Früher galt es als besonders feinsinnig und kultiviert, ein Tagebuch zu schreiben. Heute bloggen wir eher, um unsere Befindlichkeiten in die Welt hinauszuposaunen.
Wo das Bloggen ein wenig narzisstisch motiviert und nach außen gerichtet ist, so ist das Tagebuchschreiben eher ein Prozess, um die inneren Vorgänge zu verarbeiten, das Geschriebene nicht unbedingt für die Außenwelt bestimmt. Tatsächlich empfehlen viele Experten, sich auf diese Art und Weise mit bewegenden Vorgängen auseinanderzusetzen. Ihre These: Das regelmäßige Schreiben fördert die Auseinandersetzung auf einer anderen Ebene und bringt uns zu tieferen Erkenntnissen.
Nun haben andere Experten durchaus eine andere Meinung: Diaristen, wie regelmäßige Tagebuchschreiber auch genannt werden, setzen sich bisweilen über Gebühr mit Dingen auseinander und dies führt keineswegs zu einer besseren Bewältigung, sondern eher zu einer Verlängerung des Leidens. Denn die Problematisierung wird immer und immer wieder erneuert und das erschwert es natürlich, etwas hinter sich zu lassen, abzuschließen und bereit für einen Neuanfang zu sein.
Klingt logisch. Wo wir doch gerade in Krisenzeiten und ganz besonders in Krisenzeiten der Liebe zum Tagebuchschreiben neigen, sollten wir uns dies ruhig auch einmal vor Augen halten. Das gilt ganz besonders auch für die Partnersuche. Suchen wir schon eine Weile vergebens, so ist es nicht wirklich förderlich, die negativen Erlebnisse und Probleme festzuhalten oder immer wieder durchzulesen, warum unsere letzte Beziehung scheiterte und wie schlecht es uns nach der Trennung ging. Eine Konzentration auf das, was vor uns liegt, auf die Dinge, die uns Kraft und Motivation geben, wäre hier sinnvoller als das grüblerische Schreiben und die Suche nach dem Sinn durch das Lesen des Erlebten.
Eine Idee wäre vielleicht das Anlegen eines Glückstagebuchs: In ihm halten wir täglich die Erlebnisse fest, die uns zum Lachen, Staunen, Schmunzeln gebracht haben. Das hätte dann auch den Vorteil, dass wir in Zeiten, in denen es uns nicht so gut geht, einen kleinen Motivationsschub aus uns selbst heraus bekommen können, statt uns immer wieder in unser vergangenes Leid, das im Tagebuch festgehalten wurde, zu versenken.
Leute, die es ablehnen, Tagebuch zu schreiben, sind entweder zu faul, meinen, es sei Zeitverschwendung, oder sie sind oft auch unfähig, die Ereignisse zu verbalisieren (in Worte zu fassen).
Die Mühe, Geschehnisse, Abläufe und Situationen möglichst objektiv