Wann wird die Suche nach dem "
Idealpartner" zum Hindernis? Gegen klare Vorstellungen, was man persönlich braucht, um in einer Partnerschaft glücklich zu sein, ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Doch die Suche nach dem "passenden" Partner kann zur Liebeskrux werden.
"Wie passend muss denn ein Partner sein, damit er in das Vorstellungsraster eingefügt werden kann?" Selbst wenn diese Frage nicht explizit am Beginn einer Partnersuche steht, so schwingt sie unbewusst doch häufig mit. Mir begegnet diese Haltung nicht selten in der Praxis als Single- und Paarberaterin. Letzte Woche sprach ich mit einer Frau, 49 Jahre, gut aussehend, humorvoll und unterhaltsam, Kinder aus dem Haus und Professorin an der Uni über ihr Problem, zu wenig Resonanz auf ihre Initiativen bei der Online-Partnersuche zu erhalten. Schnell kommen wir auf ihre Vorstellungen und Wünschen an einen Partner zu sprechen. Sie äußerte folgendes: "Also ich golfe und reise viel, spiele Tennis und möchte viel mit meinem Partner unternehmen. Diese Vorlieben sollte er schon mit mir teilen. Und dann die üblichen Standards: Humorvoll, gebildet, selbstbewusst, noch gut in Schuss, bereit sein, sich in eine Beziehung einzulassen, gute Manieren, gepflegtes Äußeres und er sollte mir als Frau das Gefühl geben, was ganz Besonderes in seinem Leben zu sein."
Mehr nicht. Ganz einfach oder? Ich fragte, was denn wäre, wenn er vieles davon mitbringt, aber ein passionierter Jäger sei und gerne in der Freizeit reitet. "Nein, das würde nicht gehen. Er sollte auch golfen, sonst würde das keinen Sinn machen. In meinem Alter möchte ich nun wirklich jemanden haben, der zu mir passt. Keine Kompromisse mehr." Baff, das war deutlich. Selbst die Professorin musste bei ihrem vehementen Statement schmunzeln. Schwer zu sagen, ob verlegen wegen ihrer Einstellung oder nur fröhlich amüsiert. Ich hingegen staunte. Doch welcher selbstbewusste Mann würde sich von dieser dominanten Frau angezogen fühlen und hätte Lust, sich in diese Vorstellung einzupassen. Müsste er nicht befürchten, vieles von sich aufzugeben, um dem Bild dieser Frau zu entsprechen?
Wer auf diese Weise das Thema Partnersuche angeht, der richtet einseitig den Fokus auf die Frage: Wer passt zu MIR? Doch geht es in einer Partnerschaft nur darum, was ich will und mir gut tut? Das ist meiner Meinung nach keine Beziehung, keine wirkliche Begegnung. Wer so denkt, der geht nicht "IN Beziehung" zum anderen. Er ist nicht bereit zu schauen, wie sich Beziehung GEMEINSAM gestalten lässt. Zudem ist die Suche nach einem perfekten Partner kein Garant für eine "perfekte Beziehung". Schon in dem Wort "perfekt" zeigt sich ein großes Problem: Wir haben extrem hohe Erwartungen an unseren Partner. Unsere Konsumgesellschaft mit der Alles-ist-Möglich-Mentalität hat bei vielen eine Haltung geschaffen, dass einem der perfekte Partner zusteht und mit ihm die perfekte Partnerschaft serviert wird. Ich sage das mal überspitzt: Man braucht wenig für eine Partnerschaft zu tun, in der Wahl des perfekten Partners finde ich mein perfektes Glück. Das ist jedoch zu großen Teilen unserem Optimierungswahn geschuldet!
Beziehungsarbeit könnte für viele das Unwort des Jahres werden! Jedenfalls ist es nicht en vogue. Wer jedoch nicht ewig Single bleiben möchte, der sollte mit seinen Idealvorstellungen aufräumen und seine eigene Liebeseinstellung überprüfen. Denn die Kehrseite der Kompromisslosigkeit, die viele in Liebesdingen für sich beanspruchen, ist ihre eigene Unfähigkeit, sich auf jemanden einzulassen, der ihrem eigenen Selbstbild womöglich nicht exakt entspricht. Die allermeisten Singles sind der festen Überzeugung, dass die wahre Liebe sie nur noch nicht gefunden hat, dass aber in dem Moment, wo der oder die Richtige auftaucht, alles wie von selbst an seinen Platz fallen wird. Der Glaube daran, dass beim nächsten Mann oder bei der nächsten Frau wirklich alles anders wird, ist indes nicht haltbar. Es liegt viel mehr an einem selbst!
Es ist doch eher die Frage, ob man mit dem "Manko" klar kommt oder nicht. Ob jetzt ein Hobby wirklich so wichtig ist, das ist natürlich die Frage.
Für mich z.B. ist es eher schwierig, mich in jemanden richtig zu verlieben. Ich hätte meinen "Wunschpartner" was Hobbies, Eigneschaften, Verhalten etc. angeht gefunden, jedoch liebe ich ihn nicht. !Warum?", frage ich mich dann? Ich denke, wenn man jemanden wirklich liebt, kann es auch Abweichungen bei den "Anforderungen" geben, dann passt das trotzdem.
In der Sache treffend beobachtet. Aber wie oft geraten wir nicht selbst in diesen Reflex: Passt nicht 100%ig – der/die Nächste bitte!
Die Auswahl scheint so groß, dass immer die Hoffnung mitschwingt, jemand zu finden, der passender sein könnte.
Ich glaube, da muss man entweder sehr verzweifelt auf der Suche oder stark verliebt sein, um über scheinbar elementare Differenzen schauen zu können. Kurios finde ich dann Aussagen mit dem Tenor wie: "Der/die ist so unterschiedlich, dass ich mich gar nicht in ihn/sie verlieben kann."
Endlich mal ein wahres Wort, nun brauch ich es nur noch in die Tat umzusetzen, dann find ich vielleicht endlich meinen Traummann: Mit Herzensbildung, kinderlieb, ethischen Überlegungen, Zivilcourage, Aussehen und Lieblingssport egal, aber regelmässig geduscht, mit Lust am Frankreichurlaub, oh je, das ist ja schon wieder eine recht lange Liste…ach ja, bitte nicht davon einschüchtern lassen.
Bin zwar recht forsch, aber wirklich lieb und manchmal auch lustig……
Euch allen viel Erfolg bei der Suche und liebe Grüsse. Natascha
Hallo zusammen,
wirklich ein sehr guter Artikel. Hält einem den Spiegel vor. Erst dachte ich: "Also mal nicht so übertreiben, Frau Fischbach." Aber dann dachte ich nochmal nach und musste mir eingestehen, dass viel Wahres im Text steht. Ist so viel leichter, den Schreiber zu verurteilen, als sich an die eigene Nase zu packen. Abwehr ist nun mal des meisten Waffe, anstatt zu reflektieren.
Ich selber ertappe mich immer mehr dabei, dass man es mir schwer recht machen kann. Dann passt dies nicht, dann das nicht. Manchmal frage ich mich, ob dahinter auch eine Beziehungsangst steckt. Denn es ist eine schicke Art, Beziehung zu verhindert, wenn man sich hinter der Anspruchsfalle versteckt.
Ich muss mich wirklich mal prüfen.
Alexandra
Hallo Alexandra,
Du sprichst mir aus der Seele.. Es ist wohl so, dass man beim zweiten Mal alles optimal haben möchte und weniger Kompromisse eingehen will. Aber, jeder hat sein Leben in seinem Singledasein gestaltet und sein Singlewochenende so voll gepackt, dass man diese liebgewonnenden Interessen am liebsten mit dem neuen Partner teilen möchte, doch davon muß man sich wohl frei machen.
Wer wünscht sich allen Ernstes einen perfekten Partner? Wie langweilig! Mit 61 Jahren kann ich doch nicht erwarten, ein "unbeschriebens Blatt" zu bekommen, einen Partner, der sich stromlinienförmig dem Leben stellt oder rückratlos meinem Leben anpasst. Ich wünsche mir einen Partner der wie ich Ecken und Kanten hat,vielseitige Interessen hat, neugierig und offen durchs Leben geht, der mein Leben bereichert und für den ich ebenfalls eine Bereicherung sein kann. Es ist eine Lust, einen solchen Menschen zu lieben und mit ihm zu leben. Dafür verzichte ich gerne auf Gewohntes.
@ Heidemarie
Du hast eine bewundernswerte Haltung oder vielleicht sollte man besser sagen, eine wirklich zuträgliche Einstellung für eine konstruktive Partnerschaft. Ich sehe das genau so wie du. Nur muss ich sagen, dass ich auch etliche andere Menschen, wie im Text beschrieben, in meinem Freundeskreis kenne, die sich wie im Artikel berschieben verhalten. Und die wundern sich dann, keinen zu finden. Das finde ich verwunderlich. Die merken nicht, was sie dazu tun, um allein zu bleiben.
Bei mir liegt es wohl mit 59 eher am Alter, dass ich nicht zur Top-Zielgruppe vieler Männer gehöre. Aber ich werde sicher auch noch meinen Deckel finden…
bin sehr zuversichtlich, weil ich weiß, dass ich eine bereichernde Partnerin sein kann.
Liebe Grüße rundum
Kerstin
Es sind doch gerade die kleinen Fehler, die einen anderen Menschen liebenswert machen. Ein perfekter Partner wäre doch langweilig. Nur wird in der Gesellschaft suggeriert, dass alle so perfekt wie möglich sein müssen. Doch mit dieser Einstellung können wir nicht glücklich werden und schon gar nicht den "perfekten" Partner finden.
Ich für mich versuche Menschen so zu akzeptieren, wie sie sind. Als Rund-um-Paket bestehend aus guten und schlechten Eigenheiten. Natürlich gibts dann Situationen, wo man innerlich die Augen verleiert, im Nachhinein aber trotzdem drüber schmunzeln kann. Zum Problem wirds aber dann, wenn der Partner nicht bereit ist, einen selbst mit seinen Fehlern zu akzeptieren. Natürlich geht man auf den Partner ein, aber wenn dieser krampfhaft nach allem sucht, was nicht in seinen "Idealtypus" passt, dann kann man kämpfen soviel man möchte, es wird daran scheitern.
Und letztlich bin ich auch der Meinung, dass man keinen Partner braucht, der in jeder Lebenssituation oder bei jedem Thema der richtige Ansprechpartner/ Begleiter ist. Es gibt Dinge, die macht man mit dem Partner und anderes, das man mit Freunden unternimmt. Es ist doch gerade er Mix aus verschiedenen Ansichten, Erfahrungen und Einstellungen, der das Leben interessant macht und eine Person alleine kann dies nicht bieten.
Wenn ich solche Artikel lese, habe ich immer den Eindruck, dass es um den Kauf einer Eigentumswohnung geht und nicht um einen Menschen.
"Wenn es nicht für eine Penthauswohnung in Blankenese reicht (haben wir nicht im Angebot und können Sie sich sowieso nicht leisten), dann überlegen Sie doch mal, ob sie nicht vielleicht eine Parterrewohnung in Lurup nehmen könnten. Ist doch besser als nichts. Sie sollte sich darauf einlassen und bla."
Für mich ist es keine rationale Entscheidung, mich auf einen Mann "einzulassen". Entweder mein Bauch und mein Herz sagen JA zu ihm oder nicht.
Wenn ich in einen Mann von Herzen verliebt bin, ist es plötzlich egal, ob er ein paar Pfund Übergewicht hat, nicht studiert hat und 1000 km weit weg wohnt.
Hi Clara,
das stimmt, was du schreibst. Klar ist das keine Kopfentscheidung sich zu verlieben. Aber es ist eine Kopfentscheidung, sich im Vorfeld einen "Anspruchskatalog" zu machen, der Beziehungsverhindernd ist. Denn wenn ich immer nur nach der Blankeneser Bude suche, die meinen 45 Punkteplan erfüllen muss, erkenne ich vielleicht gar nicht, dass ich mich ebenfalls in einer netten Doppelhaushälfte in Rissen wohlfühlen könnte. Selbst wenn ich mit der Nasenspitze bereits in den Vorgarten gestolpert wäre…
Jessica
Stimmt, Jessica. Aber der Unterschied zwischen Blankenese und Rissen ist ja nicht so groß. Wer sich in Rissen wohlfühlt, dem wird man noch lange keine Souterrain-Bude in Wilhelmsburg aufschwatzen können.
Natürlich ist es Quatsch, jemanden auszusortieren, weil er nicht Golf spielt. Aber für die akademische Golferin wird es schwer sein, sich einzureden, dass sie mit dem biertrinkenden Oberschrebergärtner glücklich ist.
Grüße aus den Elbvororten !