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Was in deutschen Schlafzimmern wirklich passiert (Teil II)
Was in deutschen Schlafzimmern wirklich passiert (Teil II) (Kategorie: Sexualitätsblog)
55.000 wurden für eine Sexstudie zu ihrem Liebesleben befragt.

"Am wichtigsten ist ein guter Orgasmus!" "Laut kann ich nicht. Das entspricht mir nicht." "Ich brauche es fast täglich." Mit solchen Zitaten beginnt die zweite Ausgabe des Pro7-Sexreports, in der es um die weibliche Sexualität, speziell die Funktion des Orgasmus, geht.

Wir werden darüber aufgeklärt, wie oft Frauen an Sex denken, wie leicht sie erregbar sind und wie sie am besten zum Höhepunkt gelangen. Untertitel: "Eine Reise auf der Suche nach den Geheimnissen der weiblichen Sexualität."

Nachdem ich zunächst recht skeptisch war, was uns da alles medienwirksam präsentiert werden würde (und man natürlich nach wie vor bei einer tatsächlichen Teilnehmerinnenzahl von 6 Frauen für die wichtigen Untersuchungsfragen nicht von wissenschaftlich sprechen kann) fand ich dann doch einige Ergebnisse recht bemerkenswert. Dazu jedoch später.

Zunächst ging es um prozentuale Erkenntnisse, die ich eher langweilig finde, weil man sich das meiste denken kann. So verlangen 66% der Frauen beim Sex nach mehr Abwechslung; Lustlosigkeit empfinden "nur" 19% (im Vergleich zu 21% lustlosen Männern. DAS ist doch noch mal ein Ergebnis!). Beim "Sex im Kopf" gab es dann extreme Unterschiede. Die Frauen sollten auf der Straße oder unterwegs durch Knopfdruck festhalten, wann ihnen eine Situation erotisch vorkam bzw. sexuelle Fantasien in ihnen weckte. Die Klicks variierten zwischen 2 und 48. Ich denke mal, dass der Grund hierfür nicht in erster Linie in einer unterschiedlichen Erregbarkeit der untersuchten Frauen zu suchen ist, sondern damit zusammenhängt, dass jede Frau etwas anderes unter "erotisches Gefühl" und "sexuelle Erregung" versteht und die Situationen somit vollkommen unterschiedlich bewertet werden. Hier wurde leider nicht weiter nachgefragt.
Das für mich dann interessanteste Ergebnis war im Zusammenhang mit der Frage, wie sexuelles Begehren eigentlich wahrgenommen wird. Wie ist der Zusammenhang zwischen tatsächlicher, objektiv gemessener sexueller Erregung (gemessen mit einem Instrument in der Vagina beim Betrachten eines Pornofilms unter Laborbedingungen) und der subjektiven Einschätzung der eigenen sexuellen Erregung? Hier traten ziemlich große Unterschiede zutage. Es wurde auch behauptet, dass diese Unterschiede in der Wahrnehmung bei Frauen größer seien als bei Männern. Damit wurde also noch einmal bewiesen, dass Männer mehr mit ihrem Geschlecht denken als Frauen – und es ist zudem klar, dass Frauen eher Umstände kreieren müssen, in denen sie sich auch bewusst sexuell erregt fühlen KÖNNEN. Die Gründe, die hier angeführt wurden, waren allerdings wenig differenziert. Zunächst wurde die schnelle körperliche Erregtheit (die objektiv gemessene) evolutionsbiologisch mit der Bereitschaft, Nachkommen zu zeugen, begründet. Der Unterschied zur subjektiven Wahrnehmung wurde dann aus gesellschaftlichen Faktoren abgeleitet: Die aktive Suche der Frauen nach dem Orgasmus sei eben erst seit relativ kurzer Zeit akzeptiert. Meines Erachtens ist diese Erklärung kurzsichtig. Ich glaube eher daran, dass Frauen Situationen einfach anders bewerten (s.o.) als Männer und dass diese unterschiedliche Bewertung auch etwas mit anderen Bedürfnissen und Gefühlen zu tun hat. Im Zirkelschluss kann man dann das wieder mit gesellschaftlichen Bedingungen begründen.

Alles Weitere beim nächsten Mal! Da geht es um Selbstbefriedigung und Intimchirurgie.


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