Manchmal habe ich den Eindruck, die modernen Kommunikationsmöglichkeiten beißen oder zwicken! Warum muss denn immer der Mann alles vorschlagen und planen?
Hi Redaktion,
mir brennt da was auf der Seele, was ich einfach nicht verstehe: Warum muss eigentlich immer der Mann den ersten Schritt machen? Ich habe es noch nie in meinem bisherigen Leben erlebt, dass von einer Frau die Initiative ausging.
Keine E-Mail, keine Sms – auch kein Anruf, wenn sie die Handynummer erhalten hat. Manchmal habe ich den Eindruck, die modernen Kommunikationsmöglichkeiten beißen oder zwicken. Warum muss den immer der Mann alles vorschlagen, ansprechen, einladen, anschreiben, küssen..?
LG Bernd*
*Name von der Red. geändert
Antwort: Verzeihen Sie den Geschlechterunterschied!
Hallo Bernd,
tja, da haben Sie grundsätzlich einen richtigen Riecher bewiesen. Tatsächlich gibt es in Sachen Kontaktaufnahme einen tendenziellen Geschlechterunterschied. Meistens, das zeigten schon US-amerikanische Studien aus den 80ern, geht die Initiative beim Flirten vom männlichen Geschlecht aus. Ich meine in diesem Zusammenhang besonders das Ansprechen an sich.
Man muss sich nur mal einen Abend lang an die Theke eines gut gefüllten Clubs stellen und die Mitmenschen beobachten. Dann wird schnell klar: "Er" spricht meistens "sie" an. Damit das aber tatsächlich passieren kann, signalisiert die Flirtpartnerin häufig vorher dem Anderen mithilfe einer flirttypischen Körpersprache, dass sie ihm keinen Korb geben würde, sollte er sich zu einer verbalen Kontaktaufnahme überwinden.
Es ist kein Zufall, dass sich die, sagen wir, weit verbreitete "weibliche Zurückhaltung", auch bei anderen Kommunikationsformen auffällig ist: SMS, E-Mail, Handy und so weiter. Unterstützt wird eine derartige Passivität auch durch die Medien. Es gibt beispielsweise sehr viele Filme, in denen Geschlechterstereotype plattgetreten werden. In entsprechenden Geschichten erträumen sich attraktive Single-Frauen das perfekte Date mit einem atemberaubenden Gentleman, der ihnen die Wünsche von den Augen abliest und – aktiv die Werbung vorantreibt. Tja, Medien beeinflussen uns ein Leben lang, besonders in der Kindheit.
Auf der anderen Seite dürfen wir auch der Tradition unserer Kultur die Rollenverteilung bei der Partnerwahl in die Schuhe schieben. Noch vor wenigen Jahrzehnten etwa mussten Männer noch viel mehr Gepflogenheiten und (inoffizielle) Rollenanforderungen befolgen, um die Dame des Herzens erobern "zu dürfen".
Hier liegen also die Hunde möglicherweise begraben. Fazit: Viele Frauen wurden wohl zum "Abwarten" erzogen und geprägt. Das legt niemand einfach so ab.
Aber, auf der anderen Seite schadet es natürlich auch nicht, einmal über die eigene Außenwirkung nachzudenken. Schließlich ist unsere Hülle ja verantwortlich dafür, in welche "Schubladen" wir von unseren Mitmenschen einsortiert werden. Es gilt die Faustformel: Je netter, offene und "harmloser" die Ausstrahlung, desto eher werden flirtwillige Frauen den Erstkontakt inszenieren – trotz sozialisierter Passivität. Denn es gibt logischerweise auch extrovertierte Frauen, die das Heft in die Hand nehmen. Zum Glück!
Lange Rede kurzer Sinn: Verzeihen Sie den allgemeinen Geschlechterunterschieden, sie sind wahrscheinlich sozialisiert. Wir Männer dürfen die Rolle des Hauptaktiven übernehmen. Wieso auch nicht?
Besten Gruß,
Marcus Damm