Laut oder leise im Bett? Beim dirty talk scheiden sich die Geschmäcker.
Viele Wege führen nach Rom. Diejenigen, die wir bisher in unserer Serie beschrieben haben, waren allesamt eher auf der Verhaltensebene angesiedelt. Also fehlt noch eine wichtige Dimension, die oft vergessen wird: Die menschliche Sprache.
Ich habe dazu neulich auf Wikipedia gelesen, dass "Stummheit im Bett sehr oft schambedingt sei". Das hat mich dann doch etwas irritiert. Schamgefühle sind ja – psychologisch gesehen – anerzogene Hemmschwellen, die verhindern, dass sich jemand zeigt, so wie er ist. Mal ganz einfach formuliert. Der Hintergrund besteht darin, dass die "Zeigelust" bei einem Menschen gefördert werden muss; jemand, den man schon früh "beschämt" ("Wie siehst du denn aus!", "Was machst Du denn da!?"), der kann keinen Stolz auf sein "Sein" entwickeln. Im Gegenteil, er hat Angst, sich mit diesen früh kritisierten oder entwerteten Anteilen zu offenbaren: Er schämt sich. Selbstverständlich wirkt sich dies auch stark auf das Sexualverhalten aus. Denn nichts geht dem Menschen so nah, wie sein Körper. Entwertungen, die sich auf diesen beziehen, werden demnach als besonders schlimm empfunden. Wir können dies z.B. dann gut nachvollziehen, wenn wir Leute beobachten, die sich über andere auf der Körperebene lustig machen: Wir sind dann unmittelbar unangenehm berührt – und wenn wir mitlachen, dann meist nur halbherzig. Deswegen sind auch Witze, die sich auf körperliche Behinderungen beziehen, politisch absolut unkorrekt. Zu recht.
Kommen wir aber zurück zur Eingangsthese von Wiki. Diese beinhaltet ja unausgesprochen, dass das Sexuelle immer nur zusammen mit "sprachlicher Verstärkung" ("Dirty Talk") vollständig sei. Das finde ich übertrieben. Es ist schon komisch, sich vorzustellen, dass man jedes Mal seinen Partner mit Verbalerotik anfeuern muss, um nicht in den Verdacht eines Sexmuffels zu geraten. Echt Stress, finde ich. Auf der anderen Seite ist natürlich gegen ein Aufpeppen des Sexualaktes durch "lüsternes Flüstern" nichts einzuwenden – wenn es denn einigermaßen kreativ und originell ist. Und das ist bestimmt nicht immer der Fall. Ich will mir hier lieber gar nicht ausmalen, zu welchen absonderlichen Ausdrucksformen der sprachlichen Entgleisung manche Zeitgenossen im Bett finden können.
Dazu gibt es dann – na klar – auch gleich wieder Ratgeber, die einem zeigen, wie man richtig spricht beim Sex. So soll man z.B. "mehr als schmutziges Gerede drauf haben" und eben nicht nur "Kommandos ins Ohr flüstern", sondern z.B. ausmalen, wie "sie ihn heimlich in den Nebelschwaden eines Dampfbades verführt". Ich frage mich da, wie lang eine solche Anekdote werden soll? Hoffentlich ist der andere dann nicht längst eingeschlafen. Oder der Vorschlag, die "No Go's" vorher abzustimmen. Das passt gut zur deutschen Absicherungskultur: Bloß nichts Falsches machen! Und man soll auf keinen Fall nur eine Sprache sprechen, sondern vielleicht auch mal ins Französische oder Italienische ausweichen. Hier sind also Sprachwissenschaftler deutlich bevorzugt. Wundern würde mich nicht, wenn eine Statistik herausfinden würde, dass die dann auch tatsächlich den besseren Sex haben.
Abschließend sei noch die Idee erwähnt, eine kurze Pause zwischen Aufforderung, wie "Ich will dich in mir spüren!" nach dem "Ich will dich" zu machen. Das erhöht angeblich die Spannung! Na denn mal los.
Es ist schon komisch der "erste" zu sein,der zu diesem Artikel etwas schreibt.
Wenn zwei sich lieben dauert es meiner Meinung nach noch eine Weile ehe man alle "Hemmschwellen" verliert und sich zärtlich ins Ohr flüstert was man für Wünsche hat und wie diese erfüllbar sind.Grundsätzlich gilt, es ist alles erlaubt was beiden gefällt – doch dazu muss man sich erst vortasten! Ich persönlich finde jede originelle direkte Ausdrucksweise viel lustvoller als die Kommando-F-Talks etc.
Es ist sehr wichtig, niemanden zu verletzen und auf ihn einzugehen – wenn derjenige jedoch partout nicht reden will sollte man es akzeptieren – vorausgesetzt man liebt ihn.