55.000 wurden für eine Sexstudie zu ihrem Liebesleben befragt.
Exklusiv ist dazu seit zwei Wochen eine Serie auf Pro 7 angelaufen. Bemüht wurde auch eine Anzahl von angeblich hochkarätigen Spezialisten, die u.a. auch 100 Teilnehmer live befragten und zu Experimenten animiert haben. Dazu zählte auch ein Vernehmungsspezialist (vom BKA, Kripo?), der mittels Lügendetektor herausfinden wollte, inwieweit die Probanden bei der Beantwortung intimer Fragen (Haben Sie schon einmal Ihre Frau betrogen?) gelogen haben und falls ja, welche Gründe dafür herhalten müssen. Daneben geben Psychologen und ein Evolutionsbiologe ihren Senf dazu.
Die Ergebnisse des ersten Teiles – ich werde auch die anderen Teile hier kurz zusammenfassen und kommentieren – sind in der Mehrzahl so bekannt wie banal:
- Frauen und Männer sind sehr unterschiedlich in ihrem Sexualverhalten
- Viele lügen, weil sie sich schämen, wenn es um die Offenlegung intimer Details geht – Frauen wollen Männer mit robusten Gesichtszügen und insgesamt maskulinen Merkmalen, weil sie dadurch angeblich (Evolutionsbiologie) einen höheren Status vermitteln
- Die meisten wünschen sich einen längeren Sexualkontakt bzw. ein kreativeres Vorspiel
- Masturbation ist inzwischen – im Vergleich zu früher – sehr weit verbreitet (90% der Frauen und 98% der Männer tun es; 30% der Männer täglich, wie viele Frauen es täglich tun, habe ich leider nicht erfahren)
Die vielleicht noch ganz interessanten Ergebnisse haben alle etwas mit unserer schnelllebigen, post-postmodernen Zeit zu tun: So sind immer mehr Deutsche mit einem idealen Körper beschäftigt. Mehr als 20.000 von ihnen haben sich 2007 im Genitalbereich verschönern lassen. Was auch immer das heißen mag. Die These wird aufgestellt, dass dies auch mit einem extrem gestiegenen Konsum von pornographischen Inhalten zu tun hätte, da hier natürlich ausschließlich sich zur Idealisierung anbietende Körper dargestellt werden. Und: der Mensch ist nun einmal ein Nachahmungstier. Pornographie, so heißt es, sei in der Mitte der Gesellschaft angekommen und hat großen Einfluss auf das Denken und das Verhalten der Konsumenten. Dies wird wiederum psycho-biologisch damit begründet, dass beim Anschauen von Pornos Endokrine ausgeschüttet werden würden, die das Belohnungssystem des Betrachters bzw. der Betrachterin aktivieren und ein berauschendes Gefühl erzeugen würden, das dann auf Wunsch schnell und bequem wiederholt werden könne. Nun – ich muss gestehen, dass sich bei mir nicht unbedingt immer berauschende Gefühle beim Pornogucken eingestellt haben ? meist war das grottenlangweilig. Aber vielleicht habe ich ja auch die falschen Pornos geguckt. Die Frage ist ja auch, wie sich das mit dem Belohnungssystem wirklich verhält: natürlich kann man dem Ganzen ein gewisses Suchtpotenzial nicht absprechen. Zu lernen, Befriedigung auch einmal aufzuschieben – so, wie es kleine Kinder schon mit der Schokolade und dem Eis am Stiel lernen – scheint also für viele Menschen heutzutage eine große Herausforderung zu sein. Schöne, neue Welt. Dafür die Pornoindustrie oder "das Internet" in irgendeiner Weise verantwortlich zu machen, ist natürlich der größte Schwachsinn.
Was gibt es noch? Nun, jeder 5. Mann ab 30 hat Erektionsprobleme, ab 40 schon jeder 2. Da fragt man sich wirklich, welches Elend sich in deutschen Schlafzimmern abspielt, falls diese Zahlen stimmen sollten. Wahrscheinlich ist es so, dass immer dann, wenn er mal nicht steht, ein Erektionsproblem draus gemacht wird. Der Zwang, immer Lust haben zu müssen, scheint sich also weiter zu verbreiten. Allerdings wird als Grund für die Erektionsschwierigkeiten eine ungesunde Lebensführung ins Feld geführt, aber nicht näher ausgeführt. Die armen Männer scheinen also gleichzeitig immer mehr für ihre Gesundheit zu tun (Fitnesscenter usw.) und unter Stress zu leiden.
Und zu guter Letzt: Jeder 3. Deutsche besitzt mindestens ein Sexspielzeug; 91% haben Erfahrung mit oralem und 49% mit analem Verkehr (da ist also noch was drin) und die meistgeliebten Stellungen für beide Geschlechter sind in der Reihenfolge der Beliebtheit "Doggy Style", "Reiterstellung", "Missionarsstellung", "Oralverkehr", "Löffelchen" und "Im Sitzen".
Na, dann viel Spaß und bis zum nächsten Mal!
… ja, das Wortspiel ist gut: 49 % haben Analverkehr – da ist noch ‘was drin … grins.