Es ist kein Einzelfall, aber exemplarisch für eine Verhaltensweise, die mir höchst fremd ist. S. war drei Jahre mit einem wirklich netten Typen zusammen. Die beiden hatten eine gemeinsame Wohnung und machten Zukunftspläne.
Auch Kinder kamen darin vor. Zunächst waren diese Überlegungen ein wenig vage gewesen, doch nach und nach wurden sie konkreter. "Ich kann mir gut vorstellen, Kinder mit dir zu haben", hauchte er S. eines romantischen Abends zärtlich ins Ohr.
Das war doch eine Ansage. S. war inzwischen auch schon Anfang Dreißig und nahm das zum Anlass, die Pille abzusetzen. Als sie es ihm sagte, nickte er nur. Innerhalb weniger Wochen war sie schwanger. Strahlend unterbreitete sie ihm die gute Nachricht. Doch statt eines Freudentanzes entglitten ihm erst einmal sämtliche Gesichtszüge. Zwei Tage herrschte seinerseits Funkstille, dann stellte er sie vor die Wahl: Abtreibung oder Trennung.
Lauter lahme Ausreden
S. war total geschockt. Wenige Wochen zuvor hatte er doch noch explizit seinen Kinderwunsch geäußert. Ja, gab er zu, doch das sei ihm jetzt alles zu schnell gegangen, jetzt sei nicht der richtige Zeitpunkt, er sei noch nicht so weit, usw. usf. Eine panische Ausrede folgte der nächsten.
S. brauchte keine Sekunde, um sich zu entscheiden. Sie ist heute eine von vielen Alleinerziehenden Müttern, die keinen Kontakt zum Vater ihres Kindes haben. Der Kleine ist inzwischen drei Jahre alt und kennt seinen Vater nicht. S. Bedauert das, doch ihr Ex hat klar zum Ausdruck gebracht, dass er keinen Kontakt wünsche. Wenn sie sich für das Kind entscheide, dann müsse ihr klar sein, dass sie das auch allein durchziehen müsse.
Ganz ehrlich? Wie schäbig ist das bitte schön! Zum Kindermachen gehören immer zwei und diese ganzen blöden Sprüche von Frauen, die Männern Kinder "anhängen", kommen mir zu den Ohren heraus. Traurig, dass es in den allermeisten Fällen die Frauen sind, die das ausbaden müssen. Und natürlich an erster Stelle die Kinder, die ohne Väter aufwachsen – weil die ja noch nicht so weit sind.