Viele Frauen geben sich beim Flirten ein bisschen unnahbar. Das kann anziehend wirken. Auch die Männerwelt könnte in diesem Sinn mal aktiv werden.
Letztens war ich hier in Worms mal wieder "auf der Piste". Es war ein Samstag, sagenhaftes Wetter, und ein laues Frühlingslüftchen sorgte für ein frühsommerliches Ambiente.
Ich saß irgendwann in einem italienischen Lokal und gönnte mir eine Pizza Diavolo, die ich mit Lambrusco runterspülte. Am Nachbartisch vergnügte sich ein Pärchen. Beide waren circa in meinem Alter, gepflegt, optisch nett anzuschauen – und der Anlass ihrer Zusammenkunft war anscheinend ein Date.
Die beiden redeten nicht übermäßig laut, trotzdem bekam ich so gut wie alles mit. Jedenfalls versuchte der männliche Part, mit allen nur erdenklichen Mitteln einen guten Eindruck auf die Dame zu machen. Er erzählte, ein bisschen überzogen, über seinen Beruf (irgendwas Managermäßiges) und machte ihr nebenbei ein paar Komplimente. Interessant wie auch "typisch" fielen ihre Reaktionen aus. Sie spielte das obligatorische "Nähe-und-Distanz-Spiel" – und das sehr professionell.
Tatsächlich praktizieren viele Frauen beim Kennenlernen, genauer gesagt, bei den ersten Dates dieses Kommunikationsmuster: Auf der einen Seite werden, gut dosiert, Interesse und Sympathie signalisiert, auf der anderen tritt "frau" auch mal auf die Bremse, wenn "er" "ihr" (zu schnell?) zu nahe kommt. Man kann davon ausgehen, dass Frauen auf diese Weise das Flirtgeschehen gewissermaßen steuern.
Als ich noch Flirtkurse angeboten habe, wurde dieses Verhalten immer mal wieder auf den Tisch gebracht. Die männlichen Teilnehmer fragten die weiblichen konkret: "Wieso spielt Ihr Frauen oft das Nähe-und-Distanz-Spiel?" Die meistens Antworten klangen dann in etwa so: "Ach, ich will es dem Mann nicht so einfach machen", oder: "Ich spiele manchmal gerne die Unnahbare, sonst wäre es doch langweilig!" Hm. Interessant.
Tatsächlich ist es doch so, dass wir besonders diejenigen Singles anziehend finden, die nicht so leicht zu erobern sind. Ohne "Wettbewerbscharakter" fehlt doch jedem echten Flirt das Besondere, oder?
Und gerade diese, dafür notwendige Dynamik zwischen Nähe und Distanz macht für viele den Reiz des Flirts aus. Das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern – das Spiel wird eher von Frauen inszeniert – dürfte evolutionäre Ursachen haben. Das weibliche Geschlecht muss im Allgemeinen in Sachen Partnerwahl kritischer vorgehen. Die Single-Frau hat mehr davon, wenn sie den Charakter des Anderen erforscht (gerade durch das Nähe-und-Distanz-Spiel). Das Unternehmen erfordert zwar mehr Zeit, aber dadurch können Voraussagen darüber getroffen werden, wie sich der Andere nach der – unromantisch gesagt – ersten sexuellen Zusammenkunft verhält. Bleibt er – oder versucht er es gleich bei der Nächsten?
Übrigens: Wie die Geschichte in der italienischen Gaststätte letztlich ausging, kann ich nicht sagen. Ich verließ die beiden, als er gerade eine Flasche Sekt orderte. Männer…
Ich denke, dass sich Frauen mit dem Nähe-Distanzspiel selbst ein Bein stellen. Es ist eine Form der paradoxen Kommunikation, in der letztlich egal ist, was das Gegenüber tut: Es wird immer irgendwie falsch sein. Gibt der Herr zu viel "Gas", dann ist er ein Draufgänger und ein unsicherer Kantonist. Lässt er nach, dann hat er ja eh’ kein Interesse. Und der, der scheinbar richtig damit umgeht, ist vielleicht einfach ein guter Jäger, den die Jagd interessiert und nach der Erreichung des Ziels sich wieder für die erneute Jagd verabschiedet. Klare und offene Kommunikation wäre für beide hilfreicher, oder nicht.
Viele Grüße
(m,46)
zu Frank:
Da hast Du vollkommen recht. Ich mag dieses Spielchen auch nicht. Vor allem wissen manche Damen nicht, wann sie damit aufhören sollen und werden dann in die Schublade “die weis nicht, was sie will” gesteckt. Es geht doch auch anders, man muss nur den Mut haben und ehrlich sein.