Es ist wohl die am weitesten verbreitete psychische Krankheit überhaupt. Und auch die hinterhältigste.
Depression. Antriebslosigkeit. Glücklosigkeit. Geistige Isolation. Die berühmten tiefen, schwarzen Löcher in die man fällt.
Depression führt nicht zu Fieber und auch nicht zu Ausschlag. Viele Menschen sehen gar nicht, wenn andere in ihrem Arbeitsumfeld oder im Freundeskreis depressiv sind. Manchmal sehen Menschen es nichtmals in der Beziehung. Es ist ein schleichender Zerfall, der eine ungeahnte Anzahl an Nebenwirkungen zeigen kann. Von Sexsucht, über Drogenabhängigkeit, von Angstzuständen bis zu Suizidgedanken.
Was tut man also wenn man in einer Beziehung lebt und der Partner hat Depressionen? Nun, in der romantischen Theorie hilft man dem anderen, ist für ihn da und opfert sich für dessen Heilung auf. Aber gerade weil Depression eine sich selbst erhaltende Krankheit ist, funktioniert das im wirklichen Leben oft so nicht. Die Menschen, die unter dieser Krankheit leiden, haben Verlustängste, glauben aber gleichzeitig nichts wert zu sein. Alkohol, Tabletten und Stimmungsschwankungen kann man sich eine Weile als Wildheit verkaufen, aber irgendwann muss man zur Ruhe kommen. Und wenn das der depressive Partner nicht kann, dann belastet das sehr. Noch schlimmer kann es sein, wenn der Partner sich zu nichts mehr motivieren kann. Auf dem Sofa sitzt und die Wand anstarrt. Unter solchen Bedingungen sind Beziehungen nicht führbar. Man kann nur auf die Idee kommen auszusteigen. Doch wenn man das tut, macht man alles nur noch schlimmer. Tut man es nicht, gerät man vielleicht selbst in den Sog.
Was tun? Wie so oft, kann und will ich hierzu keinen Tipp geben. Ich hoffe allerdings, ein Bewusstsein zu schaffen für das Problem. Und dann einfach das zu tun, was man eigentlich eh immer tun sollte: Auf den Partner aufpassen. Denn Depressionen bekämpft man am besten indem sie nie entstehen. Sind sie erstmal da, läuft nichts mehr so wie es sollte. Auch die Trennung nicht.
Ein ganz heikles und wichtiges Thema…ganz besonders bei Singles…die trifft es noch öfter als die, die eine Familie haben…
Habe dadurch einen guten Kollegen und Freund Ostersonntag vor 2 Jahren verloren. Das hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen und ich fiel in ein sehr ähnliches, tiefes "Loch" – Burn Out. 3monatiger Klinikaufenthalt und da habe ich viele kennen gelernt, die seit Jahren unter Depression leiden, damit leben und leiden…
Eine große Stütze und Hilfe bei der Genesung spielten die Patienten, die es selber erlebt haben oder erleben. Sie sind ein Spiegel und ein offenes Ohr und die Stimme, die das ausspricht, was man empfindet (wenn man noch empfindet). Weder Freunde, noch Kollegen oder Verwandten (man glaubt, die kennen uns am besten) sind in dieser Situation eine richtige Hilfe. Sie kennen uns stark, selbständig, offen usw. und wollen und können uns nicht schwach, lustlos, willenlos sehen und sind für einen Erkrankten keine Hilfe!!!!
Wer wirklich helfen will und bereit ist, einen Depressiven zu verstehen, nimmt als Hilfe das Buch "Wenn der Mensch, den du liebst, depressiev ist" von Laura Epstein Rosen / rororo-Verlag zur Hand – es ist einmalig, auch für den Erkrankten zu empfehlen.
Viel Kraft und Glück.
Liebe Grüße
Valery
In der Tat ein Teufelskreis: Ich gehöre zu der Gruppe derjenigen, die an Depressionen erkrankt sind. Mein Mann hat davon gewußt und mir diese Erkrankung (!) zum Vorwurf gemacht. Ich wäre auf seine Unterstützung angewiesen gewesen, aber er hat das alles nur als Spinnerei abgetan. Letztendlich hat er es sogar geschafft, sich als das Opfer hinzustellen. War in meiner Situation auch nicht sonderlich hilfreich. Schließlich kam es wie es kommen musste, mein Mann hat sich von mir getrennt. Und damit habe ich endlich eine Möglichkeit wieder gesund zu werden! Aber es ist schon sehr traurig zu sehen, dass die Person, die mal von "in guten wie in schlechten Tagen" überzeugt war, nicht in der Lage war, in den schlechtesten Tagen meines Lebens an meiner Seite zu sein!
Depressionen sind sehr hinterhältig. Es kann Jahre dauern, bis man diese Krankheit als Krankheit akzeptiert. Mein Mann ist davon betroffen, seit seiner Jugend. Als wir vor 33 Jahren geheiratet haben, wusste noch niemand etwas von dieser Erkrankung in dieser schleichenden Form oder war in der Lage, frühzeitig die Symptome zu erkennen. Und ich als junge Ehefrau habe die Schuld immer bei mir gesucht, wenn mein Mann sich z.B. ohne mir ersichtlichen Grund in sich zurück zog und tagelang kein Wort mit mir sprach. Daran bin ich manchmal fast kaputt gegangen. Auch eine Paartherapie hat er abgelehnt. Er war der Meinung, er habe keine Probleme. Das ganze habe ich noch ausgehalten bis zum vergangenen Jahr. Die Situation wurde immer unerträglicher für mich und ich selbst als Ehefrau sah mich nicht in der Lage, ihm zu helfen. Seit er zur Kur war, ist er in psychologischer Betreuung. Aber ich habe für mich nun die Trennung als einzigen Ausweg gewählt, bevor ich selbst noch krank werde. Wir reden weiter miteinander und er hat, im Gegensatz zu mir, sehr schnell eine Partnerin gefunden.
Ja, mein Ehemann war vor fünf Jahren an Depressionen erkrankt, bipolare Störung, mal manisch, mal depressiv. Er war in der Klinik, danach aber in falscher Psychologischer Betreuung, der Mann hat ihm erzählt, er wäre gar nicht krank und die Tabletten wären auch nur Placebos. Wir haben fünf Jahre lang gekämpft, danach konnte ich nicht mehr. Immer diese Stimmungsschwankungen, immer auf der Hut sein, was "Falsches" zu sagen oder zu machen. Vor lauter Krankheit war ich gar nicht mehr da, mein Kind zog sich immer mehr zurück, um nicht in diesen Sog der Depressionen gezogen zu werden. Irgendwann wußte ich, dass uns nur die Trennung hilft. Wir reden nach wie vor miteinander, aber ich bin nicht mehr ständig so eingebunden, habe mehr Abstand und auch wieder mehr Verständnis.
Hallo,ich selber leiber an Depression und habe dadurch meinen Partner nach 3 1/2 Jahren Beziehung verloren. Ich hatte nicht gemerkt, dass es in im schlummerte. Als wir zusammen kamen, stand für uns sehr schnell fest, dass wir wirklich in ganz vielen Dingen eine Wellenlänge haben, haben gemeinsam unserer Zukunft geplant und uns ein Haus gekauft. Und da fing irgenwie alles an. 2 Jahre haben wir das alte Haus nach unseren Wünschen umgebaut, ich musste aus Geldgründen vorübergehend zu seinen Eltern mitziehen und irgendwie kam ich mit allem nicht zurecht. Er hat in dieser Zeit sehr viel Stimmungsschwankungen von mir miterleben müssen. Letztes Jahr im August war dann mein Akku alle -Burn Out. Ich war dann nur noch zu Hause. War total antriebslos, habe viel geschlafen und konnte mich über nichts mehr freuen. Zum Glück hatte ich schnell einen Platz in der Reha bekommen, aber für ihn war der Zeitpunkt gekommen, dass auch er an einem Punkt war, wo er nicht mehr konnte. Kurz vor meiner Reha hat er mich verlassen. Totaler Schock für mich, denn er war immer für mich da und gerade jetzt lässt er mich allein?!? Aber ich muss sagen, dass ich in der Klinik viel gelernt habe und ihm wegen der Trennung n
Ich wußte nicht, dass ich drepressiv bin. In der 2. Schwangerschaft ging es mit extremer Gereiztheit los. Später kam die Antriebslosigkeit dazu. Meine Frauenärztin meinte, als sie lange nach der Geburt fragte, ich hätte vielleicht Depressionen. Ich hab es weit von mir gewiesen, da meine Schwiegermutter seit Jahren psychisch krank war und ich mich damit verglichen habe. Mein Mann hatte dann die Schnautze voll und meinte ich müsse mich ändern, damit es gut geht. Von Hilfe keine Spur – im Gegenteil: Ich bin mit den Kindern ausgezogen und er hat sich eine 13 Jahre jüngere Frau genommen. Ich hab um meine Ehe ein Jahr lang gekämpft- aber die Depression wurde jetzt auch für mich erkennbar und schlimmer- ich leide wie ein Hund unter der Tennung- von wegen wie in guten so auch in schlechten Tagen!! Ich versuche mit der Krankheit umzugehen – der Kinder wegen – ich will für sie keine Belastung sein.
Depresionen sind das Gegenteil vom Glück, habe ich einmal gelesen. (Eckhard von Hirschhausen) Stimmt. Für unser Glück sind wir in dieser Gesellschaft leider selbst verantwortlich, habe ich im Leben gelernt. Im Querschnitt aller Kommentare finde ich mich in jedem Bericht wieder. Meine Meinung: In Zukunft wird es immer mehr depressieve Menschen geben, also immer mehr die uns verstehen werden. Aber auch immer weniger Menschen die in der Lage sein werden uns helfen zu wollen oder zu können. Also packen wir es an und helfen und selbst. Erkenntnis ist der Schlüssel zur Selbsthilfe.