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Wege sexueller Lust 5: “Der Anblick Ihres Fußes verwirrt mich”
Wege sexueller Lust 5: “Der Anblick Ihres Fußes verwirrt mich” (Kategorie: Sexualitätsblog)
Fussfetischsten sind gar nicht so selten. Das wusste schon Gustave Flaubert...

"Den Rücken dem Licht zugekehrt, neigte Madame Arnoux sich über ihn. Er fühlte ihren liebkosenden Atem auf der Stirn, und durch die Kleider hindurch die unbestimmte Berührung ihres ganzen Körpers.

Ihre Hände pressten sich, die Spitze ihres Schuhes kam ein wenig unter dem Kleide hervor, und seiner Sinne kaum mächtig, sagte er zu ihr: "Der Anblick Ihres Fußes verwirrt mich." (aus: Gustave Flaubert, "Education Sentimentale")

Zum ausgehenden letzten Jahrhundert war es der Assoziationspsychologe Alfred Binet (1857-1911), der als einer der ersten mit der Theorie der angeborenen Perversion aufräumte. Er entdeckte, dass bestimmte Fixierungen und Zwänge im sexuellen Bereich in einen Zusammenhang mit frühkindlichen Erfahrungen gebracht werden konnten. So schildert er das Beispiel eines Patienten, der als Kind immer bei den Eltern schlafen musste und dabei die Mutter mit einer Nachthaube bekleidet beobachtete. Später entwickelte er dann eine fetischistische Neigung, die sich auf ebensolche Nachthauben bezog. Die Theorie der Assoziation war geboren: Ein Verhalten wird durch ganz bestimmte, natürlich bedeutungsvolle Erlebnisse geprägt und – sicher zusätzlich begünstigt durch noch andere Faktoren – z.B. zu einem Fetisch ausgebildet. Diese Annahme von Binet wurde dann von anderen Wissenschaftlern aufgegriffen und mündete später in der Behauptung einer polymorph-perversen Veranlagung beim Kinde, formuliert von Freud.

Als einer der ersten Wissenschaftler, die sich vom Degenerationsmodell der Sexualität verabschiedeten und eine gleichsam liberale und fortschrittliche Sicht auf das Sexuelle zuließen, war Iwan Bloch (1812-1922). Er zeigte auf, dass eine Unzahl sexueller Praktiken in vielen Kulturen üblich ist und führte dies auf ein allgemein- menschliches Bedürfnis nach einem offenen Ausdruck und der Befriedigung sexueller Bedürfnisse zurück.
Freud selbst blieb indes beim Diktat des Genitalen, dem er alle anderen sexuellen Äußerungen unterordnete. Dafür führte er den Begriff des "Partialtriebes" ein, d.h. die von bestimmten Körperteilen (Mund, Anus, Haut) ausgehende, sexuelle Energie. Die "erogene Zone" war damit geboren. Eine ?Fixierung? auf eine solche Zone, die anhaltend ist und eine Entwicklung zur genitalen Reife verhindert, wurde dann mit dem Begriff "Perversion" belegt. Der Begriff der "Fixierung" ist hier entscheidend, denn er erklärt erst, warum es zur Ausbildung eines bestimmten, festgelegten Sexualverhaltens kommen kann. Wie weit eine solche Fixierung gehen kann, zeigt ein aktuelles Beispiel aus dem Rhein-Main-Gebiet, wo ein Schuhfetischist sein Unwesen treibt.
Interessant ist für uns in diesem Zusammenhang allerdings auch, dass Freud den Fetischismus als in gewissem Masse "normal" und Teil unseres Alltagslebens ansah. Gott sei Dank!
Wie kommt es aber nun zu solchen Fixierungen? Hier wird das eigentlich psychologische bzw. psychoanalytische Denken Freuds wichtig. Er stellt nämlich einen Zusammenhang her mit der Kastrationsangst des Knaben. Dieser ist schockiert wegen des fehlenden Penis bei der Mutter und hat Angst, kastriert zu werden. Der Schuh – und vor allem der hochhackige! – bildet den Ersatz für den Penis der Mutter, der über das Betrachten des Beines (von unten!) gleichsam symbolisch einen neuen Penis schafft, um sich psychisch Erleichterung – und Erregung – zu verschaffen. Eine These, die sicherlich auch heute noch – vor allem bei der Verbreitung von High Heels und Pumps – zu erstauntem Stirnrunzeln führen dürfte. Zum Beispiel bei den Teilnehmerinnen eines Wettlaufes, veranstaltet von der Zeitschrift "Glamour", die auf ihren High Heels durch die Berliner Innenstadt gerannt sind. Ob die sich über die Implikationen bei ihren männlichen Bewunderern am Straßenrand bewusst waren?


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