Ich möchte heute von meiner eigenen Person erzählen...
Endlich steht der Frühling vor der Tür und keiner von uns möchte die schöne Jahreszeit einsam und alleine verbringen. Um für eine neue Partnerschaft mit sich selber im Reinen zu sein, sollte mit der Vergangenheit abgeschlossen, der alte Frust aufgearbeitet und geklärt sein.
In diesem Monat werden wir in vier Schritten versuchen, die Altlasten beiseite zu legen und Ihnen erklären, was Liebeskummer überhaupt ist, um frei für eine neue Beziehung zu sein. Lange habe ich gezögert, Ihnen meine ganz persönliche Geschichte zu erzählen, dass ich mich dafür entschieden habe, hat mehrere Gründe. Ich möchte belegen, dass ich weiß, wovon ich spreche. Ferner möchte ich Ihnen vermitteln, dass Sie weder allein, noch "ver-rückt" sind, wenn Sie das Ende einer großen Liebe eine Zeit lang als größte Katastrophe Ihres Lebens empfinden.
1. Teil:
Silvia: Der Liebeskummer traf mich völlig unvorbereitet – nach einer langen Beziehung mit meiner großen Liebe. Von einer Sekunde zur anderen brach mein Leben zusammen. Nichts war mehr wie vor dem Fax, in dem stand: 'Ich möchte keine Verantwortung übernehmen. Ich bin beziehungsgestört.' Der wahre Grund war – wie hätte es anders sein können – eine andere Frau, was natürlich bestritten wurde.
Mein Alptraum begann. Mein Herz brannte in meinem Körper. Dieser Schmerz war unendlich grausam. Ich konnte nicht schlafen, nicht essen und verlor extrem an Gewicht. Mein Gehirn drehte sich permanent. Das Atmen fiel mir schwer. Es folgten Angstzustände, Panikattacken, Herzbeschwerden und eine handfeste Depression. Schließlich musste meine Galle entfernt werden. Es hatten sich Gallensteine gebildet.
Ich fühlte mich wie in der Mitte durchgebrochen. Die ersten fünf Monate habe ich nur geweint. Erst nach drei Monaten war ich zum ersten Mal in der Lage, in meinem (unserem) Bett zu schlafen. Bis dahin zog ich die Couch im Wohnzimmer vor. Die Küche benutzte ich kaum noch. Auf der Terrasse vertrockneten die Pflanzen. Musik zu hören oder ein Buch zu lesen war mir unmöglich. Arbeiten war ausgeschlossen. Ich war total verzweifelt.
Mein Zuhause hatte sich einfach aufgelöst. Ich fühlte mich heimatlos. Wochenenden und Feiertage wurden zu meinem Feind. Allen voran Silvester.
Er hatte mir alles genommen: Meine Liebe, mein Vertrauen, mein Glück, meinen Sex, mein Lachen, meine Lebensfreude, mein Zuhause. Ich war ein Nichts, einsam und alleine, das am liebsten unter den Teppich gekrochen wäre. Jede Minute wurde zur Ewigkeit. Es gab nur noch Trauer und Schmerz und leider nie das Gefühl einer heilsamen Wut. Mein erster und mein letzter Gedanke galten meiner großen, verflossenen Liebe. Tag und Nacht. Und immer bohrte in mir die Frage nach dem Warum.
Der Versuch, in den Urlaub zu fahren, scheiterte, denn ich hatte meinen Kummer im Gepäck. Ich brach die Reise nach drei Tagen ab. Besonders niederschmetternd waren die Berichte "guter Freunde": "Ich habe ihn mit ihr gesehen. Sie hat ständig seine Hand gestreichelt." Und dabei trug er jenes Hemd, das ich ihm in unserem letzten gemeinsamen Urlaub geschenkt hatte. Bis ins Herz traf mich sein Satz: "An der Neuen liebe ich so sehr, dass sie finanziell und emotional unabhängig ist."
Die Nackenschläge nahmen kein Ende. Natürlich machte er auch auf "unserer" Insel mit ihr Urlaub. Und wieder fiel ich tiefer und tiefer.
Mein Büro wurde zu meinem einzigen Lebensinhalt. Dort habe ich gelebt, gearbeitet und vor dem PC gegessen. Danach ging ich Schlafen – bis die Morgendepression wieder vor meinem Bett auf mein Aufwachen wartete. Dieser Zustand hielt über zwei Jahre an.
Dieser Mann hat meine grenzenlose Liebe und mein Vertrauen mit Füßen getreten. Dass ich es nicht gemerkt habe, hat mir mein ganzes Selbstvertrauen genommen.
Nur der Liebe meiner Töchter verdanke ich, dass ich den Weg zurück ins Leben gefunden habe. Im Rückblick kann ich behaupten, dass ich keinen dieser einsamen und unglücklichen Momente gebraucht hätte, um bewusster oder gar dankbarer zu leben. Aber: Vor lauter Kummer hatte ich völlig übersehen, was ich in dieser schlimmen Zeit aufgebaut habe und was ich trotz des großen Unglücks fähig war zu leisten!
Meine Kinder standen mir uneingeschränkt zur Seite, mein Freundeskreis hat sich vergrößert. Ich habe meine Praxis weiter aufgebaut und neben der Arbeit als Coach eine Liebeskummer-Praxis gegründet.
Heute bin ich in der Lage, wieder frei lachen zu können. Eine neue Wohnung musste her, die ich neu eingerichtet habe. Ich habe mir bewiesen, dass ich alleine in der Lage bin, mich zu finanzieren, und zu meiner Lebensaufgabe wurde es, meinen Klienten Mut und Kraft zu geben. Ich organisiere ein Frauennetzwerk, gebe Seminare und habe mit Helga dieses Buch geschrieben.
Die Frage drängt sich auf, ob ich all dieses auch während einer Partnerschaft zustande gebracht hätte – oder habe ich gerade wegen meines "Dilemmas" die Kraft dazu gehabt?
Drei Dinge, die ich gelernt habe, liegen mir besonders am Herzen:
1. Die Liebe bleibt, auch wenn der Mensch geht. Sie können verzweifeln, aber nicht zerbrechen.
2. Sie können trauern, aber nicht erstarren. Sie können am Boden liegen, aber nicht am Ende sein.
3. Geben Sie niemals auf!
Liebe Silvia, danke für deine Geschichte. Du hast alles so beschrieben wie ich mich seit fast 2 Jahren fühle.
Manchmal bin ich verzweifelt und denke es hört niemals auf, und dann gibt es Phasen wo es besser geht. In Verbundenheit grüße ich dich.