Sie machen glücklich und halten gesund: Berührungen. Dabei sind sie so divers wie die Liebe selbst.
Der Tastsinn ist die Mutter aller Sinne. Es ist wahrscheinlich der erste Sinneseindruck, der sich schon im Embryonalstadium entwickelt und auf dem die anderen Sinne – Sehen, Hören, Schmecken und Riechen – aufbauen. In der Kommunikation gibt es nichts Gradlinigeres als die Berührung.
Eine Berührung gibt uns unmittelbare Rückmeldung über die Bedeutung einer Situation. Und wir sind mehr oder weniger empfindlich für solche Berührungen. Manche empfinden wir als außergewöhnlich angenehm; von anderen wiederum fühlen wir uns geradezu impulshaft abgestoßen. Ja, es kann sogar vorkommen, dass wir mit dem einen Sinn etwas vollkommen anderes wahrnehmen, als mit dem anderen. So hören wir z.B. liebevolle Worte und ernten interessierte Blicke; gleichzeitig aber fühlen wir uns in der im selben Augenblick stattfindenden Umarmung zurückgewiesen. In der Psychologie nennt man eine solche Erfahrung eine "Double-Bind-Situation". Dabei wird auf der einen Sinnesebene eine konträre Botschaft als auf einer anderen Sinnesebene vermittelt. Aber wir könnten sicher sein: wenn wir uns auf unseren Tastsinn verlassen würden, dann würden wir den wahren Inhalt einer Botschaft entschlüsseln können! Eine zärtliche oder leidenschaftliche Berührung vorzutäuschen ist weitaus schwieriger als einen trügerischen Blick zu senden oder eine Lüge auszusprechen. Von dieser Tatsache profitieren auch die Liebenden. In der ersten kleinen Berührung und schließlich in der ersten Umarmung erfahren sie viel über die Wahrhaftigkeit ihrer gegenseitigen Absichten.
Man könnte grundsätzlich zwischen zwei verschiedenen Formen von Berührungen unterscheiden. Zum einen denjenigen, die in familiären oder freundschaftlichen Beziehungen stattfinden; zum anderen denjenigen, die in Liebesbeziehungen zum tragen kommen. Die ersteren haben einen mehr warmherzigen, zärtlichen "touch", die anderen sind eher sexuell betont. So ist auch nachgewiesen, dass im ersten Jahr einer Liebesbeziehung deutlich die sexuell betonten Berührungen überwiegen und dies im Laufe der Zeit zugunsten der zärtlichen Berührungen zurückgeht. Oft können dabei zwischen den Geschlechtern Missverständnisse auftreten. Männern wird immer noch nachgesagt, dass sie mehr an sexuell betonten Berührungen interessiert seien, während man von Frauen behauptet, sie wären eher an zärtlicher Berührung interessiert. Ich halte dies für ein kulturell geprägtes Vorurteil, das höchstens mit immer noch existierenden Rollenklischées belegt werden kann: Männer glauben von sich, sie seien "männlicher", wenn sie in eine Berührung gleich den sexuellen Bedeutungsgehalt mit hineinnehmen, während Frauen von sich glauben, es wäre "unweiblich", wenn sie eine Berührung sofort mit einem eigenen sexuellen Bedürfnis verknüpfen. In beiden Fällen ist man aber von seiner eigentlichen Bedürfnislage entfremdet: es ist eben immer BEIDES möglich, und nur die Situation entscheidet darüber, welchem Bedürfnis man den Vorzug geben sollte.
Eine wunderbare Möglichkeit, die ersten Berührungen auszutauschen, ist beim Tanz. Wahrscheinlich ist der Tanz das älteste Ritual, das die Berührung zwischen zwei fremden Menschen erlaubt und ihnen somit die Möglichkeit gibt, Kontakt aufzunehmen. Der Maler Richard Lopez hat dies in meisterlicher Art und Weise zum Ausdruck gebracht. Auch wenn man also – so wie meine Wenigkeit – im Jugendalter die Tanzstunde geschwänzt hat, ist ein Tanzkurs auch im etwas fortgeschrittenen Alter immer noch sehr zu empfehlen…