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Tierliebe – wann geht sie zu weit?
Tierliebe – wann geht sie zu weit? (Kategorie: Partnersucheblog)
Vor kurzem hatte ich einen Mann in der Beratung, der sich mit seinem Thema nicht ganz heraus traute. Er fand es irgendwie peinlich, sich darüber zu echauffieren. Was war sein Problem?

Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Auch bei Hundehaaren und Katzenliebe teilen sich die Gemüter häufig in zwei Lager. Manchmal sind es ganz faktische Gründe, warum man Partner mit Tieren meiden muss. Wer selber unter einer starken Allergie gegen Katzen- oder Hundehaare leidet und bei Berührung zu dramatischen Asthmaanfällen neigt, ist rehabilitiert. Solche körperlichen Reaktionen lassen sich nicht einfach weg diskutieren. Was ist aber, wenn man sich in einen Partner verliebt, der sich mit der Zeit als Tiernarr herausstellt und Verhaltensweisen im Umgang mit dem liebsten Puschel ans Tageslicht kommen, die am Anfang gut kaschiert waren?

Wo hört der Spaß auf, werden eigene Grenzen überschritten? Vor kurzem hatte ich einen Mann in der Beratung, der sich mit seinem Thema nicht ganz heraus traute. Er fand es irgendwie peinlich, sich darüber zu echauffieren. Dennoch stand er an einem Punkt, in seiner frischen Partnerschaft zu scheitern. Er hatte sich vor vier Monaten in eine Frau verliebt, die perfekt zu ihm zu passen schien. Sie teilten ganz viele Interessen und Einstellungen, Humor und Geschmack waren sehr ähnlich. Alles schien gut, wenn nicht Tezzi und Rosie, diese beiden Yorkshire Terrier wären. Mein Klient war zwar kein Hundefreund, wie er von sich berichtete, aber er hatte keine Probleme mit den Vierbeinern. Am Anfang störten ihn die beiden kleine Hundchen nicht, selbst wenn sie sich oft wie verzogene Zicken benahmen und sich beim Küssen auf dem Sofa gerne mal dazwischen drängelten oder solange mit der Tatze an die Schlafzimmertür kratzten, bis die Lust vergangen oder der Schlaf geraubt war.

Die Diskussionen fingen an, als seine Freundin die Hunde gegen die Vereinbarung und ohne vorherige Ansage immer öfter mit ins Bett ließ, auch über Nacht zum Schlafen. Das nervte meinen Klienten zunehmend, sprach es an, aber als wenig Verständnis für seine Gründe entgegen gebracht wurden, ließ mein Klient Toleranz walten. Letzte Woche eskalierte jedoch ein Streit. Nach dem Gassi gehen saßen alle auf dem Sofa und mein Klient kuschelte mit seiner Freundin. Die beiden Hunde sprangen zu Frauchen aufs Sofa und schleckten ihr über den Mund und das Gesicht. Sie störte das nicht, sagte „Oh, wie süß“, drehte sich wieder zu ihrem Freund und wollte weiter knutschen.
Das ging ihm zu weit. Er hörte auf und bat sie, sich kurz das Gesicht zu waschen. Das fand sie übertrieben. Im Streit kam es nachher zu Vorwürfen, er sei ein Bakterienphobiker und er solle sich überlegen, ob er sie mit den Hunden will oder gar nicht.

Schmusen mit dem Hund ist keine Ausnahme. Und sicherlich ein Punkt, an dem sich die Gemüter spalten. Eine Studie von Harris Interactive gibt an, dass 45 Prozent aller Frauen schon mal ihren Hund geküsst haben. Männer sind weniger auf Knutschkurs mit den Vierbeinern. Bei ihnen sind es nur 27 Prozent.
Was ist nun meinem Klienten in seinem Hundedilemma zu raten? Er liebt diese Frau, jedoch nicht die Hunde, dass er ihren Speichel mit seiner Freundin teilen will. Ihn ekelt die Vorstellung, dass die Hunde im Park an Kot oder Pos anderer Hunde geschnuppert oder gekostet haben und dieses dann großzügig auf ihn verteilen. Völlig normal, seine eigenen Grenzen dort wahrzunehmen und zu kennen. Und es ist von Hundeliebhabern zu viel verlangt, die eigenen Vorlieben vom Partner zu verlangen. Das hat nichts mit einem Liebesbeweis für oder gegen sich zu tun. Das Paar sollte die unterschiedlichen Bedürfnisse und Grenzen akzeptieren und eigene Wünsche nicht automatisch auf den Partner übertragen.

Es ist anmaßend und grenzüberschreitend, dies von seinem Partner zu verlangen. An dieser Stelle ist es wichtig zu differenzieren, was eigene Vorlieben sind und welche Grenzen des Partners toleriert werden sollte. Das sagt nichts über die Qualität von Liebe aus. Nur weil ich gerne Schokolade aus dem Kühlschrank esse, mein Partner sie aber lieber weich bei Zimmertemperatur genießt, heißt das noch lange nicht, dass man nicht zusammenpasst. Respekt und Toleranz sind Erfolgsfaktoren einer langfristigen Partnerschaft…. Früh übt sich!


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3 Antworten zu “Tierliebe – wann geht sie zu weit?”

  • H.S. sagt:

    Entweder, dieser Mann ist zu Anfang der Beziehung gezielt getäuscht worden – oder die Frau hat Spaß an einem Machtspiel mit den Hunden, das sich aus der spontanen Annäherung der Hunde entwickelte. Alleine das schon sollte ihm zu denken geben…

    Dass die Dame ihm vorwirft, ein Bakterienphobiker zu sein, spricht für deren offensichtliche Wissensdefizite darüber, was so ein Hund an Keimen, inkl. Wurmeiern und Zecken beherbergt.
    Es ist schlicht verantwortungslos und dumm, sich von einem Hund den Mund ablecken zu lassen und dann auch noch vom Partner verlangen, dass ihm das nichts ausmachen soll.

    Was diesem Manne im Moment noch fehlt, ist die Einsicht, dass er sich da auf eine außergewöhnlich einfältige und egoistische Frau eingelassen hat, die seine Gesundheit erheblich gefährden würde.
    Sobald ihm das klar ist, geht er sicher freiwillig, denn wenn es dazu erst noch der Wirkung einer Borrelliose, des Hundebandwurms, einer Mykose oder EHEC-Infektion bedarf, ist es schon zu spät für den Slogan “Besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende”

  • Karin sagt:

    Ich kann diesem Artikel nur bepflichten. Die bakterielle Belastung sollte man nicht unterschätzen. In meinem Bekanntenkreis gibt es eine Familie, die neben den Vierbeinern den eigenen Kindern ebenfalls regelmäßig eine Wurmkur verabreichen. Tiere wie Menschen zu behandeln find ich eher zweifelhaft. Das Ekelbarometer sinkt bei Hundebesitzern häufig ins Bodenlose. Da werden gerne auch mal vom Hund angeschleckte Nahrungsmittel weiter verzehrt bis zum “witzigen” Zungenschlag mit dem Malteser. Wer nicht den gleichen Neigungen verfallen ist sollte von solchen Hundeliebhabern Abstand halten. Außer man wünscht sich Bandwurmbefall;) In meiner Welt gehören Hunde auch nicht ins Bett- schon weil sie ihre Schuhe nicht ausziehen können.
    Da doch lieber einen PArtner der einen Faible für Verkaufskanal-Puppen hat: das ist zwar bedenklich aber antiseptisch! Ein gutgemeintes WUFF durch den Mundschutz, eure Karin

  • Alfred sagt:

    Ich mag keine Tiere im Schlafzimmer, es raubt mir jeden Hang zur Zärtlichkeit. Kürzlich ist mir eine Freundschaft dadurch in die Brüche gegangen. Bin ich zu intolerant gewesen?