumpfen. So manche Männchen sind von ihren beeindruckenden Federkleidern gehandikapt, karibische Muschelkrebse erzeugen im Meer gezackte Lichtblitze und Nachtigallen versuchen, durch ihre Gesangskunst sowie durch ein möglichst großes Repertoire an Melodien zu beeindrucken. Unermüdlich scheinen Eifer und Erfindungsreichtum zu sein, wenn es darum geht, ein Weibchen für sich zu gewinnen.
Ich finde es lohnend und erstrebenswert, sich davon an der einen oder anderen Stelle eine Scheibe abzuschneiden. Vor allem, wenn es derart leicht ist, nur ein wenig mehr Freundlichkeit und Wertschätzung in sein Umfeld zu senden. Zudem zahlt es sich hundertprozentig aus. Man bekommt meist mehr zurück, als man investiert hat. Gerade jetzt in der dunkleren Jahreszeit lassen sich dadurch Akzente setzten. In einer vorweihnachtlichen Zeit, in der so viel von Nächstenliebe, Wärme, Geselligkeit und Zweisamkeit geschrieben wird, stellt sich doch die Frage, ob es nicht viel mehr Sinn macht, davon auch tatsächlich etwas real zu leben. Zweimal mehr freundlich sein, bedeutet zweimal mehr Menschlichkeit schenken, bedeutet zweimal mehr etwas Gutes getan zu haben.
Sie sprechen mir aus der Seele! Auch wenn ich selbst nicht christlich erzogen wurde, glaube ich, dass der allgemeine Werteverlust mit dem Verlust des christlichen Wertesystems zusammen hängt. Meine Kindheit war durch die Werte meiner Umwelt noch geprägt, ein "Guten Tag" im Geschäft war selbstverständlich. Ich wünsche mir, dass Ihr Beitrag Akzente setzt.
Tja, das ist der Deutsche wie er leibt und lebt. Auf Grund meines Berufes habe ich sehr mit vielen solcher Personen zu tun. Borniert und rechthaberisch sind nicht gearde wenig, nicht in der Lage eigene Fehler einzugestehen, alles anderen in die Schuhe schiebend. Oft wird man durch soloche Menschen enttäuscht und nicht weniger oft schluckt man die dadurch entstandene Wut hinunter. Aber nicht weniger oft erlebe ich freundliche Menschen, die einem Danken und dabei ein Lächeln im Gesicht haben. Dass man mehr zurückbekommt als mal bezahlt möchte ich allerdings bezweifeln. Ich bin ehr der Ansicht dass man zumindest gleichwertig entschädigt wird. Aber das reicht mir schon um gerne etwas uneigennützes zu tun.
Veränderungen, Entäuschungen und eine lieblose Umwelt könnten dazu verleiten, ohne Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit drurchs Leben zu gehen. Aber erwartet man nichts für das was man gibt, enttäuscht einen eine fehlende Reaktion nicht und lediglich ein positives Feed Back erhellt den eigenen Alltag. Mir geht es mit dieser Einstellung sehr gut.
Ja, positive Signale senden ist die einzige Möglichkeit beim Gegenüber etwas zu bewirken.
Wir müssen uns den neuen Normen der Gesellschaft anpassen. Auch wenn es hart klingt, wer sich durch solches Verhalten angreifen und schwächen läßt, der wird auf lange Sicht nicht mithalten können. Leider.
Mit tollen Manieren Vorbild sein! Gute Vorbilder haben meine Entwicklung geprägt. Guter Umgangston wird besonders von den Damen honoriert. Und freundlich sein macht Laune!
Gutes Benehmen ist ein MUST. Es gehört zur gegenseitigen Wertschätzung einfach dazu und der Gentleman ist auch nicht aus der Mode gekommen. Die Autotür aufhalten, rein in den Mantel, raus aus dem Mantel etc. sollten doch jedem Mann im Blut liegen.
Guten Morgen,
in den Zeiten von SMS-Kürzeln und Email-Piktogrammen finde ich eine gehobene Form der Kommunikation unabdinglich. Wird sie vernachlässigt, wird sie in Vergessenheit geraten. Beim Kennenlernen stellen sich doch sofort im Umgang die Weichen. Da gilt: Gleich und Gleich gesellt sich gerne. Einen schönen und erfolgreichen Tag wünscht Mara
Man könnte es auch so sehen: wenn man höflich gegenüber anderen ist, schafft man sich selbst eine gute Grundstimmung. Ich bin höflich, weil ich es will und zunächst einmal nicht mit Blick auf eine positive Reaktion. Wenn diese dann kommt: um so besser!
Leider muss ich Mathias recht geben, dieses Verhalten scheint typisch Deutsch zu sein, so ungern ich das schreibe. Ich bin öfter mal im Ausland und erlebe dort, wie die Menschen viel gelassener ud offener sind. Aber auch hier, bensonders noch auf dem Land, sind die Menschen noch freundlicher. Kann natürlich auch sein, dass die Menschen hier mehr Stress haben.
Ich für meinen Teil entspanne mich, man kann sich sowas nicht zu Herzen nehmen, ich bin immer freundlich, der eine oder andere wacht ja doch aus seiner Trance auf wenn er/sie freundlich gegrüßt wird und lächelt zurück…
Ich komme aus Baden-Württemberg, lebe aber schon sehr lange in NRW. Mir fällt immer wieder auf, dass die Menschen in Süddeutschland – auch in Großstädten – viel freundlicher und höflicher sind als hier. Als ich hier beim Betreten eines Warteraumes grüßte, schauten mich die Leute an, als sei ich nicht ganz bei Trost, und als ich einem Pärchen, das über die richtige Bahnverbindung diskutierte, weiterhelfen wollte, reagierten sie ziemlich ungehalten, als hätte ich mich da nicht einzumischen. Ich finde ein solches Verhalten sehr schade und würde mich über ein bisschen mehr Freundlichkeit und ein Lächeln sehr freuen.