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Wenn die erwachsenen Kinder dagegen sind…
Wenn die erwachsenen Kinder dagegen sind… (Kategorie: Alleinerziehendenblog)
In meinem weiteren Umfeld gab es eine dieser Geschichten: Ein Mann, Anfang 70, seit einigen Jahren Witwer, lernt eine neue Partnerin kennen. Die Kinder waren skeptisch: "Sie ist aus der Ukraine!", empörte sich die erwachsene Tochter. "Sie ist fast zwanzig Jahre jünger als er", setzte die Schwiegertochter noch eins drauf.

Dem Sohn des Mannes war das uneheliche Kind der Neuen ein Dorn im Auge. Die sei doch nur auf sein Erbe aus, war die einhellige Meinung der Familie. Also gab es fortan Familiensitzungen und Krisengespräche, was man gegen die neue Partnerin des alten Mannes unternehmen konnte.

Dieser gab sich uneinsichtig. Er habe zehn Jahre allein gelebt, nachdem er seine geliebte Ehefrau verloren hatte. Er sei einsam gewesen. Mit der Neuen sei die Lebensfreude eingezogen. Nein, er habe das ganz und gar nicht überstürzt, aber in seinem Alter habe man eben nicht mehr so viel Zeit. Also habe er es gewagt und sei aufs Ganze gegangen. Inzwischen waren die beiden nämlich sogar verheiratet. Bei der standesamtlichen Trauung war von seinen Kindern aus Protest keines gekommen. Bis jetzt habe er das nicht bereut.

Was denn mit dem Erbe sei, wollten die Kinder dann wissen. Das falle nach seinem Tode dieser Dahergelaufenen zu. Der Vater zuckte nur mit den Schultern. Er sei glücklich. Er habe eine wunderbare Frau, mit der er seinen Lebensabend genieße und mit der er sehr glücklich sei. Seine Kinder stünden doch schon lange auf eigenen Beinen, hätten eine finanziell sichere Lebenssituation und seien auf das Erbe nicht angewiesen. Er habe vorgesorgt, dass seine Enkelkinder im Testament bedacht werden. Damit war die Diskussion beendet und der Familienkrach an einem Punkt an dem nicht mehr vermittelt werden konnte.

Einige Jahre herrschte nahezu Funkstille. Nur zu den wichtigsten Feiertagen traf man sich mit säuerlichen Mienen und vermied das Thema geflissentlich. Im letzten Jahr erkrankte der alte Mann schwer und wurde zum Pflegefall. Seine Frau kümmerte sich liebevoll und aufopfernd um ihn und machte ihm die Zeit bis zu seinem Tode vor ein paar Monaten so angenehm wie möglich. Natürlich erbte sie ihren Teil seines Vermögens, obwohl die Kinder des Mannes versuchten, das zu verhindern. Erst kürzlich sagte jedoch seine Tochter kleinlaut, die Ehe der beiden sei tatsächlich von Liebe und Zuneigung geprägt gewesen und es täte ihr ein wenig Leid, dass sie ihrem Vater das zu Lebzeiten nicht wirklich habe gönnen können.


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2 Antworten zu “Wenn die erwachsenen Kinder dagegen sind…”

  • Anja sagt:

    Die sollen sich was schämen, diese Gören! Das Erbe und einen Haufen Vorurteile vor das Glück des Vaters zu stellen. Unglaublich, unmöglich, unverschämt. Ich bin richtig sauer. Jetzt aber mal durchgeatmet und zurück zur Sachlichkeit. Ich kann natürlich verstehen, dass die Kinder erstmal erschreckt oder irritiert reagieren, wenn eine neue Frau an der Seite des Vaters erscheint. Und 10 Jahre ist zwar ein längerer Zeitraum, aber der Zeitraum in dem die geliebte Frau und Mutter mit ihrer Familie verbracht hat, war wohl deutlich länger. Eine neue Partnerin heißt mit Sicherheit NICHT, dass die "Vorgängerin" vergessen ist, sondern lediglich dass sie "die Neue" ist, mit der ein NEUES LEBEN begonnen werden kann. Die verstorbene Frau wird wohl immer ein Plätzchen im Herzen aller Hinterbliebenen halten.
    Und auch noch: Ukrainerin! Passt ja auch noch prima ins Vorurteilsmuster.
    Aber in erster Linie ist diese Frau ein MENSCH. Und verdient daher ein Kennenlernen. Wenn sie menschlich nicht "in Ordnung" gewesen wäre, der Vater durch sie nicht glücklich geworden wäre, wäre das wohl eher ein Grund zur Ablehnung. 20 Jahre Altersunterschied? Da muß ich ja lachen. In dem Alter doch nun wirklich kein Thema mehr.

    Zusammengefasst muss ich leider sagen, dass sich die Kinder was schämen sollten, den Vater so gekränkt und allein gelassen zu haben. Meiner Meinung nach hätten sie vom Erbe NICHTS verdient. Aber in sich gehen sollten sie. Zutiefst!!

  • jeremias12 sagt:

    Ein Testament könnte doch alle Ansprüche Dritter abschmettern.